Standards für die AV-Branche

Der deutsche CTS – ein Erfahrungsbericht

Als Redakteur der PROFESSIONAL SYSTEM habe ich mich Mitte September auf den Weg nach München gemacht, um dort in den Räumlichkeiten von AVIXA (Audiovisual and Integrated Experience Association), dem internationalen Verband für die audiovisuelle Informations- und Kommunikationsindustrie, am ersten deutschsprachigen Vorbereitungskurs sowie im Anschluss an der Prüfung zum deutschsprachigen CTS, der Zertifizierung zum Certified Technology Specialist, teilzunehmen. Hier sind meine Eindrücke.

Schreibtisch mit Lernmaterialien(Bild: Sven Schuhen)

Inhalt:

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AVIXA entstand aus der 1939 in den USA gegründeten „National Association of Visual Education Dealers“, die nach mehreren Umbenennungen und Zusammenschlüssen mit anderen Vereinigungen ihren Namen 2005 in „InfoComm International“ änderte. Seit 2017 trägt der Verband nun seinen heutigen Namen.

Von einer Händlervereinigung entwickelte man sich also zum heutigen Branchenverband für den internationalen AV-Markt und Veranstalter sowie Teilhaber der InfoComm- und Integrated-Systems-Messen als auch zahlreicher anderer Events. AVIXA vertritt heute weltweit über 11.400 Mitglieder aus den Bereichen Hersteller, Systemintegratoren, Händler, Distributoren, Consultants, IT-Spezialisten, Live Event, Endkunden und AV Professionals in mehr als 80 Ländern.

AVIXA setzt sich innerhalb der AV-Branche für den Informationsaustausch ein, initiiert zahlreiche Veranstaltungen, die die Vernetzung unter den Mitgliedern und zu relevanten anderen vertikalen Märkten fördern soll, und entwickelt internationale Standards für AV-relevante Themen. Zudem bildet sie AV-Spezialisten aus und zertifiziert diese.

Digital Signage Videostelen
Beim CTS-Vorbereitungskurs in Zürich hat Gastgeber Stilus AV auch Digital Signage genutzt, um die Teilnehmer auf die Corona-Regeln während des Seminars hinzuweisen. (Bild: Holger Wiesenberg)

Mittlerweile sind fast die Hälfte der Standards auch in deutscher Sprache teils kostenfrei verfügbar, ebenso gibt es jetzt einen deutschsprachigen Vorbereitungskurs sowie Prüfung zum Certified Technology Specialist (CTS), dem zertifizierten Medientechnik Spezialisten.

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Der CTS

Der CTS ist eine nach der internationalen Norm ISO/IEC 17024-2012 angelegte persönliche ISO-Zertifizierung und unterliegt damit gewissen Regularien. AVIXA bildet schon seit über 30 Jahren AV-Spezialisten über seinen CTS aus. Eine international anerkannte Zertifizierung war ein logischer Schritt, um diese Prüfung zu stärken. Bisher gibt es weltweit keinen vergleichbaren, persönlichen Kompetenzstandard für AV-Fachwissen. Die AV-Welt nähert sich jedoch schon seit einigen Jahren immer weiter der IT-Welt, in der Zertifizierungen schon seit Jahrzehnten ein übliches Mittel sind, um Fachkenntnisse nachzuweisen oder auch um Voraussetzungen für Aufträge zu erfüllen. Dies macht auch bei der Vielfältigkeit der Themengebiete absolut Sinn, mit denen sich die AV-Branche beschäftigt.

Der CTS soll laut AVIXA das Minimum an Wissen zertifizieren, dass für eine ordentliche Arbeit in der AV-Welt nötig ist. Grundsätzlich richtet sich das Niveau der Prüfung an die Qualifikation, die sich ein AV-Technik-Quereinsteiger nach sechs Monaten Arbeit in der AV-Branche erarbeitet haben sollte.

Ziel des CTS ist es somit, einen Mindeststandard für die Vergleichbarkeit von Fach- und Hintergrundwissen in AV-relevanten Themen herzustellen, wie es in der IT-Branche schon weit verbreitet ist, damit AV-Projekte erfolgreich durchgeführt werden können. Neben der regulären CTS-Zertifizierung für allgemeines AV-Wissen in der Branche bietet AVIXA zwei weitere, technisch tiefergehende Ausbildungen an: Den CTS-D als weiterführende Spezialisierung für AV-Fachplaner und Projektmanager sowie den CTS-I als Spezialisierung für AV-Techniker im Integrationsbereich.

