Case Study

Modernstes AV over IP im Theater Basel

Das Theater Basel setzt seit kurzem erfolgreich auf ein AV-over-IP-System für die Bühnen des 3-Sparten-Hauses, um die steigenden Anforderungen an Medienzuspielungen bei den Inszenierungen abdecken zu können. Die Inbetriebnahme dieses neuen Systems gelang reibungslos im Sinne von „Plug and Play“, nicht zuletzt dank akribischen Planung durch das hausinterne Medientechnik-Team und der technischen Beratung und Konzeption durch Channelriver unter CEO Jan-Arne Rosenstein.

Szenenbild aus Eröffnungspremiere Spielzeit 2025/2026 mit „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“.
Eröffnungspremiere Spielzeit 2025/2026 mit „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ (Bild: Ingo Hoehn)

 

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Das Theater Basel zählt zu den bedeutendsten Mehrspartentheatern im deutschsprachigen Raum. Drei Bühnen, ein breites Repertoire und ein hoher technischer Anspruch prägen den Betrieb. Es vereint Schauspiel, Oper und Ballett unter einem Dach und gilt als kulturelles Herz der Stadt.Pro Spielzeit entstehen über zwanzig Neuproduktionen, die ein internationales Publikum anziehen. Rund 400 Mitarbeitende sorgen dafür, dass auf und hinter der Bühne alles präzise ineinandergreift – von der künstlerischen Planung bis zur technischen Umsetzung. Hinter den Kulissen unterstützt nun modernste AV-Technik diesen reibungslosen Ablauf.

Planung und Vorbereitung

Im Jahr 2024 begann im Theater Basel die detaillierte Planung der neuen AV-over-IP-Struktur. Der hausinterne Medientechniker David Fortmann ist gemeinsam mit zwei Kollegen zuständig für die Videotechnik auf allen drei Bühnen (der großen Bühne mit rund 860 Plätzen, dem Schauspielhaus mit 450 Plätzen und der kleinen Bühne). Er setzte sich zum Ziel, eine medientechnisch zukunftsfähige Infrastruktur zu schaffen, die sowohl die klassischen Bühnenräume als auch das Foyer und den Außen-/Vorbereich flexibel einbinden kann. Letztere, die je nach Dramaturgie medial in die Inszenierungen einbezogen werden, mussten somit in die neue Struktur integriert werden. Die kleine Bühne blieb im Projekt zunächst unverändert außen vor.

Für die technische Beratung und Konzeption wurde die Firma Channelriver hinzugezogen, geleitet vom CEO Jan-Arne Rosenstein, dessen Expertise gerade bei umfangreichen AV-over-IP-Installationen gefragt ist. Die Zusammenarbeit zwischen dem internem Medientechnikteam und den externen Partnern stellte früh sicher, dass infrastrukturelle Vorgaben, bestehende Verkabelungen und Medien- und IT-Anforderungen sorgfältig abgeglichen wurden und die gewachsenen Anforderungen erfüllen konnten. Zudem war es wichtig, dass das neue AV-over-IP-System langfristig ausgerichtet sein sollte und eine möglichst einfache und effiziente Skalierung offenstehen würde.

v. l. n. r.: Christoph Ritter (Auvisio), Jan-Arne Rosenstein (Channelriver), David Fortmann (Theater Basel), Daniel Mast (Kilchenmann).
v. l. n. r.: Christoph Ritter (Auvisio), Jan-Arne Rosenstein (Channelriver), David Fortmann (Theater Basel), Daniel Mast (Kilchenmann). (Bild: Dominik Roennecke)

Der Zeitplan des Projektes war ambitioniert und eng: Erst ganz kurz vor Beginn der Spielzeit 2025/2026 ging das neue System in Betrieb – dabei verlief die Installation problemlos. Die alte Technik wurde fristgerecht ersetzt: die Installation und Inbetriebnahme der neuen Hardware verlief exakt nach Plan. Gleichzeitig benötigte das neue System in den Serverschränken weniger Platz und ließ sich leicht installieren.

Vom Matrix-System zur AV-over-IP-Architektur

Bis zu dieser Umstellung arbeitete das Theater mit einer klassischen HDMI-Matrix-Kreuzschiene und vielen Punkt-zu-Punkt Verkabelungen, bei der Quellen (zum Beispiel Kameras und Streaming-Feeds) und Senken (LED-Wände, Projektoren, Displays) fix verschaltet waren. Doch mit steigenden Anforderungen – größere Anzahl und höher aufgelöste Quellen/Senken, flexible Nutzung von Foyer und Außeneinsatz, variable Szenarien – stieß das System an Grenzen: Es war End-of-Life („EOL“) und erfüllte nicht mehr Kapazität, Flexibilität und Zukunftssicherheit.

