KI rennt nicht, sie rauscht an uns vorbei. Neue Modelle, neue Allianzen, neue Durchbrüche – alles im Wochenrhythmus. Wer heute eine Präsentation zum Thema Künstliche Intelligenz vorbereitet, weiß: In zehn Tagen kann die Welt schon wieder anders aussehen. Doch während wir staunen, diskutieren oder abwarten, passiert etwas Grundlegendes: Der Wandel verlagert sich von der Technologie in die Organisationen.
Die Frage lautet nicht mehr, welches Modell gerade Benchmark-Tests gewinnt. Die Frage lautet: Sind unsere Teams in der Lage, mit dieser Geschwindigkeit mitzuhalten? Unser Beitrag zeigt, welche Rolle dabei KI-Agenten zukommt – und warum jetzt der Moment ist, in die eigenen Mitarbeitenden zu investieren. Ein kostenloses Webinar der AI Genie Academy vertieft diese Problematik (www.aigenieacademy.de).
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(Bild: ChatGPT)
KI-Systeme werden immer leistungsfähiger. Aber Menschen lernen nicht exponentiell, sie lernen Schritt für Schritt. Weltweit wird es Zeit brauchen, bis wirklich viele Menschen KI souverän anwenden können. Das ist kein Defizit – das ist Realität. Gerade beim Thema KI-Agenten wird das deutlich. Die Vision klingt beeindruckend: Systeme, die eigenständig planen, Aufgaben koordinieren, Prozesse ausführen. Doch auch der beste Agent kann nur so gut arbeiten wie die Daten, auf die er zugreift.
KI-Agenten – was sie wirklich können
Wenn wir über KI-Agenten sprechen, reden wir nicht mehr über Chatbots, die auf einen Prompt warten. Wir reden über Systeme, die mehrere Schritte eigenständig ausführen können und das ist der entscheidende Unterschied. Ein klassischer KI-Chat reagiert: Frage rein, Antwort raus. Ein KI-Agent dagegen kann planen.
Vereinfacht gesagt arbeitet ein Agent in mehreren Phasen: Er versteht zunächst ein Ziel – etwa die Organisation eines Meetings mit allen relevanten Partnern in der kommenden Woche. Anschließend zerlegt er dieses Ziel in einzelne Schritte, prüft Verfügbarkeiten, identifiziert Kontakte, gleicht Kalender ab, greift auf E-Mail-Programme, CRM-Systeme oder andere Tools zu und führt schließlich konkrete Handlungen aus – beispielsweise indem er Termine vorschlägt oder Einladungen verschickt.
Technologisch basiert das auf sogenannten „Reasoning“-Modellen, die nicht nur Text generieren, sondern Entscheidungswege simulieren und mit externen Werkzeugen verknüpfen können. Das klingt beeindruckend. Und das ist es auch. Aber hier liegt eine zweite Wahrheit.
Ein Agent ist nur so gut wie seine Daten
Agenten arbeiten nicht im luftleeren Raum. Sie greifen auf reale Systeme zu – und diese Systeme sind in vielen Unternehmen historisch gewachsen. Doppelte Kontakte, veraltete Telefonnummern, unvollständige CRM-Einträge, nicht gepflegte Kalender oder uneinheitliche Dateistrukturen sind keine Ausnahme, sondern Alltag.
Wenn ein Agent keine absolut korrekte Datenbasis erhält, kann er keine fehlerfreien Ergebnisse liefern. Er plant auf Basis dessen, was vorhanden ist – und diese Basis ist häufig inkonsistent. Die Vorstellung, dass ein Agent „einfach übernimmt“, unterschätzt die Komplexität der bestehenden Infrastruktur. Je autonomer ein System arbeitet, desto stärker wirkt sich jede Unschärfe in den Daten aus.
Hinzu kommt ein weiterer Aspekt: Mit wachsender Autonomie steigt der Anspruch an Kontrolle und Governance. Wer überprüft die Ergebnisse? Wer trägt Verantwortung für falsche Entscheidungen? Wie wird nachvollziehbar dokumentiert, welche Schritte der Agent ausgeführt hat?
