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Lösungen für das digitale Zusammenarbeiten

Tools & Konzepte: Das sind die Collaboration Trends 2018

Nicht zuletzt auf der ISE 2018, der internationalen Leitmesse für AV-Systemintegration, demonstrierten Hersteller aus den Bereichen AV und IT neue Lösungen für den boomenden Collaboration-Markt. PROFESSIONAL SYSTEM stellt Produkte und Konzepte beispielhaft vor.

Konferenz
(Bild: Logitech)

Das Zusammenarbeiten zur Lösung einer Aufgabe oder zum Konzipieren eines Projekts in einem Team, dessen Mitglieder nicht zwangsläufig an ein und demselben Ort sein müssen – kurz Collaboration –, verbreitet sich im digitalen Zeitalter allmählich, aber unaufhaltsam. Das lässt sich unter anderem daran erkennen, dass die Zahl der Homeoffice- Schaffenden und Coworking-Spaces zunimmt. Zu Collaboration gehört nicht nur der sichtbare Kontakt der voneinander entfernten Team-Mitglieder via IP-Videokonferenz, sondern vor allem das Teilen und gemeinsame Bearbeiten von Dokumenten auf digitalen Netzen sowie das Einbeziehen von mitgebrachten Laptops und Mobile Devices (BYOD) in das digitale Kommunikationssystem.

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Die vergangene ISE 2018 war eine gute Gelegenheit, um eine gewisse Übersicht über den aktuellen Stand der Technik für Collaboration zu erhalten. Hersteller aus den Bereichen Audio-, Video- und Medientechnik oder IT präsentierten dort eine Vielzahl an neuen Produkten. PROFESSIONAL SYSTEM stellt eine Auswahl an Lösungen für typische Anwendungen vor.

Keep it simple

War früher bei Videokonferenzen immer ein Techniker zur Betreuung und Bedienung der Anlage zugegen, so ist das in Zeiten der Adhoc- Meetings im kleinen Kreis nicht mehr angesagt. Es muss schnell und unkompliziert gehen – die Meeting-Teilnehmer bedienen selbst. Softwarebasierte Lösungen und Tools mit intuitiven Oberflächen sind hier das Mittel der Wahl.

Entsprechend steht die intuitive Bedienung bei den Meeting-Lösungen von Logitech, bekannt durch seine Computer-„Mäuse“ und Webcams, im Vordergrund. Dabei bietet man je nach Meeting-Anforderung und Raum – Huddle Space, Meetingraum oder Konferenzraum – unterschiedliche (Kamera-)Sets an, auch mit Anschlussboxen und Bedienkonsolen. Interessant für Collaboration ist hier die Meetingraum-Konsole „SmartDock“ für Skype- Raumsysteme, die das Starten eines digitalen Meetings per Tastendruck ermöglicht und die vertraute Skype for Business-Benutzeroberfläche bietet. Hier arbeitet man in Sachen AV-Steuerung innerhalb des Logitech Collaboration Program (LCP) mit namhaften Herstellern für AV-Signalmanagement wie Extron zusammen.

Logitech Meetingraum-Konsole SmartDock
Logitech Meetingraum-Konsole SmartDock für Skype-Raumsysteme (Bild: Logitech)

Als Anbieter von softwarebasierten Videokonferenz-Lösungen bietet Lifesize eine cloudbasierte Videokonferenzplattform, die über die Lifesize-Drittanbieter-Registrierung mit vorhandenen Polycom- oder Cisco-Systemen kooperieren kann. Dabei sollen Anwender von umfangreichen Collaboration-Funktionen, wie einem Kontaktverzeichnis sowie Dual-Stream Video und Firewall Traversal, profitieren. Zudem wurde neben Updates mit Verbesserungen wie optimiertes Sharing von Medien oder ein neues Outlook Add-In auch eine neue Version der Lifesize-App für mobile Endgeräte angekündigt.

Moderator-Funktion der Lifesize App
Moderator-Funktion der Lifesize App (Bild: Lifesize)

Auch Polycom hat den Wechsel vom klassischen Videokonferenz-System zu cloudbasierten Lösungen vollzogen, die sich an die prominenten Messaging-Systeme Skype & Co. andocken. Neu vorgestellt für Collaboration wurde Polycom Pano: Es ermöglicht, dass Teilnehmer eines Meetings bis zu vier Streams mit simultanem Inhalt nebeneinander von jedem Gerät aus teilen können. Dabei soll das Jonglieren mit Kabeln, Pucks oder Dongles wegfallen.

