Produkt: Professional System 01/2020
Professional System 01/2020
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Bose-Beschallung im sanierten Konzert- und Theatersaal im Wohnstift am Tiergarten, Nürnberg

Mehr als „nur“ Theater

Der Veranstaltungssaal im Nürnberger Seniorenstift wurde kürzlich grundsaniert. Dabei sollten Live-Beschallung sowie Kino-Surround-Sound auf hohem Niveau ermöglicht werden. Zudem sollte der Raum für verstärkte wie unverstärkte Performances funktionieren. Für die Beschallungsaufgaben wurden unter anderem kaskadierte Bose Panaray MSA12X-Beam-Steering-Arrays eingesetzt, um gleichmäßige Abdeckung zu gewährleisten.

Blick von der Bühne in den sanierten Konzert- und Theatersaal
Blick von der Bühne in den sanierten Konzert- und Theatersaal (Bild: Bose)

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Die Seniorenresidenz Wohnstift am Tiergarten in Nürnberg beschreibt den hauseigenen Konzertsaal als das „Herzstück“ der großzügigen Anlage. Das Wohnstift versteht den hochwertigen Veranstaltungsort mit über 400 Plätzen als Alleinstellungsmerkmal in Deutschland. Der Saal wurde für 3 Millionen Euro grundsaniert und nach nur 15 Monaten Planungs- und Bauphase im November 2019 wiedereröffnet. Der Entwurf stammt vom Büro Seiler Architektur in Bamberg.

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Verstärkte und unverstärkte Performances

„Der Saal sollte nach der Renovierung alles leisten können, was ein anspruchsvoller Veranstaltungssaal bieten muss“, erläutert Fachplaner Guido Kacher, Inhaber des spezialisierten Bamberger Planungsbüros Soniek.com, die Aufgabenstellung. „Dazu gehören verstärkte Konzerte und akustische Performances.“

Als „unverstärktes“ Beispiel nennt er etwa Auftritte der Nürnberger Philharmoniker. „Zum Medientechnik-Portfolio zählt die 7.1-Beschallungstechnik samt induktiver Hörschleife sowie Bühnen-Beleuchtungstechnik für eine Show-Beleuchtung mit Video-Großprojektion.“

Die Medientechnik wurde per Crestron-Touchpanel realisiert, im Wesentlichen als „Selbstfahrer-Modus“. Der „engagierte Haustechniker als Bediener“ sei die gedachte Schnittstelle gewesen, „wobei die Bedienung der Oberfläche intuitiv gehalten ist, sodass eine Vielzahl an Einstellungen ohne Bedienfehler möglich sind.“

Das Crestron-Panel befindet sich an der Saalrückseite, im Türrahmen ist zudem ein Tableau nur für die Raumbeleuchtung angebracht. „Die beiden Panels sind abwechselnd aktiv, um Parallelbedienungen zu vermeiden.“ Zusätzlich existiert ein Funk-Touchpanel.

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Raumakustik

Der Saal misst rund 22 × 18 Meter ohne den Bühnenbereich. Wände und Decke sind komplett mit Holz verkleidet – durch Beleuchtungsscharten mit aufgebrochener Struktur. Guido Kacher erläutert: „Die geschuppte, kaskadierte Fläche bricht Reflexionspfade auf, es ist keine parallele Wand vorhanden. Gleichzeitig dient sie dazu, Licht diffus in den Raum zu bringen. Der Architekt hatte den Anspruch, viel zu verstecken, und den Raum gleichzeitig plastisch zu gestalten – was durch jede illuminierte Kante unterstützt wird.“

Etwa auf halber Wandhöhe befinden sich umlaufende Lamellen. „Die Lamellen haben einen diffusiven Charakter, durch die scheinbar ‚willkürliche‘ Anordnung bilden sich keine destruktiven Reflexionsmuster aus.“ Es sei ein Meisterwerk von Seiler Architektur, so Kacher weiter.

Die Architekten hatten hierzu 1:1-Prototypen der Lamellen gebaut. Die Nachhallzeit beträgt gut 1,4 Sekunden mit einem adaptiven Kurvenverlauf. Die Raumakustik wurde vom Ingenieurbüro für Bauphysik Wolfgang Sorge in Nürnberg errechnet.

Saal mit ungleichem Lamellenmuster
Durch ein ungleiches Lamellenmuster im Raum wird Schall diffundiert. (Bild: Nicolay Ketterer)

Kacher: „Wir haben uns alle an den Senioren orientiert: Wir wollten den Tieftonbereich in der Nachhallzeit dämpfen – der Bereich wäre für ältere Leute unangenehm. Die subjektive Umhüllung findet gerade bei eingeschränktem Hörvermögen betont im Mittenbereich statt. Daher wurde dieser etwas angepasst. Das ist theoretisch nicht ideal, klingt aber für die Besucher angenehm. Außerdem forderte die induktive Hörakustik auch ihre Beachtung.“

Zur Abdeckung der gegensätzlichen Anforderungen verstärkter und akustischer Konzerte haben sie ursprünglich über eine variable Akustik nachgedacht, allerdings war dafür das Budget zu knapp.

