Audio: Beschallung im Philips Stadion Eindhoven

Bose Line Array Arena Match: Variable Coverage für Arenen

Mit Line-Arrays, die eine Vielzahl von Konfigurationsmöglichkeiten in der horizontalen Audio-Coverage bieten, bedient Bose bereits verschiedene Märkte. Mit der neuen Serie „Arena-Match“ greift man nun zu den größten Installationen – und kann zur Markteinführung bereits eine erste Installation in einem Stadion vorweisen.

Der Eindhovener friert nicht gerne – endlose Kette an Heizelementen an der Innenkante des Dachess – umso leichter mussten die Lautsprecher sein (Bild: Detlef Hoepfner)

Inhalt dieser Case Study:

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Wenn Philips seit fast 130 Jahren sein Stammwerk in Eindhoven beheimatet hat, kann man sich denken, wie das hiesige Stadion heißt. Fast ebenso geschichtsträchtig wurde in der Nutzung zwischen Leichtathletik und Fußball hin und her gewechselt, die Tribünen immer wieder verändert und erweitert und schließlich auch noch die Stadionecken zugänglich gemacht, um auf das heutige Fassungsvermögen von fast 38.000 Plätzen zu kommen. Seit 2019 präsentiert sich das Stadion nun auch mit einer komplett neuen Beschallung. PROFESSIONAL SYSTEM konnte den Sound bei einer Ortsbegehung am einem ungemütlich kalten Tag Anfang Februar live erleben.

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Herausforderung Montage

Herausforderung war dabei aber nicht allein die pure Größe der Tribünen: Das Einbringen von Lasten in das Dach gestaltete sich ausgesprochen kritisch. Zwei Umstände waren dabei hinderlich: Einmal wurden zusätzliche Gewichte von statischer Seite nicht gerne gesehen. So wurde dann auch sorgsam jedes demontierte und abgelassene Material am Boden erfasst und gewogen. Danach durfte dann das nächste Neumaterial seinen Weg nach oben antreten. Ein Grund dafür liegt in der aufwändigen Heizungsanlage, deren schwere Strahler (optisch leicht mit Lautsprechern zu verwechseln) dicht an dicht im Dach montiert sind. Außerdem wurden auch einige Wunschpositionen, auf die man aus akustischer Sicht gerne einen neuen Lautsprecher optimal platziert hätte, von Seiten der Statiker nicht zugelassen. Umso wichtiger also, dass man die verbleibenden Möglichkeiten optimal nutzte.

Arena-Match-Module
In Anbetracht der endlosen Kette an Heizelementen an der Innenkante des Daches mussten die Lautsprecher umso leichter sein. (Bild: Detlef Hoepfner)

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Nicht belastbar: Enge unterm Stadiondach

Zeitlich zusammen fiel mit dem Wunsch, das Stadion audioseitig auf den Stand der Technik zu bringen, die Markteinführung der neuen Arena-Match-Serie von Bose, sodass – besonders erfreulich natürlich für das zunehmend ausgebaute Europa-Team der Profiabteilung von Bose – der Serienstart gleich mit einer fertigen Installation in einem europäischen Stadion begangen werden konnte. Boses Philosophie ist bei diesen Serien, dass man den geforderten Ansprüchen an die Coverage (Lautstärkeverteilung auf einer Fläche) mit einer Vielzahl an Modellen und Optionen entgegenkommt. Gerade, wenn ein Line-Array nicht optimal über den Besuchern positioniert werden kann, hilft natürlich, wenn man vom gegebenen Punkt aus die Coverage im Line-Array so anpassen kann, dass die Zonen in den Hörflächen bestmöglich abzudecken sind. Und das betrifft beim Arena-Match beide Dimensionen – vertikal und horizontal. Dazu gibt es die drei Module AM10, AM 20 und AM40 mit der vertikalen Abstrahlung von 10°, 20° und 40 Grad. Die Module werden fix miteinander verbunden – es werden keine Winkel variiert. Damit ist bereits eine gute Pegel- und Coverage-Adaption in der Tiefe möglich, und zwar sozusagen schon konstruktionsseitig.

