LED-Sicherheit

Brandschutz als wichtiger Planungsfaktor

Im Gespräch mit PROFESSIONAL SYSTEM erläutern Robert Bergner, Solution Sales bei LG Electronics Deutschland, und Markus Fiebig von der JOB Gruppe, warum das Thema Brandschutz bei LED-Systemen und -Displays an Bedeutung gewinnt und welche Lösungen verfügbar sind. Grundlage ist ein Videocast-Beitrag aus dem Format „AVcon Pulse“.

Weitläufiger Terminalbereich des Flughafens Frankfurt mit großformatigen digitalen Displays an beiden Seiten und einer geschwungenen Lamellendecke.(Bild: Media Frankfurt)

LED-Walls und großformatige Displays gehören heute zur Standardausstattung moderner Verkehrsinfrastrukturen, Shoppingcentern, Unternehmenszentralen oder Veranstaltungsstätten. Mit der steigenden Verbreitung wachsen allerdings auch die Anforderungen an Sicherheit und Integration. Besonders in sensiblen Bereichen wie Flucht- und Rettungswegen in Flughäfen, Bahnhöfen oder öffentlichen Verwaltungen rückt deshalb ein Thema stärker in den Fokus: Brandschutz.

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Während Displays und LED-Systeme technisch längst ein hohes Sicherheitsniveau erreicht haben, fehlten beim Thema Brandschutz in der Praxis lange Zeit einheitliche Bewertungsgrundlagen. Genau hier setzt die Richtlinie VdS 6024 an. Sie definiert erstmals konkrete Anforderungen für den Brandschutz von Displays und LED-Walls und sorgt damit für mehr Planungssicherheit bei Herstellern, Integratoren, Brandschutzsachverständigen und Behörden.

„Brandschutz war bei Displays lange kein intensiv bespieltes Thema“, beschreibt Robert Bergner die Ausgangssituation. Gleichzeitig würden LED-Installationen zunehmend in kritischen Infrastrukturen eingesetzt — dort also, wo hohe Personenfrequenzen und komplexe Sicherheitskonzepte zusammentreffen. Aus Sicht des Brandschutzes reicht es deshalb nicht aus, ausschließlich auf die grundsätzliche Betriebssicherheit moderner Displays zu verweisen. Entscheidend ist vielmehr die jeweilige Einbausituation.

Zwei großformatige digitale Displays mit abstrakten blauen Motiven oberhalb der Geschäfte im Terminal des Flughafens Frankfurt.
LG LED-Installation: „115 Quadratmeter, VdS-zertifiziert, nahtlos integriert“ (Bild: Media Frankfurt)

Markus Fiebig unterstreicht, dass identische LED-Kabinette je nach Einsatzort völlig unterschiedlich bewertet werden müssen: Ein Display im privaten Umfeld sei brandschutztechnisch anders zu betrachten als eine großformatige LED-Wall in einem Flughafen oder Bahnhof. Im Ernstfall gehe es nicht nur um Sachschäden, sondern auch um Personenströme, Entfluchtung und Betriebsunterbrechungen.

Hinzu kommt ein weiterer Aspekt: Displays übernehmen heute zunehmend selbst sicherheitsrelevante Aufgaben. Sie dienen der Besucherinformation oder Wegführung und unterstützen im Ernstfall Evakuierungsprozesse. Damit steigt die Erwartung, dass die Systeme möglichst lange funktionsfähig bleiben, dem Schutzziel dienen und nicht selbst zur Gefahrenquelle werden.

VdS 6024 schafft erstmals Orientierung

Ein zentrales Problem bestand bislang darin, dass klare Vorgaben fehlten. Unterschiedliche Anforderungen regionaler Behörden oder einzelner Brandschutzgutachter erschwerten die Realisierung und es fehlte an der benötigten Planungssicherheit. Teilweise wurden identische Produkte je nach Bundesland unterschiedlich bewertet.

Aus diesem Grund entstand die VdS 6024. An ihrer Entwicklung beteiligt waren Elektronikhersteller, Brandschutzexperten, Zertifizierungsstellen, Behörden und Betreiber. Ziel war es, einheitliche Kriterien für Displays und LED-Systeme zu schaffen.

Die Richtlinie betrachtet dabei zwei Szenarien:

  • Brandschutz von außen
  • Brandentstehung innerhalb des Geräts

Während beim ersten Szenario das Brandverhalten von Materialien (Stichworte: Brennbarkeit, Rauchentwicklung, Abtropfen) im Mittelpunkt steht, beschäftigt sich der zweite Teil mit elektrischen Defekten in den Geräten. Gerade Netzteile gelten hier als potenzielle Brandursache.