„Daher der Spagat: Indem wir die tieffrequentere Nachhallzeit abgesenkt haben, entsteht für ein Jazz-Ensemble, das hier auch auftreten kann und eigentlich eine kurze Nachhallzeit möchte, eher eine Club-Atmosphäre – weil der Grundton weniger nachwummert und zudem nicht ‚maskiert‘ “, so der Fachplaner.

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Unauffälliges Beschallungskonzept

„Insgesamt haben wir 54 Lautsprecher verbaut, auch wenn sie kaum sichtbar sind: ein Teil im Foyer, dazu allein 18 Bose Freespace-Surround-Systeme zwischen den Akustik-Lamellen.“ Letztere sind dank spezieller Oberflächenbehandlung selbst bei Beleuchtung kaum auszumachen.

Lamellen in der Wand verdecken Surround-Lautsprecher
In den Lamellen sind „unsichtbar“ 18 Surround-Lautsprecher untergebracht. Dazu mussten die Lamellen unter anderem ausgeklinkt werden, auch die freie Abstrahlung der Hochtöner musste gewährleistet bleiben. (Bild: Bose)

Prominent fallen lediglich zwei Steelen links und rechts der Bühne auf, die aus kaskadierten Bose Panaray MSA12X-Beam-Steering-Säulen in schwarzer Lackierung (RAL 9005) bestehen, gespeist über ein Dante-Netzwerk: „Das sind weltweit die einzigen ihrer Art, mit jeweils 6 Metern Länge.“

Drei der sechs Elemente sind jeweils schallaktiv, die unteren beiden und das oberste sind passive „Dummys“. „Das unterste Element ist als Stage-Box umgebaut, das MSA-Array dient darüber hinaus eher als optische ‚Vorhangbegrenzung‘.“

Das Bose-System vermittle Sprache auch im halligen Raum sauber, sei daher die erste Wahl gewesen. Aktives Beam-Steering, mit Split-Beam über die gesamte Länge von 3 Metern sorge für den hohen „Gleichlauf“ im Saal, verbessere die Sprachverständlichkeit und optimiere den Raumeindruck. Auf ein klassisches Line-Array-System verzichteten sie, um die Lautsprecher optisch unauffällig zu halten – eine der Vorgaben des Bauherrn.

Bose Lautsprechersäule Panaray an der Bühnenseite
Einer der wenigen sichtbaren Lautsprecher im Raum: Auf jeder Bühnenseite ist eine Säule aus sechs Bose Panaray MSA12X-Beam-Steering-Elementen verbaut. Die beiden unteren und das höchste Element sind dabei passive „Platzhalter“. (Bild: Bose)

In langen Kombinationen sei Beam-Steering allerdings mit Vorsicht zu genießen. „Bei der Anreihung von Treibern machen sich Seitenminima und -maxima schnell bemerkbar, wenn das akustische Grundkonzept nicht sauber gelöst ist. Das ist bei der Bose MSA12X sehr solide konstruiert, im wahrsten Sinne.“

„Wir suchten im Rahmen des Budgets eine hochwertige Beam-Steering-Lösung mit mindestens 3 Metern schallaktiver Länge. Der Bose-Lautsprecher zeigte sich für diese Anwendung als anspruchsvolle Lösung, die die Qualität kompromisslos erfüllt und dabei wirtschaftlich ist. Selbst bei der komplexen Split-Steering-Anwendung liefert sie selbst im gesamten Hörbereich geringe Interferenzen. Bei anderen Systemen bemerke ich deutlichere Färbung, sobald ich mich außerhalb der Achse befinde, im Raum bewege“, so Kacher.

„Durch die Beam-Steering-Anwendung lassen sich Höhe und Winkelveränderung einstellen – dadurch können wir kurz vor der Rückwand aufhören, um Reflexionen zu minimieren. Gleichzeitig ist der Schall vorne nicht zu laut und hinten nicht zu leise“, erklärt Frank Ruppert, Sales Manager von Bose Professional in Deutschland.

Hinter den Säulen hängt im Zentrum des ‚Quellpunkts‘ je ein kompakter Bose MB210 2 × 10-Zoll-Subwoofer als Tiefmitten-Erweiterung für die Medienton-Beschallung.

„Die höhere Montagelage erzwingt einen Mindestabstand zum Publikum – und damit Pegelminderung im Nahbereich. Ansonsten wäre eine Überhöhung in den ersten Reihen vorhanden. Das Verhältnis von der ersten zur letzten Reihe bleibt im Grundton, Bassbereich daher sehr homogen“, bemerkt Kacher.

Dazu kommen zwei „große“ Bose Subwoofer ShowMatch SMS118, die ohne Flugmechanik verbaut sind, um nicht zu technisch zu wirken. Guido Kacher: „Sie beginnen bei 30 Hertz und sind nur im Cinema-Modus aktiv, damit sie bei Bühnenveranstaltungen keinen Streuschall auf die Bühne abgegeben. Sie sind mit der Wand verschraubt, damit sie nicht verschoben werden können und dienen als mechanischer Fixpunkt für die Bühnenmonitore, die dort als Sidefills per Distanzrohr montiert sind.

