Test: Wie smart mixt der SmartMixer ATDM-0604?

„Der smartere Mixer“ – mit diesem Attribut wirbt Audio Technika für den Automatik-Mixer ATDM-0604, der insbesondere für Einsätze bei Tagungen konzipiert ist. PROFESSIONAL SYSTEM-Autor Sven Schuhen hat den 6-Kanal-Mixer einem Praxischeck unterzogen …Audio-Technica Automatik-Mixer ATDM-0604(Bild: Audio Technica)

Das Gerät wurde bereits 2017 auf der InfoComm in Orlando als Automatik-Mixer mit höchster Qualität und verbesserter Echounterdrückung vorgestellt. Nicht nur in Konferenzräumen, Meetings oder Gerichtsverhandlungen soll er eine gute Figur machen, auch für TV- und Radioübertragungen mit mehreren Mikrofonen soll er seine Stärken ausspielen können. Doch zuerst mal ein ein paar Worte zu den Spezifikationen.

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Tec Specs

Audio-Technica verspricht eine einfache und intuitive Bedienung sowohl an der Gerätefront als auch über das Web-Interface. Letzteres stellt sich dabei optimal auf den Browser des Endgerätes ein und zeigt einem Nutzer auf dem Mobiltelefon ein touchfreundliches Design. Der Automischer kann sowohl im Gateaks auch im Gain-Sharing-Modus betrieben werden. Dies hilft dabei, Hintergrundrauschen und Kammfiltereffekte zu vermeiden.

Der ATDM-0604 Smartmixer bietet sechs symmetrische Mikrofoneingänge – davon zwei mit Mic/Line-Umschaltung – und einen zusätzlichen unsymmetrischen Stereo-Eingang. Dazu kommen zwei symmetrische Ausgänge und ein unsymmetrischer Stereo-Ausgang. Über einen USB-Port kann der Mixer auch als Interface (Stereo In/Out) oder mit Software-Codecs in Videokonferenzsystemen genutzt werden.Audio-Technica Automatik-Mixer ATDM-0604(Bild: Audio Technica)

Sowohl die Echounterdrückung als auch die Automatikfunktionen stehen simultan für alle sechs Mikrofoneingänge zu Verfügung. Alle Eingänge besitzen jeweils einen parametrischen 4-Band- und alle Ausgänge einen parametrischen 12-Band-Equalizer. Für die Eingangskanäle sind darüber hinaus noch Hochpassfilter, Phasendrehung und Phantomspeisung verfügbar. Außerdem bietet der ATDM-0604 noch einen Kompressor, einen Limiter und einen 8-Band-Feedback-Unterdrücker sowie ein Delay für jeden Ausgang. Einfache Kanal- und Preset-Auswahl sowie Lautstärkeregelung können an der Gerätefront durchgeführt werden.

Über eine Tastenkombination lässt sich ein Advanced Mode aktivieren, der Zugriff auf die Mic/Line-Umschaltung, Phantomspeisung, Low-Cut-Filter, SmartMix-Funktion und entsprechende Prioritätsauswahl der Eingänge (wenn SmartMix und Gate Mode aktiviert sind), AEC und eine Speichermöglichkeit für Presets bietet.

Außerdem können alle Eingangssignale auf die Mixbusse 1,2 sowie Stereo geroutet und stehen somit an den jeweiligen Ausgängen zu Verfügung. Darüber hinaus kann zwischen automatischer und statischer IP-Adressen- Zuweisung geschaltet sowie der aktuelle Firmware- Stand abgerufen werden. Für alle weiteren Funktionen ist die Web-Remote-Oberfläche nötig. Zusätzlich lässt sich der Smartmixer auch über IP-Befehle zum Beispiel durch eine Mediensteuerung bedienen. Um einen unbefugten Zugriff zu unterbinden, lässt sich die Bedienung des Frontpanels auch sperren.

Audio-Technica Automatik-Mixer ATDM-0604
Mit Administrator-Zugang bietet sich nach dem Login das Bild eines typischen Input-Bereichs eines Digitalmixers, wie man es schon von vielen anderen Systemen gewohnt ist. Von oben nach unten sind im Kanalzug Vorverstärkung, Equalizer, AEC- und SmartMixer-Einstellung, Kanalname und Fader angeordnet. Im Bild ist Kanal 6 ausgegraut, weil Kanal 5 und 6 als Stereo-Link gewählt wurden. (Bild: Audio Technica)

Bis zu sechs ATDM-0604 können über Audio-Technica LINK miteinander verbunden und gemeinsam betrieben und gesteuert werden. Über die Schnittstelle werden die Audiosignale mit geringe Latenz unkomprimiert übertragen. Das Gerät hat 9,5″-Format und wird mit passenden Winkeln für die Montage in 19″- Rahmen geliefert. Somit können zwei Geräte zusammen als 19″-Einheit verbaut werden. Zum Anschluss der Ein- und Ausgänge werden Phoenix-Stecker mitgeliefert.