Neben dem regulären CTS (Certified Technology Specialist) gibt es auch noch die Vertiefungen CTS-D (Design), welche sich mit der Planung von AV-Systemen beschäftigt, sowie CTS-I (Installation), bei der es um die Integration von AV-Lösungen im Speziellen geht.
Neben dem regulären CTS (Certified Technology Specialist) gibt es auch noch die Vertiefungen CTS-D (Design), welche sich mit der Planung von AV-Systemen beschäftigt, sowie CTS-I (Installation), bei der es um die Integration von AV-Lösungen im Speziellen geht.
Neben dem regulären CTS (Certified Technology Specialist) gibt es auch noch die Vertiefungen CTS-D (Design), welche sich mit der Planung von AV-Systemen beschäftigt, sowie CTS-I (Installation), bei der es um die Integration von AV-Lösungen im Speziellen geht.

Die Inhalte der CTS-Zertifizierungen unterliegen wegen der ISO-Norm einem regelmäßigen Review von Fachleuten. Damit soll garantiert werden, dass die Prüfungsfragen zu jeder Zeit aktuelle und relevante Inhalte enthalten. Neue Inhalte werden nach international anerkannten Maßstäben für die Prüfung akkreditiert. Dies soll dazu führen, dass der Vorbereitungskurs und die Prüfung stets den aktuellen Stand des Fachwissens abbilden.

Nach Bestehen der CTS-Prüfung ist die Zertifizierung drei Jahre lang gültig. Um die Zertifizierung darüber hinaus aufrecht zu erhalten, muss sich der Inhaber innerhalb der Frist regelmäßig weiterbilden und vor deren Ablauf 30 Creditpoints nachweisen, die durch CTS-anerkannte Weiterbildungsmaßnahmen erworben wurden. Hierdurch soll sichergestellt werden, dass Inhaber des CTS stets über aktuelles Fachwissen verfügen.

Derzeit haben über 12.000 AV-Experten weltweit die CTS-Zertifizierung, davon befinden sich knapp 1.200 in Europa. Auf Deutschland entfallen mittlerweile fast 100 Zertifizierungen.

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Der CTS-Vorbereitungskurs

Der CTS-Vorbereitungskurs soll helfen, sich gut auf die Prüfung vorbereiten zu können. Vorweg muss aber gesagt werden, dass der Kurs das bereits vorhandene Wissen nur auffrischen und nicht komplett vermitteln kann. Dafür gibt es andere Kurse, die länger und tiefergehend die Materie vermitteln. In drei Tagen à acht Stunden Kurszeit lässt sich nicht alles im Detail unterbringen. Zumal auch Zeit für Gruppenarbeit sowie für das Bearbeiten von beispielhaften Prüfungsfragen eingeplant ist. Die im Kurs behandelten Prüfungsfragen sind gesonderte Übungsaufgaben, da nach ISO-Norm dem Trainer des Vorbereitungskurses die aktuellen Prüfungsinhalte nicht bekannt sein dürfen.

Students Guide der AVIXA
Im über 600-seitigen „Students Guide“ finden die Kursteilnehmer die Inhalte der verschiedenen Bereiche, Übungsaufgaben und allgemeine Hinweise. (Bild: Sven Schuhen)

Jedem Kursteilnehmer steht ein großer Ordner mit Unterlagen, der „Student Guide“, zur Verfügung. In diesem ist auch auf den ersten Seiten der Disclaimer zu finden, dass der Kurs keine Garantie für das Bestehen der Prüfung sei. Der von AVIXA im Kurs zur Verfügung gestellte Vorbereitungsordner umfasst auf über 600 Seiten die Kursinhalte. Der CTS-Vorbereitungskurs ist somit mehr Wiederholung von bereits bekannten Inhalten, die dem Wissensstand eines AV-Technikers entsprechen sollten.