Für Meetings, Vorträge oder Unterrichtsstunden in kleinen bis mittleren Besprechungsräumen, Klassenzimmern oder Huddle Spaces ist das Präsentationssystem Kindermann Klick & Show konzipiert. Die Collaboration- Lösung, bestehend aus einer Funk-Basiseinheit und zwei Transmittern in Form einer USB-Tasteneinheit zur Bedienung, verspricht einfaches Handling zur Darstellung der Inhalte von Laptops oder anderen Mobilgeräten. Durch kurzes Berühren der Sensortaste werden die Inhalte auf das zentrale Display gespiegelt.

Digital Workflow

Damit Collaboration funktioniert, muss ein reibungsloser Ablauf der digitalen Funktionalitäten – der „Digital Workflow“ – gegeben sein. So müssen alle involvierten Audio- und Videokomponenten fehlerfrei mit den IT-Systemen zusammenarbeiten. Einige AV-Hersteller halten daher neben der eigentlichen Collaboration- Einheit auch passende Kameras, Mikrofonsysteme, Lautsprecher, Geräte für das AVSignalmanagement und Bedienoberflächen bereit.

So bietet etwa AMX als Harman-Brand mit Acendo Vibe ein schmuckes Kompaktsystem an, das der Hersteller als „Soundbar mit Kamera für Multimedia-Anwendungen“ bezeichnet und zur Collaboration in kleinen und mittleren Räumen dient. Man nutzt hier „synergetisch“ die Technik der anderen Harman- Brands – für die Audiowiedergabe sorgt z. B. ein JBL-Lautsprecher. Zudem enthält Acendo Vibe eingebaute Mikrofone und eine Weitwinkelkamera für Video- und Telefon-Konferenzen und ermöglicht Audio-Streaming via Bluetooth für kabellose Anbindung von Smartphones und Tablets. Ein im Gehäuse integrierter Halter dient zur einfachen Montage an der Wand.

Für das AV-/Daten-Management und die Besprechungsplanung steht nun Acendo Core zur Verfügung, das sich in Microsoft Exchange und Office 365 einbinden lässt und Kommunikationsprogramme wie Skype for Business unterstützt. Es erlaubt drahtloses Dokumenten-Sharing, wobei der Datenaustausch ohne Kabelverbindung über Google Cast oder Apple AirPlay erfolgt. Zudem bietet Acendo Core Kalender- und Raumbuchungsfunktionen. Alle Bedienfunktionen sind über eine eigene Bedienoberfläche auf einem interaktiven Touch-Display abrufbar.

Acendo Vibe von AMX/Harman
Kompaktsystem mit Kamera und JBL-Soundbar: Acendo Vibe von AMX/Harman (Bild: AMX/Harman)

Crestron offeriert ein umfangreiches Produktportfolio mit Hardware und Software für Collaboration. Dabei setzt der Hersteller auf das cloudbasierte Datenmanagement-System XiO Cloud, um z. B. die BYOD-Lösung AirMedia 2.0 zur drahtlosen Präsentation zu konfigurieren und zu verwalten. XiO Cloud ist für den zentralen Zugriff (Verwaltung, Monitoring, Konfiguration) auf alle in einem Unternehmen installierten Crestron-Produkte konzipiert. Das neue netzwerkbasierte AirMedia 2.0 ist in Crestron Präsentationslösungen wie Mercury integriert und verspricht schnelle, einfache und sichere Drahtlospräsentation. Benutzerzugriffsrechte und Firmware-Updates können per Fernzugriff verwaltet werden. In Bezug auf sicheres Arbeiten im Netz nutzt AirMedia 2.0 die Sicherheitsprotokolle IEEE 802.1x, Active Directory Benutzerauthentifizierung, AES-128-Verschlüsselung sowie SSH, SSL, TLS und HTTPS.

Datenmanagementsystem XiO Cloud
Bei Collaboration setzt Crestron u. a. auf das cloudbasierte Datenmanagementsystem XiO Cloud. (Bild: Claudia Rothkamp)

Das Präsentationssystem Cynap von Wolfvision bietet BYOD-Unterstützung, Funktionen für Annotationen, Aufnahmen, Webcasting, Webkonferenzen und einen integrierten Mediaplayer. Die gemeinsam genutzten Medien – ob aus der Cloud, von einem USB-Stick oder von einem Netzlaufwerk – lassen sich gleichzeitig abspielen, anzeigen, aufnehmen und streamen.

