Vorzug der 100-V-Systeme liegt in den geringeren Leitungsverlusten

Was ist 100-V-Technik?

Elektroakustische Installationen in (größeren) Gebäuden werden fast ausschließlich in sogenannter 100-V-Technik ausgeführt, wo einer oder mehrere zentral angeordnete Verstärker über einen Übertrager ein Leitungsnetz speisen, an das eine Vielzahl kleiner und größerer Lautsprecher angeschlossen werden kann. Dr. Anselm Goertz führt einen kleinen Exkurs zu Grundlagen der 100-V-Technik durch. 

Symboldbild für die 100-V-Technik
Symboldbild für die 100-V-Technik (Bild: Anselm Görtz)

Das Verfahren der 100-V-Technik basiert darauf, daß der Verstärker und die Lautsprecher mit Übertragern so angepasst werden, dass ihre maximale Ausgangsleistung bzw. Belastbarkeit immer bei 100 V Spannung erreicht werden. Ein kleines Rechenbeispiel soll dieses einmal verdeutlichen.

Der Verstärker stellt eine maximale Leistung von 60 Watt an einer 4-Ohm-Last zur Verfügung. Das entspricht einer Ausgangsspannung von 15,5 Volt. Der Ausgangsübertrager transformiert diese Spannung nun genau soweit hoch, dass bei der Spannung von 15,5 Volt an den Trafo-Eingangsklemmen 100 V an den Ausgangsklemmen anliegen. Das entspricht einem Übersetzungsverhältnis von 1:6,5.
Ein kleiner Verstärker mit einer geringen Ausgangsleistung benötigt somit einen Übertrager mit einem größeren Übersetzungsverhältnis als ein großer Verstärker, der ohnehin schon höhere Ausgangsspannungen liefern kann. Sehr leistungsstarke Endstufen liefern bereits ohne Übertrager Ausgangsspannungen von 100 V, was an 4 Ohm einer Leistung von 2,5 kW entspricht.
Wie dem auch sei, so steht die maximale Verstärkerleistung in einem 100 V-Netz, wie es der Name schon sagt, bei 100 V Spannung auf dem Netz zur Verfügung. An dieses Netz kann nun jeder beliebige Lautsprecher angeklemmt werden, soweit er auch einen Übertrager besitzt, der von seinem Übersetzungsverhältnis her so abgestimmt ist, dass die 100 V auf eine Spannung herabgesetzt werden, die an der Nennimpedanz des Lautsprechers seiner Nennbelastbarkeit entsprechen.
Das bedeutet: Sobald der speisende Verstärker seine maximale Ausgangsspannung abgibt, wird jeder angeschlossene Lautsprecher mit seiner Nennleistung betrieben. Für einen 6-Watt-Lautsprecher mit 4 Ohm Impedanz müsste die 100 V-Spannung beispielsweise auf 4,9 Volt, entsprechend einem Übersetzungsverhältnis von 20:1 herabgesetzt werden. An einen Zweig eines solchen Netzes können dann in einfacher Weise solange Lautsprecher angeklemmt werden, bis die Summe der Lautsprecherleistungen der Verstärkerleistung entspricht.
Von dem 60-Watt-Verstärker aus unserem Beispiel könnten so fünf Lautsprecher mit 6 Watt und weitere zehn Lautsprecher mit 3 Watt gespeist werden.
Wenn höhere Pegel erforderlich sind, kann daher einfach auf leistungsstärkere Lautsprecher zugegriffen werden. Das einzige zu beachtende Limit ist die Summe der Nennleistungen aller Lautsprecher, welche die Verstärkerleistung nicht überschreiten sollte.

Niedrige Leitungsverluste

Ein weiterer Vorzug der 100-V-Systeme liegt in den geringeren Leitungsverlusten. Durch die hochtransformierte Spannung bedingt fließen kleinere Ströme auf den Leitungen. Die ohmschen Verluste bleiben entsprechend gering. Die Verkabelung kann daher meist einfacher und kostengünstiger ausgeführt werden.
Je höher die Leistungen allerdings sind, um so mehr relativiert sich dieser Vorteil, da sich die benötigten Spannungen an den Lautsprechern schon merklich dem 100-V-Bereich nähern und durch eine Transformation mit geringen Übersetzungsverhältnissen kaum noch Vorteile zu erzielen sind. Meist überwiegen dann sogar die Nachteile durch die hohen Kosten großer und hochwertiger Übertrager für hohe Leistungen. In letzter Konsequenz kann dann noch auf ein 200-Volt-System zurückgegriffen werden, das in seltenen Fällen bei hohen Leistungen und extremen Entfernung zwischen Lautsprecher und Verstärker zum Einsatz kommt.

//[6949]
Dies ist ein Artikel aus der PROFESSIONAL SYSTEM Ausgabe 4.99. Unter der Rubrik 20 Jahre PS wollen wir zum Jubiläum in 2019 immer mal wieder alte Schätze ausgraben, zum Schmunzeln anregen oder auch Personen und Firmen, die uns die letzten 20 Jahre begleitet haben, zu Wort kommen lassen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren