Audionetzwerke

Dante Netzwerk – was entwickelt sich weiter?

Joshua Rush, Vizepräsident, Marketing vom Dante-Hersteller Audinate, zur Marktsituation, den Neuheiten in Sachen Dante und zu den Entwicklungen „in der Pipeline“.

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Joshua Rush, Vizepräsident, Marketing bei Audinate, im Gespräch mit PROFESSIONAL SYSTEM-Autorin Christiane Bangert (Bild: Detlef Hoepfner)

Wo sehen Sie die Marktposition von Dante?

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In einer Marktstudie aus dem letzten Jahr geht hervor, dass bei 59 % der installierten Netzwerke Dante eingesetzt wird, gefolgt von CobraNet mit 16 %. Es gibt mit um die 750 Produkten – von manchen habe ich erst auf der Messe erfahren – mehr als doppelt so viele Geräte mit Dante-Schnittstellen als es jemals welche mit CobraNet gab. Wir sind in drei Marktsegmenten aktiv: Installationen, Live- Sound und Broadcast.

Wo ist da ein Produkt wie Dante Via anzusiedeln?

Es ist für unterschiedliche Anwendungen zu nutzen. Etwa, wenn man in einer Installation Dante-Geräte hat und eine einfache Erweiterung braucht, z. B in einer Kirche oder einem Kongresszentrum kurzfristig die Zuhörerkapazitäten um weitere Räume erhöhen muss, dann kann man in die zusätzlichen Räume einfach einen Laptop mit Dante Via stellen und die Dante-Signale über die Audio-Ausgänge des Laptops in Lautsprecher mit integriertem Verstärker einspeisen. Oder es werden zwei Laptops einfach miteinander verbunden, die z. B. Signale von per USB angeschlossenen Mikrofonen oder Ähnlichem austauschen. Dante Via schafft einen Einstiegspunkt in die Audionetzwerk-Welt, ohne dass man gleich ein Dante-Gerät kaufen muss. Und Dante Via schafft die Möglichkeit, Signale von beliebigen Anwendungen auszutauschen, egal ob iTunes, Skype, alle möglichen Wave-Player etc.

Allerdings nur zweikanalig …

Ja, „mehr Kanäle“ ist einer der häufigsten Wünsche, die wir für Weiterentwicklungen hören. Dabei ist die Zweikanaligkeit eigentlich nur ein Kompromiss beim Designentwurf: Nur durch die Beschränkung auf zwei Kanäle ist ein einfaches Drag & Drop der Eingänge auf die Ausgänge möglich. Zugunsten dieser einfachen Handhabung haben wir auf die Komplexität verzichtet, die aus mehr Kanälen resultieren würde. Mit mehr Kanälen bräuchte man eine Matrix, mit Möglichkeiten der Kanalzuweisung und Verteilung und dann sind wir eher von der Oberfläche her in der Dante- Controller-Welt.

Wie wird sich Dante Via weiterentwickeln?

In der ersten Version sind die Kernfunktionen enthalten, nach denen die Nutzer gesucht haben. Es werden weitere Funktionen dazu kommen. Stark nachgefragt wird auch eine Möglichkeit, die Pegel zu kontrollieren, wenn man mehrere Eingangssignale auf einem Ausgang zusammenmischt.

Wird es weitere Software-Produkte von Audinate geben?

Momentan ist Netzwerk-Management mehr ein Thema, sowohl hinsichtlich der Signalverteilung über Subnetz-Grenzen hinweg als auch der Vergabe von Zugriffsrechten. Auf der ISE haben wir unsere nächste Generation des Dante-Controllers vorgestellt, der u. a. den Passwortschutz der Dante-Geräte ermöglicht. Eine weitere Funktion ist die Unterstützung von drahtlosen Steuerverbindungen; man muss also den Laptop zur Nutzung des Dante-Controllers nicht mehr per LAN-Kabel anschließen.

Gibt es Gedanken in Richtung Wireless Audio?

