Grundlagen HDMI 2.1

Welche Bedeutung hat HDMI 2.1 für den ProAV-Markt?

2017 wurde der HDMI-Standard 2.1 bekannt gegeben. Inzwischen sind erste Produkte auf dem Markt erhältlich. Verschiedene Displays und andere Endgeräte verfügen bereits über diese Schnittstelle.

Auflösung der verschiedenen HDMI-Versionen(Bild: HDMI.org)

Inhalt dieses Grundlagen-Artikels:

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HDMI steht für High Definition Multimedia Interface und wurde im Jahr 2002 für das Home Entertainment etabliert. An der Entwicklung waren unter anderem die Firmen Hitachi, Panasonic, Philips, Sony, Thomson und Toshiba beteiligt. Neben dem Ziel, ein kleineres Steckersystem für die Bildsignalübermittlung zu etablieren, wurden auch die Audioübertragung und HDCP als Kopierschutz mit einbezogen.

Seit der Version HDMI 2.0 wird die Übertragung von 4K mit 50/60 Hz unterstützt. Frühere Standards wie HDMI 1.3 definierten z. B. „Deep Color“ (30-Bit- Farbtiefe) oder ermöglichten mit der Version 1.4 erstmalig die Übertragung von 4K-Auflösungen. Die jüngste Version, HDMI 2.1, wurde am 4. Januar 2017 auf der CES in Las Vegas vorgestellt. Dazu wurde der neue HDMI-Standard am 28. November 2017 durch das HDMI-Forum veröffentlicht.

Diesem Zusammenschluss gehören inzwischen fast einhundert Firmen und Organisationen an. Das HDMI-Forum ermöglicht die Implementierung und Verwendung der HDMI-Schnittstelle in einem Lizenzierungsverfahren für sogenannte „HMDI-Adopter“.

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Was ist neu bei HDMI 2.1?

Aktuell durchdringen die Versionen HDMI 2.0, 2.0a und 2.0b den Markt und beeinflussen damit den ProAV-Bereich sehr stark. Für das Signalmanagement und die Signalverteilung stehen umfangreiche Produktsortimente zur Verfügung.

Mit dem neuesten Update der HDMI-Spezifikationen in der Version 2.1 erschließt das HDMI-Forum Herstellern und Anwendern im Wesentlichen die Übertragung von 8K/10K-Auflösungen und schnelle Bildwiederholraten. Das Spektrum der unterstützten Auflösungen/Bildwiederholraten reicht von 4K @ 50/60 Hz über 8K @ 100/120 Hz hinaus. Maximal unterstützt werden 10K @ 100/120 Hz. Bei der 3D-Darstellung unterstützt HDMI 2.1 eine 4K-Auflösung mit 50/60 Hz.

Unterstützte Bildformate in HDMI 2.1.
Unterstützte Bildformate in HDMI 2.1. (Bild: HDMI.org)

Parallel bietet „Dynamic HDR“ einen höheren Kontrastumfang innerhalb eines erweiterten Farbraums individuell für jede Szene, jedes Frame, in einem Video. HDR-optimierte Inhalte stehen z. B. für Filme, PC-Spiele und VR-Anwendungen zur Verfügung.

Für 8K mit 7.680 × 4.320 Pixel bzw. 10K mit 10.240 × 4.320 Pixel ist die Übertragung mittels „Ultra High Speed HDMI Cable“ vorgesehen. Nur mit diesem streng spezifizierten Kabel kann die Unterstützung aller HDMI 2.1-Funktionen gewährleistet werden. Die Datenrate des HDMI-Kabels beträgt dabei bis zu 48 Gbps.

Zum Vergleich: das „Premium High Speed HDMI Cable“ oder das „Premium High Speed HDMI Cables with Ethernet“ bietet maximal 18 Gbps, wobei die Signalübertragung mit dem TMDS-Verfahren (Transition-Minimized Differential Signaling) erfolgt.

Unter TMDS kann jeder der drei Datenkanäle eine Datenrate von maximal 6 Gbps liefern. In der Summe sind das 18 Gbps. Ab HDMI-Version 2.1 erfolgt die Signalübertragung via FRL (Fixed Rate Link) wegen der benötigten höheren Datenrate.

