Test und Messungen

Wireless-Lautsprechersystem Spottune Omni im Test

Der 2018 in Dänemark gegründete Hersteller Spottune entwickelte mit dem Omni-Strahler ein schon mit mehreren Designpreisen ausgezeichnetes Wireless-Lautsprechersystem mit kompakten, rundum strahlenden Lautsprechern, die optisch gefällig an Lichtschienen, am Kabel hängend oder auch als Deckeneinbau montiert werden können. Ergänzt wird der Omni noch durch einen optionalen Subwoofer und einen Streamer für die Signalzuspielung.

Spottune Omni CORD WHITE(Bild: Spottune)

Inhalt dieses Praxistests:

Anzeige


Jeder kennt das Problem: In Empfangshallen, in der Gastronomie, in Shops oder auch in Museen werden Lautsprecher gewünscht, um Informationen, Hintergrundbeschallung, Musik oder auch Ansprachen übertragen zu können. Gleichzeitig möchte man speziell in gestalteten Räumen die Lautsprecher aber möglichst nicht sehen – oder zumindest nicht als solche erkennen können. Dieser Gedanke trieb auch Søren Louis Pedersen und Christian Poulsen um, als sie 2018 die Marke Spottune gründeten. Die Idee dahinter ist ebenso einfach wie elegant: Standardisierte Stromschienen zur Montage von Lampen sind weit verbreitet, warum also diese nicht auch für Lautsprecher verwenden. Die Schienen sind stabil und tragen auch schwerere Lampen oder eben Lautsprecher. Die Stromversorgung ist in die Schienen bereits integriert, die Montage ist einfach und gelingt in wenigen Minuten. Die Schiene betreffend sollte es eine Drei-Phasen-Schiene sein, in denen für die Lautsprecher eine nicht gedimmte oder für das Licht geschaltete Phase genutzt werden kann.

Für die Signalübertragung setzt man bei Spottune auf die proprietäre Wireless-Technologie Audio-Broad-Casting-Digital-Technology (ABCD), die im Frequenzbereich von 1,8 bis 1,9 GHz arbeitet und sich selbstständig konfiguriert. Die Reichweite wird abhängig von den Randbedingungen mit 50 bis 100 m angegeben. Zum System gehört der Lautsprecher „Omni“, ein optional einzusetzender, kompakter 10″-Subwoofer und als zentrale Steuereinheit der Streamer, der Audiosignale per Kabel, USB oder Netzwerk entgegennimmt und auf zwei Zonen im Funknetz verteilt. Die Bedienung des Streamers kann am Gerät selbst oder über eine zugehörige App auf dem Smartphone via Cloud erfolgen. Eine Vorrangschaltung für wichtige Durchsagen ist ebenso vorhanden wie eine pegelabhängige Loudness-Anpassung des Frequenzgangs. Bei einer leisen Wiedergabe werden durch die Loudness-Anpassung die tiefen Frequenzen angehoben, sodass die Wiedergabe nicht zu dünn klingt. Damit wird die Eigenschaft des Gehörs kompensiert, bei geringen Pegeln besonders unempfindlich für tiefe Frequenzen zu sein.

Spottune Streamer
Streamer
Nimmt Audiosignale per Kabel, USB oder Netzwerk entgegen und verteilt sie auf zwei Zonen im Funknetz
(Bild: Spottune)

>> zurück zur Übersicht

Spottune: Design und akustische Eigenschaften

Die Zielsetzung beim Entwurf des Omni war, neben einem ansprechenden und gleichzeitig unauffälligen Design auch eine akustisch hohe Qualität zu erreichen. Letztere wird leider immer noch in vielen Fällen vernachlässigt: Für eine aufwendig gestaltete Innenarchitektur wird viel Aufwand getrieben, das akustische Erlebnis fällt dann aber überhaupt nicht ebenbürtig aus. An diesem Punkt setzt Spottune an und will Abhilfe schaffen, ohne den optischen Eindruck zu trüben. Bei Spottune entschied man sich beim Gehäuse des Omni für eine schlichte Zylinderform mit 115 mm Durchmesser und 200 mm Länge. Darin verbaut sind ein hochwertiges Breitbandchassis, eine Class-D-Endstufe mit 50 W, einem Netzteil und einer DSP-Bearbeitung zur Filterung und Signalverarbeitung. Der Omni kommt dank der Class-D-Technik damit auf ein Gewicht von nur 1,5 kg, was bei der Montage kein Problem darstellt.