In unserem Webinar zum Thema KI-Agenten (kostenlos zu sehen auf www.aigenieacademy.de) wurde deutlich, dass viele Führungskräfte KI-Agenten als potenziell unberechenbar empfinden. Nicht, weil sie technikfeindlich wären, sondern weil sie die Tragweite der Autonomie intuitiv verstehen. Die Bereitschaft, Verantwortung vollständig an solche Systeme zu delegieren, ist derzeit begrenzt und das ist kein Zeichen von Rückschritt, sondern Ausdruck einer gesunden Einschätzung.
Selbst wenn KI-Agenten Aufgaben autonom erledigen, gilt: Menschen bleiben für qualifizierte KI-Nutzung der entscheidende Faktor (Bild: ChatGPT)
Gleichzeitig gilt: Niemand muss das Gefühl haben, zu spät dran zu sein. Die Agenten-Landschaft befindet sich noch in einer Phase der Sondierung. Standards entstehen gerade erst, Anwendungen werden getestet, verbessert oder wieder verworfen. Wie bei jeder technologischen Revolution wird es Zeit brauchen, bis sich robuste, wirklich hilfreiche Lösungen flächendeckend durchsetzen.
Unternehmen müssen zunächst ihre Datenqualität verbessern, Prozesse klären, Governance-Strukturen etablieren und Mitarbeitende befähigen. Das Tempo der Technologie ist exponentiell. Das Tempo von Organisationen ist naturgemäß langsamer – und das ist in Ordnung.
Menschen bleiben der entscheidende Faktor
KI-Agenten können planen, koordinieren und unterstützen. Aber sie brauchen Menschen, die verstehen, was sie tun. Sie brauchen Teams, die einschätzen können, wann Automatisierung sinnvoll ist, wann menschliches Urteil gefragt bleibt und wo Risiken entstehen können. Die eigentliche Zukunftsfrage lautet daher nicht: „Wie gut ist das Modell?“ Sondern: Wie gut sind wir im Umgang damit? Unternehmen, die diese Frage ernst nehmen, gewinnen Zeit. Und Zeit ist in einer Phase exponentieller Entwicklung der entscheidende Wettbewerbsvorteil.
In vielen Unternehmen wird KI noch als Tool betrachtet. Man kauft eine Lizenz, testet ein paar Anwendungen, vielleicht wird eine externe Expertin für einen Workshop eingeladen, was einen guten Anfang darstellt – aber es reicht nicht nachhaltig. Der Engpass liegt nicht in der Technologie. Er liegt in den Fähigkeiten. Teure Workshops von KI-Expert:innen können Impulse setzen, doch sie machen kein Unternehmen KI-sicher. Transformation entsteht nicht durch punktuelle Exzellenz, sondern durch breite Befähigung.
In meiner beruflichen Laufbahn – unter anderem bei ProSiebenSat.1 und Ströer – habe ich mehrere digitale Transformationswellen erlebt. Jede davon war von Unsicherheit geprägt. Jede davon hat Geschäftsmodelle verschoben. Und jede hat gezeigt: Technologie allein entscheidet nicht. Entscheidend ist, ob Menschen mitgenommen werden.
Die aktuelle AI-First-Transformation ist größer als vieles zuvor, aber sie folgt demselben Prinzip: Wer investiert, investiert nicht nur in Tools, sondern in Menschen und damit in langfristigen Erfolg.
Stufenweise statt hektisch
Aktuell sehen wir in vielen Studien, dass zahlreiche Menschen KI bereits nutzen, sich jedoch sehr unsicher im Umgang damit fühlen. Erfolgreiche Unternehmen gehen strukturiert vor. Zuerst braucht es eine gemeinsame Basis: ein Grundverständnis davon, was KI heute kann, was sie in Zukunft lernen kann, wo ihre Grenzen liegen und welche regulatorischen Rahmenbedingungen gelten. Diese Basis sollte bei allen Mitarbeitenden im Unternehmen einheitlich sein.
