Fraunhofer-3D-Sound zieht in Serienfahrzeuge von Mercedes-Benz ein
von Redaktion,
Die am Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie IDMT in Ilmenau entwickelte 3D-Audiotechnologie SpatialSound Wave kommt künftig serienmäßig in Fahrzeugen von Mercedes-Benz zum Einsatz. Sie wird in die neueste Generation des Infotainmentsystems Mercedes-Benz User Experience (MBUX) integriert.
Damit hält ein immersives räumliches Klangbild Einzug in den Fahrzeuginnenraum: Musik, Stimmen und andere Audioinhalte werden nicht mehr nur aus den Lautsprechern wahrgenommen, sondern entfalten sich als dreidimensionales Klangerlebnis im gesamten Fahrzeug. Selbst herkömmliche Stereo-Inhalte lassen sich dadurch räumlich erleben.
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Mit einem intuitiv bedienbaren Interface kann die Akustik des Fahrzeuginnenraums in den Mercedes-Benz-Fahrzeugen individuell angepasst werden – von dezent räumlich bis hin zur Akustik eines großen Konzertsaals. (Bild: Benjamin Weber)
(Bild: Benjamin Weber)
Mercedes-Benz setzt die Technologie zunächst in Fahrzeugen mit der vierten Generation des MBUX-Systems ein. Den Anfang machen die Modelle CLA, GLC, GLB und S-Klasse, weitere Modellreihen sollen folgen. Vorgestellt wurde die Integration der Technologie am 27. Februar 2026 bei einem Premierenevent in Erfurt. Zu den Gästen gehörten unter anderem Thüringens Minister für Bildung, Wissenschaft und Kultur Christian Tischner, der Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft Professor Holger Hanselka sowie Entwicklungsverantwortliche von Mercedes-Benz und dem Audiospezialisten Burmester.
Räumlicher Klang unabhängig vom Soundsystem
Das neue 3D-Klangerlebnis steht sowohl in Fahrzeugen mit Premium- oder High-End-Soundsystemen von Burmester als auch in Modellen mit dem serienmäßigen Mercedes-Benz Audiosystem zur Verfügung, sofern sie mit der vierten MBUX-Generation ausgestattet sind. Der von Fraunhofer entwickelte Algorithmus kann in bestehende Fahrzeug- und Lautsprechersysteme integriert werden und erzeugt dort ein räumliches Klangbild.
Über einen Regler im Infotainmentsystem lässt sich der Effekt individuell einstellen. Dabei erweitert sich der wahrgenommene Klangraum mit zunehmender Intensität. Audioelemente lösen sich akustisch von den Lautsprechern und werden als im Raum positionierte Klangquellen wahrgenommen. Nutzer können so zwischen einer dezenten räumlichen Erweiterung und einem stark ausgeprägten Raumklang wählen.
„Dank unserer Technologie werden Autofahrten im Mercedes-Benz zu einem besonderen Klangerlebnis – vom kleinen Clubkonzert mit dezenter Raumakustik bis hin zum epischen Konzert mit breiter Bühne und Tiefenwahrnehmung“, erläutert Christoph Sladeczek, Entwicklungsleiter am Fraunhofer IDMT.
Mercedes-Benz sieht in der Kooperation mit dem Institut einen wichtigen Schritt zur weiteren Aufwertung des Fahrerlebnisses. Hochwertige Klangsysteme gewinnen bei der Fahrzeugwahl zunehmend an Bedeutung. Ziel sei es, im Innenraum emotionale Erlebnisse zu schaffen – von belebenden bis hin zu entspannenden Klangatmosphären.
Das 3D-Audio Entwicklungsteam des Fraunhofer IDMT (v.l.n.r.): Anja Chilian, Mario Seideneck, Christoph Sladeczek, Wolfgang Lorenz (Bild: Benjamin Weber)
Vom Eventbereich in die Autoindustrie
Die Grundlagen der Technologie reichen bis in die frühen 2000er Jahre zurück. Das Fraunhofer IDMT entwickelte ursprünglich Lösungen zur räumlichen Audiowiedergabe für professionelle Anwendungen, etwa in Musiktheatern, Opernhäusern, Planetarien, auf Open-Air-Bühnen oder in Tonstudios. Mit der wachsenden Bedeutung hochwertiger Audiotechnik im Fahrzeug begann das Institut 2007, seine Forschung gezielt auf den Automotive-Bereich auszuweiten. Ziel war es, räumlichen Klang für die spezifischen Anforderungen der Automobilindustrie weiterzuentwickeln.
Ab 2021 arbeiteten Fraunhofer IDMT, Mercedes-Benz und Burmester gemeinsam daran, den 3D-Soundalgorithmus für den Einsatz in Serienfahrzeugen zu optimieren. Dabei mussten unter anderem Anforderungen an Rechenleistung, Bauraum und Integrationskosten berücksichtigt werden. Der Algorithmus wurde so angepasst, dass er auf vorhandenen Prozessoren effizient arbeiten kann, obwohl im Fahrzeug zahlreiche weitere Funktionen parallel laufen.
Ein wichtiger Meilenstein wurde 2025 erreicht, als der Algorithmus erstmals erfolgreich in den Soundsystemen des vollelektrischen Mercedes-Benz CLA eingesetzt wurde.
Neue Bezeichnung: „Audiofields“
Beim Premierenevent in Erfurt kündigte das Fraunhofer IDMT zudem eine Umbenennung seiner 3D-Audiotechnologie an. Künftig wird sie unter dem Namen „Audiofields“ vermarktet.
Die objektbasierte Wiedergabetechnologie soll die Interaktion mit Audiosystemen im Fahrzeug grundlegend verändern. Neben der räumlichen Darstellung von Musik arbeitet das Institut bereits an weiteren Anwendungen. Dazu gehören etwa die präzise Platzierung von Signal- und Bedienklängen im Innenraum, räumlich gestaltetes Sounddesign für ein stärker personalisiertes Fahrerlebnis sowie die richtungsgenaue akustische Darstellung von Gefahrenhinweisen.