Dabei ist der HDMI-Stecker weiterhin rückwärtskompatibel zu früheren HMDI-Versionen. Das ist möglich, weil der TMDS „Clock Channel“ im FRL-Signal für einen vierten Datenkanal verwendet werden kann. Jeder Datenkanal wird außerdem mit verdoppelter Signalrate verwendet. Die vier Datenkanäle können mit einer Datenrate von jeweils maximal 12 Gbps belegt und so in der Summe 48 Gbps übertragen werden.

Diagramm Bandbreiten
Eine Übersicht der Bandbreiten der einzelnen HDMI-Standards (Bild: HDMI.org)

Mit dem neuen HDMI 2.1-Standard wird mit eARC (Enhanced Audio Return Channel) die Konnektivität vereinfacht. Z. B. ermöglicht eARC eine einfache Kabelanbindung einer Soundbar unter Verwendung eines AV-Receivers, TV-Empfängers oder Streamingdienstes. eARC unterstützt Audioformate mit Bitraten bis zu 192 kHz, 24 Bit und unkomprimierten Surround Sound 5.1/7.1 sowie 32-Kanal-Audio und auch DTS-HD Master Audio, DTS: X, Dolby TrueHD und Dolby Atmos.

Eine Reihe verbesserter Aktualisierungsratenfunktionen sorgt für ein zusätzliche Optimierungen bei Bewegungssequenzen und Übergängen bei Spielen, Filmen und Videos. VRR (Variable Refresh Rate), also eine variable Bildaktualisierungsrate, reduziert oder eliminiert Verzögerungen, Stottern und Bildrisse bei Computerspielen.

QMS (Quick Media Switching) beseitigt Schwarzlücken beim Wechsel von Quellen unterschiedlicher Bildwiederholraten. Hierbei kommt ebenfalls der VRR-Mechanismus bei der Änderung der Bildrate zum Einsatz.

QFT (Quick Frame Transport) reduziert die Bildanzeigelatenz beispielsweise bei der Interaktion in einem PC-Spiel und verbessert somit die Reaktionsfähigkeit.

ALLM (Auto Low Latency Mode) stellt die ideale Latenzzeit beispielsweise für angeschlossene Spielekonsolen oder PC-Spiele automatisch ein. Der User muss dies nicht mehr manuell über Menüfunktionen suchen und einstellen. Auch die Rücksetzung erfolgt über ALLM automatisch.

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Wo steht HDMI 2.1 aktuell?

Der Standard wurde durch das HDMI-Forum vor rund zwei Jahren im Spätherbst 2017 veröffentlicht. Aktuell ist auf der Homepage des Forums www.hdmi.org als Informationsstand notiert: „Das Zertifizierungsprogramm wird im ersten Quartal 2020 vollständig eingerichtet, und es wird erwartet, dass Kabel im ersten Halbjahr 2020 zum Kauf angeboten werden.“

Für die Zertifizierung sind online 17 „Authorized Test Centers“ (ATC) angegeben. Davon ist eines in Europa in Frankreich angesiedelt. Hersteller müssen ihre Produkte in ATCs prüfen lassen, um die lizenzierte Bezeichnung „Ultra High Speed HDMI Cable“ mit Abbildung des Logos verwenden zu dürfen.

Auch die Nutzung des Produkt-Labels ist genau vorgegeben: Ein Sicherheitshologramm soll vor Fälschungen schützen, ein QR-Code mit zusätzlicher Buchstabenkennung Produktrückverfolgung und Überprüfung von Markennamen und Modellnummer sicherstellen.

Selbstverständlich sind bereits HDMI-2.1-Kabel, überwiegend in Längen zwischen einem und zwei Metern, käuflich zu erwerben. Diesen Produkten fehlt dabei die beschriebene Zertifizierung mit einhergehender Etikettierung auf dem Kabel. Auf Verpackungen findet sich beispielsweise die Bezeichnung „Ultra High Speed HDMI 10K 120 Hz“.

