Case Study

Kraft der Visualisierung: Digital Signage im Olympiastadion Berlin

Anlässlich der EURO 2024 hat das Olympiastadion in Berlin ein hochmodernes Digital-Signage-System bekommen. Thomas Hülsmann vom Ingenieurbüro ThomNet beschreibt die Projektphasen und beleuchtet die umgesetzten Lösungen bei Hardware, Software und Bedienkonzepten.

Catering-Container vor dem Stadion
Abb. 1: Für die EM 2024 wurde das Berliner Olympiastadion umfassend modernisiert. Ein wichtiger Teil der Maßnahmen war es, die Besucher mit einem modernen Digital-Signage-System zu informieren und zu unterhalten (im Bild ein Catering-Container) (Bild: architectural-arts)

 

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Die Fußball-Europameisterschaft 2024 war der perfekte Anlass, um das Olympiastadion in Berlin mit einem hochmodernen Digital-Signage-System auszustatten. Gästen und Besuchern sollte eine Vielzahl von Möglichkeiten eröffnet werden, die Besonderheiten dieser Sport- und Veranstaltungsstätte kennenzulernen (Abb. 1). Kunden des Stadions, und nicht etwa nur des Premiumnutzers Hertha BSC, kommen seitdem in den Genuss, medial exzellent unterhalten zu werden – unter anderem durch eine 138“ große LED-Wall im Marmor-Foyer, große, hochauflösende 98“-4K-Bildschirme im VIP-Foyer auf Ebene -2 und der Spielertreppe sowie 250 smarte Monitore in Logen, Lounges und anderen Bereichen des Stadions.

Eine professionelle Planung, Ausschreibung und Projektumsetzung war die unerlässliche Voraussetzung dafür, dass all das den Machern, Betreibern und Besuchern des Olympiastadions pünktlich zur EURO 2024 zur Verfügung stand. Die Entwurfsplanung lag bei meiner Firma, ThomNet Media Engineering (Berlin), die Ausführungsplanung hat PMS Perfect Media Solutions (Hamburg) übernommen, die Visualisierungen stammen von architectural-arts (Berlin).

Olympiastadion Berlin – eine kleine Übersicht

Für das bessere Verständnis der folgenden Ausführungen unternehme ich nachfolgend den Versuch, das Olympiastadion kurz und knapp in seiner Gesamtheit zu beschreiben. Das Stadion teilt sich auf 7 Ebenen auf:

  • Ebene minus 4 bis Ebene minus 1 (entspricht in anderen Projekten etwa den Untergeschossen UG 4 bis UG 1)
  • Ebene 0 (Erdgeschoss bzw. ebenerdig)
  • Ebene plus 1 und plus 2 (entspricht in anderen Projekten etwa den Obergeschossen OG 1 und OG 2).

Neben dieser Aufteilung des Stadions in diese sieben horizontalen Bereiche gibt es eine vertikale Unterteilung in die Abschnitte Block A-T ähnlich wie bei einer Tortengrafik.

Für die EURO 2024 wurde vom Auftraggeber und seiner Partnerorganisationen, insbesondere der UEFA, eine Dokumentation des neuen Digital-Signage-Systems angefragt, welche die einzelnen Ausgabeeinheiten wie Monitore oder digitale Türschilder auf den unterschiedlichen Ebenen zeigt. Abb. 2 stammt aus dieser Dokumentation und zeigt eine Gesamtübersicht des Stadions am Beispiel der Ebene 0. Darin sind die Catering-Container mit Bev 1 bis 8 (beverage = Getränke) bzw. Food 1 bis 4 (Speisen) bezeichnet. Ein Sonderfall ist der Container „Coubertin vor L“, wobei „L“ auf Block L hinweist. Die großen gelben Flächen im Plan stehen für die Eingangsbereiche „Tor Ost“ (rechts) und „Tor Süd“ (unten).