Die Teilnehmer des Kurses waren durchweg bunt gemischt. Neben Mitarbeitern von Herstellerfirmen haben AV-Techniker aus Integrationsbetrieben sowie AV-Fachplaner an der Vorbereitung teilgenommen. Die acht Teilnehmer neben mir deckten insgesamt einen großen Erfahrungsbereich ab. Teilweise waren es gut ausgebildete Techniker oder langjährige AV-Fachleute mit einem vielfältigen Wissen in allen Disziplinen. Und dennoch konnte in den zahlreichen Diskussionen jeder an den Erfahrungen der anderen partizipieren und neue Erkenntnisse vor allem im Umgang mit Herausforderungen und anspruchsvollen Projekten gewinnen. Bei den gemeinsamen Mittagessen oder auch einem bayerischen Abend konnte man die anderen Teilnehmer näher kennenlernen und unterhaltsame Gespräche führen. Themen gab es genug.

Die Kursinhalte orientieren sich sehr stark an den abgefragten Prüfungsinhalten und sind in vier Themenbereiche aufgegliedert. 47 % der Prüfungsfragen beziehen sich auf den Themenbereich „Erstellen von AV-Lösungen“. Da dies somit der größte Themenbereich ist, hat auch der Kurs einen thematischen Schwerpunkt in diesem Themenkomplex und nennt ihn „Das große Ganze der AV-Branche kennen“. Dies alles wird zusammengefasst unter bewährte Vorgehensweisen, Berechnungen, Dokumentationen usw., die zur Schaffung von AV-Lösungen erforderlich sind.

Thematische Verteilung der Fragen
Die Tabelle gliedert die thematische Verteilung der Prüfungsaufgaben. Alle 100 Prüfungsfragen werden nach genau dieser Verteilung aus dem Fragenpool zusammengestellt.
Die Inhalte im Kursordner „Students Guide“ sind nach drei Hauptthemen gegliedert.
(Bild: AVIXA)

Der zweite Themenbereich befasst sich mit der „Realisierung von AV-Lösungen“ und macht 27 % der Prüfungsinhalte aus. Hier sollen vor allem beste Praktiken, Überprüfung von Geräteleistung, korrekte Tests und ordentliche Dokumentation genauer betrachtet werden. Der dritte und letzte Themenbereich dreht sich um die „Wartung von AV-Lösungen“ (26 %). In dieser Rubrik soll es um logische Ansätze, Symptomerkennung sowie -untersuchung, Lokalisieren der fehlerhaften Funktion und die Fehleranalyse gehen, aber auch die Vorteile einer positiven Kundenbindung sind AVIXA wichtig.

Innerhalb des Vorbereitungskurses wurde oft über die verwendete Terminologie bei gewissen Fragen oder Abschnitten zu Themen in den Vorbereitungsunterlagen diskutiert. Hier gibt es teilweise Diskrepanzen zwischen den von AVIXA als Standard festgelegten Begrifflichkeiten und dem in Deutschland gewohnten Sprachgebrauch – gerade, was Ausschreibungsmodalitäten angeht oder die Beschreibung von Projektabschnitten und die Definition von Verantwortlichen.

Laut Aussage des Kursleiters Holger Wiesenberg wurden im Anschluss an den Vorbereitungskurs in München noch zahlreiche Änderungen vorgenommen, damit die Kursunterlagen mehr den in Deutschland gewohnten Begrifflichkeiten entsprechen. Dennoch kann es in der Prüfung dazu kommen, dass die Übersetzung der englischen Fragen für deutsche Verhältnisse ungewohnt sind und somit die Terminologie im Kurs eine andere ist als in der Prüfung.

CTS-Kurs
CTS-Kursleiter Holger Wiesenberg hat zwei Wochen nach dem CTS-Vorbereitungskurs in München einen weiteren in Zürich bei Stilus AV gehalten. Viele Kritikpunkte am allerersten deutschsprachigen Kurs konnten dort schon behoben werden, und das Feedback aus Zürich war sehr positiv. Auch hier haben alle Teilnehmer des Kurses anschließend auch die Prüfung
bestanden.
(Bild: Stilus)

Kursleiter Holger Wiesenberg gibt während des Seminars auch zahlreiche Tipps, wie die Prüfung am besten zu absolvieren ist. Für ein gutes Zeitmanagement empfiehlt er, alle Fragen einmal komplett durchzugehen und mit max. 20 bis 30 Sekunden pro Frage den Stamm der Frage durch Schlüsselbegriffe zu ermitteln. Dadurch lässt sich in vielen Fällen relativ einfach die richtige Antwort finden. Im Anschluss sollte die gewählte Antwort mit den Alternativen verglichen werden. Sollte man sich unsicher sein, kann die Frage in der Prüfungssoftware markiert werden, so dass man sie sich später noch einmal ansehen kann.

