Collaboration Tool von Comm-Tec

DaisyNET II im Praxistest

Mit dem DaisyNET II bietet Comm-Tec ein HDBaseT-fähiges Signalmanagement-System für den Konferenzraum, das hochauflösende AV-Signale samt Steuerungsinformationen über Cat-Kabel bis zu 100 Meter weit verlustfrei übertragen kann – und sich auch kaskadieren lässt.

DaisyNET II
Comm-Tec

Kaum eine Besprechung oder Schulung kommt ohne digitale Medien aus: Videos, Animationen, Grafiken, Text- oder Bilddokumente, präsentiert auf Flachbildschirmen oder per Beamer, sind einfach State-of-the-Art. Dabei müssen oft unterschiedliche Signalarten gemanaged werden. In den meisten Fällen ist jedoch kein Techniker zugegen, der während der Sitzung die Zuspielungen der einzelnen Teilnehmer zum passenden Zeitpunkt korrekt aufschaltet.

Dies müssen die Teilnehmer selbst tun – ohne lange darüber nachdenken zu müssen, wie das funktioniert. Ein Klick muss reichen. Geräte und Systeme, die dies ermöglichen, gibt es inzwischen reichlich am Markt. Viele dieser Präsentationstools arbeiten drahtlos über Funksignale. Nur: Dies kann je nach Anwendung und Ort unerwünscht oder unzulässig sein, z. B. in Banken oder Versicherungen.

Zudem kann der Einsatz von Geräten, die den USB-Anschluss eines PCs für die Übertragung verwenden, problematisch sein, da diese Kommunikationsschnittstellen in größeren Unternehmen seitens der IT-Verantwortlichen oft gesperrt sind. Dort und in allen übrigen Einrichtungen, wo Diskretion und Abhörsicherheit extrem hoch angesiedelt sind, sind verkabelte Systeme angebracht.

Ein solches System ist das DaisyNET II von Comm-Tec. Der kaskadierbare 4K-fähige Multiformat-Extender verspricht dank HDBaseT-Übertragung eine verlust- und latenzfreie Übertragung von unkomprimierten AV-Signalen, Ethernet-Daten und Steuerungsinformationen über Cat-Kabel bis zu 100 Metern. Da Verkabelung, Konfiguration und Bedienung zudem sehr einfach erfolgen sollen, haben wir in unserem Verlag ein kleines System mit DaisyNET-Komponenten aufgebaut und die Handhabung getestet.

Einfach durchschleifen

Ein DaisyNET II ist einfach aufgebaut – es gibt nur einen kompakten Transceiver, der als Sender und Empfänger gleichermaßen fungiert und das Quellsignal unverändert zur nächsten DaisyNET-Einheit oder direkt zur Senke (Wiedergabegerät) weiterleitet. Das reicht wohl in der Regel für die meisten Anwendungen aus.

Über den Transceiver (TRX) werden die Signalquellen wie Laptops, Blu-ray Player o. ä. angeschlossen. Drei Eingänge auf der Vorderseite erlauben dabei den Anschluss von Geräten mit HDMI, DisplayPort und VGA. Sollen über Letzteren Videos wiedergegeben werden, so gibt es noch einen separaten Audioeingang für den zugehörigen Ton. Das Signal der angewählten Quelle wird über den HDMI-Ausgang auf der Rückseite ausgegeben.

Einfache Anwendung im Meetingraum: Die DaisyNET-Einheiten können per Durchschleifen des Cat-Kabels aneinandergereiht werden.
Einfache Anwendung im Meetingraum: Die DaisyNET-Einheiten können per Durchschleifen des Cat-Kabels aneinandergereiht werden.

Für eine separate Auskopplung eines analogen Audiosignals gibt es eine Mini-Klinke. Gleichzeitig steht das Quellsignal auch am HDBaseT-Ausgang zur Verfügung, z. B. für den direkten Anschluss an ein HDBaseT-fähiges Endgerät. Wie der Name „Gänseblümchen-Netz“ schon vermuten lässt, erlaubt DaisyNET II per Durchschleifen des Cat-Kabels das Aneinanderreihen (Daisychain) von bis zu 32 TRX-Einheiten. Dazu dient der ebenfalls auf der Rückseite vorhandene HDBaseT-Eingang, der das Signal von dem vorhergehenden TRX in der Kette annimmt.