Diese Frage bekommen wir häufiger gestellt. In Anwendungen allerdings, für die Dante konzipiert ist, sind Zuverlässigkeit und geringe Latenz fundamental und lassen sich mit einer drahtlosen Verbindung nicht garantieren.

In welche Richtung entwickeln sich die Geräte-Typen, die mit Dante-Schnittstellen ausgestattet sind?

Da sehen wir die größten Entwicklungen. Immer mehr Geräte sind Produkte am Anfang und am Ende der Signalkette. Es gibt Mikrofonhersteller wie Audio-Technica mit ihren Grenzflächen-Mikrofonen oder Shure mit Microflex Advance. Das Gleiche sieht man bei den Endpunkten, in der Nähe der Lautsprecher oder den Lautsprechern selber. Das wird möglich durch die Ultimo- Karte, die jetzt seit ca. drei Jahren erhältlich ist. Es braucht natürlich Zeit, bis die Hersteller sie in ihre Entwicklungen implementiert haben.

Welche Vorteile hat Dante gegenüber anderen Lösungen?

Es gibt viele Dinge, die zu einer Audionetzwerk- Lösung gehören. Es gibt da viel Verwirrung, auch im Zusammenhang mit AES67. Was ist ein Standard, was ist ein Protokoll? Wenn man darüber nachdenkt, was eine Audionetzwerk-Lösung nutzbar macht, dann ist da die Transport-Ebene, auf der Audio-Streams zwischen den Geräten ausgetauscht wird. Es bedarf aber so viel mehr, damit man dies im Alltag nutzen kann. Einen großen Teil macht die Software- Lösung aus, wie Leute mit dem Netzwerk interagieren. Und da wird der Dante-Controller wirklich wichtig. Die Nutzer können die Signale verteilen, den Status der einzelnen Geräte und des Netzwerks ansehen. Es gibt eine automatische Geräteerkennung und Möglichkeiten, Namen zu vergeben, entsprechend der Funktion und nicht nur Nummern und Buchstaben zu haben. Auch Software wie die virtuelle Soundkarte und Dante Via gehören zur Gesamtlösung. Wir investieren außerdem viel in die Schulung und Unterstützung, auch in Sachen Aufbau der Netzwerke.

Es gibt aber keine Switche von Audinate …

Nein, wir sehen uns nicht als Switch-Hersteller, sondern wollen den Nutzern die Entscheidung überlassen, welchen Switch sie nutzen. Es gibt inzwischen einige Hersteller, die vorkonfigurierte Switche für Dante-Anwendungen anbieten, z. B. von Yamaha und Luminex.

Wie sieht die Prognose für die Zukunft aus? Können Sie sich vorstellen, dass vermehrt Hersteller doch auf der Basis offener Standards eigene Lösungen entwickeln, auch wegen der Lizenzkosten?

In dem Zusammenhang sind Kommentare auf der Dante AV Networking World auf der ISE interessant. Hier saßen einige namhafte Hersteller wie Shure, Symetrix, Bose, Yamaha auf dem Podium und man sagte, dass Dante eigentlich ein guter Deal ist, weil die Kosten geringer sind als bei eigenen Entwicklungen. Die Hersteller können sich außerdem auf ihre Kernkompetenzen in der Entwicklung fokussieren und ihre Entwicklungs-Ressourcen auf die Merkmale konzentrieren, die sie von anderen Herstellern unterscheiden. Es ist ermutigend über die Messe zu gehen. Ungefähr die Hälfte der Hersteller sind Lizenznehmer, bei der anderen Hälfte gibt es noch viel Entwicklungs- und Innovationspotenzial.

Wird Steuerung ein Thema werden?

Das ist auch eine häufig gestellte Frage. Es gibt die Möglichkeit, Steuerdaten im Dante-Stream zu integrieren und Hersteller nutzen dies auch. Alles andere würde aber wohl zu weit führen.

Vielen Dank für das Gespräch.

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