Interview

leat con 26: Zukunftsthemen auf der Install Stage mit AV Solution Partner

AV Solution Partner ist auch 2026 wieder Programmpartner auf der Install Stage der leat con in Halle A4. PROFESSIONAL SYSTEM hat Jenny Köhler aus dem Vorstand des Verbandes zu den Inhalten und Zielen der Kooperation befragt.

Zuhörer vor einem Podium, auf dem Jenny Köhler spricht, vor einem großen Display(Bild: Manfred H. Vogel)

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PROFESSIONAL SYSTEM: Euer Verband AV Solution Partner wird auch dieses Jahr in Halle A4 am Stand F04 vertreten sein. Was sind Eure Ziele und Erwartungen?

Jenny Köhler: Wir wollen in erster Linie einen Ort für Austausch und Begegnung schaffen. Die Branche ist ja immer auch ein großes Klassentreffen. Gleichzeitig möchten wir zeigen, wofür moderne Verbandsarbeit stehen kann: gemeinsame Themen vorantreiben, Wissen teilen und der AV-Branche eine starke Stimme geben. Dazu gehören auch offene Diskussionen und unterschiedliche Sichtweisen. Nur wenn man sich manchmal aneinander reibt, kann etwas vorangehen. Wir möchten neue Impulse setzen, bestehende Kontakte vertiefen und neue knüpfen.

Im vergangenen Jahr haben wir bereits ein gemeinsames dreitägiges Vortragsprogramm aufgestellt. Aktuell finalisieren wir das Programm für die Install Stage in Halle A4. Was ist eure Motivation, sich dort so intensiv einzubringen?

Eine Partnerschaft lebt davon, dass beide Seiten sie aktiv gestalten. Die leat con bringt die Branche zusammen und bietet die Plattform. Wir wollen die Themen auf die Bühne bringen, die unsere Mitglieder und die Branche wirklich bewegen. Es geht nicht darum, einfach ein Programm zu füllen, sondern relevante Impulse zu setzen und unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen. Die erfolgreiche Zusammenarbeit im vergangenen Jahr hat gezeigt, dass wir gemeinsam einen Mehrwert schaffen können. Daran möchten wir anknüpfen.

Welche Themenfelder sind euch dabei besonders wichtig?

Wir wollen Themen abbilden, die nicht nur heute, sondern auch in Zukunft relevant sind. Deshalb schauen wir bewusst über reine Technikthemen hinaus. Dazu gehören Fachkräftesicherung und Nachwuchs, neue Arbeitswelten durch mobiles Arbeiten und Globalisierung, Geschäftsmodelle, Digitalisierung und Künstliche Intelligenz, Nachhaltigkeit und Cybersecurity.

Gleichzeitig müssen wir unbequeme Fragen stellen: Wo müssen wir als Branche umdenken, alte Muster, Strukturen und Rollenbilder aufbrechen? Was ist überholt und was braucht es, um innovativ, attraktiv und wettbewerbsfähig zu bleiben?

Die Install Stage soll dazu Impulse liefern und Diskussionen anstoßen – nicht nur auf der Bühne, sondern idealerweise auch anschließend auf den Messeständen und in den Gängen.

Aus diesen Ansätzen sind konkrete Panels und Vorträge entstanden. Welche möchtest du exemplarisch hervorheben?

Jenny Köhler steht vor zwei großen Fotografien an einer Wand. Sie blickt frontal in die Kamera
„Wo müssen wir als Branche umdenken, alte Muster, Strukturen und Rollenbilder aufbrechen?“ Jenny Köhler, Vorstandsmitglied des AVSP (Bild: AVSP)

Natürlich greifen wir auch Technikthemen auf. Beim Thema LED etwa bringen wir unterschiedliche Perspektiven zusammen – Hersteller, Praktiker und Architektur.