Bei einer Anwendung im Konferenzraum beispielsweise hat jeder Teilnehmer einen TRX für seine Quelle(n). Die TRX werden untereinander jeweils mit einem Cat-Kabel verbunden. Will ein Teilnehmer seine Inhalte präsentieren, drückt er dazu einen Knopf und das zugehörige Signal wird auf der Senke ausgegeben. War vor dem Umschalten ein anderer TRX aktiv, wird dieser deaktiviert, da immer nur ein Teilnehmer zum jeweiligen Zeitpunkt senden kann.

Verknüpfung der DaisyNET-Einheiten im Testaufbau (bei einer realen Installation sollten die Einheiten allerdings mit genügend Platz für Abluft eingebaut werden).
Dieter Stork
Verknüpfung der DaisyNET-Einheiten im Testaufbau (bei einer realen Installation sollten die Einheiten allerdings mit genügend Platz für Abluft eingebaut werden).

Darüber hinaus kann der Anwender über den integrierten Netzwerkanschluss des DaisyNET II ein netzwerkfähiges Gerät, z. B. ein Laptop, an den TRX anschließen. Dieser oder irgendein anderer TRX in der Kette wird wiederum mit dem lokalen Netzwerk verbunden. Somit erhält jeder Anwender Zugang zum Intra- bzw. Internet.

Das Signal einer aktiven Quelle lässt sich auch auf mehreren Wiedergabegeräten gleichzeitig darstellen, indem man die entsprechende Anzahl der TRX für die Bildausgabe in der Kette aneinanderhängt. Bei Bedarf kann man das DaisyNET II sogar in einer Ring-Topologie betreiben, so dass die angeschlossenen TRX das aktive Signal einer beliebigen Quelle im Ring gleichzeitig über ihren lokalen HDMI-Ausgang ausgeben können. Diese Funktion ist z. B. in Unterrichtsapplikationen nützlich.

Die Wahl der aktiven Quelle an einem TRX kann auf mehreren Wegen erfolgen. Der Teilnehmer kann den frontseitigen „ShowMe“-Taster direkt an der entsprechenden TRX-Einheit betätigen, damit seine Quelle auf der Senke ausgegeben wird. Man kann auch für jeden der drei Eingänge einen eigenen externen Taster verwenden, wenn man sie z. B. direkt anwählen möchte. Der aktuell gewählte Eingang wird über LEDs am TRX angezeigt, die man ebenfalls extern herausführen kann.

Auf der Gerätefront befindet sich zudem noch eine „LocateME“-LED, die sich über das Webinterface aktivieren lässt, um einen bestimmten TRX in komplexeren Systemkonfigurationen schneller zu identifizieren.

Anschließen, Einstellen und Starten

Für den „Hands-on“-Test haben wir folgende Konfiguration mit drei TRX-Einheiten gewählt: Als Quellen haben wir einen Mac-Rechner für Video und ein Windows-Laptop (beliebige Inhalte) jeweils über den HDMI-Eingang des zugehörigen TRX angeschlossen.

Am HDMI-Ausgang des dritten TRX hing ein PC-Monitor als Ausgabegerät. Die TRX-Einheiten haben wir mit Cat.6a-Kabeln (siehe Kasten) über die rückwärtigen „HDBT out“ bzw. „HDBT in“ Ethernet-Anschlüsse verbunden. Möchte man die Geräte in einer Ring-Topologie zusammenschließen, um das Ausgangssignal auf jeder Quelle zu sehen, verbindet man einfach den rückwärtigen „HDBT out“ der letzten TRX-Einheit mit dem „HDBT in“ des ersten TRX-Gerätes. Jedes TRX wird über ein mitgeliefertes Netzteil mit Spannung versorgt.

Konfigurationsmenü der Web GUI mit den IPAdressen und der Anzahl der verwendeten TRX-Einheiten.
Frank Lövenich
Konfigurationsmenü der Web GUI mit den IPAdressen und der Anzahl der verwendeten TRX-Einheiten.