Vivitek präsentierte gemeinsam mit Delta Display Solutions visuelle Produkte wie Projektoren und Kontrollraum-Displays, Digital- Signage- und Collaboration-Lösungen der NovoConnect-Familie. Neuheiten sind hier das kabellose BYOD-Präsentationssystem Novo- Enterprise samt Bedientaster LauncherPlus, welches Screen Mirroring (Miracast oder Google Cast für Android, AirPlay für iOS) für die Teilnehmer einer Konferenz ermöglicht.

Interaktive Displays

Der Launch von Microsoft Surface Hub hat einen Entwicklungsschub losgetreten. So bietet derzeit fast jeder Display-Hersteller mindestens ein Gerät an, das die Funktionen eines interaktiven Whiteboards mit BYOD-Unterstützung und Document-Sharing vereint. Sharp stellte neben den 40″- und 55″- Huddle-Room-Monitoren (siehe Praxistest in Ausgabe 1.2018) nun auch ein 70″ „Big Pad“ für Collaboration mit 4K-LCD-Touchscreen vor. Die hohe Auflösung verspricht eine präzise Darstellung detailreicher Dokumente, wie technischen Zeichnungen, Karten oder Tabellen.

Das InfinityBoard von NEC ist nun auch in der EMEA-Region verfügbar. Es ermöglicht neben Annotationen auch das Teilen und gemeinsame Bearbeiten von Inhalten. Für eine besonders hochwertige Wiedergabe der Inhalte sorgt das UHD-Display, das in 65″ oder 84″ verfügbar ist. Für Videoconferencing in Huddle Spaces besitzt das InfinityBoard eine Kamera mit 120°-Blickwinkel. Dank der OPSEinschubtechnik lässt sich der integrierte PC – aktuell ausgestattet mit Microsoft Windows 10 IoT Enterprise-Betriebssystem – bei Bedarf austauschen.

Eine wirkliche Überraschung ist es nicht, dass auch Google Lösungen für den Wachstumsmarkt Collaboration bereithält. Zu den verfügbaren Lösungen zählt auch das bereits 2017 gelaunchte Jamboard, das zu den Mitbewerbern des Microsoft Surface Hub zählt und ein 55″ UHD-Display mit 120 Hz Touch-Scanrate sowie 16 simultanen Touchpoints bietet. Für Collaboration sind eine Weitwinkelkamera sowie Lautsprecher und die Google-App „Hangouts“ integriert.

Zwar nur begrenzt collaborationfähig, aber einfach zu bedienen wie ein analoges Flipchart, ist Samsung Flip (siehe Bericht in Ausgabe 1.2018). Dieser digitale Ersatz für klassische Flipcharts bietet zusätzlich Anschlussmöglichkeiten für mobile Endgeräte, z. B. über WLAN und USB. Eine Screen- Sharing-Funktion ermöglicht Übertragung der Bildschirminhalte von kompatiblen PCs, Smartphones oder Tablets direkt auf das Samsung Flip.

Digitales Flipchart Samsung Flip
Rotate it! – Digitales Flipchart Samsung Flip (Bild: Helga Rouyer-Lüdecke)

Softwarebasierte Systeme

Jenseits der Hardwarelösungen gibt es mehr oder weniger umfangreiche Softwarepakete, mit denen der Anwender – oder der Integrator im Auftrag des Anwenders – individuelle Bedienoberflächen für komplexe interaktive Präsentations- und Kollaborationsumgebungen erstellen kann. Eine solche Entwicklungsumgebung ist smartperform vom deutschen Entwickler und Vermarkter Immersion 7 (Anwendungsbeispiel siehe Bericht „Mit Medientechnik mehr bewegen“ ab Seite 30). Als Lösung für das Segment Meetings und Collaboration in Vertrieb-, Konferenz- und Seminarbereichen bietet das Unternehmen auch standardisierte Benutzeroberflächen, sogenannte Apps, ergänzend zum smartPerform-Portfolio an. Dazu zählt u. a. eine überarbeitete Collaboration- App für Meetings und Konferenzen, die auf dem ISE-Stand nicht nur auf stylischen Multitouch- Tischen demonstriert wurde.

Ein ähnliches Konzept verfolgt das US-Unternehmen Oblong Industries mit der Software- Plattform Mezzanine, die es in unterschiedlichen Ausführungen gibt. Besonderheit ist eine dynamische PoP-Funktion (Picture on Picture). Hier werden Größe und Position der Fenster von Videostreams automatisch so auf den Bildschirmen angeordnet, dass alle Teilnehmer einer Arbeitssitzung ihren Content optimal teilen können. Jüngstes Produkt der Mezzanine- Familie ist die 200er-Serie, ein Collaboration- System für Huddle Rooms.