Messung der Directivity: Spottune Omni auf dem Stativ
Messung der Directivity
Ein Omni auf dem Stativ, die Signalzuspielung erfolgte über den Aux-Input auf der Frontseite hinter der Abdeckung
(Bild: Anselm Goertz)

Einen guten Breitbandlautsprecher mithilfe der Filterung auf einen linearen Frequenzgang zu trimmen ist das eine. Zusätzlich sollte aber auch noch eine möglichst breite und rundum gleichmäßige Abstrahlung erzielt werden, um mit wenigen Lautsprechern auch große Flächen abdecken zu können. Dazu wurde vor der Membran des Treibers noch eine Art Kegel angebracht, sodass der Schall nicht direkt, sondern über einen umlaufenden Spalt von ca. 2 cm Höhe abgestrahlt wird. Die geringe Höhe des Spaltes bedingt eine breite Abstrahlung.

Das so konzipierte Basismodel des Omni gibt es in drei Varianten: In der Version „Track“ mit der Halterung für die Stromschiene, als „Cord“ zur Aufhängung am Kabel und mit dem optionalen „Recessed“-Set zum Einbau in eine abgehängte Decke. Vom Prinzip her deckt man damit alle üblichen Montagemöglichkeiten für Lautsprecher ab. Wie sich der Omni messtechnisch im Labor geschlagen hat, betrachten wir in den folgenden Absätzen.

>> zurück zur Übersicht

Messwerte des Spottune Omni

Eine erste Messung des Frequenzganges erfolgte auf Achse des Spottune Omni in 2 m Entfernung. „Auf Achse“ bedeutet in diesem Fall „auf der Mittelachse des Zylindergehäuses“. Das Ergebnis aus ABB. 01 ist bereits sehr vielversprechend: Der Frequenzgang reicht von 55 Hz bis 15,5 kHz, wenn man die Eckfrequenzen –6 dB zugrunde legt. Von 80 Hz bis 15 kHz bewegt sich die Kurve in einem Toleranzschlauch von ±3 dB. Beides entspricht bereits gehobenem HiFi-Niveau.

Der zugehörige Phasengang in ABB. 02 weist den typischen Verlauf eines guten Breitbänders auf. Durch die Hochpassfunktion dreht sich die Phase lediglich am unteren Ende des Übertragungsbereiches. Der weitere Verlauf ist linearphasig und somit quasi ideal.

Spottune Omni auf dem Stativ
Omni auf dem Stativ
In 2 m Entfernung befindet sich das Messmikrofon
(Bild: Anselm Goertz)
ABB. 01: Frequenzgang des Spottune Omni gemessen in 2 m Entfernung auf der Mittelachse. Die rote Kurve zeigt den mit 1/3 Oktave Bandbreite geglätteten Verlauf. Die Eckfrequenzen –6 dB liegen bei 55 Hz und bei 15,5 kHz.
ABB. 02: Phasengang des Spottune Omni gemessen in 2 m Entfernung auf der Mittelachse. Der Verlauf ist charakteristisch für ein Breitbandsystem.

>> zurück zur Übersicht

Abdeckung der ungewöhnlichen Abstrahlung

Interessant wird es bei der Directivity, für die das Datenblatt eine besonders gleichmäßige Rundum-Abstrahlung verspricht. Bedingt durch die Konstruktion ist das Abstrahlverhalten axialsymmetrisch (bezogen auf die Mittelachse des Zylinders). Messtechnische Unterschiede kann es daher nur in der dazu senkrechten Ebene geben. Bezogen auf die Balloon-Daten ist das die Elevation. Eine Variation des Azimut-Winkels liefert keine Veränderung. Die erste Messung dazu erfolgte mit der Cord- bzw. Track-Version des Omni im freien Aufbau auf einem Stativ (siehe auch unsere Fotos).

Spottune Omni Recessed-Variante
Recessed-Variante
Eingebaut im Bodendrehteller: Messung der Directivity unter Halbraumbedingungen, das Messmikrofon befindet sich am Arm in 2 m Entfernung und wird in 5 -Schritten auf einer Viertelkreisbahn bis zum Boden bewegt
(Bild: Anselm Goertz)