Audio-Technica Automatik-Mixer ATDM-0604
Wählt man im Input-Bereich den Equalizer aus, klappt rechts neben dem entsprechenden Kanal das Menü für die Einstellung des 4-Band-EQs auf. (Bild: Audio Technica)

Zugriff über Web-Interface

Ist der Mixer im Netzwerk eingebunden, kann man über einen Browser und die IP-Adresse auf das Web-Interface zugreifen. Bei mehreren Geräten empfiehlt sich jedoch die Audio-Technica Software „Locate“, bei der die IP-Adresse des Gerätes nicht bekannt sein muss, weil es die SmartMixer im Netzwerk automatisch erkennt. Praktisch ist dann natürlich auch, dass sich über Locate mehrere Geräte parallel verwalten lassen. Pro ATDM-0604 kann von drei unterschiedlichen Browsern oder Geräten auf das Web-Interface zugegriffen werden. Einmal eingeloggte Nutzer sollten sich daher stets abmelden, da ansonsten der Zugang für andere Nutzer (zumindest temporär, bis automatisch ausgeloggt wird) gesperrt sein könnte.

Nach dem Aufrufen des Web-Interface oder dem Zugriff über Locate lässt sich eine Nutzeranmeldung als Operator oder als Administrator auswählen und die Sprache des Interface festlegen. Eine deutsche Übersetzung ist vorhanden.

Audio-Technica Automatik-Mixer ATDM-0604
Der SmartMixer hat zwei Modi für die Automix-Funktion, Gated Mixing und – wie hier gezeigt – Gain Sharing. Entsprechende Einstellungen lassen sich hier pro Eingangskanal festlegen. (Bild: Audio Technica)

Im Operator-Modus lassen sich Presets wählen, die Lautstärken der Ein- und Ausgänge regeln, die Lautstärken auf entsprechenden Metern anzeigen und Referenzpunkte für übliche Lautstärken setzen. Der Funktionsumfang des Operator-Modus lässt sich im Adminstrator- Modus festlegen.

Im Administrator-Modus bietet sich dem Nutzer der mittlerweile bei digitalen Mischern übliche Look von Kanalzügen. Im Kopf des Web- Interface findet man einige nützliche Informationen über den vorliegenden SmartMixer wie Farbe und Name des Gerätes, um es unter mehreren Geräten im Netzwerk zu identifizieren. Weiterhin gibt es ein Mini-Meter für In- und Outputs, die Anzeige des Audio-Technica-Link Status, einen Indikator, ob IP Control aktiviert ist, einen Fehler-Indikator und den Namen des aktuell gewählten Presets. Das Interface wirkt insgesamt sehr aufgeräumt und intuitiv.

Audio-Technica Automatik-Mixer ATDM-0604
In den Systemeinstellungen lassen sich die Funktionsvielfalt und die Fadereinstellungen für den Operator festlegen. (Bild: Audio Technica)

Wenn man auf den kleinen Pfeil neben dem EQ-Fenster in den einzelnen Kanälen klickt, klappt sich eine feinere Ansicht auf. Sie bietet eine Übersicht über die vier Bänder, wobei jeweils das erste und das letzte Band auch zu einem Low- bzw. High-Cut-Filter geschaltet werden können. Die EQ-Einstellungen lassen sich als Preset abspeichern oder aus der Bibliothek laden. In einem Equalizer-Easy-Mode kann dieser auch nur mit einem einzigen Regler angepasst werden. In einer anderen Ebene des Kanalzuges lässt sich der entsprechende Kanal benennen und mit einer Farbe hinterlegen. Außerdem lassen sich Kanäle auch auf einen anderen kopieren oder völlig zurücksetzen.

Audio-Technica Automatik-Mixer ATDM-0604
Einstellungen für die Acoustic Echo Canceler AEC lassen sich im Input-Bereich übergreifend für jeden Ausgangsbus festlegen. Aktiviert wird AEC dann in jedem Eingangskanal. (Bild: Audio Technica)

Ein interessantes Feature ist mit Sicherheit auch die Möglichkeit, den Kanalfadern eine maximale Lautstärke zuzuweisen, bei welcher der voreingestellte Faderwert nicht überschritten wird. Die Einstellungen zum Feedback-Unterdrücker lassen sich genauso einfach vornehmen, ebenso die Bedienung der 12-Band Equalizer in den Ausgängen.

Bei allen feineren Einstellungen sind die Bearbeitungsfenster vorerst ausgegraut, solange die Funktion nicht im Kanalzug eingeschaltet wird. Erst danach lassen sich Änderungen an den Einstellungen vornehmen. Mit dem neusten Firmware-Update lassen sich die Equalizer in den Ein- und Ausgängen auch bei deaktiviertem EQ einstellen. Das Ausgangs-Delay kann eingeschaltet in ganzen Millisekunden angegeben werden; in den Einstellungen lässt sich dies in Meter und Fuß umschalten.

