Kolumne

Medientechnik in Hotels oder von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen

Sind Sie in den letzten Jahren mal als Nutzer in Hotels unterwegs gewesen und mussten dabei Medientechnik bei Präsentationen nutzen? Wenn ja, wissen Sie wahrscheinlich schon, was jetzt kommt. Falls nein, aber Sie haben so etwas vor, dann hier mein unentgeltlicher Ratschlag: Nehmen Sie Ihr eigenes Equipment mit, und seien Sie trotzdem noch auf ALLES vorbereitet! Und falls Sie das nicht tun wollen oder können, dann seien Sie bereit, die Konsequenzen zu tragen.

Uwe Röddinger
Uwe Röddinger (Bild: Comm-Tec)

Ich habe in den letzten Jahren knapp 80 derartige Veranstaltungen gemacht. Oft war ich alleine unterwegs, reiste quasi mit leichtem Gepäck, ohne Hilfe beim Aufbau. Denn warum Leinwand und Projektor mitschleppen, wenn nur eine PowerPoint gezeigt werden soll? Nun, ganz einfach: Die Projektoren der Hotels sind entweder alt und dunkel oder neu und dunkel. Die Leinwände sind eigentlich immer so groß, dass ein Raum mit der 5-fachen Größe gut bestückt wäre. Allerdings kann man meist nur etwa die Hälfte der Leinwandfläche nutzen, da die Ränder sich derartig wölben, dass eine Projektion in diesen Bereichen sich eh erübrigt. Und der Gelbton der Oberfläche zeigt klar, dass sie noch aus der Zeit stammt, als Rauchen Volkssport war.

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Wenn Sie Glück haben, ist der Projektor beweglich. Um die bestmögliche Projektion (aus der Sicht eines AV-Profis) zu erreichen, steht der Projektor dann in der ersten oder zweiten Reihe der Bestuhlung, und sorgt für bewegte, erwärmte Luft für die, die zu spät kamen und sich den Platz nicht mehr aussuchen konnten. Wenn Sie Pech haben, ist er fest montiert unter der Decke. Dann atmen zwar die ersten Sitzreihen auf, aber Sie werden feststellen, dass der Käufer des Projektors und der Installateur der Halterung die Größe der bereits vorhandenen Leinwand nicht mit in ihre Überlegungen aufgenommen haben.

Ich erwähnte ja schon PowerPoint. Kennen Sie den Ausdruck „Death by PowerPoint“? Wenn Sie jetzt glauben, der steht für „langweile deine Teilnehmer mit PowerPoint zu Tode“, muss ich Sie enttäuschen: Es sterben erheblich mehr Referenten als Zuhörer, wenn Sie während Ihres Vortrags über die Kabelbrücken oder frei liegende Kabel stolpern! Oder haben Sie schon mal in einem Hotel gesehen, dass ein Bodentank auch nur ansatzweise dort ist, wo er wirklich gebraucht wird?

Noch spannender wird es, wenn Sie dann den Deckel des Bodentanks öffnen – hoffentlich ohne sich die Fingernägel abzubrechen – und das Grauen darunter sehen. Und damit meine ich nicht einmal den grauen Staub oder die schmutzig grauen Schleier, die entstehen, wenn Wasser auf Staub trifft. Nein, ich meine den Zustand der Steckdosen! Ganz ehrlich, dann stolpere ich lieber über meine fünf 4-fach Steckdosen, die ich brauche, um 230 Volt von der Wand bis zu meinem Referenten-Tisch zu verlängern.

Wenn es dann losgeht mit meinem Vortrag, komme ich immer richtig in Fahrt und vergesse schnell die „Kleinigkeiten“ während des Aufbaus. Und fange meistens auch an zu schwitzen. Was weniger an meinem Deodorant liegt, als mehr an 25 Personen, Sonnenschein und einem Großbildprojektor. Und der fast immer unzureichenden Lüftung. Gefühlt sind alle Veranstaltungsräume in deutschen Hotels nach Süden ausgerichtet, damit es schön hell ist. Liebe Leute, für die Helligkeit tagsüber ist die Sonne zuständig, und die liefert Licht leider nicht ohne Hitze. Kein Problem für die Finanziers der Hotels: In Nordeuropa gibt es ja nur so wenige Sonnentage, dass eine Klimaanlage nicht gebraucht wird. Sollten Sie aber eins der älteren und teureren Hotels mit Klimaanlage erwischt haben, dann seien Sie darauf gefasst, dass es entweder so kalt wird, dass Ihre Teilnehmer wünschten, ihre Mäntel dabei zu haben, oder aber Sie laut brüllen müssen, um verstanden zu werden.