HDMI-Kabel mit Verpackung
Aktuell sind bereits viele verschiedene HDMI-Kabel auf dem Markt. Die vom HDMI-Forum
vorgesehene Lizenzierung mit vorgegebener Kennzeichnung ist noch nicht im Einsatz. Folglich gibt es noch keine zertifizierten Produkte mit Label auf dem Kabel.
(Bild: Dominik Roennecke)

Sicherlich findet der neue Standard bereits Verwendung bei interessierten Privatpersonen und Early Adoptern, die sich jetzt bereits zukunftssicher aufstellen möchten. Spielekonsolen nutzen bereits Funktionen oder sind damit angekündigt. Auch sind Displays mit HDMI-2.1-Schnittstelle auf dem Markt erhältlich.

Allerdings betrifft das eher Geräte der mittleren und oberen Preisklasse. Im ProAV-Markt ist der HDMI-Standard bis auf Spezialanwendungen noch nicht angekommen. Viele Hersteller gehen davon aus, dass es für eine steigende Nachfrage noch Zeit braucht.

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Die Marktverbreitung von HDMI 2.1

Der Anteil an Displays mit HDMI-2.1-Schnittstelle wird sich im Consumer- und ProAV-Markt ständig erhöhen. Im Consumer-Bereich werden wachsende Absatzzahlen zu günstigen Geräten führen und die Schnittstelle in die Breite tragen. Zunehmende TV- und Filmangebote sind bereits abzusehen, z. B. die angekündigte 8K-Übertragung der Olympiade in Tokio oder, in Ermangelung von nativen 8K-Filmen, auch „Up Scaling“- Filminhalte.

Bei Spielekonsolen und PC-Spielen erhoffen sich die User verbesserte Darstellungsqualitäten latenz- und ruckelfrei unter Einsatz von HDMI 2.1. Das HDMI-Kabel ist ursprünglich eine Consumer-Schnittstelle zur Bild- und Tonübertragung. Doch ist sie auch in der AV-Systemintegration umfangreich im Einsatz, aber eher in den Versionen bis zu 2.0.

Verschiedene Dynamikumfänge von HDMI
Vergleich der verschiedenen Dynamik-Umfänge zwischen SDR, Static HDR und Dynamic HDR. (Bild: HDMI.org)

Dazu Artur Erdmann, Teamleitung Support bei der Firma Kindermann: „HDMI 2.1 wird im Pro-AV-Markt nicht sehr schnell Einzug halten, wird doch gerade erst von der Quelle bis zur Senke der 4K-Standard etabliert.“

Die Firma Neutrik sieht ebenfalls noch keinen ausreichenden Bedarf: „Wir überwachen regelmäßig den Markt, und sobald eine wesentliche Nachfrage für HDMI 2.1-Lösungen entsteht, werden wir entsprechende Produkte in unser Standard-Portfolio einführen.“ Neutrik betont aber gleichzeitig, dass „auf Anfrage schon jetzt spezielle HDMI-2.1-Lösungen angeboten werden können.“

Ähnlich wird das bei der Firma Lindy, renommierter Anbieter von AV-Connectivity, in Bezug auf erste Produkte gesehen. „Nein, das ist definitiv noch zu früh. Zunächst müssen Quellgeräte und Displays vorangehen und in nennenswerten Produkt- und Stückzahlen auf den Markt kommen. Die Zielgruppen kommen ganz klar zunächst aus dem Präsentations- und Informations-Sektor, also Video-Wall-Betreiber, Event-Gastronomie, die Out-of-Home-Werbebranche, Veranstalter etc. Und mittelfristig kommen sie vermutlich auch aus dem Home-Theatre-Bereich. Aber dies passiert erst, wenn die Stückzahlen steigen und die Preise fallen“, so die Einschätzung von Axel Kerber, Technischer Redakteur, Global Brand & Marketing bei Lindy.

Die Firma Extron hat HDMI 2.1 mit 8K-Auflösung „schon lange auf dem Radar“, so Rainer Stiehl, Vice President of Marketing Europe von Extron. „Unsere XTP II Cross Point ist bereits seit eineinhalb Jahren mit 4K/60 Hz-Boards auf dem Markt und verfügt über eine zukunftsfähige 50 Gbps Backplane. Sowie der HDMI-2.1- Standard ausgereift ist, werden wir entsprechende Produkte und Module einführen.“

Anschlüsse bei Extron-Produkten
Extron hat HDMI 2.1 seit etwa eineinhalb Jahren im Blick. Die Backplane von XTP II Cross Point arbeitet mit 50 Gbps. Sowie der HDMI-2.1- Standard ausgereift ist, sollen entsprechende Produkte und Module eingeführt werden. (Bild: Extron)