Der Auszug aus der Projekt-Dokumentation zeigt Ebene 0 des Olympiastadions mit den Catering-Containern (Bev 1 bis Bev 8, Food 1 bis 3)
Abb. 2: Der Auszug aus der Projekt-Dokumentation zeigt Ebene 0 des Olympiastadions mit den Catering-Containern (Bev 1 bis Bev 8, Food 1 bis 3) (Bild: ThomNet)

Die Konzeptphase

Eine besonders wirkungsvolle Methode, um Menschen – insbesondere Nicht-Fachleuten – Medientechnik näherzubringen, besteht darin, ihnen das spätere Ergebnis anhand einer anschaulichen Visualisierung vor Augen zu führen. In der modernen Architektur wird das in vielen Projekten erfolgreich so gemacht, und auch in der modernen Medientechnik wird diese Methode für die erste Planungsphase gerne genutzt. Der Vorteil liegt auf der Hand: Der Kunde sieht, was er später als Lösung bekommt: „What you see, is what you get.“

Beim Olympiastadion Berlin handelt es sich um einen „Bestandsbau“. Daher entstand im Rahmen der Abstimmung mit dem Auftraggeber sehr schnell die Idee, die Lösungsansätze in den einzelnen Bereichen und Räumen des Stadions im Konzept für das Digital-Signage-System mittels Visualisierungen darzustellen. Dazu wurden eine Menge Fotos gemacht, in die Medientechnik per Photoshop hineinmontiert wurde.

Abb. 3a: Für das Konzept wurden sehr viele Fotos gemacht, in die dann Medientechnik per Photoshop hineinmontiert wurde. Dieses Bild zeigt einen Kiosk im Originalzustand
Abb 3b: Bild des Kiosks mit hineinmontierten Monitoren
Abb. 3c: Bild des Kiosks mit Monitoren und Personen (von links nach rechts)

Abb. 3 zeigt einen Vorher-nachher-Vergleich für einen der vielen Kioske für die Ausgabe von Speisen und Getränken auf Ebene +1. Im Bild links ist der Originalzustand des Kiosks mit analogen Auslagen in den vier geöffneten, unteren Fenstern zu sehen. Die beiden mittleren Fenster oben sind verglast. Im mittleren Bild ist in die geöffneten Fenster je ein 32“-Monitor anstatt der analogen Auslagen hineinmontiert. Die beiden oberen mittleren Fenster enthalten je einen 55“-Monitor, auf dem zum Beispiel das aktuelle Spiel gezeigt wird. Im Bild rechts sind Personengruppen hineinmontiert, die dem Ganzen ein lebendiges, emotionalisiertes Aussehen verleihen.

Eine weitere Vorher-Nachher-Visualisierung zeigt das Atrium des Stadions, in dem es viele Ausgabetheken für Speisen und Getränke gibt (Abb. 4). Vor der Umsetzung des Projektes wurden hier mit relativ viel Aufwand analoge Werbefolien gehängt. Die silbernen Aufhänger dafür sind im linken Bild gut zu sehen. Geplant und umgesetzt wurden pro Theke 2 x Ultra-Stretch 88“-Signage-Monitore mit einer Gesamtauflösung von 7.680 x 1080 Pixel.

Abb. 4: Ein weiteres Beispiel für eine Visualisierung. Die Ausgabetheke für Speisen und Getränke im Atrium des Stadions im Original
Abb. 4: Die Ausgabetheke für Speisen und Getränke visualisiert mit Displays, Personal und Kunden

Modular und web-basiert

In einem früheren Projekt, dem „Universitätsklinikum Göttingen – Digitale Signaletik“, habe ich als Grundlage für die Planung der Medientechnik Hardware-Module verwendet, das heißt austauschbare, in sich abgeschlossene Einheiten mit einer standardisierten Schnittstelle etwa zur Spannungsversorgung und zum Datenanschluss an ein Netzwerk. Dafür wurde ein „Modulkatalog“ erzeugt, der neben den medientechnischen Vorteilen auch die einfache Möglichkeit bietet, die Gesamtkosten für das Projekt modular zu gestalten und einfach zu verändern.

Für das Projekt „Neubau des Digital-Signage-System im Olympiastadion Berlin“ habe ich dieses Prinzip zur Realisierung einer medientechnischen Anlage erfolgreich weiterverfolgt. Ein zentraler Web-Server sorgt bei der Kommunikation mit den Modulen für einen reibungslosen Ablauf.

In Abb. 5 und 6 sieht man einen Auszug aus dem Konzept, das für einen Vorentscheid zur Umsetzung des neuen Digital-Signage-Systems der Geschäftsführung der Olympiastadion GmbH präsentiert worden ist. Ein Blockdiagramm veranschaulicht die Vorteile des modularen Ansatzes. Zu jedem Modul werden folgende Themen abgehandelt: Beschreibung des Moduls, technische Eckwerte und Daten, Raumliste, Anwendungsbereiche, Vorteile / Nachteile und Listenpreis pro Modul.