Fragen, die sich nicht innerhalb der ersten 30 Sekunden in der ersten Runde beantworten lassen, weil sie mehr Zeit zum Erfassen der Inhalte benötigen oder weil Rechnungen vorzunehmen sind, sollten erst in der zweiten Runde bearbeitet werden. Oft sind von den Antwortmöglichkeiten, die bei der Prüfung zu Verfügung stehen, mehrere richtig, aber nur eine ist die beste Antwort, und die anderen sind etwas weniger richtig. Durch das Wählen der besten Antwort soll sich die Fähigkeit zeigen, Entscheidungen treffen zu können.

Nach der ersten Runde, für die man etwa eine halbe Stunde verwendet hat, widmet man sich in einer neuen Runde allen markierten Fragen mit etwas mehr Zeit. Gerade bei Fragen, in denen man sich in der ersten Runde unsicher war, lohnt sich eine Überprüfung der gewählten Antwort. Denn statistisch gesehen führt eine Änderung der gewählten Antwort zu einer Verbesserung des Ergebnisses.

Auf Grund der ISO-Norm müssen alle deutschen Fragen mit den original CTS-Fragen übereinstimmen. Somit sind die Fragen in der deutschen CTS-Prüfung Übersetzungen der bereits bestehenden des englischen CTS.

Auch wenn der deutsche CTS-Kurs noch ein paar Startschwierigkeiten hatte, wird seitens AVIXA kontinuierlich daran gearbeitet, dass diese behoben werden; vor allem noch einige „unrunde“ Übersetzungen werden schnellstmöglich korrigiert. Noch ist der CTS meiner Meinung nach durch einige amerikanische Eigenheiten nicht der internationale Standard, zu dem er sich gerne entwickeln würde. Doch durch zahlreiche international Mitwirkende, welche die Kursinhalte erstellen oder Fragen überarbeiten bzw. neu schreiben, wird sich dies mittelfristig sicher angleichen.

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Die CTS-Prüfung

Für die Erfüllung der ISO-Norm darf die Prüfung des CTS nicht durch AVIXA selbst erfolgen, sondern muss durch einen unabhängigen Dritten vorgenommen werden. Dies soll die Objektivität wahren und einen hohen Standard der Zertifizierung sicherstellen. Man hat sich daher für den auch in der IT-Branche bekannten Dienstleister Pearson VUE als unabhängige Prüfungsinstanz entschieden.

Um die CTS-Prüfung abzulegen, braucht man nicht zwangsläufig einen CTS-Kurs zu besuchen. Es ist ebenfalls möglich, die Prüfung nach voriger Registrierung bei einem der zahlreichen Pearson VUE Testzentren abzulegen. Der Regelfall ist jedoch, dass man die Prüfung nach einem CTS-Vorbereitungskurs ablegt, für das AVIXA mobile Testzentren einrichten lässt, so wie ich es in München getan habe. Dafür spricht auch die höhere Erfolgsquote international bei Teilnehmern des Kurses.

Die CTS-Prüfung besteht aus 110 Fragen, von denen 100 gewertet werden. Zehn Fragen werden in jeder Prüfung als Test eingebaut, um diese für zukünftige Prüfungstauglichkeit zu evaluieren. Für die 110 Fragen hat man 120 Minuten Zeit; insgesamt werden für die Prüfung 150 Minuten veranschlagt, um eine Einführung ins Testsystem zu geben und eine Befragung am Ende des Tests vorzunehmen.

CTS-Kursraum in München
Unter Corona-konformen Bedingungen fand im September der erste deutsche CTS-Vorbereitungskurs in den Räumen von
AVIXA in München statt.
(Bild: Sven Schuhen)

Der Test findet, ähnlich der deutschen Führerscheinprüfung, an einem zur Verfügung gestellten Test-Computer statt. Bei nahezu allen Fragen sind vier Antwortmöglichkeiten angegeben, von denen man eine auswählen muss und auch nur eine richtig ist. Manche Fragen beziehen sich jedoch auch auf Bilder, bei denen man in einen bestimmten Bereich klicken muss, um die Antwort anzugeben.