Kurze HDMI-2.1-Kabellängen, die sich durch die hochsensiblen Signalleitungen ergeben, erscheinen hinderlich. So beschreibt Robin Cullen, Technical Director von PureLink, die Längenproblematik: „Je mehr Bandbreite das Signal besitzt, desto kürzer ist die Kabellänge, über die es übertragen werden kann. Dieser sogenannte Klippeneffekt greift bei 8K natürlich noch einmal früher, also bei geringeren Kabellängen.“ Verfügbare passive Kabel haben Längen von zwei bis drei Meter, das ist für viele Anwendungen, die über Schreibtischmaße hinausgehen, zu wenig.

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HDMI 2.1 jenseits des Schreibtisches

Das sieht auch Peter Rieck von Sommer cable so: „HDMI ist eine Anbindung aus der Unterhaltungselektronik für Konsumenten. Heimanwender haben zwar auch das Problem der Kabellängen, im professionellen Umfeld steht der Wandel auf Streaming-Lösungen an. Das geht natürlich nicht ohne verlustbehaftete Komprimierung bei der Übertragung.“

Rainer Stiehl von Extron sieht hierzu folgende Lösungen: „Die hohen Datenraten, die für den Transport von HDMI-2.1-Videos erforderlich sind, machen Signal-Extender wichtiger denn je. Dies können aktive Kabel, Twisted Pair Extender, optische Extender oder AV-over-IP-Extender sein. HDMI-Signale ohne Komprimierung können für den Transport über optisches oder Twisted-Pair-Kabel neu formatiert werden. Wenn eine verlustbehaftete Komprimierung angewendet wird, kann HDMI 2.1 auf Kosten der Bildqualität über sehr große Entfernungen transportiert werden.“

Diagramm Rückwärtskompatibilität HDMI 2.1
Trotz des Wechsels der Signalübertragung von TMDS mit 18 Gbps auf FRL mit 48 Gbps ist HDMI 2.1 rückwärtskompatibel und arbeitet im FRL-Modus mit vier 12G-Lanes. (Bild: Marc Honeck)

Für Axel Kerber von Lindy sehen die Konzepte für längere Distanzen wie folgt aus: „Bisherige Distanz-Erweiterungs-Technologien basieren im unteren Längenbereich entweder auf einfacher Repeater-Technik, sprich auf Signalverstärkern, im mittleren Bereich bis 100 Meter auf Cat.6- oder IP-Technologie oder im oberen Bereich zwischen mehreren hundert Metern bis zu mehreren Kilometern auf LWL-Technik. Für die massive Bandbreitenerhöhung von HDMI 2.1 gegenüber HDMI 2.0 mit der ca. 2,6-fachen Bandbreite, speziell ab den mittleren Längen, wird LWL das Rennen machen. Für größere Distanzen führt hierbei vermutlich kein Weg an mehrfaserigen LWL-Kabeln (MPO) mehr vorbei.“

Auch bei Sommer cable gibt es eine klare Längenstrategie für HDMI-2.1-Kabelprodukte: „Unser Plan sind passiv ausgelegte Kabellängen bis 3 Meter. Bei den Längen zwischen 3 und 7,5 Metern sollen die Kabel mit einem aktiven Chip arbeiten, und Längen ab 10 Meter sollen mittels Glasfaserhybrid-Lösungen realisiert werden.“

Robin Cullen erklärt die Produktstrategie von PureLink: „Durch die Verwendung außergewöhnlich hochwertiger Materialien und Kabelproduktions-Techniken können wir den sehr kurzen Kabelwegen entgegenwirken. Zunächst bieten wir Ultra High Speed Kabel in Längen von 0,5 bis 5,0 m an. Weitere Längen und Ausführungen, z. B. für Installationen wie auch aktive HDMI-2.1-Produkte, werden zu einem Zeitpunkt folgen, an dem die Technologie ausgereift ist. Die AOC-Technologie (Active Optical Cable) für 8K-Auflösungen wird von uns bereits getestet und ist Teil unserer Produktstrategie für das aktuelle Jahr.“