Die bisherigen Signalwege führten bereits über zahlreiche Glasfaser- und Kupfernetzwerkleitungen. Dabei erfolgte die Anbindung der Glasfaserverbindungen über separate Interfaces an die Matrix-Kreuzschiene, was in den 19“-Racks nicht unerheblich Platz brauchte.

Der neue Ansatz erfolgte mittels Netzwerk-basierter Architektur auf Basis von AV-over-IP mit SDVoE-Technologie (Software Defined Video over Ethernet). SDVoE ist derzeit einer der führenden Standards im Pro-AV-Bereich und bietet laut Spezifikation durchgängige End-to-End-Latenz unter 100 Mikrosekunden sowie verlustfreie Übertragung von 4K-Videoinhalten. Zudem löste SDVoE das Modell proprietärer Matrix-Switches ab: Statt fest verdrahteter Kreuzschienen erlaubt es skalierbare, flexible Signalrouting-Lösungen über Standard-Ethernet-Netzwerke.

Für das neue System wurden vier Netzwerk-Switche der AV-Serie von Netgear M4350-24X8F8V und drei Netgear M4350-24G4XF verbaut. Die vier erstgenannten werden im AV-over-IP-System für die Vernetzung aller AV-Datenströme (SDVoE, 10 GBit) verwendet. Die letztgenannten drei sind für Control-Funktionen vorgesehen. Diese klare Einteilung basiert darauf, dass es sich um ein reines AV-Netzwerk handelt. Diese Switche wurden ausgewählt, weil sie speziell für AV-over-IP-Installationen ausgelegt sind: vorkonfigurierte AV-Profile, IGMP Plus für Multicast-Management, einfache Integration mit klassischer AV-Hardware.

Vier neue Netzwerk-Switche der AV-Serie von Netgear M4350 bilden die Grundlage für das AV-over-IP-System.
Vier neue Netzwerk-Switche der AV-Serie von Netgear M4350 bilden die
Grundlage für das AV-over-IP-System
(Bild: Theater Basel)

Bei dieser Vorgehensweise musste die interne IT-Abteilung des Theaters kaum in die Detailplanung eingebunden werden – das Medientechnikteam konnte eigenständig nach medientechnischen Vorgaben zeitlich sehr effektiv planen und arbeiten, ohne dass IT-Sicherheitsbedenken auftraten. Statt eine Verbindung mit dem regulären LAN entstand ein dediziertes Netzwerk für Audio-Video-Steuerung.

Die Signaldistribution erfolgt im Wesentlichen über die vorhandene Glasfaser-Verkabelung (für große Distanzen), ergänzt durch Kupfer-LAN mit CAT7-Kabeln für kürzere Verbindungsstrecken. Diese Hybridschaltung gewährleistet stabile Übertragung auch über große Entfernungen und reduziert Störeinflüsse.

Endpunkte & Routing

Kern der Anlage sind die SDVoE-Transceiver der Marke AVPro Edge (AC-MXNET-10G-TCVR), die an allen Quellen und Senken installiert bzw. mobil flexibel vorbereitet wurden. Somit werden die AV-Signale encodiert, via Netzwerkstandard über weite Strecken übertragen, beliebig distribuiert und an den Senken wieder decodiert zur Einspeisung als Videosignal in Projektoren und LED-Displays.Transceiver bieten darüber hinaus den Vorteil, dass sie als Encoder oder Decoder funktionieren, was mit einem Dip Switch direkt am Gerät eingestellt wird.

Für die große Bühne wurden in einem 19-Zoll-Schrank 36 Transceiver installiert. Im Schauspielhaus wurde ein schallgeschützter 19-Zoll-Schrank mit 24 Transceivern in der offenen Regie bestückt. Die Stromversorgungen der Units erfolgt mittels POE (Power over Ethernet), was die Verkabelung deutlich verschlankt. Und da die Transceiver direkt über SFP+-Anschlüsse verfügen, konnte bei der Installation in den Racks deutlich Platz eingespart werden, obwohl die Anzahl der Endpunkte erheblich vergrößert wurde.

