Die Praxis im Büro

Akustik in Großraumbüros: Sound Masking am Arbeitsplatz

Großraumbüros bringen einige spezielle Anforderungen an die Akustik mit sich. Einerseits sollen kommunikative Arbeitsumgebungen geschaffen werden, anderseits müssen oder wollen nicht alle alles wissen. Um eine Arbeitsumgebung zu schaffen, in der beide Aspekte berücksichtigt werden, setzt die Firma InSyst aus Velbert ein Soundmasking-System ein.

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(Bild: Christiane Bangert)

Seit Sommer letzten Jahres ist die IT-Firma InSyst in ihren neuen Räumlichkeiten. Ein großer Raum schafft mit verschiedenen Zonen Arbeitsplätze, Besprechungs- und Aufenthaltsbereiche für die 10 Mitarbeiter. Seit März dieses Jahres kommt ein Soundmasking- System zum Einsatz, das System QtPro von der amerikanischen Firma Cambridge Sound Management. Beim Besuch von InSyst berichtet der Geschäftsführer Guido Kinzel über die Gründe für den Einbau, die Erfahrungen und erläuterte zusammen mit Jan Otte von prody- Tel das System. Die prodyTel Distribution GmbH ist der deutsche Vertrieb von Cambridge Sound.

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Die Ausgangslage

Mit dem Umzug in die neuen Räume wurde eine neue Arbeitsumgebung geschaffen: „Es war eine bewusste organisatorische Entscheidung, dass alle Mitarbeiter in einem Raum sitzen“, erklärt Guido Kinzel. „Ziel war ein besserer Austausch von Informationen. Unsere Kunden werden meist von einem oder zwei Mitarbeitern betreut. Da ist es sehr wichtig, dass andere Mitarbeiter bei Krankheit oder Urlaub die Betreuung übernehmen können.“ Die Kunden sind mittelständische Unternehmen, für die InSyst die IT-Infrastruktur baut und betreut, sowohl die Hard- wie auch die Software. „Zu den größten Kunden gehört eine Firma mit ca. 450 Mitarbeitern und 100 Servern“, erwähnt Guido Kinzel.

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Nur die Büros der Geschäftsführer sind akustisch von den Arbeitsplätze, Empfang, Besprechungs- und Aufenthaltsbereichen getrennt (Bild: Christiane Bangert)

Vor dem Umzug hatten alle Mitarbeiter Einzelbüros. Jetzt arbeiten alle in einem Raum auf dem 1. Obergeschoss; zusätzlich gibt es im Erdgeschoss u. a. einen Laborbereich zum Konfigurieren und Testen von Servern und anderer Hardware sowie den Sozialbereich. Nur die beiden Geschäftsführer-Arbeitsplätze im 1. Obergeschoss sind durch raumhohes Glas akustisch von den anderen Arbeitsplätzen getrennt. „Wir telefonieren sehr viel“, erläuterte Guido Kinzel. Dabei sind die Schreibtische „klassisch“ angeordnet, es stehen sich jeweils zwei gegenüber.

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Entspannung beim Billard – der Sozialbereich im Erdgeschoss (Bild: Christiane Bangert)

Die Ausstattung ist zeitgemäß, mit Schallschutzschirmen zwischen den Schreibtischen, die filzartig bespannten Stellwände als Abtrennung zu anderen Raumbereichen, die Sitzecken und speziellen Möbel für einen Plausch in relativ intimer Atmosphäre. Ein Besprechungsbereich kann per Vorhang visuell vom Raum getrennt werden.

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Der Besprechungs – bereich bei InSyst ist ebenfalls Teil der offenen Bürostruktur (Bild: Christiane Bangert)

Unterschiedliche, absorbierende Oberflächen-Materialien sorgen für eine akustisch recht ruhige Umgebung. An den höhenverstellbaren Schreibtischen kann man sich zu einem kurzen Informationsaustausch im Stehen treffen. Gute Kommunikationsmöglichkeiten waren also erreicht. Fast schon zu gute: „Es war für alle gewöhnungsbedürftig, in der Öffentlichkeit zu arbeiten“, berichtete Guido Kinzel. „Auch beim Telefonieren muss man sich disziplinieren. Ich hab‘ mich dann intensiver mit dem Thema auseinandergesetzt, Soundmasking fand ich eigentlich schon lange ein spannendes Thema. Und Pioniergeist, auch unbekanntere Dinge auszuprobieren, passt ganz gut zu einer IT-Firma.“

Das Sound Masking System

Das Cambridge Sound Management-System setzt sich im Prinzip aus einer zentralen Einheit und den Lautsprechern zusammen. An Zentralen stehen drei Varianten zur Verfügung, die für unterschiedliche Installationsgrößen gedacht sind. Das Qt 100 lässt sich an die Wand montieren und ist für Installationen mit maximal 120 Lautsprechern in einer Zone und bis zu 1.100 m2 großen Raumbereichen konzipiert. Es hat einen zusätzlichen Audioeingang und die Möglichkeit, die Lautstärke zu regeln.