HDMI-2.1-Kabel von PureLink
Die „PureInstall HDMI-Kabeltypen“, das PI 1010 wird das erste HDMI-2.1-Kabel von PureLink werden. (Bild: PureLink)

Im anlaufenden Zertifizierungsprozess ist PureLink bereits sehr aktiv: „In hausinternen Tests haben wir fest gestellt, dass auch unsere bewährte PI1000-Kabelserie bei geringerer Länge aufgrund ihrer hochwertigen Konstruktion 8K-Auflösungen problemlos übertragen kann.“ Somit verwundert es nicht, dass PureLink bereits ein Produkt ankündigt: „Unsere neue PureInstall PI1010- Serie wird eines der ersten als Ultra High Speed zertifizierten Kabelsortimente im Markt und somit nachweislich in allen Kabellängen vollständig mit den Spezifikationen von HDMI 2.1 kompatibel sein.“

Das Kabel soll über eine Dreifachschirmung, 24 Karat vergoldete Präzisionsstecker sowie hochreine und verzinnte Kupferleiter verfügen. Mittels HEAC Ethernet-Kanal werden IP-basierte Unterhaltungsgeräte wie Fernseher oder Spielekonsolen in das Heimnetzwerk für Internet-Nutzung bzw. IP-basierte Dienste ohne zusätzliche Verkabelung eingebunden Die Ultra High Speed Spezifikation ist laut PureLink grundsätzlich sehr wichtig, da die „reale 8K-Fähigkeit in der Anwendung derzeit nicht überprüfbar ist“.

Laut Peter Rieck von Sommer cable wird nicht jeder Hersteller HDMI-Kabel und HDMI-Stecker problemlos verarbeiten können, da der neue Leitungsaufbau inklusive der aufwendigeren Schirmung sehr komplex sei. Das HDMI-System mit seinem nicht verriegelbaren Stecker ist ebenfalls sehr empfindlich und damit eher problematisch in AV-Installationen. Wie auch beim USB-C-Stecker, der für die Übertragung von Bild-, Ton und Datensignalen verwendet wird, gibt es ausschließlich proprietäre Lösungen für die Verriegelung. E

in Verriegelungssystem kann aber auch problematisch sein, wie Peter Rieck beschreibt: „Durch unwissentliche Fehlbedienung werden z. B. verriegelbare DisplayPort-Einbaubuchsen in Tischtanks häufiger beschädigt. Deshalb verfolgen wir bei unserer neuen Ultrakompakt-HDMI-Serie HIHDSL eine etwas andere Strategie: möglichst geringe Masse bei Stecker und Kabel sowie ein minimales Übermaß im Steckgesicht. Das funktioniert hervorragend und niemand vermisst eine Verriegelung.“

Die Firma Extron verwendet eine eigene Kabelhalterung mit der Bezeichnung „Lockit“ für seine Geräte unmittelbar an den HDMI Ein- und Ausgangsanschlüssen an. Sie werden für den Typ-A-Stecker bei HDMI 2.1 unverändert eingesetzt werden können.

Sichere HDMI-Steckverbindung von Extron
Extron bietet für seine Geräte eine eigene Kabelhalterung mit dem Namen Lockit an. Die Schraubhalterung verbindet den HMDI-Stecker mittels Kabelbinder zur sicheren Steckverbindung. (Bild: Extron)

Hierbei wird das HDMI-Kabel nach dem Einstöpseln mittels Kabelbinder mit der am Gerät verschraubten Halterung fest und sicher verbunden.

Auch Pure-Link hat mit dem „Ultra Lock System“ eine eigene Steckerverriegelung entwickelt, die sogar ohne Schraubverriegelungsmechanismus kein Gewinde am Gerät benötigt und somit universell einsetzbar ist.

Verriegelbare HDMI-Stecker von PureLink
Das „Ultra-Lock-System“ von PureLink bietet einen verriegelbaren HDMI-Stecker. (Bild: PureLink)

Das Verriegelungssystem ist im HDMI-Stecker untergebracht und verriegelt in allen herkömmlichen HDMI-Buchsen. Mit nur einem Handgriff wird die Verriegelung betätigt. Das System wird auch für die HDMI 2.1-Kabel zur Verfügung stehen.