In beiden 19“-Schränken wurde zusätzlich ein AVpro Edge „AC-MXNET-CBOX-HA 10G“ für das AV-Signal-Routing und die Kontrolle des jeweiligen Saals installiert. Auf Seiten der Senken sieht die Anforderung im Theater mit seinen wechselnden Inszenierungen und einhergehenden individuellen Medienausspielungen ganz anders aus: die Transceiver (als Decoder) werden an den ortsungebunden Senken je nach dem vorgesehenen Einsatz benötigt. Daher hat die medientechnische Abteilung 40 mobile und robuste Gehäuse konfiguriert, in denen sich festeingebaut die Transceiver befinden.

Jeder 19“-Schrank enthält eine Steuer- und Management- Einheit von AVPro mit der Software „Mentor“ zur Signal-Distribution
Jeder 19“-Schrank enthält eine Steuer- und Management-
Einheit von AVPro mit der Software „Mentor“ zur Signal-Distribution
(Bild: Theater Basel)

Die Stromversorgung erfolgt innerhalb der Gehäuse via 12-V-Netzteil, die über Powercon True1 Einbaubuchsen am Gehäuse gespeist werden. So werden die Gehäuse einfach an den Rahmen der Projektoren fixiert, auf Strommehrfachstecker kann dabei auch verzichtet werden.

Jeder 19“-Schrank enthält eine Steuer- und Management-Einheit von AVPro mit der Software „Mentor“. Über diese lassen sich Setups für individuelle Aufführungen konfigurieren, verschiedene Routings hinterlegen und das Gesamtsystem überwachen. In der Regel wird für den Abend das passende Setup einfach gewählt – manuelles Eingreifen entfällt weitgehend. Sollte dennoch ein Umschalten erforderlich sein, erfolgt dieses zum Beispiel  via API-Schnittstelle oder auch über ein einfaches Tastenfeld („Stream Deck“) und erlaubt schnelle Wechsel in der Vorführung.

In den Regien erlaubt das AV-over-IP-Netzwerk vorbereitete KVM-Zuordnungen (Keyboard, Video, Mouse) über zwei Regie-Displays.

Regie der großen Bühne: KVM-Struktur mittels AV-over-IP-System.
Regie der großen Bühne: KVM-Struktur mittels AV-over-IP-System (Bild: Dominik Roennecke)

Betrieb und Nutzen im Theateralltag

Die neue Struktur im Theater Basel ermöglicht es, jede Quelle (Medienserver, Kameras, Streams, Live-Feeds) dynamisch auf jede Senke (Projektionen, LED-Wände, Displays) zu routen. Für die große Bühne (4 Server) und das Schauspielhaus (3 Server) stehen in den Racks Medienserver zur Verfügung. Hierbei handelt es sich um Lenovo Thinkstation P8 (Threadripper Pro 7955WX, RTX 4500 Ada), die mit der Software Vertex der Firma Ross laufen.

Die neue Struktur erleichtert spielend leicht dramaturgisch anspruchsvolle Setups – etwa wenn visuelle Elemente in den Vorbereich oder das Foyer ausgelagert werden sollen – wie bei der Eröffnungspremiere „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ mit Szenen draußen vor dem Theater und im Foyer des Theaters. Hier musste unter anderem Live-Video per HF-Funk in das AV-over-IP-Netzwerk übergeben werden.

19-Zoll-Rack mit 36 Transceiver-Units für die große Bühne. Das neu installierte AV-over-IP-System hat sogar noch Platz in den Racks eingespart.
Das neu installierte AV-over-IP-System hat sogar noch Platz in den Racks eingespart (Bild: Dominik Roennecke)

Durch den Einsatz von SDVoE-Technologie und eine 10-GBit-Netzwerk-Infrastruktur wird ein einfaches Signal-Routing bei hoher Bildqualität mit geringster Latenz ermöglicht. Unterstützt werden Multi-Viewer-Funktionen, Videowände, KVM-Steuerung – Funktionen, die zuvor so nicht ohne zusätzlichen Hardwareaufwand realisiert werden konnten. Da alle Datenströme über das eigenständige AV-Netzwerk laufen, bleibt das reguläre IT-Netzwerk unberührt – die IT-Administration wird nicht durch AV-Traffic belastet.

Fazit und Ausblick

Für das Jahr 2026 ist geplant, die kleine Bühne in das AV-over-IP-System zu integrieren. Damit würde die Struktur des Hauses vollständig erfasst sein – von allen Bühnen über das Foyer, den Außen- und Vorbereich bis hin zur kleinen Bühne.