Was ich natürlich als glänzende Überleitung zum Grusel-Thema 3 nutze: Dem Ton! Oder dem, was die Hotelbetreiber für Ton halten. Die Deckenlautsprecher, die da zum Einsatz kommen, waren schon überholt, als der alte Fritz noch Gefreiter war. Und warum eigentlich gibt es in Hotels nur Deckenlautsprecher? Hat bestimmt was mit Design zu tun. Genauso wie die Leinwand ohne schwarzen Rahmen. Aber ich schweife ab, ich bin beim Ton. Um nun die Deckenlautsprecher befeuern zu können, braucht es ein Mikrofon. Ich hoffe für Sie, dass es ein kabelgebundenes Handmikrofon ist. Das hat nämlich den großen Vorteil, Sie an übermäßigen Bewegungen zu hindern. Ein drahtloses Funkmikrofon wäre hier völlig fehl am Platz, da Sie als Referent damit ständig Rückkopplungen produzieren würden. Und zwar heftige!

Was bleibt noch? Ach ja, die Bedienung. Hotels scheinen davon auszugehen, dass die Räume vom Hotelpersonal vorbereitet werden, und dann hat da keiner mehr rumzufummeln. Falsch, meine Damen und Herren Hotel-Equipment-Einkäufer(innen). Während einer Veranstaltung muss eigentlich ständig irgendwas geknöpfelt werden. Und da wird es dann richtig spannend: Vom 1,2 × 0,8 m großen Alublech mit 124 beleuchtbaren Tasten – aber unlesbaren Beschriftungen – bis hin zum 24″ großen, aber dunklen Touchpanel namhafter Steuerungshersteller finden Sie alles vor. An der Eingangstüre. Also diametral gegenüber der Position, auf der Sie sich als Referent aufhalten! Was dazu führt, dass Sie Ihre Teilnehmer bitten, es zu versuchen oder per Telefon den Haustechniker rufen, der gerade irgendwo einen Teppichboden reinigt und sich erst umziehen muss, oder selbst von vorne nach hinten rennen. Und wenn Sie ein wenig Glück haben, funktionert die Bedienung.

Bei einem Hotel in einer Weltmetropole musste gar morgens, als die ersten Teilnehmer bereits im Raum waren, mit der Leiter die Revisionsöffnung neben der Leinwand in der Decke geöffnet werden und die Leinwand dann mit einem dort oben befindlichen „Notschalter“ herabgelassen werden. Das konnte aber erst zu diesem Zeitpunkt passieren, da die anwesenden Mitarbeiter des Hotels am Vorabend der Veranstaltung nur bestätigen konnten, dass die Tasten der Raumsteuerung in letzter Zeit nicht mehr funktionieren. Man habe sich auch eine Zeit lang gewundert, warum das „Tatschpännel“ nicht leuchtet. Ich komme zurück zu meiner ersten Aussage: Wenn Sie in einem Hotel eine Veranstaltung haben, buchen Sie nur einen klimatisierten Raum. Und den Rest bringen Sie selber mit. Also, liebe Hotels und alle, die darin arbeiten: Macht es richtig (wir können Ihnen hunderte Fachleute nennen) oder lasst es ganz. Dann gibt es auch keine Enttäuschungen.

 

PS: Haben Sie so was schon mal in den USA gemacht? Jawoll, liebe Hotelbetreiber, jetten Sie mal da rüber und schauen Sie sich an, wie so etwas gemacht wird!

PSS: Es soll Veranstaltungshotels geben, die das gut machen. Schade, dass ich bisher noch keine gefunden habe.

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Kommentare zu diesem Artikel

  1. Danke für den launigen Artikel. Wie immer, ist es in Wahrheit noch viel schlimmer und es gäbe noch Einiges zu erzählen.
    Wie z.B. die Geschichte wo der AV-Chef des 5Stern-Hotels aufgeregt anrief, weil die mobile Lautsprecheranlage nicht funktionierte, obwohl er doch alles richtig angesteckt hatte an die fix-verlegte XLR-Verkabelung. Als beim Eintreffen die (dynamischen!) Rednerpult-Mikros leise brummten, die Tonsäulen aber keinen Mucks machten, war es an der Zeit, die Kabel an den XLR-Steckdosen zu tauschen. Ein brillianter Einfall, aus Gründen der Optik alle Wand-XLR als Female-Version auszuführen, ganz gleich ob Mic-Input oder Speaker-Out.
    Und die Conclusio? Sollen wir nun weinen oder lachen?

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  2. Na dann waren Sie noch nicht bei uns. http://www.heidejaeger.de

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