Benutzt man die übliche Darstellungsart der Isobarengrafik mit Bezug zur 0°-Achse, dann entsteht das Bild aus ABB. 03. Diese Art der Darstellung ist jedoch eher für Lautsprecher geeignet, die eine ausgewiesene Abstrahlrichtung haben und weniger für rundum strahlende wie den Omni. ABB. 04 zeigt für den Omni den über alle Winkel von 0° bis 90° energetisch gemittelten Frequenzgang. Zum Vergleich ist in der Grafik auch noch der Onaxis-Verlauf eingezeichnet, sodass man gut erkennt, wie wenig der gemittelte Verlauf von der Einzelmessung on-axis abweicht. Für die Isobarendarstellung ergibt sich daraus der Gedanke, diese nicht auf die Mittelachse, sondern auf den gemittelten Verlauf zu beziehen. Da der wichtigste Winkelbereich für einen von oben strahlenden Lautsprecher bei ±45° liegt, wurde für die Isobarendarstellung aus ABB. 05 der Bezugswert aus diesem Winkelbereich gemittelt. In der Isobarengrafik ist jetzt gut erkennbar, wie der Omni gleichmäßig über den ganzen Winkelbereich von ±90° abstrahlt. Lediglich ein Minimum in der Abstrahlcharakteristik zieht sich von ca. 1,5 kHz bei 90° beginnend und für höhere Frequenzen auf die Mittelachse zulaufend durch das ansonsten sehr gleichmäßige Bild. Da es sich idealisiert betrachtet um eine ringförmige Quelle mit einem Durchmesser von 115 mm handelt, ist das Verhalten typisch.

ABB. 03: Isobaren des Omni für einen ±180° Winkelbereich. Die Darstellung ist relativ zur Mittelachse.
ABB. 04: Gemittelter Frequenzgang des Omni frei hängend montiert von 0° bis 90°. Zum Vergleich die On-axis Kurve (grau)
ABB. 05: Jetzt gut erkennbar, wie der Omni gleichmäßig über den ganzen Winkelbereich von ±90° abstrahlt; hier wurde die Darstellung nicht nur auf die Mittelachse, sondern auf den Mittelwert der Messungen von 0° bis 45° bezogen.

Die zweite Directivity-Messung wurde mit der „Recessed“-Option des Omni durchgeführt. Das Montageset für den Deckeinbau besteht aus dem Einbaurahmen, einer Anschlussdose für das Netzkabel, einem Safety-Seil und einer Abdeckung für die sichtbare Unterseite. Das Bild „Recessed-Variante“ auf S. 86 unten zeigt den Omni, wie er für die Messung mit diesem Montageset im Bodendrehteller eingelassen ist. Die Drehung des Tellers (Azimut-Winkel) allein würde hier jedoch keine Erkenntnisse liefern. Um auch die Elevation zu erfassen, verfügt die Grenzflächenmesseinrichtung noch über einen schwenkbaren Arm, der an seiner Spitze das Messmikrofon trägt. Der aus feinen Schweißelektroden konstruierte Arm ist akustisch nahezu „unsichtbar“, trägt aber durch seine Bauform als Dreiecktraverse das Mikrofon absolut stabil und schwingungsfrei. Letzteres wird unter anderem durch angesetzte kleine Gewichte und etwas Dämmmaterial im Inneren des Dreieckes erreicht.

ABB. 06 und ABB. 07 zeigen die nach der vorab schon erläuterten Methode ausgewertete Grenzflächenmessung, bei der sich die Isobaren auch wieder auf den gemittelten Verlauf der Winkel von 0° bis 45° beziehen. Zu dem schon genannten Verhalten eines Ringstrahlers kommt in diesem Aufbau noch die Reflexion an der Grenzfläche hinzu. In der idealisierten Betrachtung hat man es jetzt durch die akustisch spiegelnde Grenzfläche – hier den Boden – mit zwei ringförmigen Quellen zu tun: der realen Quelle ca. 10 cm über dem Boden und der virtuellen Spiegelquelle ca. 10 cm unter der Grenzfläche. Die gemittelte Kurve aus Abb. 06 verläuft daher etwas unruhiger und zeigt durch die akustische Kopplung mit der Grenzfläche eine leichte Überhöhung im Tieftonbereich. Alles in allem lässt sich festhalten, dass der Omni in beiden Varianten – frei hängend oder in eine Grenzfläche eingebaut – seinem Anspruch der rundum gleichmäßigen Abstrahlung sehr gut nachkommt.

ABB. 06: Gemittelter Frequenzgang des Omni von 0° bis 90°eingebaut in einer Grenzfläche (zum Vergleich die On-axis-Kurve in Grau)
ABB. 07: Isobaren des Omni für einen Winkelbereich ±90° in einer Grenzfläche. Die Darstellung ist auf den Mittelwert der Messungen von 0° bis 45° bezogen.