Die im Theater bereits vorhandene Infrastruktur (Glasfaser, Netzwerkswitche, Transceiver-System) erlaubt dabei einen vergleichsweisen zügigen Ausbau. Damit erschließt das Haus neue mediale Spielräume: Szenische Einbindungen in jedem Bereich, hybride Veranstaltungen und mobile Setups

Entsprechend positiv fällt das Projekt-Resümee von David Fortmann aus: „Nachdem wir uns für SDVoE als neues Übertragungssystem entschieden hatten, verliefen Planung und Umbau unserer Anlage völlig reibungslos. Die Technologie deckt Funktionen wie Video-Wall, Multiview und KVM-Extension bereits vollständig ab, wodurch die Installation deutlich schlanker und übersichtlicher geworden ist. Die Inbetriebnahme war praktisch „plug-and-play“ und das System läuft seither absolut stabil.”            •


Dreispartentheater in Dreiländereck

Das Theater Basel ist das größte Dreispartenhaus der Schweiz. Es bietet in der trinationalen Metropolregion ein ebenso breites wie anspruchsvolles Spielprogramm in Oper, Schauspiel und Ballett. Hinzu kommt seit der Spielzeit 22/23 das Theater Public, unter anderem mit dem Foyer Public als einem öffentlichen Raum für alle mitten im Theater.

Das Haus

Das Theater Basel ist eine privatrechtlich organisierte Institution. Es wird getragen von der Theatergenossenschaft Basel, der natürliche und juristische Personen beitreten können. Geschäftsleitendes Organ ist der aus neun Mitgliedern bestehende Verwaltungsrat. Die unmittelbare Führung des Theater Basel obliegt der Theaterleitung unter Vorsitz des Intendanten.

Mitarbeitende

Das Theater Basel zählt rund 400 festangestellte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Rechnet man die Teilzeitbeschäftigten wie Publikumsgarderobieren, Extrachor und Orchester dazu, dann kommt man auf rund 1.000 Personen, die regelmäßig am Theater beschäftigt sind. Das Sinfonieorchester Basel gehört nicht fest zum Theater Basel.

Bühnen

Das Theater Basel verfügt über drei Haupt-Spielstätten, die von allen Sparten gleichsam bespielt werden. Die „Grosse Bühne“ wird hauptsächlich für Opern- und Ballettproduktionen, aber auch für Schauspielaufführungen genutzt und umfasst circa 860 Plätze.

Das „Schauspielhaus“ an der Steinentorstrasse, das die bis Dezember 2001 bespielte Komödie ersetzt, umfasst circa 450 Plätze und beherbergt in erster Linie Schauspielvorstellungen. Die „Kleine Bühne“ dient mit circa 300 Plätzen allen drei Sparten als Spielstätte für kleinere Produktionen.

Grosse und Kleine Bühne sind im Stadttheaterbau (Baujahr 1975) untergebracht. Zudem werden die Foyers und andere Räume im Theater für diverse Veranstaltungen genutzt.


Zur Person: Jan-Arne Rosenstein

Im Zuge der Modernisierung seiner Video-Infrastruktur hat das Theater Basel auf die Expertise von CHANNELRIVER gesetzt. Dessen CEO Jan-Arne Rosenstein begleitete das Projekt mit technischer Beratung und konzeptioneller Unterstützung in der Planungsphase. Ziel war es, eine zukunftssichere, IP-basierte AV-Lösung zu schaffen, die den hohen Anforderungen eines modernen Theaterbetriebs gerecht wird – von flexibler Signalverteilung über zuverlässiges Systemmanagement bis hin zu präzisem Image- und Video-Processing.

Als erfahrener AV/IT-Spezialist verfügt Jan-Arne Rosenstein über tiefgreifende Expertise in AV-Systemintegration, IP-Workflows und Signalmanagement. Mit seiner strategischen und lösungsorientierten Herangehensweise unterstützt er Partner dabei, komplexe Projekte effizient zu realisieren und nachhaltige, skalierbare Infrastrukturen zu schaffen.

CHANNELRIVER ist eine spezialisierte Distribution für professionelle Audio- und Videotechnik. Mit Fokus auf Premium-Technologien global führender Hersteller unterstützt das Unternehmen Systemintegratoren und Planungsbüros bei Implementierung, Rollout und After-Sales-Support. Fairness, Vertrauen und Qualität prägen die Zusammenarbeit – auch beim Theater Basel, wo technische Exzellenz und partnerschaftlicher Austausch den Projekterfolg sicherten.

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