Coverage-Puzzle
Coverage-Puzzle aus insgesamt 132 Arena-Match-Modulen, präsentiert vom skandinavischen Regional Sales Engineer Jørgen Allén (Bild: Detlef Hoepfner)

Ähnlich verfährt man mit der horizontalen Abstrahlung, wobei die Winkel hier über wechselnde Waveguides zwischen 60°, 80°, oder 100° getauscht werden. Augenzwinkernd spricht der Bose-Support beim Ortstermin davon, dass Last-minute-Änderungen in den Projektanforderungen heutzutage theoretisch niemals vorkommen würden, aber wenn – dann ist hier schnell Abhilfe geschaffen. Auch asymmetrische Abstrahlwinkel lassen sich so realisieren. Die AM40 ist außerdem auch einzeln für Punktschallquellen-Applikationen gedacht, muss also nicht zwingend als aus mehreren Modulen bestehende Linie verbaut werden. Angesteuert werden sie über Boses Power-Match-Verstärkern und die Control-Space-DSPs, bei den Amps hat Bose mittelfristig auch eine weitere Leistungssteigerung im Visier.

Bose Standardmontagezubehör
Das Standardmontagezubehör kommt von Bose, Sonderanfertigungen werden je nach Flugpunkt nötig. (Bild: Detlef Hoepfner)

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Coverage-Puzzle

In Eindhoven landete man in der Planung, bei der man sich von den Montagepunkten per unterschiedlicher Module in die Tribünentiefe und dann Linie neben Linie in der Breite vorarbeitete, bei 22 Clustern mit insgesamt 5,7 Tonnen. Verbaut sind hauptsächlich (82) AM100x20 plus 34 × AM100x10. Hinzu kommen acht AM100x40 und je vier AM80x20 und AM60x10. Damit habe man für 90% der Plätze eine Gleichmäßigkeit des Direktschalls zwischen 1 und 4 kHz von +/-3 dB erreicht, so Regional Sales Engineer Jørgen Allén.

Dass den Anwender nicht interessieren würde, was im Produkt verbaut wurde – diese Meinung vertritt das Bose-Engineering bei unserem Treffen ganz und gar nicht. Man ist im Gegenteil recht stolz auf die verwendeten Komponenten: Jeweils ein 14-Zoll-Neodym-Woofer plus nicht weniger als sechs Kompressionstreiber Bose EMB2S mit Titanmembran arbeiten in den nach IP55 wettergeschützten Modulen. Diese Wetterbeständigkeit ist gar nicht so unaufwändig herzustellen: Arena-Match wird durch eine Frontabdeckung aus drei Schichten Edelstahl geschützt, eine wasserbeständige Woofer-Beschichtung, eine stabile Polyurethan-Gehäusebeschichtung sowie eine dichte Abdeckung der Anschlüsse. Interne Stahlverstrebungen und M12-Gewinde dienen der sicheren Montage. Bi-Amping-Funktion, Passiv-Frequenzweiche und 70/100-Volt-Übertrageranschlüssen. Dass EN54 in Europa wichtig ist, hat Bose auch auf dem Schirm und arbeitet an der Zertifizierung.

In den meisten Anwendungen braucht man nicht nur die großkalibrigen Werkzeuge, sondern auch noch Unterstützung unter Balkonen, in Gängen, Nebenräumen usw. Daher wird die Serie durch einen kräftigen „Utility“-Nebenarm in fünf Größenabstufungen ergänzt. In dieser Serie wird der gleiche Treiber EMB2S verbaut, der je nach Montageort in der Abstrahlung gedreht werden kann. Auch diese Serie ist wettergeschützt nach IP55. Darüber hinaus bietet man auch die neue Serie Design-Max an: Zwölf Modelle vom Deckenlautsprecher bis zur Kompaktbox. Übrigens mit smarter Montage und Winkeleinstellung, die unsichtbar in der Box verborgen ist und erst nach Abnahme des Frontgrills zugänglich ist.

