Der chinesische Hersteller Insta360 ist bislang vor allem für seine teils winzigen Action-, 360°- und VR-Cams bekannt. Die Ende 2024 vorgestellte Insta360 Connect ist daher der erste ernsthafte Versuch des Unternehmens in den Bereich professioneller Business-Konferenzen vorzudringen. Die All-in-One-Videobar ist mit zwei 4K-fähigen Kameras und einem Array aus rund 14 Mikrofonen zur Aufzeichnung von Bild und Ton ausgestattet. Dazu kommt eine KI-gestützte Steuerung, die Inhalte automatisch einfangen und nachverfolgen kann. Das alles soll dank Plug and Play ohne externe Software oder komplizierte Setups möglich sein.
(Bild: Insta360)
Im Markt für Konferenz-Videobars konkurriert die Insta360 Connect damit mit Modellen wie der Poly Studio X50, Logitech Rally Bar oder Bose VB1. Während diese Systeme meist mit komplexeren Integrationslösungen und dedizierter Software arbeiten, setzt Insta360 mit der Connect auf ein schlankes, KI-zentriertes Konzept, das sich mit weniger Aufwand einrichten und einsetzen lässt.
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Als optimale Einsatzorte für die Insta360 Connect nennt der Hersteller kleine bis mittelgroße Besprechungsräume bis 40 Quadratmeter und nicht mehr als 14 Teilnehmern. Das System richtet sich zudem an Corporate- und Business-Professionals, die professionelle Videoqualität und eine unkomplizierte Integration in teils bereits bestehende Meeting-Setups benötigen. Dank KI-basierter Bildsteuerung und flexibler Anschlussoptionen eignet sich die Kamera auch für Remote- und Hybrid-Work-Szenarien.
Während herkömmliche Webcams oft nur ein weitgehend statisches Bild liefern, reagiert die Insta360 Connect dynamisch auf Bewegungen, passt den Bildausschnitt automatisch an und folgt Sprechern oder Präsentatoren. Dadurch entfällt die Notwendigkeit, externe Kameraleute oder zusätzliche Tracking-Software einzusetzen.
Zwischen der Insta360 Connect und den ersten Teilnehmern einer Videokonferenz sollte mindestens ein Abstand von 1,5 m bestehen. (Bild: Inta360)
Technische Ausstattung und Kompatibilität
Mit einer Breite von 685 mm liegt die Insta360 Connect im Vergleich zu anderen Videobars wie Poly Studio X50 oder Bose VB1 im Mittelfeld. Mit 76 mm Höhe und 85 mm Tiefe ist sie zudem recht schlank. Das Gewicht liegt bei 2,27 kg. In der Mitte des Gehäuses sind die beiden 4K-fähigen Kameras untergebracht.
Für das Erfassen des gesamten Raumes ist die Connect mit einer 110°-Weitwinkelkamera mit einer Brennweite von 16 mm und einem 1/1,3“-CMOS-Sensor ausgestattet. Die größte Blendenöffnung beträgt f/2,4. Damit ist das Objektiv für Innenräume und Meetings geeignet, wo es auf eine gute Lichtstärke und Schärfentiefe sowie eine geringe Bewegungsunschärfe ankommt.
Die zweite Kamera ist mit einem 40°-Teleobjektiv, einem 1/1,28“-CMOS-Sensor sowie einem beweglichen Gimbal zum „Einfangen“ weiter entfernter oder sich bewegender Personen ausgestattet. Das Objektiv verfügt dafür über einen dreifachen Digitalzoom, aber über keinen optischen Zoom. Beide Objektive haben eine Auflösung von 48 Megapixel und erreichen bei 4K eine Bildrate von bis zu 30 fps. Zur Komprimierung verwendet die Insta360 Connect H.264 oder H.265. Über einen mechanischen Schiebeschalter lassen sich beide Objektive deaktivieren (Privatsphäre-Modus). Dabei wird das Weitwinkelobjektiv verdeckt und der Gimbal nach unten gekippt. Auch die Mikrofone werden dadurch stumm geschaltet.
Außerdem verwendet Insta360 ein Feature namens „KI-Auflösung+“, das die Bildqualität und den Detailgrad erhöhen soll. Der verwendete Machine-Learning-Algorithmus verdoppelt laut Hersteller die Auflösung der gerade sprechenden Person. Im Test waren die Unterschiede aber kaum zu bemerken. Weitere Funktionen sind Gruppen-Framing, um alle teilnehmenden Personen automatisch ins Bild zu rücken sowie ein 8K-Galeriemodus, der bis zu acht Teilnehmer gleichzeitig darstellt.
Der Whiteboard-Modus richtet eine beispielsweise zum Brainstorming verwendete Arbeitsfläche automatisch aus, so dass auch entfernte Teilnehmer eine bessere Ansicht erhalten. Sie soll auch dann sichtbar bleiben, wenn jemand die Kameras kurz blockiert. Dank mehrerer integrierter Tracking-Funktionen kann die aktuell sprechende Person nicht nur in den Fokus gerückt, sondern auch an sie herangezoomt werden. Neben der klassischen Ortung per Schall nutzt die Insta360 Connect dafür laut Hersteller intelligente Stimm-, Gesichts-, Körper- und Lippenerkennungstechnologien.
Im Whiteboard-Modus hebt die Insta360 Connect die Arbeitsfläche hervor (Bild: Insta360)
Die insgesamt 14 Mikrofone in der Videobar sind omnidirektional, um Stimmen aus jeder Ecke des Raums einzufangen. Die maximale Entfernung liegt nach Herstellerangaben bei rund 10 m. Dazu kommt ein adaptives Audiosystem sowie eine intelligente Rauschunterdrückung, um störende Hintergrundgeräusche und Halleffekte zu entfernen. Der in die Videobar integrierte Lautsprecher hat eine maximale Ausgangsleistung von 25 Watt und eine Nennleistung von 20 Watt.