Das Qt 300 für drei Zonen, bis zu 360 Lautsprecher und 3.300 m2und das Qt 600 für sechs Zonen, 720 Lautsprechern und 6.600 m2 bieten zwei zusätzliche Audioeingänge, um z. B. Hintergrundmusik oder Durchsagen einzuspielen. Ein 3-Band EQ, Tag- und Nachtumschaltung, automatische Pegelanpassung sowie Einstell- und Überwachungsmöglichkeiten auch per Software und Rechner stellen Qt 300 und Qt 600 ebenfalls zur Verfügung. Als Maskierungssignal wird grundsätzlich ein Rauschen ausgegeben. Dazu werden passende Lautsprecher in der Decke montiert. Dabei handelt es sich um die Qt Masking-Deckenlautsprecher, die bei einem Durchmesser von gut 8 cm einen kleinen 1,25″ Treiber beinhalten und sowohl in einer Einbauvariante u. a. mit Trockenbau-Halterung wie auch mit Halterung zur Aufputz-Montage erhältlich sind.

Die Gitter sind schwarz oder weiß lackierbar, so dass sich die Farbe der Deckenumgebung anpassen lässt. Mit der Zentrale verbunden werden sie über Cat-Kabel und RJ45- Verbindungen, über die sie mit verstärkten Signalen versorgt werden. Ihre maximale Leistung wird mit 57 dB angegeben, wobei mit einem Dip-Schalter eine Pegelreduzierung um 9 dB in 3 dB -Schritten erfolgen kann. So können bei Bedarf auch Lautsprecher mit unterschiedlichem Pegel in einer Linie arbeiten. Jede Linie kann bis zu 300 m lang sein. Vier unabhängige Kanäle sollen übertragen werden – wohl mit dem Ziel, unkorreliertes Rauschen zu erzeugen.

Zur Ermittelung der erforderlichen Anzahl an Lautsprechern bietet Cambridge Sound einfache Berechungsformeln: Zunächst wird in Abhängigkeit von der Höhe das Raster bestimmt. Bei weniger als 2,6 m Deckenhöhe sollten die Lautsprecher beispielsweise in einem 2,5 m × 2,5 m Raster positioniert werden; mit Deckenhöhen von 3,5 m und mehr sind Raster von 3,7 m × 3,7 m möglich. Aus den Quadratmetern und dem Rasterabstand lässt sich dann die Anzahl der erforderlichen Lautsprecher in einer offenen Bürofläche berechnen. Für geschlossene Räume gibt Cambridge Sound Hinweise in einer Tabelle.

Die Erfahrungen

„Wir haben das System an einem Samstagvormittag zu zweit hier im Büro installiert“, berichtete Guido Kinzel. „Mit der Anleitung kann man einfach ausrechnen, wie viele Lautsprecher man braucht. Wir haben daraus ein Raster entwickelt, in dem über jedem Arbeitsplatz ein Lautsprecher ist. Insgesamt sind 30 Lautsprecher über die Decke verteilt. Mit einem Lochschneider sind die Aussparungen schnell in die Platten der abgehängten Odenwald – decke geschnitten, die Verkabelung mit Cat.5- Kabel ist einfach zu realisieren, die Ein- und Ausgänge an den Lautsprechern sind gekennzeichnet.“

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Über jedem Arbeitsplatz ist ein Lautsprecher platziert (Bild: Christiane Bangert)

Die Zentrale, in diesem Fall eine Qt 300 mit drei Linien, ist mit anderen technischen Geräten im Serverraum im Erdgeschoss installiert. „Wichtig war für mich die Möglichkeit, selber die Anlage einzustellen und die Lautstärke zu bestimmen“, berichtete Guido Kinzel. „Wir haben vorher eine Teststellung gemacht, die Lautsprecher sind ja sichtbar und wir wollten transparent mit dem Einsatz umgehen. Der Austausch mit den Mitarbeitern war wenig hilfreich und am Anfang waren auch nicht alle vom Soundmasking begeistert. Es ist sicher eine Gewöhnungssache und wir haben mit einem Pegel um 35 dB jetzt einen guten Kompromiss gefunden. Die zusätzlichen Nebengeräusche vernebeln die Sprache ein wenig. Dadurch wird sie weniger verständlich und weniger störend.“

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Die Qt 300 Zentrale von Cambridge Sound Management (Bild: Christiane Bangert)

Bei der geringen Lautstärke sind die kommunikativen Möglichkeiten nach wie vorgegeben, man versteht noch, was der Kollege am nächsten Schreibtisch sagt – aber eben nicht mehr das ganze Büro. Ziel ist es bei diesem Einsatz sicher nicht, Vertraulichkeit zu schaffen. „Für Mitarbeitergespräche, in denen es um vertrauliche Dinge geht, nutzen wir den Sozialbereich im Erdgeschoss“, erklärte Guido Kinzel.

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Guido Kinzel (rechts) und Jan Otte links (Bild: Christiane Bangert)

Normalerweise wird die Anlage automatisch morgens mit dem Ausschalten der Alarmanlage eingeschaltet und abends wieder aus. Es gibt aber auch die Möglichkeit, Radio einzuspeisen oder an späten Nachmittagen, wenn wenig Betrieb im Büro ist, sie auch mal manuell auszuschalten.

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Kommentare zu diesem Artikel

  1. Akustik in einem Großraumbüro ist ganz wichtig, um den Mitarbeiter nicht zu stören. Man schafft damit eine bessere Arbeitsumgebung. Wir wollen jetzt auch die Räume raumhohes Glas irgenwie günstig teilen. Ich informiere mich über Sound Masking noch weiter. Danke für die Information.

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