Raumakustik

Wie der Name Raumakustik verdeutlicht, beschäftigt sich Raumakustik mit der Auswirkung der baulichen Gegebenheiten eines Raumes auf die Akustik. Beim Neubau von Konferenz- und Meeting-Räumen und kleineren Veranstaltungs- oder Hörsälen, spielt die Raumakustik jedoch leider häufig eine untergeordnete Rolle. Meist hat das Design Priorität.

Bei vielen Projekten soll der Raum nur gut aussehen – die Raumakustik spielt dabei keine Rolle. Nach akustischen Kriterien sind das leider oft Negativ-Beispiele. Weil der Raumakustik-Fachplaner einen anderen Blick auf das Objekt hat – als zum Beispiel ein Architekt oder sein Bauakustiker – kommt es nicht selten zum Streit, weil beide jeweils andere Prioritäten setzen.

Dann geht es darum, Kompromisse zu finden. „Zwar haben die meisten Planungs-Teams einen Bau-Akustiker. Aber wie realitätsnahe untersucht der den Raum? Der nimmt meist eine Schallquelle mit Kugelcharakteristik, stellt die in der Mitte des Raumes auf und misst dann die Nachhallzeit. Die Lautsprecher sind aber später an einer anderen Position montiert, und das heißt: durch ihre Abstrahlcharakteristik wird der Schall an anderer Stelle reflektiert. Das ist nur mal ein Beispiel für unterschiedliche Vorgehensweisen und Betrachtungsweisen von Bauakustik und Elektroakustik“, erklärt uns Akustik-Fachplaner Norbert Hönig im Interview.

Raumakustik in der Gastronomie

Gastronomie-Betriebe sind traditionell ein Stiefkind der Raumakustik, somit akustischer Gestaltung. Auch unter den besseren Erlebnisrestaurants findet man nach wie vor Beispiele, die man nur als katastrophal bezeichnen kann. Da sitzen zum Beispiel 20 Gäste im Raum, und kaum merklich wird es immer lauter. Hintergrundmusik leistet ihren Beitrag zu diese Eskalation, und irgendwann ist ein (Tisch-)Gespräch nur noch möglich, wenn man sich anschreit.

Hönig: „Positive Beispiele von Raumplanung entstehen nur dann, wenn alle Planer gewillt sind, gute Ergebnisse in allen Bereichen zu erzielen. Umso weniger Kompromisse man macht, je größer der gemeinsame Nenner ist, umso besser ,funktioniert‘ später der Raum. Das betrifft im Übrigen auch ganz andere Funktionalitäten, wie zum Beispiel die Zugänglichkeit des Objekts oder die Reinigung.“

Raumakustik in Hotelketten

Große Hotelketten haben dieses Problem inzwischen erkannt, denn in Hotels finden auch Meetings, Konferenzen und Veranstaltungen statt. Auch die Frühstücksräume und Restaurants sind Orte der Kommunikation. Um bestimmte Raumakustik-Standards einzuhalten verfügen mittlerweile einige Hotelketten über genaue Anweisungen zu allen Baumaterialien für den Innenbereich und für die akustisch relevanten Raum-Ausstattungen. Festgelegt wird darin auch, wie die Planung zu erfolgen hat.

Hönig: „Inzwischen schreiben führende Häuser wie Hyatt oder Marriott ihren Architekten vor, einen Akustik(AV)-Fachplaner in die Planung einzubeziehen. Sie haben unter anderem begriffen, dass Medientechnik heute nicht mehr nur ein Flipchart plus Overheadprojektor ist, sondern dass da deutlich mehr drinsteckt.“

Stefan Mathias, Planer bei hmpartner.de, sieht in den letzten Jahren positive Entwicklungen, Raumakustik schon in der Bauphase gezielt zu beeinflussen. „Wir haben mittlerweile eine Auswahl von Putzen mit unterschiedlichen Wirkungen. Auch die Deckenkonstruktionen können differenzierter sein, es gibt Formen, Strukturen und Profile mit einem definierten Absorptionsverhalten. Zusätzlich kann man die Profile mit Matten unterfüttern, die die Absorption in den unteren Frequenzbändern noch mal steigern.“

 

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