Produkt: Professional System 05/2020
Professional System 05/2020
DigitalPakt Schule: Michael Hilpert bereitet ein chemisches Experiment mit Hilfe einer Dokumentenkamera vor. +++ Leyard Optoelectronics: Showroom der Leyard EMEA entdecken +++ Praxischeck Barco Clickshare Conference: CX-50 Basistation mit ClickShare Buttons +++ Collaboration Headset: Die „Traveller“-Version von beyerdynamic LAGOON ANC +++ Stadthalle Tuttlingen: RGB-Stimmungslicht und Außenbeleuchtung +++ EST & Messung: 4-Kanal Endstufe Crestron AMP-X300
Education

Der DigitalPakt braucht die AV-Branche

Gut 5 Milliarden Euro in fünf Jahren stellen Bund und Länder im Rahmen der Förderung für die allgemeinbildenden Schulen in Deutschland zur Verfügung. Die Digitalisierung der Schulen ist ein Kraftakt, an dem auch die AV-Branche beteiligt ist.

Je nach Anforderung bieten sich in Klassenzimmern auch Projektionslösung an, z. B. mit Epson Ultrakurzdistanzprojektoren. (Bild: Epson)

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„Digitale Geräte nehmen einen immer wichtigeren Platz in unserer Gesellschaft ein. Es ist daher nur folgerichtig, dass die kommenden Generationen schon in den Schulen auf eine sich verändernde Arbeitswelt vorbereitet werden“, so Michael Rabbe, Vertriebsleiter Business Sales von Epson. Und er ist sich sicher: „Der Digital Pakt beschleunigt die Entwicklung hin zu einem modernen, multimedialen Unterricht.“ Und so werden nun nach und nach in den Schulen die analogen Schultafeln durch digitale Lösungen ersetzt.

Aktuell stellt sich für die Entscheider an den Schulen und in den Schulämtern für jedes Klassenzimmer die Frage nach der sinnvollsten Medientechnik. Lehrer sind bekanntlich ausgebildete Pädagogen und didaktisch versiert, doch sind sie weder IT-Experten noch AV-Systemintegratoren. Da Schulen selbstverständlich auch vor dem DigitalPakt digitale Infrastruktur nutzten, sind IT-Administration und -einsatz ein festes Aufgabengebiet. Sie sind entweder lokal in den Schulen organisiert oder in Zusammenarbeit mit dem kommunalen Schulträger. Somit lassen sich je nach Kompetenz bereits viele Anforderungen abdecken, die sich aus den DigitalPakt-Förderrichtlinien ergeben.

Durch den Einsatz digitaler Großdisplays verschwindet nicht nur die klassische Schultafel aus dem Klassenzimmer, auch die altbewährten geografischen Karten zum Ausrollen gehören der Vergangenheit an. Hier reicht ein Mausklick oder Touch-Befehl. (Bild: Syda Productions )

Doch viele Fragen zur Digitalisierung des Präsenzunterrichts und zur geeigneten medialen Ausstattung lassen sich nicht einfach beantworten. Insbesondere Planung und Einrichtung des Unterrichts auf Distanz mit Videokonferenz, virtuellen Klassenzimmern, Chats und Kurs-Management stehen besonders im Fokus und unterliegen der jüngsten technischen Entwicklung. Hier ist Expertenwissen erforderlich. Somit hängt der Erfolg der Digitalisierung der Schule in jedem Fall von der erfolgreichen Zusammenarbeit der Pädagogen, der Schulträger und insbesondere der externen Berater aus der IT- und AV-Welt ab.

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Was wird im Klassenzimmer wirklich benötigt?

Sehr naheliegend mögen Entscheider und Pädagogen vor Ort reflexartig an ein digitales Whiteboard denken, das wie eine Schultafel an der Wand hängt und einfach mit einem Stift digital beschrieben wird. Doch ist das alles, was nötig oder gar möglich ist? In kleinen und mittelgroßen Klassenzimmern mag die Bildgröße einer digitalen Schultafel zwar ausreichen, um digitale Inhalte darzustellen. Aber was ist in großen Räumen mit vielen Schülern, die auch aus der hintersten Reihe ein einwandfreies Bild erkennen sollen? Das bringt Michael Rabbe auf den Punkt: „Im Unterricht sollen sich die Schüler*innen auf den Inhalt konzentrieren und nicht darauf, diese zu erkennen.“

Somit sind häufig auch größere Bildformate wichtig, wie sie beispielsweise projiziert werden können. Projektoren liefern diese Möglichkeit, ohne selbst viel Platz zu beanspruchen. Darüber hinaus skalieren sie die Bildgröße stufenlos auf andere Formate, falls der Unterricht dies erfordert. Doch welche Entscheider an den Schulen kennen sich tatsächlich mit den Möglichkeiten der modernen Projektion aus? Mit Fragen zu Helligkeit, Kontrast, Streulicht und Leinwänden?