Zwei Lautsprecher Arena-Match Utility
Bei großen Arena-Match Utility Lautsprecher kann man den wetterfesten Schutz der Anschlüsse auf der Rück-seite gut erkennen.
Bei diesen beiden Arena-Match Utility Lautsprechern erkennt man den rückseitigen wetterfesten Schutz der Anschlüsse.
(Bild: Detlef Hoepfner)

Wie klingt die Anlage nun? Auch wenn man sich schnell in den Tribünen bewegte, waren kaum Übergänge zwischen den Systemen zu hören, sowohl in der Breite wie in der Tiefe der Fläche. Das amerikanische Produkt-Team hatte natürlich schön fette, vorproduzierte Tracks und Vocals mitgebracht und die Stadionhälfte gegenüber zur Demo abgeschaltet. Immerhin legt der RT60 im komplett besetzten Stadion von knapp vier Sekunden bei 50 Hz und rund zwei Sekunden im Mitteltonbereich nochmal 1,5 bis ganze zwei Sekunden zu, wenn das Stadion so komplett leer bespielt wird (was ja wohl nicht so oft vorkommen wird). Aber das Potential der Anlage wurde damit natürlich auch besonders sichtbar, und satte Einspielungen werden bei Sport-Events immer wichtiger. Die 14″-Woofer machten jedenfalls ordentlich Druck und man ist schon erstaunt, wie gut der Sound trotz der großen Abstände der Line-Arrays zueinander bleibt.

Die Eindhovener Heizstrahler unterm Dach werden sich also künftig anstrengen müssen, beim Einheizen der Fans nicht hinter die neue Beschallung zurückzufallen!

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Neue Business-Music-Produkte

Zum Jahresbeginn 2019 erweiterte Bose Professional sein Angebot im Rahmen der „Business Music“-Reihe. Wie man auf der ISE 2019 feststellen konnte, bedeutet dies nicht nur, ein oder zwei Lautsprecher zu verändern: Die Updates betreffen Lautsprecher, Verstärker, DSPs, Controller und Softwareprodukte und sprechen Systemintegratoren, Planer und Architekten an – Bose kommuniziert seine Lösungen ja schon lange nicht allein über isolierte technische Specs, sondern stellt die Gesamtlösung in den Vordergrund. Und dazu gehören eben auch Aspekte wie sichere Montierbarkeit oder ästhetische Akzeptanz beim Kunden.

Bose ISE 2019
Boses Vorschläge für einfache Systemkonfigurationen mit dem firmeneigenen Business Music System Desig-ner und Präsentation der Deckenlautsprecher auf der ISE 2019 (Bild: Detlef Hoepfner)

Oder auch eine Produktbandbreite, die dem Spektrum der Anforderungen möglichst lückenlos gerecht wird: Zwölf neue Design-Max-Lautsprecher in verschiedenen Größen (Wand- und Deckenmontage, schwarz oder weiß, optional mit Subwoofer, auf der ISE (siehe Foto) in einer eigens abgehängten Decke demonstriert), fünf kostengünstige Powerspace-Verstärker (zwei mit integriertem DSP), zwei Soundprozessoren für gewerbliche Anwendungen mit vereinfachtem Konfigurationstool, drei neue digitale Controlcenter, ein aktualisiertes Online-Softwaretool und die Software Business Music System Designer (siehe Foto) für den Entwurf von einfachen Lautsprecher-Designs.

Als ganz typisch fällt auf, wie viel Detailarbeit in den Lautsprechern jenseits der selbstverständlich wichtigen akustischen Performance steckt: So wurde darauf geachtet, dass sich die Deckenlautsprecher ohne zu viel Fummelei sicher von einer einzelnen Person über Kopf montieren lassen, bei anderen Wandlautsprechern ist die Winkelverstellung der Halter (sonst ja gerne spätestens vom ersten Putz-Team verdreht) in den Lautsprecher verlegt, die einrastende Winkelarretierung ist erst nach Abnahme der Frontgitter zugänglich.

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