Für Notizen werden ein einlaminiertes Blatt und ein Folienschreiber zu Verfügung gestellt. Das einlaminierte Blatt ist nach der Prüfung inklusive Notizen abzugeben. Ansonsten ist am Prüfungscomputer kein anderes Hilfsmittel zugelassen. Im Prüfungsprogramm hat man jedoch Zugriff auf einen digitalen Taschenrechner, da auch einige Aufgaben vorkommen können, bei denen man etwas berechnen muss. Dies bezieht sich in der Regel auf Dreisatz, elektrotechnische Grundlagen und etwas Trigonometrie.

Auch wenn während des Vorbereitungskurses gesagt wurde, dass die Prüfungsfragen für jeden Prüfungsteilnehmer individuell zufällig aus einem Fragenpool zusammengewürfelt werden, hatte ich im Gespräch mit den anderen Teilnehmern nach der Prüfung den Eindruck, dass wir im Großen und Ganzen so ziemlich die gleichen Fragen gestellt bekommen haben. Dies kann sich möglicherweise nur bei unserer Prüfung so ergeben haben und muss nicht für alle Prüfungen gelten.

Die Fragen bezogen sich auf sehr unterschiedliche Bereiche. Einige hatten bestes Verhalten in (amerikanischen) Ausschreibungen oder gegenüber Kunden als Thema, mehrere Fragen bezogen sich auf Video-Steckverbindungen und welcher Signaltyp bei welchem Stecker vorhanden ist oder welcher Steckertyp sowohl analoges als auch digitales Video überträgt. Auch Fragen zum DISCAS Standard waren Thema oder Fragen zu Strom und Spannung sowie Sicherungsstärken (scheinbar auf amerikanische Standards bezogen).

Schema DISCAS
Vor allem der von AVIXA entwickelte DISCAS-Standard für die Wahl der richtigen Displaygröße war ein elementarer Teil in der Vorbereitung auf die CTS-Prüfung. (Bild: AVIXA)

Schon zum Start der Prüfung ist mir aufgefallen, dass die Prüfungssoftware nicht auf der nativen Auflösung des Bildschirms lief und hier keine Skalierung stattfand, sondern die Auflösung der Prüfungssoftware in das Seitenformat des Laptopbildschirms gestreckt wurde. Dies hatte einerseits eine höhere Anstrengung beim Betrachten der Inhalte zu Folge, aber da auch zwei Aufgaben in der Prüfung vorkamen, in denen man zu abgebildeten Projektionen auf das Seitenverhältnis schließen sollte, andererseits auch Auswirkungen auf die Prüfung an sich. Das empfand ich als sehr unbefriedigend, und da die Prüfungsaufsichten nur für die Funktion der Prüfung und Wahrung der Objektivität, aber nicht für die Prüfungsinhalte zuständig sind, konnte man dort dann auch nicht weiterhelfen.

Zu jeder Frage gibt es die Möglichkeit, einen Kommentar zu hinterlassen. Zweimal im Jahr treffen sich dann die Verantwortlichen und gehen die Kommentare durch. Ebenfalls schauen sie sich die Fragen an, die häufig falsch beantwortet wurden, um hier eventuelle Unklarheiten zu bearbeiten. Sollten sich Fehler in den Fragen befinden, werden die Ergebnisse der entsprechenden Prüfungen angepasst. Das habe ich an einigen Stellen auch genutzt, da mir die Übersetzung der Fragen nicht passend war oder ich die Formulierung zu ungenau fand.

Gleiches galt auch bei ungenauen Übersetzungen von Antworten. Bei über der Hälfte der Fragen, vor allem denen, die nicht glasklar sofort zu beantworten waren, habe ich die Möglichkeit genutzt, mir den englischen Originaltext von Frage und Antworten anzeigen zu lassen, was bei jeder Frage grundsätzlich möglich ist. Oft erschloss sich mir der Sinn einer Frage oder die richtige Antwort erst durch die ursprüngliche englische Formulierung.