Für Hersteller bedeutet die Richtlinie vor allem eines: mehr Planungssicherheit. Robert Bergner bewertet die VdS 6024 ausdrücklich nicht als zusätzliche Hürde, sondern als Hilfe. Erst durch klare Kriterien lasse sich ein Produkt gezielt entwickeln und später ohne projektbezogene Sonderlösungen integrieren.

Von der lokalen Nachrüstung zur Serienintegration

LG begann bereits früh damit, sich intensiv mit dem Thema Brandschutz auseinanderzusetzen. Zunächst wurden Displays lokal nachgerüstet, um einzelne Projektanforderungen zu erfüllen. Dieser Ansatz war jedoch aufwendig und mit zusätzlichen Zertifizierungen verbunden.

Mit der Weiterentwicklung der VdS 6024 entschied sich das Unternehmen schließlich dazu, den Brandschutz direkt in die Produktentwicklung zu integrieren. Dadurch lassen sich Zertifizierungen bereits ab Werk berücksichtigen. Für internationale Projekte bedeutet das einen erheblichen Vorteil, da viele notwendige Prüfungen und Zulassungen nicht mehr nachträglich lokal erfolgen müssen.

Mann mit dunklem Sakko und weißem T-Shirt steht mit einer Wasserflasche in der Hand im Terminal des Flughafens Frankfurt.
„Brandschutz war bei Displays lange kein intensiv bespieltes Thema“, Robert Bergner, Head of Solution Sales Information Display | MS B2B LG Electronics Deutschland GmbH (Bild: Media Frankfurt)

Laut Bergner betrifft der Brandschutz bei LG inzwischen nicht mehr nur einzelne Sonderlösungen. Aspekte wie Schwerentflammbarkeit oder internationale Materialzertifizierungen würden heute serienübergreifend berücksichtigt – unabhängig davon, ob es sich um SMD- oder COB-Technologie handle.

Geräte mit integriertem Brandschutz

Besonders interessant ist dabei der Ansatz des geräteintegrierten Brandschutzes, den LG gemeinsam mit der JOB Gruppe umsetzt. Ziel ist es, einen Brand direkt innerhalb des Geräts zu erkennen und unmittelbar zu löschen – noch bevor er sich ausbreiten kann. Zum Einsatz kommt dabei eine extrem kompakte Löschlösung auf Basis einer Glasampulle. Das Prinzip stammt ursprünglich aus der Sprinklertechnik. Im Unterschied zu klassischen Sprinklersystemen arbeitet die Lösung jedoch ohne Wasserleitungen.

Die kleine Ampulle enthält eine nicht leitende, ungiftige und nicht-korrosive Löschflüssigkeit. Steigt die Temperatur im Gerät – etwa infolge eines Defekts im Netzteil —, zerbirst die Ampulle durch den entstehenden Innendruck. Gleichzeitig wird die Stromzufuhr unterbrochen und das Löschmittel direkt am Entstehungsort freigesetzt.

Der Vorteil dieses Ansatzes liegt vor allem darin, dass der Brand unmittelbar innerhalb des Geräts bekämpft wird. Zusätzliche externe Schutzgehäuse oder komplexe Löschinfrastrukturen können dadurch reduziert werden. Gleichzeitig bleibt die Integration auch bei sehr flachen LED-Systemen möglich.

Deutschland als Treiber internationaler Standards

Deutschland gilt traditionell als Markt mit besonders hohen Brandschutzanforderungen. Was häufig als regulatorische Hürde wahrgenommen wird, entwickelt sich nach Einschätzung der Gesprächspartner zunehmend zum internationalen Wettbewerbsvorteil. Bereits heute orientieren sich andere europäische Märkte an deutschen Brandschutzstandards.

Auch die VdS 6024 stößt international auf wachsendes Interesse. Laut LG gibt es Anfragen aus europäischen Ländern, die sich an den Anforderungen orientieren wollen.  Markus Fiebig sieht darin die Chance, dass sich deutsche Standards ähnlich entwickeln könnten wie andere Sicherheitsnormen aus der Bahn- oder Gebäudetechnik. Projekte in Kopenhagen, Heathrow oder den Emiraten würden bereits heute gezielt nach Lösungen mit integriertem Brandschutz fragen.

Für Hersteller entsteht dadurch ein neuer Qualitäts- und Differenzierungsfaktor. Brandschutz wird nicht mehr ausschließlich als Kostenfaktor betrachtet, sondern zunehmend als vermarktbarer Mehrwert — insbesondere in kritischen Infrastrukturen.

Beispiel: LG LED-Installation am Frankfurt Airport

Wie sich solche Konzepte konkret umsetzen lassen, zeigt aktuell ein Projekt am Flughafen Frankfurt. Im neuen Terminal 3 wurden großformatige LED-Walls unter anderem von LG im sogenannten Marketplace-Bereich integriert. Die Installation befindet sich in einem architektonisch anspruchsvollen Umfeld mit hoher Personenfrequenz nach dem Security-Check. Gerade dort spielen Sicherheitsanforderungen und Entfluchtung eine zentrale Rolle.