In konsequenter Weiterführung des Modul-Gedankens entstanden für das Projekt eine Vielzahl unterschiedlicher Module mit den entsprechenden Visualisierungen. Abb. 6 zeigt ein Hardware-Modul für die Kioske auf den Ebenen 0 und +1. Bei „Technische Eckwerte“ steht darin etwa Anzahl der Monitore (6), Darstellung 1 (2 x IPTV und Digital Signage oben), Darstellung 2 (4 x Aushang mit Preisen), Monitorgrößen (2 x 43“, 4 x 32“), Mini-PC für IPTV und Digital Signage und Auflösung der Monitor (gesamt: HD – 1.920 x 1.080 oder 4K – 3.840 x 2.160).

Abb. 5: Das Blockdiagramm zeigt die Vorteile eines modularen Ansatzes und wurde der Geschäftsführung der Olympiastadion GmbH während einer Vorentscheidung präsentiert
Abb. 6: Dem Modul-Gedanken folgend wurden Visualisierungen für zahlreiche Module erstellt. Im Bild das „Hardware-Modul 1: Kiosk 1“ für einen Kiosk auf Ebene 0 und 1 +.

Die Planungsphase

Die Planung des Systems erfolgte in zwei Phasen: Entwurfsplanung sowie Ausführungs- / Werk- und Montageplanung. Die Entwurfsplanung kam von ThomNet und war dementsprechend späterer Bestandteil der Ausschreibungsunterlagen. Die Erstellung der Ausführungs- / Werk- und Montageplanung wurde als eigene Leistung des später erfolgreichen Auftragnehmers mit ausgeschrieben.

Abb. 7 stellt Beispiele für Blockschaltbilder, Detailpläne und Grundrisse in einer nummerierten Foto-Kollage dar: (1) Blockschaltbild des Kiosks mit 2 Fenstern, (2) zwei Fotos der SAT-Kopfstelle zum Empfang von Standard-TV-Programmen, (3) der untere Teil eines Grundrisses der Ebene 0 mit der Ehrenloge und Ehrenhalle in der Mitte des Plans. (4) zeigt den Plankopf mit Legende.

Zwischen 2000 und 2004 war das Olympiastadion schon einmal grundlegend saniert worden. Aus dieser Zeit stammen die Grundrisse bzw.  Architektenpläne, die ThomNet für die Entwurfsplanung zur Verfügung gestellt wurden. Räume und Bereiche, in denen Medientechnik verbaut werden sollten, sind zum besseren Erkennen blau hinterlegt. Die Module selbst sind, wie der Legende (4) zu entnehmen ist, durch einen violetten Kreis mit der Nummer des Hardware-Moduls in der Mitte gekennzeichnet.

Insgesamt entstanden so im Zuge der Entwurfsplanung 27 Grundrisse, 9 Pläne mit Blockschaltbildern und ein kombinierter Grundriss mit Blockschaltbild sowie einer integrierten Fotodokumentation zur Position und Ausführung der SAT-Kopfstelle (Bestand). Sämtliche Pläne wurden aufgrund der Größe des Stadions und der Vielzahl an Informationen im DIN A0-Format erstellt.

Collage aus Blockschaltbild eines Kiosks, einer SAT-Kopfstelle und vom Grundriss der Ebene 0 mit Ehrenloge und Ehrenhalle
Abb. 7: Entwurfplaner ThomNet kombiniert in dieser Collage vier Elemente: (1) Blockschaltbild des Kiosks mit 2 Fenstern, (2) Zwei Fotos der SAT-Kopfstelle zum Empfang von Standard-TV-Programmen, (3) der untere Teil eines Grundrisses der Ebene 0 mit der Ehrenloge und Ehrenhalle in der Mitte des Plans. (4) zeigt den Plankopf mit Legende (Bild: ThomNet)

In der Phase von 2000 bis 2004 und kontinuierlich danach wurde ein Raumbuch von den Mitarbeitern des Stadions erarbeitet, das ThomNet für die Entwurfsplanung zur Verfügung gestellt wurde. Darin sind insbesondere über 250 Bestandsmonitore, die im neuen System smart gemacht wurden, mit Typenangaben, Hersteller und Raumangaben enthalten. Bis zur Inbetriebnahme des neuen Systems hatte das Stadion das sogenannte „Stadion-TV“ auf Basis einer BK-Infrastruktur betrieben, die auch heute noch als Backup-System genutzt werden kann.

