Unsichtbare Beschallung für 1.300 Studiogäste bei Live-TV-Castingshow
von Redaktion,
Für eine große Studioproduktion im Kölner Coloneum mit rund 1.300 Zuschauerinnen und Zuschauern hat dBTechnologies gemeinsam mit den MMC Studios und dem Dienstleister Atlive ein durchgängig geflogenes Beschallungskonzept auf Basis der VIO-Serie realisiert. Ziel war ein homogenes Systemdesign, das Saal- und Sendeton gleichermaßen bedient, ohne dass Lautsprecher im Kamerabild sichtbar werden.
(Bild: SASCHA GANSEN)
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Die Beschallung einer live übertragenen Castingshow gilt als eine der anspruchsvollsten Aufgaben der Veranstaltungstechnik: Saal- und Sendeton müssen parallel funktionieren, Technik darf im Bild nicht auftauchen, und im Studio soll dennoch eine echte Live-Atmosphäre entstehen.
Zu den Rahmenbedingungen zählten eine zeitweise live spielende Band, der parallele Einsatz von Headset- und Handmikrofonen sowie dauerhaft offene Jury-Mikrofone – bei gleichzeitigem Verzicht auf sichtbare Lautsprecher, Subwoofer oder Monitorboxen am Boden.
Restriktionen bei TV-Produktionen
„Bei einer TV-Produktion arbeiten wir mit mehreren Restriktionen gleichzeitig – Sichtlinien, Schattenwurf, die Trennung von Sendeton und Saalbeschallung und vor allem ein hohes Gain-before-Feedback bei permanent offenen Mikrofonen“, erläutert Jochen Gotzen, Technical Director bei dBTechnologies.
Der durchgängig identische akustische Charakter der VIO-Serie sei dabei der entscheidende Vorteil gewesen, ergänzt Jens Szczygieleski von Atlive, das die Umsetzung federführend verantwortete: Man habe verschiedene Systemtypen frei kombinieren können, ohne klangliche Brüche zu erzeugen, und das gesamte Setup konsequent geflogen, um Boden und Kamerabild freizuhalten.
Das Beschallungskonzept im Kölner Coloneum setzt vollständig auf geflogene Lautsprechersysteme. So bleiben Bühne und Kamerabilder frei von sichtbarer Audiotechnik (Bild: SASCHA GANSEN)
Die eingesetzten Systeme stammten aus dem VIO Rental Network. Die Hauptbeschallung übernahmen 24 VIO L1610 Line-Array-Module in drei Arrays, ergänzt um 26 VIO L1608 in sechs kurzen Arrays für Parkett und Randzonen, 4 VIO X310 als Point-Source-Systeme sowie 4 VIO X205 als Delay-Linien. Für das Monitoring auf der Bühne kamen 6 VIO W12 zum Einsatz.
Auslegung und Ausrichtung sämtlicher Systeme erfolgten vorab durch Martin Antulov und Marius Dimke von MMC in der Simulationssoftware EASE Focus, sodass Abdeckung, Pegelverteilung und Frequenzgang bereits vor dem Aufbau über alle Publikumsbereiche hinweg aufeinander abgestimmt werden konnten. Dank der sorgfältigen Planung habe sich die Arbeit aus der Simulation später in einer homogenen und transparenten Klangwiedergabe widergespiegelt, berichten Antulov und Dimke.
Tiefton als akustische Nulllinie
Das Herzstück des Konzepts bildete der Tieftonbereich: Da Subwoofer am Boden ausgeschlossen waren, wurde ein zentrales, geflogenes Sub-Cluster aus acht VIO S118 bogenförmig angeordnet und je nach Position symmetrisch oder asymmetrisch konfiguriert, um die Tieftonenergie gezielt auf das Publikum zu richten.
„Wir haben das geflogene Sub-Cluster als akustische Nulllinie definiert und alle übrigen Systeme zeitlich und phasenrichtig darauf abgestimmt. Mit dem passenden Crossover liegt damit das gesamte System in Phase. Das Ergebnis ist eine spürbar verbesserte Ortung und ein deutlich höheres „Gain before Feedback“ – genau das, was man bei dauerhaft offenen Jury-Mikrofonen und einem aktiven Saal braucht,“ erzählt Jochen Gotzen.
Steuerung über Aurora Net
Sämtliche Systeme sind netzwerkbasiert über Aurora Net angebunden und über ein redundantes A2Net angesteuert. Da alle VIO-Systeme aktiv arbeiten und über einen eigenen DSP verfügen, entfiel eine externe Prozessor- oder Matrix-Ebene; signalseitig war lediglich das Routing zu realisieren.
Alle Lautsprecher seien einzeln darstellbar, ließen sich in Gruppen nach Rängen zusammenfassen und durchgängig in Delay und Frequenzgang feinjustieren, unterstreicht Szczygieleski. Da jeder Lautsprecher am Netzwerk hänge und die Phasenlage innerhalb der VIO-Familie identisch sei, entstünden für die Studiogäste sehr saubere Übergänge zwischen Hauptsystem, Parkett, Delays und Outfills – trotz einer Vielzahl gleichzeitig arbeitender Systeme im Raum.
Als FOH-Ingenieure schätzten sie an diesem System vor allem die Kombination aus Kontrolle und Konsistenz, resümieren Antulov und Dimke: Gerade bei einer Live-TV-Show ohne zweite Chance gebe das die Sicherheit, dass das System exakt wie geplant arbeite.