Porträt eines Mannes in blauem Anzug und weißem Hemd vor einer roten Tür in einem Gebäude.
Identische LED-Kabinette müssen je nach Einsatzort völlig unterschiedlich bewertet werden, betont Markus Fiebig, Head of Sales and Business Development Extinguishing Solutions JOB GmbH (Bild: Media Frankfurt)

Mit der Inbetriebnahme von Terminal 3 am Flughafen Frankfurt nimmt nicht nur eines der bedeutendsten Infrastrukturprojekte Deutschlands seinen Betrieb auf, sondern entsteht zugleich ein neues Umfeld für digitale Markenkommunikation im internationalen Passagierverkehr. Im zentralen Marktplatzbereich hinter der Sicherheitskontrolle realisierte LG Electronics Deutschland gemeinsam mit dem Systemintegrator Ben Hur zwei großformatige LED-Walls mit einer Gesamtfläche von rund 115 m². Auftraggeber ist Media Frankfurt, verantwortlich für Medienkonzept und Vermarktung der Werbeflächen am Flughafen.

Die Installationen befinden sich im hochfrequentierten Duty-Free-Bereich des Marketplace und verfügen jeweils über eine Auflösung von 6.240 × 1.485 Pixeln. Zum Einsatz kommt das LED-Modell LHCB025-YN, das speziell für den dauerhaften 24/7-Betrieb in anspruchsvollen Umgebungen entwickelt wurde. Laut LG sorgt die Serie auch bei schwierigen Lichtverhältnissen für eine homogene, kon-trastreiche Darstellung und ermöglicht zugleich eine relativ schlanke Integration in architektonisch komplexe Räume.

Besondere Bedeutung hatte im Projekt das Sicherheits- und Brandschutzkonzept. Gerade in Flughäfen gelten erhöhte Anforderungen an Materialien, Betriebssicherheit und Entfluchtung. Die installierten LED-Systeme erfüllen die Anforderungen der VdS 6024 und kombinieren Brandschutz von außen mit integriertem Brandschutz innerhalb der Geräte.

Zum Einsatz kommen schwer entflammbare, nach EN 13501-1 klassifizierte Materialien sowie die werkseitig integrierte eBulb-Technologie der JOB Gruppe. Das System erkennt thermische Ereignisse direkt im Modul, unterbricht im Ernstfall die Stromversorgung und setzt automatisch Löschmittel frei.

Da die Brandschutztechnik bereits vollständig ab Werk integriert ist, liegen relevante Zertifizierungen wie CE-, EMV- und weitere gerätespezifische Nachweise direkt vom Hersteller vor. Zusätzliche lokale Nachrüstungen oder Einzelzertifizierungen konnten dadurch reduziert werden, was insbesondere in sicherheitskritischen Infrastrukturen Vorteile bei Planung und Integration bietet.

Laut LG war das Projekt zugleich eines der ersten großen Referenzbeispiele für die neue Produktgeneration mit integriertem Brandschutz. Entscheidend für deren Auswahl sei es gewesen, dass sich die Technik trotz der zusätzlichen Sicherheitsfunktionen ohne massive Schutzgehäuse in das architektonische Gesamtkonzept integrieren ließ. Für die Beteiligten zeigt das Projekt exemplarisch, wohin sich der Markt entwickelt: Sicherheitsanforderungen, architektonische Integration und wirtschaftliche Nutzung von LED-Flächen müssen zunehmend gemeinsam gedacht werden.

Die Diskussion um LED-Installationen zeigt deutlich, wie stark sich die Anforderungen an AV-Systeme verändern. Displays sind heute längst nicht mehr reine Anzeigemedien. Sie werden Teil komplexer Gebäude- und Sicherheitskonzepte. Mit der VdS 6024 entsteht erstmals ein Rahmen, der Herstellern, Integratoren und Betreibern Orientierung bietet. Gleichzeitig wächst die Bedeutung integrierter Sicherheitslösungen direkt innerhalb der Geräte.

Für LG gilt das Projekt als Referenzbeispiel für moderne LED-Installationen in sensiblen öffentlichen Bereichen. Neben Bildqualität und architektonischer Integration standen dabei vor allem Betriebssicherheit, regulatorische Konformität und langfristige Zuverlässigkeit im Mittelpunkt. Für die AV- und IT-Systemintegration bedeutet das: Brandschutz entwickelt sich zunehmend vom projektspezifischen Sonderthema zum festen Bestandteil moderner AV-Planung.

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