Der Epson EB-710Ui ist ein interaktiver Ultrakurzdistanzprojektor, der dank seiner interaktiven Funktionen moderne Unterrichte unterstützt. (Bild: Epson)

Das haben Unternehmen wie Epson erkannt. So deckt der Hersteller mit rund 150 „Epson Education Partnern“ das gesamte Bundesgebiet ab, um geeignete Projektionslösungen für die Schulen bereitzustellen. „Dabei blicken alle Partnerfirmen auf eine langjährige Erfahrung in der Zusammenarbeit mit Schulen zurück und unterstützen die Institute sowohl bei Ausbau ihrer Infrastruktur der Medienentwicklungsplanung oder der professionellen Installation.“

Nicht nur Epson zielt auf eine umfassende und gesamtheitliche Beratung an den Schulen ab. Auch der ITK-Distributor Ingram Micro bietet Unterstützung bei der Durchführung von Schulprojekten an. So sollen insbesondere „kleine und mittlere Fachhandelspartner“ mit dem „Sofortstarter-Paket für den DigitalPakt“ durchstarten können. Öffentliche Ausschreibungen und Projekte im Bildungssektor bedeuten oft enormen Aufwand, bieten aber angesichts des „aktuellen Digitalisierungsschubs“ großes Potenzial.

Das erklärt Sascha Colombo, Senior Manager HPE Business Unit bei Ingram Micro näher: „Eine zuverlässige, leistungsfähige IT-Infrastruktur ist die Basis für die erfolgreiche Digitalisierung. Schulen verfügen selten über eine eigene IT-Abteilung, die permanent an Optimierungen arbeiten oder technischen Support leisten kann. Mit unserem vollumfänglichen Services-Angebot versetzen wir unsere Partner und Systemhäuser in die Lage, Projekte kurzfristig umzusetzen und im Bildungssektor Fuß zu fassen.“ Es ist ersichtlich, dass IT- und AV-Strukturen in diesem Digitalisierungsprozess gesamtheitlich betrachtet werden sollten, die Schnittmenge beider Bereiche ist dabei sehr groß.

Für die Digitalisierung des Unterrichts müssen alle Inhalte didaktisch und digital aufbereitet und in einwandfreier Qualität dargestellt werden, wie das Lehrbeispiel auf einem interaktiven Display der Firma Vivitek zeigt. (Bild: Vivitek)

Marius Leverenz, Produktmanagement Displays beim Distributor Comm-Tec Exertis, der sich schwerpunktmäßig mit der Umsetzung des DigitalPaktes befasst, sieht hier eine symbiotische Entwicklung: „Ist die IT-Infrastruktur ungenügend, kann die beste Medientechnik keine Performance liefern und das Lehren und Lernen unterstützen, sondern behindert eher – anders herum verhält es sich jedoch genauso. Der Trend in den Branchen zeigt dies schon lange auf, da es immer weniger klassische AV- oder IT-Häuser gibt, welche ohne Partner aus den anderen Bereichen unabhängig agieren und nur auf ihr Fachgebiet spezialisiert sind.“

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Wann kommen AV-Planer und AV-Integratoren ins Spiel?

Eine möglichst frühzeitige Beratung beim Erstellen des technisch pädagogischen Konzepts (TPK) ist sehr wichtig. In der Praxis sieht das jedoch sehr unterschiedlich aus. So gehen einerseits Hersteller und Anbieter proaktiv auf Schulen und Schulämter zu, anderseits sprechen Schulen und Schulämter „ihre“ Systemhäuser oder auch Planer und Integratoren direkt an. Über Herstellerkooperationen werden Planer und Integratoren auch direkt vermittelt. Einige Anbieter unterstützen dabei aktiv die Lehrer an den Schulen beim Erstellen des TPK.

Für Marius Leverenz ist das besonders wichtig: „Die Beratungsleistung muss höchst intensiv sein und sollte vor allem die Gegebenheiten und auch die Unterrichtsmodelle an den verschiedenen Schulen stark berücksichtigen.“ Fehlentwicklungen sollten schon auf Landesebene verhindert werden: „… meiner Meinung nach durch vom Kultusministerium vorgegebene Mindeststandards, wie in Bayern mit den ‚Empfehlungen zur IT-Ausstattung von Schulen‘, an welche sich Schulen und Integratoren halten müssen.“

Auch wenn Klassenzimmer mit einem interaktiven Großdisplay ausgestattet sind, kann es didaktisch sinnvoll sein, dass die Schüler sich über eigenen Tablets in den Unterricht einbringen können. Das ermöglicht eine individuelle Aufgabenbearbeitung und ermöglicht Beiträge in Wort und Bild für alle sichtbar in der Klasse. (Bild: Comm-Tec Exertis)