Im Rahmen zahlreicher Ortsbegehungen wurde das Vorhandensein von Datenanschlüssen hinter den Bestandmonitoren noch einmal von ThomNet geprüft. Das Ergebnis erwies sich für die Erarbeitung der Blockschaltbilder und für Detailinformationen in den Plänen von großer Bedeutung.

Die Ausschreibungsphase

Die Ausschreibung für das Digital-Signage-System fand in einem 2-stufigen Verhandlungsverfahren mit Teilnahmewettbewerb gemäß den Regeln des Europäischen Vergaberechts statt. Der gesamte Prozess wurde interaktiv zwischen der technischen Leitung des Stadions, ThomNet Media Engineering und dem Rechtsbeistand des Olympiastadions Berlin (federführend) durchgeführt.

Der Ausschreibungsprozess, der vorab durch einen detaillierten Zeitplan der beauftragten Rechtsanwaltskanzlei des Olympiastadions vorbereitet worden war, dauerte insgesamt vier Monate und endete mit der Benachrichtigung der erfolgreichen Bieterfirma über den Zuschlag und einer Benachrichtigung an die beiden anderen Teilnehmer über das Vergabeergebnis.

Die Phase der Umsetzung

Erfolgreicher Bieter im Vergabeverfahren war die PMS Perfect Media Solutions GmbH aus Hamburg, die sich als Spezialist für Stadien und Arenen einen Namen gemacht hat. Die Grundlage für den Bau der Digital-Signage-Module bildete eine Ausführungsplanung der PMS, die an vielen Stellen den Grad einer Werk- und Montageplanung erforderlich machte. Insbesondere die Tatsache, dass es sich bei diesem Projekt um das Bauen im Bestand im Gebäudekörper des Olympiastadions Berlin handelte, machte eine Vielzahl von Detailzeichnungen notwendig (Abb. 8). Doch Theorie ist gut, die Praxis lehrt oft das Gegenteil: Beim Einbau der Monitore in die Kioske stellte sich heraus, dass im Zuge der Modernisierung des Olympiastadions Berlin 2004 mit gewissen Freiheitsgraden gearbeitet worden war. Viele der von PMS Perfect Media Solutions vorbereiteten Unterkonstruktionen mussten deshalb noch einmal an die Gegebenheiten angepasst werden. Bauen im Bestand ist etwas für wahre Könner!

Ein Bild von einer Unterkonstruktion für Monitore im Atrium (Abb. 9) dokumentiert das Geschick, mit dem PMS Perfect Media Solutions hier Lösungen gefunden hat. Wichtige Lehre für Projekte generell: Kommunikation ist oberstes Gebot!

Um eine enge Abstimmung zwischen den Mitarbeitern des Olympiastadions Berlin, PMS und ThomNet zu erreichen, fanden regelmäßige Meetings mit den Teams und allen verantwortlichen Beteiligten statt. Hinzu kamen selbstverständlich persönliche Ortsbegehungen für vorbereitende Maßnahmen. Damit ließen sich kurzfristige bauseitige Anforderungen, die insgesamt über die Mitarbeiter des Stadions organisiert und umgesetzt wurden, nahtlos in den Integrationsablauf der Systeme einfügen. Zudem war dadurch eine stetige Anpassung notwendiger administratorischer Leistungen im komplexen IT-Netzwerk des Stadions jederzeit schnell möglich.

Die Abnahme der Leistungen von PMS Perfect Media Solutions fand in den zwei Phasen „Zustandsfeststellung“ und „Abnahmevorgang“ durch die technische Leitung des Olympiastadions als Vertreter des Auftraggebers statt – in insgesamt 10 Abnahme-Vorgängen.

Abb. 8: Eine von vielen Detailzeichnungen aus der Ausführungsplanung der PMS Perfect Media Solutions visualisiert die Halterungen der Monitore in den Fenstern der 20 Kioske
Abb. 9 dokumentiert am Beispiel einer Unterkonstruktion für die 88“-Stretch-Monitore im Atrium, mit wie gut PMS Perfect Media Solutions das Bauen im Bestand bewältigte

Software und Implementierung

Das Digital-Signage-System im Olympiastadion arbeitet web-basiert, das heißt, das zentrale System zur Steuerung und zum Betrieb einer solchen Anlage ist ein Webserver mit speziellen Funktionen, angepasst auf Anwendungen im Stadionbereich. Die Hardware eines solchen Systems kann autark in Form eines physikalischen Servers aufgebaut werden, oder man nutzt einen vorhandenen Hochleistungs-Server in einem IT-System, wie es ihn im Olympiastadion gibt, und spielt in einer virtuellen Umgebung ein Abbild der Serversoftware auf.