Am Ende hat unser kompletter Kurs die CTS-Prüfung bestanden. Im Gespräch mit dem Kursleiter bekam ich die Info, dass die Bestehensquote im europäischen Bereich für Teilnehmer des Kurses nie unter 80 % lag und in Deutschland bisher jeder Prüfungsteilnehmer bestanden hat. In der Regel bestehen laut Kursleiter Holger Wiesenberg alle Kursteilnehmer mit guten AV-Kenntnissen auch die Prüfung, da diese eine hohe Motivation und überwiegend viel Erfahrung aufweisen.

Es kommt jedoch vor, dass Unternehmen einen großen Teil ihrer Mitarbeiter in einen CTS-Vorbereitungskurs entsenden, bei dem auch zum Beispiel Assistenz der Geschäftsführung oder Mitarbeiter aus dem Vertrieb anwesend sind, die nicht so tief in der AV-Materie stecken. Hier kann es dann dazu kommen, dass der Vorbereitungskurs nicht ausreicht, um jemanden für die Prüfung fit zu machen.

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Feedback zum CTS-Vorbereitungskurs und zur Prüfung

Einer der weiteren Teilnehmer des Kurses und der Prüfung war der AV-Planer Guido Kacher. Er ist von der Idee des CTS überzeugt und konnte bei der Prüfung das beste Ergebnis aller Kursteilnehmer erzielen. „Der CTS kann für AV-Integratoren eine wertvolle Zertifizierung sein, da diese zu Projektstruktur, regelmäßiger Fortbildung und zum geordneten Anwenden von Standards anhält, anstelle wie stets gewohnt zu agieren. Als Fachplaner haben wir die Hoffnung, dass der CTS sich bei AV-Firmen etabliert.“

Adrian Kirchberger, Applications Engineer bei Harman Professional Solutions sieht den CTS vor allem als Chance. „Sich für den Weg der CTS Zertifizierung zu entscheiden, bedeutet Zugriff auf wichtiges und stets aktuelles Wissen und Ressourcen der AVIXA zu erhalten. Ebenso wichtig ist der damit verbundene Zugang zu einer spezialisierten und kollegialen AV Community.“

Teilnehmer des CTS-Kurs
Auch beim zweiten deutschen CTS-Vorbereitungskurs in Zürich bei Stilus AV wurde unter Corona-Bedingungen auf Abstand gearbeitet. Hier waren noch etwas mehr Teilnehmer als beim Kurs in München. Die CTS-Prüfung haben ebenfalls alle Kursteilnehmer bestanden. (Bild: Stilus)

Didier Magnien, Media Engineer bei der ICT Innovative Communication Technologies AG, sieht den Vorbereitungskurs als interessante Möglichkeit, um in der Diskussion Feedback auch aus anderen Firmen zu bekommen und an den Erfahrungen der anderen Kursteilnehmer zu partizipieren. „Die ICT ist schon seit ein paar Jahren Mitglied bei AVIXA, aber ich bin der erste, der den CTS gemacht hat, und ich werde es an unseren Vorstand weiterempfehlen. Ich denke, es ist etwas, was jeder Techniker, der schon ein paar Jahre Erfahrung hat, machen sollte. Es erweitert einem die Sicht über die Realisierung eines gesamten Projekts. Es ist auch etwas, was alle Projektleiter machen sollten, um sich in die Qualitätsstandards, wie sie von AVIXA empfohlen, erarbeitet und unterrichtet werden, weiter zu vertiefen. Ohne Qualität und Qualitätsstandards hat jede Firma verloren. Kein Kunde würde uns weiterempfehlen, und es ist innerhalb der ICT ein sehr wichtiges Thema, denn wir wollen, dass unsere Kunden zufrieden sind von Beginn bis Ende eines Projekts. Aber auch die Mitarbeiter der Firma, Techniker sowie Projektleiter und Projektmanager müssen stolz sein können auf ihrer Arbeit und sich effizient weiterbilden. Das, was AVIXA bietet, führt dazu.“