Anwendungsbeispiel der Verriegelung
Für die sichere Verriegelung mittels PureLink Ultra-Lock-System wird der Verriegelungsring nach dem Einstöpseln betätigt. (Bild: PureLink)

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Wie wird sich HDMI 2.1 im ProAV-Markt entwickeln?

HDMI ist ein Standard aus dem Consumer-Bereich, der aber auf das Signal-Management in professionellen AV-Installationen Einfluss hat. Das ist beispielsweise bei der USB-C-Schnittstelle ähnlich. Nutzer bringen ihre eigenen Geräte mit, die eingebunden werden sollen. BYOD, Bring Your Own Device, ist das allgegenwärtige Schlagwort für diese Form der Medienintegration.

Zukünftige Anbindungen via HDMI 2.1 werden in Besprechungsräumen nah positionierte Tisch- oder Wandanschlussfelder erfordern. In AV-Installationen wird HDMI 2.1 aufgrund von 8K-Auflösung, hohen Bildwiederholraten- oder HDR-Spezifikation eingesetzt werden, ähnlich wie HDMI 2.0 aktuell wegen seiner 4K @ 60 Hz-Spezifikation und einfachen Übertragungsmöglichkeit via AOC-Technologie Anwendung findet.

Tabelle von Farbuntertastungen
Tabelle der möglichen Farbuntertastungen der verschiedenen Signalformen im HDMI 2.1-
Standard.
(Bild: HDMI.org)

Rainer Stiehl von Extron hält im professionellen HDMI-2.1- Einsatz die Marktbereiche PoI/PoS, Werbung und Simulation sowie Bildanalyse in medizinischen oder militärischen Anwendungen für interessant. Das Unternehmen Extron ist HDMI-Adopter mit „uneingeschränktem Zugriff auf alle Versionen der Spezifikationen und ist zur Verwendung von HDMI-Marken lizenziert. Extron entwickelt, produziert und vertreibt Produkte unter Verwendung der HDMI-Schnittstelle und ist auf die neueste Version vorbereitet.“

Auch wenn viele Hersteller von Geräten und Kabelsystemen konkrete Entwicklungen planen oder bereits umsetzen, so gehen die meisten davon aus, dass HDMI 2.1 noch geraume Zeit bis zur Durchdringung des ProAV-Markts brauchen wird. Hierbei erwarten die Hersteller einen Zeitraum von bis zu einigen Jahren.

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HDMI versus USB-C?

USB-C ermöglicht mit den Übertragungsgeschwindigkeiten SuperSpeed, Super Speed+ und SuperSpeed 2×2 ab der USB-Spezifikation 3.2 die hochaufgelöste Anbindung von Quellen an Senken. Mit seiner sehr platzsparenden Steckerausführung wird USB-C bevorzugt in Handys, Tablets und Notebooks verbaut. Displays haben immer selbstverständlicher auch einen USB-C-Anschluss.

USB-C stellt darüber hinaus erweiterte Stromversorgungsoptionen von Endgeräten zur Verfügung. „Power Delivery“ (PD) bietet, in fünf Kategorien unterteilt, höhere Ladeleistungen bis zu 100 W. Die tatsächlich verwendeten USB-PD-Profile werden zwischen den miteinander verbundenen Geräten über den Control Channel des USB-Steckers „ausgehandelt“.

Diagramm Funktionen des HDMI-Standards
Übersicht über die unterstützten Funktionen in den einzelnen HDMI-Standards. (Bild: HDMI.org)

Im sogenannten „Alternate Mode“ kann USB-C auch für andere Schnittstellen Einsatz finden. Dazu werden einige Pins bzw. Leitungen der Standardbelegung verwendet, zum Beispiel für DisplayPort, HDMI, MHL, Thunderbolt und PCI Express (PCIe). Gemäß des VESA-Standardisierungsgremiums sind der Parallelbetrieb von USB und Displayport oder PCIe vorgesehen. Somit werden die Funktionen von USB mit Thunderbolt vergleichbar.

Nachdem Intel das Thunderbolt-Protokoll an das USB Implementers Forum übergeben hat, wurde im vergangenen Herbst die finale Spezifikation von USB 4 veröffentlicht. Ähnlich wie bei HDMI 2.1 wird es noch dauern, bis diese Spezifikationen bei Geräten praxistauglich zur Verfügung stehen werden.