Als Software-Server-Plattform für die virtualisierte Serverumgebung kam v1600 von VITEC zum Zuge. Als maßgebliche Produkte für Steuerung und Betrieb des Systems in einer virtuellen Serverumgebung wurden die Digital-Signage-Server-Software „PSNext“, die Digital-Signage-Software „PerfectShow“ und die Kontrollsoftware für Stadien und Arenen „PerfectControl“ eingesetzt.

Umsetzung der Hardware-Lösungen

Eine genauere Beschreibung wichtiger Hardware-Module folgt weiter unten im Abschnitt „Highlights der verbauten Lösungen“. Daneben sind als besondere Hardware-Lösungen der „Digital-Signage-Arbeitsplatz“ und „Encoder, VOD“ zu nennen. Damit im laufenden Betrieb noch kurze Videosequenzen, Grafiken oder Stills etwa für die Digitalen Türschildern vom Personal des Stadions erzeugt werden können, wurde ein Apple-Studio-Rechner mit entsprechender Peripherie-Hardware und Software-Paketen wie der Adobe Creative Suite im Bereich der Stadion-Regie als „Digital-Signage-Arbeitsplatz“ realisiert.

Damit eigene, auf HD-SDI-basierte Produktionen aus der Regie des Olympiastadions über das neue System genutzt und gezeigt werden können, kommen Encoder-Systeme von VITEC zum Einsatz. Das Softwaremodul VOD m8365 mit Bandbreitenoption avsrv-bw-550, ebenfalls von VITEC, stellt Video-On-Demand-Funktionen bereit.

Aus Workshops zur Anpassung der Software-Pakete „Perfect Show“ und „Perfect Control“ entstanden zahlreiche web-basierte Bediener-Menüs
Abb. 10: Aus Workshops zur Anpassung der Software-Pakete „Perfect Show“ und „Perfect Control“ entstanden zahlreiche, auf das neue Digital-Signage-System zugeschnittene, web-basierte Bediener-Menüs (Bild: PMS)

Services und Workshops für den Betrieb

Zur Anpassung der Software-Pakete „Perfect Show“ und „Perfect Control“ an die Bedürfnisse des Stadionbetriebs fanden intensive Workshops zwischen PMS Perfect Media Solutions, ThomNet und den Betreibern des Stadionbetriebes statt. Das Ergebnis dieser Abstimmungen war eine Vielzahl von web-basierten Bediener-Menüs, individuell zugeschnitten auf die Steuerung und den Betrieb des neuen Digital Signage-Systems.

Abb. 10 zeigt ein Beispiel dafür. So können über einen einzigen Klick auf den Button für das Szenario „Stadion/DFB TV“ gezielt Inhalte auf den entsprechenden Monitoren und Displays aufgerufen werden oder elektronische Türschilder individuell auf Nutzeranforderungen zugeschnitten werden.

Highlights der verbauten Lösungen

Kioske: Im Olympiastadion Berlin sorgen neben den Catering-Containern insgesamt 20 Kioske auf den Ebenen 0 und +1 für das kulinarische Wohl der Besucher. 17 Kioske mit 4 Fenstern befinden sich in einem umlaufenden Ring außerhalb des Stadioninneren. Dort werden während der Pausen auf zwei 55“-Monitoren hauptsächlich Bewegtbilder wie das Geschehen auf dem Spielfeld gezeigt. Vier 32“-Monitore dienen vor allem als Auslagenmonitore für Speisen und Getränke. Beide Monitortypen sind an Spezialhalterungen montiert. Ein zweiter Kiosk-Typ hat nur zwei Fenster mit je zwei Monitoren, beim 3. Typ werden je fünf 32“-Monitore genutzt, die zum Spielfeld zeigen.