Robin Pollinger, Techniker bei der VIP Systemtechnik GmbH, empfand vor allem die Webinare und Vorbereitungsunterlagen für die Vorbereitung auf den Kurs im Vorfeld sehr praktisch. „Der Prep-Kurs ist in so einer vielseitigen Gruppe wie bei uns recht schwer umzusetzen. In nur drei Tagen jedem die Basics und Schwachpunkte nahezubringen ist fast unmöglich. Dafür muss ich sagen, hat Holger (Wiesenberg, CTS Prep Kursleiter; Anm. d. Red) es jedoch geschafft, uns zu jedem Bereich etwas zu erzählen und beizubringen. Dass die Fragen und Übersetzungen in den Übungs-, sowie Prüfungsfragen noch in der Beta-Phase sind, muss man an dieser Stelle einfach eingestehen. Hier ist noch Luft nach oben, jedoch habe ich das Gefühl, das es stetig voran geht und das Engagement und die Mühen aller Mitarbeiter von AVIXA bei über 100 % liegen.“

CTS-Kursleiter Holger Wiesenberg fasst die Eindrücke des allersten CTS-Vorbereitungskurses in München sowie der Schweiz in diesem Jahr wie folgt zusammen: „Ich freue mich, dass bisher alle Prüflinge der deutschsprachigen CTS-Kurse mit Erfolg bestanden haben. Ich sehe dies als positives Zeichen für eine motivierte Branche, die auf Fortbildung, Standards und Qualitätssicherung setzt. Auch wenn der Kurs in München noch ein paar Kinderkrankheiten hatte, die zum Teil auch COVID geschuldet waren, sieht man durch die Resonanz gerade aus Deutschland und der Schweiz, wie wichtig und bereichernd solche Angebote für die Branche sind. Die Zusammenfassung der wichtigsten Bestandteile der AV-Branche – Ton, Bild, Licht, Steuerung, Netzwerk, aber auch Projektmanagement und Standards in Kombination mit Teststrategien als Lerngrundlage für „Neulinge“ oder Quereinsteiger, aber auch zum Auffrischen und Erweitern für „alte Hasen“ der Branche. Für mich und die bisherigen Teilnehmer eine gelungene Bereicherung.“

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Ausblick

Zwei Wochen nach dem CTS-Vorbereitungskurs in München fand ein weiterer in Zürich statt, bei dem schon etliche meiner Kritikpunkte, gerade was Übersetzungen anging, behoben wurden. Auch bei diesem Kurs haben am Ende alle Teilnehmer die Prüfung bestanden, und der lokale Partner vor Ort wird 2021 zwei weitere Kurse anbieten, die ebenfalls wieder eine offene Anmeldung haben.

Zertifikat der CTS-Prüfung
Etwa einen Monat nach erfolgreicher CTS Prüfung erhält man Post aus Fairfax, USA mit Glückwünschen von AVIXA und dem Zertifikat, dass man nun den Titel „CTS – Certified Technology Specialist“ tragen darf. Dazu gibt’s noch einen Ansteck-Pin mit dem CTS Logo. (Bild: Sven Schuhen)

Darüber hinaus sind 2021 neun weitere Kurse in der DACH-Region geplant. Zwei davon intern bei Herstellern, zwei intern bei Integratoren, einer bei einem Enduser, der Teile seines Kontingents auch für eine offene Anmeldung zu Verfügung stellt, und sechs weitere Kurse sollen komplett offen stattfinden. Darunter befindet sich auch ein Kurs beim Distributor Audio Pro in Heilbronn, der 20. bis 22.04.2021 in Heilbronn stattfinden soll, mit anschließender Prüfung am 23.04.2021.

Die Akzeptanz des CTS wird somit auch im DACH-Bereich immer größer, und laut AVIXA entscheiden sich immer mehr Enduser dafür, den CTS als Voraussetzung für Teilnahmen an Ausschreibungen einzufordern. Es ist noch ein langer Weg, bis dies die Regel und nicht die Ausnahme sein wird, doch ich bin zuversichtlich, dass Zertifizierungen wie der CTS zukünftig auch in der AV-Welt eine immer größere Rolle spielen werden.

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Kommentar zu diesem Artikel

  1. dann bin ich einmal gespannt, wann die erste Ausschreibung erscheint, in der ein CTS- Zertifikat gefordert wird.
    Also die Herren Vertriebler: den Planer oder Kunden ganz schnell davon überzeugen – oder noch besser eine DIN generieren (ähnlich DIN14675) 😉
    Frage an die Insider: Wieder ein Zertifikat für den gekachelten Raum?

    (persönliche Anmerkung: NEIN, ich gendere NICHT)

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