200er-Serie der Mezzanine-Familie von Oblong Industries ist ein Collaboration-System
Die 200er-Serie der Mezzanine-Familie von Oblong Industries ist ein Collaboration-System für Huddle Rooms. (Bild: Oblong Industries)

Auf eine Hardware-Software-Kombination setzt Nureva. Der kanadische Hersteller hat auf der ISE das System WM408i vorgestellt, das einen HD Ultrakurzdistanzprojektor mit einer kapazitiven, projektierbaren und multitouchfähigen Oberfläche kombiniert, um mittels der „Span Visual Collaboration“-Software eine interaktive Collaboration-Arbeitsumgebung zu schaffen. Die Nureva-Wand kann aber auch mit jeder Windows-Anwendung genutzt werden.

Audiosysteme

Vor zwei Jahren erschienen die ersten Audiosysteme für Collaboration von namhaften Mikrofonherstellern am Markt. Dazu gehört die „TeamConnect“-Reihe von Sennheiser. In diesem Jahr stellte Sennheiser das Deckenmikrofon TeamConnect Ceiling vor, das automatisches Beamforming nutzt. Dabei richten sich 29 einzelne, omnidirektionale Mikrofone automatisch auf den jeweiligen Sprecher im Raum aus, was jederzeit die beste Sprachverständlichkeit für Telefonate oder Online-Meetings garantieren soll.

Der Sprecher kann sich während seines Vortrags völlig frei bewegen. Konferenzräume, die mit TeamConnect Ceiling ausgerüstet sind, sind flexibel einsetzbar, ohne dass die Technik manuell nachjustiert werden muss. Ebenfalls am Start war die neueste Version des „Sennheiser Control Cockpits“ – einer Software zur einfachen Bedienung sowie zur zentralen Steuerung und Wartung von Sennheiser- Mikrofonen, die in verschiedenen Räumen verteilt sein können. Die Control Cockpit- Software erlaubt zudem neben der Steuerung des SpeechLine Wireless Systems erstmalig auch den digitalen Zugriff auf weitere Mikrofonsysteme wie Digital 6.000 sowie die Serien ew G3 und ew G4.

Sennheiser „Control Cockpit“-Software
Sennheiser „Control Cockpit“-Software zur einfachen Bedienung und zentralen Steuerung und Wartung von Sennheiser-Mikrofonen (Bild: Sennheiser)

Neben der Collaboration-Lösung Yahama CS-700, die Video-, Audio- und Collaboration- Funktionen in einem wandmontierten System enthält, stellte das Yamaha-Unternehmen Revolabs auf der ISE die Unified-Communications- Audio-Lösung YVC 1.000 vor. Das für Skype for Business zertifizierte Konferenztelefon ist bluetoothfähig und für mittelgroße bis große Konferenzräume konzipiert, welche flexible Lösungen für die Audio-Kommunikation erfordern. Das Yamaha YVC 1.000 verfügt über getrennte Mikrofon- und Lautsprecher-Einheiten (Hochleistungs-Breitband), die nahe dem Videomonitor platziert werden können. Flexible Echounterdrückung und weitere Klangverarbeitungstechnologien von Yamaha erleichtern dabei die stressfreie Konversation.

Auch beyerdynamic schließt sich dem Collaboration- Trend an: Phonum nennt sich ein neues kompaktes, akkubetriebenes und kabelloses Speakerphone mit drei Mikrofonkapseln. Es verspricht laut Hersteller ein schnelles und unkompliziertes Aufbauen in jedem Raum und kann über Bluetooth oder USB mit einem Smartphone oder einem Computer verbunden werden. Ein Lautsprecher strahlt den Schall nach unten auf die Tischoberfläche ab und verspricht damit dessen optimale Verteilung im Raum. Mit der „Voice Compass“-Technologie kann Phonum selbstständig die Position eines Sprechers im Raum identifizieren und die Aufnahme auf diese Person fokussieren.

Wireless Freisprechstelle Phonum von beyerdynamic
Wireless Freisprechstelle Phonum von beyerdynamic (Bild: beyerdynamic)

Fazit

Collaboration ist kein Modetrend, sondern eine Entwicklung, die sich aus dem digitalen Wandel der Arbeitswelt ergibt. Dabei sind cloudbasierte Systeme und AV-over-IP-Tools die Voraussetzungen für Collaboration. Die hier vorgestellten Lösungen sind Beispiele für die audiovisuelle Umsetzung von Collaboration, die auch in kommenden Ausgaben von PROFESSIONAL SYSTEM thematisiert wird.

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