Zum Standardlieferumfang gehört eine Halterung für den Tisch. Zusätzlich bietet Insta360 noch eine Wand- sowie eine TV-Halterung zum Kauf an. Damit lässt sich die Videobar etwa auch unter einem oder zwei an der Wand befestigten Monitoren anbringen. Beide kann man über die HDMI-Ausgänge anschließen. Ebenfalls optional erhältlich ist ein separates Touchscreen-Display zum schnellen Wechsel zwischen den Betriebsmodi und Einstellungen.
Auf der Rückseite des Gehäuses befinden sich ein Gigabit-Ethernet-Port sowie je ein USB-A-2.0, ein USB-A-3.0- sowie ein USB-Typ-C-3.0-Anschluss. Dazu kommen ein HDMI-Eingang sowie zwei HDMI-Ausgänge. Weitere Hardware lässt sich per Bluetooth 5.1 oder Wi-Fi (2,4 GHz, 5 GHz) anschließen.
Da die Insta360 Connect wie eine herkömmliche Webcam erkannt wird, sollte sie mit allen gängigen Videoconferencing-Plattformen wie Microsoft Teams, Google Meet oder Zoom funktionieren. Die Videobar ist aber noch nicht für Teams Rooms oder Zoom Rooms zertifiziert. Eine spätere Integration ist nach Angaben des Herstellers in Planung.
Mit einem mechanischen Schalter an der Oberseite des Gehäuses lassen sich die Kameras deaktivieren und die Mikrofone stummschalten. (Bild: Insta360)
Installation und Einrichtung
Die Installation erwies sich anfangs als schwierig, da unser Testgerät bereits benutzt war, die Tischhalterung fehlte und zudem nur ein NEMA-1-Stecker, wie er in den USA genutzt wird, sowie ein Stecker vom Typ I, wie er in Australien eingesetzt wird, mitgeliefert waren. Nachdem diese Probleme umschifft waren, ging die weitere Einrichtung weit schneller.
Erst mussten wir ein HDMI-Kabel mit dem Monitor und eines mit dem Notebook verbinden, dann noch das Stromkabel sowie ein USB-Typ-C-Kabel vom Laptop zur Videobar anschließen. Daraufhin folgte noch ein Ethernet-Kabel zur Anbindung ans Netzwerk. Fertig. Anschließend lässt sich die Insta360 Connect wie andere Webcams auch direkt in einer beliebigen Videokonferenzlösung als Bild- und Audioquelle auswählen. Wir haben es mit Jitsi ausprobiert. Die Integration klappte sofort. Das automatische Tracking als Bild in Bild funktionierte ebenfalls auf Anhieb. Der Gimbal folgte dem Tester mit einer minimalen Verzögerung.
Die Steuerung der Videobar erfolgt über die mitgelieferte Bluetooth-Fernbedienung. Das Menü ist klar strukturiert und lässt sich mit der Fernbedienung leicht nutzen. Das optional erhältlich Touchscreen-Display stand für den Test nicht zur Verfügung.
Die Konfiguration kann auch über das optional erhältliche Touchscreen-Display erfolgen. (Bild: Insta360)
Die Steuerung der KI-Funktionen erfolgt über die Insta360-Oberfläche, die sich bequem per Fernbedienung nutzen lässt. Hier lassen sich Funktionen wie Framing-Modi, Sprecherverfolgung oder Gruppenansicht konfigurieren. Firmware-Updates können ebenfalls über diese Oberfläche eingespielt werden, wenn zuvor eine Netzwerkverbindung eingerichtet wurde. Neben Ethernet unterstützt die Insta360 Connect auch eine Anbindung per WLAN. So bleibt die Kamera auf dem neuesten Stand. Im Betrieb arbeitete die Videobar nahezu lautlos. Ein aktiver Lüfter war nicht hörbar. Auch nach längeren Sessions blieb das Gehäuse nur handwarm, was für eine effiziente Kühlung spricht.
Fazit: Plug-and-Play
Die Insta360 Connect eignet sich vor allem für Einsatzgebiete, bei denen eine leicht einzurichtende, qualitativ hochwertige Streaming- und Konferenzlösung benötigt wird. Die Kombination aus zwei 4K-Kameras, KI-basiertem Tracking und leistungsfähiger Audiotechnik macht sie insbesondere für moderne Konferenzräume, hybride Arbeitsumgebungen oder professionelle Präsentations- und Schulungsformate interessant.
KI-Funktionen wie das intelligente Framing oder das Vortrags-Tracking sind ein nützlicher Zusatz, da die Kameras damit einem mobilen Sprecher durch den Raum folgen. Wer eine flexible, Software-unabhängige Lösung sucht, erhält dank der Update-Fähigkeit mit der Insta360 Connect ein zukunftssicheres System. Allerdings wird für den Einsatz ein zusätzlicher Computer benötigt, zum Beispiel ein Mac Mini oder ein Notebook. Ohne lässt sie sich nicht nutzen.
Die Insta360 Connect kostet mit Bluetooth-Fernbedienung und Tischhalterung 2.399 Euro. Im Bundle mit Touchscreen und Wandhalterung sind es 3.179 Euro, im Bundle mit Touchscreen plus TV-Halterung 3.249 Euro. Alle genannten Preise sind UVP inklusive Mehrwertsteuer.