Die 55“-Monitore sind vom Typ DS551LT-2 von Dynascan, die 32“-Monitore sind Eigenkonstruktionen von PMS Perfect Media Solutions vom Typ DigiSlim32700-O. Als Wiedergabegeräte werden in den Kiosken die Set-Top-Boxen m9500 von VITEC genutzt. Als Digital-Signage-Player kommt das Modell DM6 von GIADA zum Einsatz, das über vier individuell ansteuerbare 4K-HDMI-Ausgänge verfügt. Netzwerkseitig ist für die Versorgung der beiden Settop-Boxen und des Digital-Signage-Players in jedem
Kiosk ein 8-Port-Switch von Extreme Networks mit der Typenbezeichnung X435-8P-4S im Zwischendeckenbereich der Kioske verbaut, zugänglich über eine Revisionsklappe.

Abb. 11: LED-Wand im Marmor-Forum des Stadions, über das Besucher und Gäste zur Ehrenhalle mit Ehrenloge, zum Atrium und zu Lounges und Logen im Südbereich gelangen.
Abb. 12: Große 4K-Monitore sind auch im Bereich der Sportler-Treppe platziert, die zum Spiel-feld führt
Abb. 13: Auf dem 98“-Monitor in der Ehrenhalle wird oft geschichtliches Wissen zum Stadion vermittelt, bewusst ohne Ton
Abb. 14: Im Olympiastadion sind in vielen Bereichen mehr als 250 Monitore in den Größen 40“ bis 49“ verbaut – Bestandsgeräte, die mittels Settop-Box smart gemacht wurden

LED-Wand: Einer der besonderen Haupteingänge des Olympiastadions ist das Marmor-Foyer, benannt nach der edlen Ausführung des Fußbodens. Über diesen Raum gelangen Besucher und Gäste zur Ehrenhalle mit Ehrenloge, zum Atrium mit seinen vier Ebenen und zu den Lounges und Logen im Südbereich des Stadions.

Das neue Digital-Signage-System bietet gerade in diesem Raum eine Besonderheit in Form einer großen LED-Wand von expromo mit der Typbezeichnung LED-Screen EXP1.5 SMD-I Conference. Die Bildschirmdiagonale misst 138“, die Auflösung 1.920 x 1.080 Pixeln (HD) mit einem  Pixel-Pitch von 1,5 mm (Abb. 11). Die Helligkeit des Displays im kalibrierten Zustand beträgt 600 cd/m2.

Dieser „Monitor“ wird gerne für die Darstellung von Videos, etwa vom laufenden Spiel, genutzt. Zudem werden Imagefilme oder Werbevideos vorgeführt. Für Firmen-Veranstaltungen und Incentives bietet er eine hervorragende Möglichkeit, Firmenlogos, Produkte und Werbung zu zeigen. Übrigens: Von expromo stammen auch die drei großen LED-Wände im Stadion selbst.

Die LED-Wand benötigt zum ordentlichen Betrieb einen Controller, der mit anderen Geräten zur Steuerung des Systems in einem kleinen, versteckten 19“-Schrank untergebracht ist. Verbaut wurde der Novastar VX 400.

Große Monitore: In vielen Bereichen des Olympiastadions Berlin kommen für das Digital-Signage-System 4K-Monitore in den Größe 86“ bzw. 98“ zum Einsatz (Abb. 12). Lediglich im Bar-Bereich des VIP-Foyers Süd auf der Ebene -2 wurde wegen des geringen Betrachtungsabstands ein 55“-Gerät gewählt. Bei Führungen von Besuchern und Gästen wird der 98“-Monitor in der Ehrenhalle (Abb. 13) gerne dafür genutzt, über eine Animation oder ein Video geschichtliches Wissen zum Stadion zu vermitteln, bewusst ohne eine Bespielung mit Ton.

Als 98“-Monitore sind M981-Geräte von NEC verbaut, die 86“-Monitore sind NEC M861, der 55“-Monitor ist ein NEC M5512 ist. Auf der Rückseite der Monitore sind jeweils m9500 Set-Top-Boxen von VITEC und DM6 Digital-Signage-Player von GIADA montiert.

Die Versorgung mit IP-TV oder Digital-Signage-Dateien erfolgt für die großen Monitore direkt aus den zentralen IT-Räumen des Stadions. Die Verkabelung, wenn nicht bereits vorhanden, ist durch Mitarbeiter des Stadions im Zuge der Integration nachgezogen worden.