>> zurück zur Übersicht

Maximalpegel

Werden die Lautsprecher in einer Hotelbar oder einer Boutique für junge Kundschaft eingesetzt, dann können auch schon mal etwas höhere Pegel verlangt werden. Für den entsprechenden Tiefbass gibt es dazu den Spottune-Subwoofer, der mit nur 200 mm Bauhöhe als Bandpass unauffällig platziert werden kann und mit einer einstellbaren Eckfrequenz zwischen 60 und 200 Hz den Frequenzbereich darunter übernimmt. Was der Omni in Sachen Maximalpegel zu leisten vermag, wurde für diesen Test mit einer Multitonmessung geprüft (ABB. 08). Das Messsignal hat eine spektrale Verteilung nach EIA-426B für ein mittleres Musiksignal (grüne Kurve) und einen Crestfaktor von 12 dB. Diese Art der Messung spiegelt somit einen sehr realistischen Belastungszustand wider.

ABB. 08: Mit einem EIA426B-Multitonsignal gemessener Maximalpegel. Der Mittelungspegel in 1 m Entfernung beträgt 91 dB und der Spitzenpegel 103 dB, der Verzerrungsanteil beträgt 20 dB (10 %).
ABB. 09: Mit der zugehörigen EASE GLL berechneter Maximalpegel für ein EIA426B-Signal. Mit 102,5 dB entspricht der Wert sehr genau dem des gemessenen Wertes als Spitzenpegel.

Der hier gemessene Verzerrungswert erfasst sowohl die mit diesem Signal entstehenden harmonischen Verzerrungen (THD) wie auch die Intermodulationsverzerrungen (IMD). Beides zusammen wird aus als Total Distortions TD = THD + IMD bezeichnet. Auf 1 m im Freifeld bezogen erreicht der Omni dabei einen Pegel von 91 dB als Mittelungspegel Leq und von 103 dB als Spitzenpegel Lpk. Dank der mit 50 Watt kräftigen Endstufe im Omni kann das Breitbandchassis sehr gut ausgenutzt werden. Für die Simulation von Beschallungsanlagen mit den Spottune-Komponenten bietet man den Planern auch eine EASE-GLL-Datei. Berechnet man damit den möglichen Maximalpegel, dann bekommt man für die Konstellation der Messung mit einem EIA-426B-Spektrum einen Maximalpegel von 102,5 dB angezeigt, was sehr gut mit dem gemessenen Spitzenpegel zusammenpasst. In der Praxis bedeutet das, dass sich mit einer Installation aus Omni-Systemen ohne Probleme auch Party-taugliche Pegel erreichen lassen.

>> zurück zur Übersicht

Fazit

Der noch junge dänische Hersteller Spottune bietet mit seiner kleinen Geräteserie um den Omni-Strahler eine umfassende Lösung für die anspruchsvolle Beschallung in Shops, Bars, Museen und anderen öffentlichen Räumen an. Der zum System gehörige Streamer als Schaltzentrale der Anlage sammelt und verteilt die Signale via Funknetz an alle zugehörigen Lautsprecher einschließlich des Subwoofers. Der Omni-Strahler kann elegant und einfach an Lichtschienen, am Kabel hängend oder als Deckeneinbau montiert werden. Allen Varianten ist gemeinsam, dass sie kaum als Lautsprecher zu erkennen sind und sich unauffällig in ihr Umfeld einpassen. Die in der Serie lieferbaren Farben sind Schwarz, Weiß und Grau.

Messtechnisch liefert der Omni sehr gute Ergebnisse und hält seine Versprechen. Die Verarbeitung und Ausführung des Omni steht dem in nichts nach, und das System hat sich bereits erfolgreich für Design-Auszeichnungen beworben. Mit Preisangaben sind die Hersteller derartiger Lösungen immer etwas zurückhaltend, da eher eine Systemkalkulation sinnvoll ist – für den Omni werden aber rund 450 € als grober Startpunkt genannt. Dafür erhält man einen sehr realistischen Gegenwert. Auch der Werterhalt ist in diesem Fall ein wichtiger Faktor, denn es wäre schnell und ohne Beschädigungen möglich, ein Spottune-System ab- und an anderer Stelle wieder aufzubauen. Spottune ist im Vertrieb von Monacor und Exertis ProAV sowie auch bei Sound Experts und Lichtbasis erhältlich.

>> zurück zur Übersicht


// [14856]

Anzeige

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.