Auch hält Marius Leverenz die „flächendeckende Fortbildung für Lehrkräfte durch Hersteller und zentrale Stellen“ für wichtig. Eine markenunabhängige Planung, die darauf basiert, Lehrkräften und Schülern das Lehren und Lernen zu vereinfachen, wäre eine Wunschvorstellung. „Als Value Add Distributor möchten wir natürlich gerne unsere Produkte platzieren, jedoch den Kunden und Nutzern eine funktionierende und auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Lösung empfehlen – wenn nötig, auch mit Produkten von Drittanbietern; der zufriedene Kunde steht bei uns ganz klar an erster Stelle.“

Beispielhaft beschreibt in diesem Zusammenhang Michael Rabbe von Epson: „Für einen modernen, interaktiven Unterricht bieten wir unsere Projektoren und Dokumentenkameras an, die aufgrund ihrer Optionen alternative Unterrichtsformen unterstützen. So können mit den Kameras beispielsweise Experimente in Zeitraffer aufgenommen werden und später detailliert und großflächig via Projektor präsentiert und diskutiert werden.“

Michael Hilpert, Lehrer für Erdkunde und Chemie der Salvatorschule in Berlin, bereitet ein über Nacht ablaufendes chemisches Experiment vor. (Bild: Michael Hilpert)

Sicherlich gibt es unzählige Ideen und Ansätze, wie Unterricht lebendig und digital durchgeführt werden kann, sei es vor Ort in der Schule oder via Home-Schooling. Und dieses Wissen wird zur TPK-Erstellung benötigt, um Didaktik und Medientechnik förderlich zusammen zu bringen.

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Wie wird sich der Pro-AV-Markt in der Sparte Education entwickeln?

Trotz des bundesweit groß angelegten DigitalPaktes sieht Marius Leverenz Einschränkungen für die AV-Branche: „Ich denke, dass der ProAV-Markt sich mehrheitlich auf die Ausstattung von Universitäten mit Streaming- und Aufzeichnungslösungen fokussieren wird, da es im klassischen Schulbereich eine riesige Dichte an Wettbewerbern gibt, die bereits seit Jahren etabliert sind. Auch ist die Auswahl an Herstellern von Displays und weiterer Hardware fast nicht mehr überschaubar und schwer zu sondieren.“

Epson Laserprojektoren der L-25000-Serie produzieren dank ihres hohen Lichtstromes von bis zu 25.000 Lumen auch in großen Sälen und Aulen scharfe, augenfreundliche Bilder in natürlichen Farben (Bild: Epson)

Seiner Meinung nach wird der DigitalPakt „in den kommenden drei bis fünf Jahren noch für einen weiteren Schub im Education-Markt sorgen. Allerdings wissen wir alle, dass nach fünf Jahren die meisten Geräte bereits veraltet sind. Wir sprechen hier nicht von klassischen Schulmöbeln, die auch noch die Enkel teilweise benutzen, sondern von technischen Geräten, die laufend auf dem aktuellen Stand sein müssen, um Performance und Zuverlässigkeit sicherzustellen. In meinen Augen benötigen wir einen dauerhaften Digitalpakt, der es den Bildungseinrichtungen ermöglicht, nicht nur hochwertiges Wissen zu vermitteln, sondern auch hochwertig Wissen zu vermitteln und die Studenten, Schüler und Kindergartenkinder auf ein digitales Leben vorzubereiten.“

Somit zeichnet sich für alle Beteiligten rund um den DigitalPakt wohl eine eher dauerhafte Herkulesaufgabe ab. Lehrer und Schulträger müssen erkennen und planen, wie die digitale Schule funktionieren und lehren soll. Für die AV-Branche als Lösungspartner bedeutet dies eine sehr hohe Beratungsleistung mit intensiver Nähe zu den einhergehenden IT-Strukturen, angesichts der medialen Ausstattung und ihren Workflows. Wie es dann nach 2025 weitergeht, ist völlig offen, angesichts der sehr vagen Aussagen des BMBF zu Förderungen über das festgelegte Ende des DigitalPaktes hinaus.

Soll Schule zukünftig also digital und medial wirken, bedeutet das zwangsläufig eine ständig zeitgemäße Ausstattung mit regelmäßigen technischen Erneuerungszyklen. Was für die meisten Branchen ein eher normaler Prozess ist, muss für den schulischen Bereich wohl erst noch erkannt werden. Eine großangelegte Einmalförderung kann nicht von langer Dauer sein. Die Halbwertszeit von zeitgemäßer Medientechnik ist angesichts des rasanten technischen Fortschritts eben deutlich kürzer als die der guten alten analogen Schultafel.

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