Kanal 5 und 6 können zu einem Stereo-Kanal gelinkt werden. Wird dies in den Einstellungen von Kanal 5 vorgenommen, wird Kanal 6 ausgegraut und alle Einstellungen können nun über Kanal 5 für beide gemeinsam erfolgen.

In den grundsätzlichen Einstellungen des ATDM-0604 lässt sich der Zugriff auf das Web-Interface für den Operator auf bis zu fünf IP-Adressen begrenzen. Auch der Zugriff auf bestimmte Funktionen bei der Bedienung des Frontpanels sowie im Web-Interface können deaktiviert bzw. konfiguriert werden. Ebenfalls interessant ist die Möglichkeit, ein bestimmtes Preset für den Startzustand des Gerätes auszuwählen.

Im praktischen Einsatz

Der Audio-Technica SmartMixer ATDM-0604 verhält sich auch in der Praxis so, wie man es von einem solchen Gerät nach den Herstellerinformationen erwartet. Beim mehreren angeschlossenen Mikrofonen und aktiviertem SmartMix im Gain-Sharing-Modus pegelt der Smart- Mixer das Mikrofon mit dem jeweils höchsten Eingangspegel auch so aus, dass es über die angeschlossene Wiedergabequelle (im Praxistest ein Aktiv-Lautsprecher) auch am lautesten zu hören ist. Alle anderen Mikrofone werden nun leiser gepegelt beziehungsweise das aktive Mikrofon im Pegel um einen vorher definierten Wert in der Lautstärke entsprechend erhöht. Somit bleibt der Lautstärkeabstand gleich.

Im Gate-Modus bleiben alle Mikrofone, die unter einem bestimmten Pegelwert sind, automatisch stumm. Erst wenn ein Eingang einen definierten Wert überschreitet, wird dieser freigeschaltet. Wenn nun mehrere Mikrofone den Schwellwert übersteigen, werden diese zusammengemischt, jedoch im Pegel gegenüber dem vorher freigeschalteten etwas gedämpft. Werden Prioritäten für bestimmte Kanäle gesetzt, beeinflusst dies natürlich die Arbeitsweise des Automischers so, dass diese Kanäle dann den übrigen gegenüber vorrangig behandelt werden.

Audio-Technica Automatik-Mixer ATDM-0604
Die Ansicht des Operator-Modus’. Mit den schwarzen Punkten lassen sich als Administrator Referenzen für die optimale Lautstärke des Kanals setzen. Auch ist eine Maximal-Lautstärke einstellbar. (Bild: Audio Technica)

Das durchdachte Konzept bei diesem SmartMixer wird auch durch das schöne Feature deutlich, dass bis zu acht Frequenzen, die der Feedback-Ermittler gefunden, in den 12-Band-EQ der Ausgänge übernommen werden können. Somit lassen sich kritische Frequenzen von vornherein einfach entzerren und erleichtern auch nicht so versierten Personen die Einrichtung dieses Geräts.

Die AEC-Funktion konnte im Praxistest mangels eines entsprechenden Video-Konferenzsystems nicht simuliert werden, zumal die Vorzüge eines AEC-Systems ja auch vor allem für die Gegenseite ersichtlich werden. Aufgrund der zahlreichen Einstellmöglichkeiten und der Wahl des Referenzsignals ist jedoch davon auszugehen, dass Audio-Technica hier eine gute Lösung integriert hat.


AEC

AEC steht für Acoustic Echo Canceler und ist dafür zuständig, die Sprachverständlichkeit z. B. bei einer Telefon-/Video-Konferenz zu erhöhen. Allerdings nicht für den Teilnehmer, der das Gerät mit AEC einsetzt, sondern für die Gegenstelle. Gerade bei über Lautsprecher wiedergegebenen Signalen einer Gegenstelle kann dieses Signal auf direktem Wege zum Mikrofon oder über Reflexionen an Decke, Wänden, Fenstern oder Mobiliar zu verzögerten Laufzeiten führen, was die Gegenseite durch die eigene Übertragung über Mikrofone als Echo wahrnimmt und zu hohen Sprachunverständlichkeiten führen kann.

Funktionsprinzip des Acoustic Echo Canceler AEC
Funktionsprinzip des Acoustic Echo Canceler AEC (Bild: Audio Technica)

Der AEC analysiert das von der Gegenstelle empfangene Signal und filtert dieses dann aus dem durch das Gerät mit AEC gesendete Signal zur Gegenstelle heraus. Somit empfängt die Gegenstelle ein sauberes und klares Signal. Im besten Falle nutzen alle Teilnehmer AEC und tragen untereinander zur bestmöglichen Sprachverständlichkeit bei.


Fazit

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass der SmartMixer in jedem Konferenzraum oder bei Anwendungen mit mehreren Mikrofonen beziehungsweise Eingangsquellen eine gute Figur macht und sehr viele nützliche Features mit sich bringt, die den Arbeitsalltag mit verstärkten Tonsignalen deutlich einfacher und angenehmer machen.


(Aus Professional System 05/2018)

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