Dazu kommen Inklusion und Barrierefreiheit mit Auracast sowie KI aus zwei Perspektiven: Was bedeutet KI für menschliche Kompetenzen und wie verändert sie Unternehmen und Geschäftsmodelle? Wie müssen wir uns als Branche und als Unternehmen darauf einstellen?

Ein weiteres wichtiges Thema ist die Unternehmensnachfolge. Viele Familienunternehmen stehen vor der Frage, wie es weitergeht, wenn sich keine Nachfolge findet. In Deutschland werden zahlreiche Unternehmen altersbedingt aufgegeben, weil es keine geeigneten Nachfolger gibt. Auch das ist für unsere Branche hochrelevant.

Wir wollen diskutieren, wie sich Unternehmen aufstellen müssen, um auch für Nachfolger aus anderen Branchen interessant zu werden. Gleichzeitig rückt die IT immer stärker in die AV-Welt. Deshalb steht unser Stand unter dem Motto „Connect AV and IT“. Björn Jensen wird das Thema Nachfolge auch aus Sicht der IT beleuchten.

Wir haben das Programm außerdem um Themen wie E-Paper-Displays, Brandschutz bei LED-Walls oder Cybersecurity ergänzt. Welche Themen sind euch darüber hinaus als Verband besonders wichtig?

Wir wollen in diesem Jahr die Verbandsarbeit selbst stärker in den Fokus rücken. Die Frage lautet: Kann ein Verband auch Lobbyarbeit für die AV-Branche leisten? In vielen anderen Branchen gibt es Verbände, die gehört werden und mitreden. Auch die AV-Branche braucht eine starke Stimme. Wir haben Themen auf dem Tisch wie Baurecht, Fachkräfte, Nachwuchs und Ausbildung, aber auch die Weiterentwicklung von Qualifikationen und Berufsbildern. Wir wollen als AV Solution Partner dafür ein Sprachrohr sein und zugleich mit anderen bestehenden Verbänden ins Gespräch kommen.

Alex Schmidt und ich werden auf der Bühne diskutieren, wie die AV-Branche ihre Interessen stärker sichtbar machen und auch über die Branchengrenzen hinaus Gehör finden kann.

Ein zweites Thema, das mir sehr am Herzen liegt, ist „Technik, Talent und Testosteron“. Dahinter steht die Frage, wie wir mehr Frauen für die Medientechnik gewinnen können. Das Thema wird schon lange diskutiert, aber wir sind überzeugt, dass hier weiterhin viel Potenzial ungenutzt bleibt. Technik ist keine Frage des Geschlechts. Dafür müssen wir möglicherweise alte Strukturen aufbrechen und auch darüber sprechen, wie Stellenausschreibungen formuliert sind und ob sich Frauen davon tatsächlich angesprochen fühlen.

Ich freue mich sehr, dass wir dafür Michaela Hirsch vom AVIXA Women’s Council gewinnen konnten und zugleich Männer in das Panel einbeziehen. Wir wollen das Thema bewusst nicht nur aus Frauensicht diskutieren. Ich sage ganz klar: Ich bin nicht die Quotenfrau im AVSP-Vorstand. Ich bin dort, weil ich es kann – und ich möchte andere Frauen ermutigen, ihren Platz in dieser Branche einzunehmen.

Was möchtest du uns und den Messebesuchenden zum Abschluss mit auf den Weg geben?

Ich würde mich freuen, wenn wir uns in Hamburg treffen und wieder mit etwas mehr Optimismus miteinander ins Gespräch gehen. Die wirtschaftliche Situation ist herausfordernd, das müssen wir nicht schönreden. Aber ich habe den Eindruck, dass die Stimmung teilweise schlechter ist als die tatsächliche Lage. Wir sollten deshalb schauen, wo wir Kräfte bündeln können, mit mehr Zuversicht in die Zukunft blicken und gemeinsam daran arbeiten, die Branche voranzubringen. Nur über das Negative zu sprechen, hilft uns nicht weiter.

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