Folgende Monitor-Klassen wurden installiert:

  • 98“-4K-Monitor im Stein-Foyer des Stadions
  • 98“-4K-Monitor in der Ehrenhalle als digitaler Teil einer historischen Bildergalerie
  • 98“-4K-Monitor am Empfang des VIP-Foyers, Süd
  • 86“-4K-Monitore in den Umkleiden mit Touch-Funktion
  • 86“-4K-Monitore in den Umkleiden ohne Touch
  • 55“-4K-Monitore im Barbereich des VIP-Foyers Süd
  • 98“-4K-Monitor auf Sportler-Treppe zum Spielfeld
  • 86“-4K-Monitore in Presse-Cafeteria- u. Ergebnisdienst

Bestandsmonitore mit Set-Top-Box: Im Olympiastadion sind in vielen Bereichen wie den Logen und Lounges, im Bereich der Pressekonferenz, im Stadion-Restaurant oder im Regiebereich auf Ebene +2 mehr als 250 Monitore in den Größen 40“ bis 49“ verbaut (Abb. 14). Bei den Geräten handelt es sich um Bestandsgeräte, die im Zuge der Neugestaltung des Digital-Signage-Systems „smart“ gemacht worden sind, in dem auf der Rückseite eine Set-Top-Box montiert wurde. Damit ist es möglich, IP-TV aus einem Angebot an klassischen TV-Programmen, aber auch Content von einem Video-On-Demand-Server (VOD) oder direkt eingespeiste Videos über Video-Encoder aus der Regie zu zeigen. Über ein Streaming-Player-Bundle wird Digital-Signage-Content in IP-TV gewandelt und kann ebenfalls über die Set-Top-Boxen gezeigt werden.

Die Darstellung von Inhalten wird im neuen Digital-Signage-System und auf den smarten Monitoren zeitgesteuert und damit automatisch durchgeführt. Die Anwahl des Contents kann zum Beispiel per Web-Browser auf einem Handy oder einem Tablet als „OneClick-Event“ oder über die klassische Fernbedienung vorgenommen werden. Für die Fernbedienung besitzt jede Settop-Box einen externen IR-Sensor, der auf bzw. hinter dem Monitor montiert ist. Sämtliche Geräte wie Set-Top-Box, Encoder, TV-Gateways oder VOD-Server stammen von VITEC, das auf dieses Segment spezialisiert ist. Das Streamingplayer-Bundle ist ein Gesamtsystem von PMS und WISI.

Abb. 15: Fünf Monitore sind im Innenbereich des Besucherzentrums platziert, das mit 250.000 Besucher pro Jahr ein idealer Einsatzort für das neue Digital-Signage- Systems ist
Abb. 16: Im Rahmen des neuen Digital-Signage-Systems wurden 90 elektronische Türschilder im Olympiastadion verbaut
Abb. 17: Jede der vier Lounges im Atrium verfügt über fünf Tresen für die Ausgabe von Essen und Getränken. Dort kommen 88“-Ultra-Stretch-Displays zum Einsatz
Abb. 18: Im Außenbereich des Olympiastadions stehen 13 Catering-Container. Dort sind bis zu 6 x 32“-Monitore des Sondermodells DigiSlim32700-O von PMS Perfect Media Solutions installiert

Monitore für das Besucherzentrum: Das Besucherzentrum des Olympiastadions Berlin zieht über 250.000 Besuchern pro Jahr an und ist somit ein idealer Ort für den Einsatz von Medientechnik und insbesondere für das neue Digital-Signage-System. Insgesamt wurden fünf Monitore im Innenbereich verbaut (Abb. 15). Darunter sind drei 43“-Monitore, die hochkant in metallischen Sondergehäusen passgerecht in den Empfangstresen integriert wurden. Die beiden übrigen Monitore sind Bestandgeräte, die in die neue Anlage mit aufgenommen wurden.

Im Außenbereich gibt es – mit dem Segen des Denkmalschutzes der Stadt Berlin – links und rechts vom Eingang zwei Sonnenlicht-taugliche Outdoor-Monitore vom Typ 55XE4F-M von LG mit einer Helligkeit von 4.000 cd/m2. Die Monitore werden über vier Digital-Signage-Player (zwei im Innenbereich, zwei außen) vom Typ Giada DM6 über HDMI mit Bildsignalen versorgt. Signage-Player und ein 8-Port-IT-Switch zur Datenverteilung sind in einem kleinen separaten Technikraum untergebracht. Die Anbindung an die Stadion-IT geschieht per Monomode-LWL-Kabel.

Elektronische Türschilder: Eine große Anzahl von Räumen im Olympiastadion wird für Veranstaltungen ganz unterschiedlich genutzt. Als Bestandteil eines Digital-Signage-Systems waren daher digitale Türschilder ein unbedingtes Muss. Das Firmenlogo auf einem elektronischen Türschild neben der Eingangstür ist zum Beispiel eine beliebte Methode, den Kunden zu präsentieren, der eine Loge gebucht hat.