USB 4 soll unter der Bezeichnung „Gen 3×2“ die Datentransferrate von 40 Gbps beispielsweise bei Thunderbolt 3 unterstützen. USB 4 lässt aber unter der Bezeichnung Gen 2×2 eine geringere Datentransferrate von nur 20 Gbps zu. Somit ist stets eine genaue Betrachtung der Leistungsfähigkeit nötig. USB-C kann neben Bild- und Audiodaten auch Daten und Steuerinformationen übermitteln. Unter USB 4 sollen Video- und Datenströme je nach Bedarf ressourcenabhängig intelligent zugewiesen werden.

Wie auch HDMI ist USB-C eine Schnittstelle aus der Consumer-Welt. Beide Schnittstellen spezifizieren hohe Datenströme und versprechen vielfältige Übertragungsmöglichkeiten für z. B. Videodaten. Somit bietet sich die Überlegung an, ob einer der beiden Standards den anderen langfristig ablösen könnte oder ob eine dauerhafte Koexistenz zu erwarten ist.

Tabelle Funktionsvergleich der Datenkanäle
Funktions-Vergleich der verschiedenen Datenkanäle für die Audioübertragung per HDMI-Standard. (Bild: HDMI.org)

Für Peter Rieck von Sommer cable ist HDMI eine reine AV-Schnittstelle, während USC eine universelle Schnittstelle z. B. für Computing-Anwendungen darstellt. „Am Ende des Tages werden beide Standards parallel laufen. Die Zielgruppen und Anwendungen sind halt unterschiedlich.“

Ein weiterer Aspekt ist „Highbandwith Digital Content Protection“, kurz HDCP, laut der Firma Neutrik: „Bei HDMI ist der Kopierschutz dieser Consumer-Schnittstelle wichtig, das gibt es bei Thunderbolt/USB-C nicht.“

Für Artur Erdmann von Kindermann „steht USB-C für Displayport und somit in Konkurrenz zu HDMI.“ Und mit Blick auf die Consumer-Notebooks sieht er Vorteile bei HMDI.

Axel Kerber von Lindy vergleicht ebenfalls den aktuellen Stand von Displayport mit HDMI. „Bei USB werden sich die verfügbaren Alternate-Modes auf HDMI ausweiten. Nach meiner Einschätzung werden beide Standards koexistieren. Aber die treibende Kraft für die Weiterentwicklung wird vermutlich weiterhin von HDMI.org ausgehen.“

Robin Cullen von PureLink sieht bei USB-C das Potenzial und die Funktionen: „Das avanciert zum A und O für Daten- und AV-Verbindungen. Derzeit jedoch ist HDMI im AV-Bereich allgegenwärtig, sowohl für Endverbraucher als auch im kommerziellen Umfeld. Es bleibt jedenfalls spannend. Jede Einschätzung wäre lediglich ein Blick in die Glaskugel“.

USB-C findet zwar eine zunehmende Akzeptanz insbesondere bei der Marktnachfrage nach immer dünneren Handys und Laptops, aber „die Datenfähigkeit von USB-C kann auch zu Sicherheitsbedenken führen. HDMI ist eine reine Videoverbindung und wird wahrscheinlich ein fester Bestandteil von Videodisplays und Playern bleiben. Entscheidend wird die optimale Adaptierung sein, also die Brücke zwischen mobilen Geräten mit USB-C und einem AV-System mit HDMI oder Displayport. Das AV-System muss dabei nicht zwingend USB-C basiert sein, solange an den Anschlusspunkten die richtigen Anschlüsse vorhanden sind oder entsprechende Adapterkabel bereitstehen“, so Rainer Stiehl von Extron.

Auf seiner Homepage zeigt das HDMI-Forum jedenfalls den Kabeladapter „HDMI ALT MODE USB TYPE-C“, unter dessen Einsatz „zwei der beliebtesten Konnektivitätslösungen zusammengeführt werden: der vielseitige USB-Typ-C-Anschluss mit kleinem Formfaktor, der von Smartphones, Tablets und PC-Produkten verwendet wird, und der HDMI-Anschluss, der die führende Display-Schnittstelle darstellt, mit einer installierten Basis von Milliarden von Displays.“

>> Wie kombiniert man USB 2.0 mit USB 3.0?

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