Das relativiert den Vorteil der kompakten Bauweise des TRX ein wenig, da bei der Installation auch der Platz für das jeweilige Netzteil zu berücksichtigen ist. Außerdem sollte – vor allem beim Einbau in Medienmöbel – dafür gesorgt werden, dass die TRX-Einheiten genügend Abluftmöglichkeiten haben: Die Geräte werden während des Betriebs recht warm.

Konfiguriert haben wir die TRX-Einheiten mit einem separaten Rechner (am Eingang „Ethernet“) über eine per Webbrowser erreichbare Konfigurationsoberfläche. Für den Zugang zur Web-GUI wird eine werkseitig vorgegebene IP-Adresse eingegeben. Für den späteren Betrieb muss jeder angeschlossenen DaisyNET-Einheit eine separate IP-Adresse zugewiesen werden. Außerdem muss die Anzahl der verwendeten TRX-Einheiten eingegeben werden.

AV-Medientechniker mit IT-Grundkenntnissen können die erforderlichen Einstellungen in der Web GUI „händisch“ vornehmen. Bequemer ist es, den „Show me“-Knopf an der ersten TRX-Einheit zehn Sekunden lang zu drücken, um die gesamte TRX-Kette in einem zu konfigurieren. Ist das System konfiguriert, betätigt man zum Anwählen der Quellen an einem TRX nur die Show-me-Taste – ob direkt an der TRX-Einheit oder in einem abgesetzten Bediengerät (alternativ auch per Mediensteuerung).

Als Signalquellen sind ein Mac-Rechner und ein Windows-Laptop (aktive Quelle) jeweils über den HDMI-Eingang des zugehörigen TRX angeschlossen. Am HDMI-Ausgang des dritten TRX hängt ein PC-Monitor als Ausgabegerät.
Dieter Stork
Als Signalquellen sind ein Mac-Rechner und ein Windows-Laptop (aktive Quelle) jeweils über den HDMI-Eingang des zugehörigen TRX angeschlossen. Am HDMI-Ausgang des dritten TRX hängt ein PC-Monitor als Ausgabegerät.

Das Signal der gewählten Quelle erscheint dann direkt auf dem Ausgabegerät. Alle grundlegenden Handgriffe sind im deutschsprachigen „Quick Start Guide“ beschrieben, der jedem TRX beiliegen sollte. Will man es ausführlicher, so kann man eine 37-seitige englischsprachige Bedienanleitung von der Website www.daisynet.de kostenfrei herunterladen. Diese enthält neben Infos zur Web GUI auch solche über EDID-Management bei HDMI-Quellen, Gruppierungs- und Steuermöglichkeiten etc. Zur Fernsteuerung der Geräte via Mediensteuerung steht auf der Website auch ein API Command Set zum kostenlosen Download bereit. Ein offizieller Extron-Treiber steht zur Verfügung, weitere befinden sich in der Entwicklung.

Fazit

DaisyNET II ist ein einfach zu verkabelndes und zu konfigurierendes Gerät mit unkomplizierter Bedienung. Es lässt sich nicht nur für die Präsentation verschiedener Quellen in Besprechungen einsetzen, sondern ebenfalls in Unterrichtssituationen: In Ringtopologie verschaltet kann jeder Teilnehmer auch die Präsentation des jeweils Vortragenden auf seinem Device mitverfolgen, wenn dieses am HDMI-Ausgang des zugehörigen TRX angeschlossen ist.

Beachtet man bei der Installation ein qualitativ gutes Verbindungskabel ab Cat.6 aufwärts und plant beim Einbau der Geräte genügend Platz für Abluft ein, ist es eine Alternative für Collaboration-Anwendungen, in denen funkbasierte Präsentationsgeräte aus Sicherheits- oder anderen Gründen nicht in Frage kommen.


 

Cat-Kabel für HDBbaset-Übertragungen

Bei DaisyNET II handelt es sich um ein HDBaseT-Produkt, welches die gleichen Anforderungen an die Infrastruktur stellt wie 10GBit-Ethernet. Generell empfiehlt es sich bei solchen Geräten, alle Komponenten (Kabel, Stecker, Stoßstellen, etc.) der Kategorien Cat 6A oder besser einzusetzen (UTP oder FTP, je nach Anforderung), um einen störungsfreien Betrieb zu gewährleisten.

 

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