Im Rahmen der Erneuerung des Digital-Signage-Systems wurden insgesamt 90 Türschilder im gesamten Olympiastadion verbaut (Abb. 16).

Die Wahl fiel dabei auf PST-APPC-10SLB von ProDVX. Ein 10,1“-Monitor als Panel-PC (Android-OS) mit 1.280 x 800 Auflösung ist im Gerät verbaut. Das Besondere daran ist ein umlaufender RGB-LED-Farb-Rand, über den etwa signalisiert wird, ob der Raum bereits in Benutzung ist oder noch betreten werden kann.

Sonder-Monitore im Atrium: Das Atrium des Olympiastadions Berlin stellt verteilt auf vier Ebenen große Bereiche für Veranstaltungen mit sehr vielen Gästen bereit:

– Coubertin-Lounge auf Ebene -1

– Olympia-Lounge auf Ebene -2

– Jesse-Owens-Lounges auf Ebene -3

– Players-Lounges auf Ebene -4

In der Regel wird das Atrium von den Gästen über das Marmor-Foyer erreicht. Freischwebende Treppen verbinden die einzelnen Lounges miteinander. Zur Ausgabe von Speisen und Getränken verfügt jede der vier Lounges über fünf Tresen.

Hier kommt eine besondere Medientechnik zum Einsatz: 88“-Ultra-Stretch-Displays in Form einer Sonderentwicklung von PMS Perfect Media Solutions mit der Bezeichnung „DigiSlim88bar“ (Abb. 17). Im hinteren oberen Bereich der Tresen wurden vor dem Einbau des Digital-Signage-Systems analoge Folien temporär vor die dort befindlichen Möbel gehängt, zum Beispiel mit Werbung der Veranstalter. Diese Folien wurden für alle Tresen durch je 2 x 88“-Stretchdisplays ersetzt.

Jeder einzelne Monitor hat eine Auflösung von 3.840 x 1.080 Pixel, zusammengefügt haben die beiden damit eine Gesamtauflösung von 4 HD-Monitoren bzw. 7.680 x 1.080 Pixel! Der kleine Steg in der Mitte zwischen den Monitoren fällt dabei nicht ins Gewicht.

Catering-Container: Neben den 20 Kiosken gibt es im Außenbereich des Olympiastadions dreizehn Catering-Container, an denen während einer Veranstaltung ebenfalls Köstlichkeiten wie die berühmte Berliner Currywurst zu bekommen sind. Bezeichnet sind sie mit „Bev“ (Getränke) und „Food“ (Speisen). Der Container „Coubertin vor L“ ist mit Blick auf die Sektion L des Stadions aufgestellt.

In den Catering-Containern gibt es bis zu 6 x 32“-Monitore des Sondermodells DigiSlim32700-O von PMS (Abb.18). Wie in den Kiosken bereiten auch hier Digital-Signage-Player vom Typ DM6 von GIADA die Bildsignale auf. Set-Top-Boxen finden sich in den Catering-Containern dagegen keine. Eine besondere Anforderung an PMS bestand darin, die Monitore mit mechanischen Schutzmaßnahmen in den Baukörper der Container zu integrieren, um sie sicher und lang vor Beschädigung zu schützen.

Ein zentraler Switch von Extreme Networks vom Typ X435-8P-4S, untergebracht in einem metallischen Schutzgehäuse, sorgt auch hier für die Verteilung der IP-TV-Daten und der Digital-Signage-Dateien als Teil des zentralen Stadion-IT-Netzwerks. Wie im Besucherzentrum sind auch die Catering-Container an die IT des Stadions per Monomode-LWL-Kabel angebunden.


Weitere Informationen

Olympiastadion Berlin: https://olympiastadion.berlin/de/start/

PMS Perfect Media Solutions GmbH: https://perfect-media-solutions.de/

Deutsches Vergabeportal: https://dtvp.de/

Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI): https://www.hoai.de/

Vergabeverfahren: https://de.wikipedia.org/wiki/Ausschreibung

EURO 2024: https://de.uefa.com/euro2024/

Thomas Uhlig (Visualisierungen): https://architectural-arts.de/

ThomNet Media Engineering / Thomas Hülsmann: https://www.thomnet.de

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