Darauf aufbauend entstehen Rollen: KI-Botschafter:innen, die Wissen bündeln und weitertragen. Führungskräfte, die Verantwortung durch fundiertes Wissen einordnen können. KI-Manager:innen, die Strategie, Governance und Umsetzung verbinden. So entsteht ein belastbares Fundament.
Die gute Nachricht: Es ist nicht zu spät. Im Gegenteil. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um die eigene Organisation auf diese Reise mitzunehmen – ruhig, strukturiert und mit klarem Fokus auf Kompetenzaufbau. Denn am Ende werden nicht die Unternehmen erfolgreich sein, die die meisten Tools besitzen. Sondern die, deren Mitarbeitende wissen, wie man sie sinnvoll einsetzt.
Kurz-Check: Ist Ihr Unternehmen KI-ready?
KI-Reife beginnt nicht mit einem eigenen Data-Lab oder Millioneninvestitionen. Sie beginnt mit Klarheit, Struktur und der Bereitschaft, Menschen mitzunehmen. Stellen Sie sich drei einfache Fragen:
Gibt es bei Ihnen ein gemeinsames Grundverständnis von KI? Wissen Ihre Mitarbeitenden, was KI heute leisten kann – und wo ihre Grenzen liegen?
Haben Sie erste Rollen oder Verantwortlichkeiten definiert? Gibt es Personen, die das Thema bündeln, einordnen und Standards entwickeln?
Wird KI in Ihrem Unternehmen aktiv erprobt – statt nur beobachtet? Gibt es konkrete Anwendungsfälle, Lernformate oder Pilotprojekte?
Wenn Sie hier mindestens einmal mit „Ja“ antworten können, sind Sie auf dem richtigen Weg. Wenn noch vieles offen ist, ist das kein Grund zur Sorge – sondern ein guter Zeitpunkt zu starten.
Die AI Genie Academy unterstützt Unternehmen dabei, KI Schritt für Schritt zu verankern: von fundierten Grundlagen über KI-Botschafter:innen bis hin zu spezialisierten KI-Manager:innen. KI-Ready zu sein bedeutet nicht, bereits alles zu wissen. Es bedeutet, bereit zu lernen.
Profil: AI Genie Academy
Die AI Genie Academy ist eine Initiative der Ebner Media Group für verantwortungsvolle KI-Kompetenz.
Wir helfen Unternehmen dabei, Künstliche Intelligenz nicht nur zu testen, sondern wirklich zu verstehen – Schritt für Schritt und gemeinsam mit den eigenen Teams. Denn neue Technologie allein macht noch keinen Unterschied. Der Unterschied entsteht, wenn Menschen wissen, wie sie sie sinnvoll einsetzen können.
Ob erste Grundlagen, interne KI-Botschafter:innen oder spezialisierte KI-Manager:innen – wir begleiten Unternehmen dabei, ihre Mitarbeitenden fit für die nächste Entwicklungsstufe zu machen. Ohne Hype. Ohne Panik. Dafür mit Struktur, Klarheit und Praxisnähe.
Unser Ansatz ist einfach: Wer Mitarbeiter:innen stärkt, stärkt sein Unternehmen.
(Bild: EMG)Iris Kern ist Business Development Managerin der AI Genie Academy, einer Initiative der Ebner Media Group für verantwortungsvolle KI-Kompetenz. Seit vier Jahren ist sie Teil der Ebner Media Group und begleitet dort Transformations- und Digitalisierungsprojekte.
Zuvor war sie in unterschiedlichen Positionen unter anderem bei ProSiebenSat.1 und Ströer tätig – Stationen, die sie durch mehrere Wellen des digitalen Wandels geführt haben.
Ihre Haltung: KI ist weder Heilsbringer noch Bedrohung. Sie ist ein Werkzeug. Und gute Werkzeuge brauchen gute Handwerker:innen.