Fest montierter Subwoofer, darüber ein Moniter als Sidefill für Sprecher
Links unten: Ein Subwoofer für Kino-Beschallung ist auf der Bühne fest montiert, darüber ein Monitor als Sidefill für Sprecher. Rechts oben: Ein kompakter Subwoofer soll den Tiefmittenbereich der Zeilenlautsprecher ergänzen. (Bild: Bose)

Diese Sprechermonitore sind so eingestellt, dass sie nicht mehr wahrnehmbar sind, sobald der Sprecher die Bühne verlässt. Der Bühnenvorhang begrenzt ergänzend die Abstrahlung.“ Dadurch entstünden für Bühne und Saal diskrete Beschallungszonen und keine Störungen in der ersten Reihe.

„Wir haben lediglich 3 dB Terzpegelvarianz über das Spektrum im gesamten Saal.“ Beim Testhören bleibt das Ergebnis tonal sowie in Pegel und Diffusität überraschend ähnlich von der ersten Reihe innen bis zur letzten außen. Lediglich direkt nahe der Wandfläche lassen sich Reflexionen wahrnehmen. „Selbst diese Reflexionen sind nicht destruktiv“, betont Kacher.

Terz geglätteter Amplitudenfrequenzgang des Center-Arrays, von der vorderen bis hinteren Reihe mit maximal +/- 1,5 dB (Bild: Soni.eK)

Die homogene Schallverteilung sei eines der Hauptziele gewesen: „Dadurch existieren nicht – wie früher – qualitative variable Plätze. Das war auch die erste Frage der Senioren, welche die guten Plätze sind – stattdessen sind nun praktisch alle Plätze gleich gut.“

Um ein homogenes Hörfeld für Dialoganwendungen zu gewährleisten, ist zusätzlich ein konstant-radiales Center-Cluster aus drei Bose ShowMatch-Array-Lautsprechern verbaut. „Dadurch bleibt das akustische Bild vorne stehen – egal, wo die Zuschauer im Raum sitzen“, so Ruppert.

ShowMatch-Center-Array hinter dem Schallsegel
Hinter dem Schallsegel befindet sich ein ShowMatch-Center-Array. Dazu wurden Gitter und Stoffbespannung von den Boxen entfernt, um eine Doppelung durch den Stoff des Schallsegels zu vermeiden. Dessen Eigenschaften wurden vorher ausgemessen – sie entsprachen grob dem des Lautsprecher-Bespannstoffs. (Bild: Bose)

Zur optischen „Maskierung“ sind die Lautsprecher hinter einem Deckensegel angebracht. Zusätzliche akustische Verfremdung wollten sie vermeiden. Guido Kacher erklärt: „Wir haben zunächst die Transmissionsdämpfung des Segels gemessen, um herauszufinden, wie es sich verhält. Dabei haben wir festgestellt, dass die Eigenschaften ähnlich sind wie bei einem Lautsprecher-Spannstoff. Allerdings wäre mit dem Lautsprechergitter und dem Segel eine Doppelung vorhanden. Ein Gitter ist immer schallmindernd – selbst bei hohem Lochanteil bleiben immer noch 40 Prozent der Austrittsöffnung verdeckt. Daher haben wir Gitter und Spannstoff des Arrays entfernt. Das Schallsegel übernimmt nun den gewünschten Sichtschutz mit ungehinderter Schallausbreitung.“

Eine weitere Maßnahme zur Optimierung der Ortung: Zwischen den Stufen sind auf voller Bühnenbreite sechs kleine Koax-Systeme von L-Acoustics verbaut. Sie dienen dazu die Lokalisation für die erste Sitzreihe auf die Bühne zu versetzen.

Zusätzlich zum Saal bietet eine seitliche Empore weitere Sitzplätze. „Zwar fehlt das Volumen für raumakustische Umhüllung bei Konzerten, dafür entsteht für Sprachveranstaltungen eine weitere Zone mit ausgeprägtem Direktschallfeld und hoher Sprachverständlichkeit, frei von störendem Streuschalleintrag aus dem Saal.“

Dort, hinter einer Lippe an der Stirnwand befindet sich eine Bose Panaray MSA12X-Array-Säule, die ebenso im Split-Modus läuft: „Um im Nahbereich etwas leiser zu sein, sind beide Beams individuell. Das hat bei einem 1-Meter-Element akustische Grenzen, aber allein ein zwei Dezibel je Endpunkt führen zu einem homogeneren Feld, wenn – wie hier – 15 Meter diagonal zu beschallen sind. Durch den im Blickfeld links positionierten Lautsprecher bleibt die Wahrnehmung Richtung Bühne erhalten. Fehlortung durch verzögerten Hall aus dem Saal entfällt.“

Einzelnes Bose Pantaray-Element auf der Empore
Linksseitig der Empore befindet sich ein einzelnes Bose Panaray MSA12X-Element. Deren Segmente ebenfalls unterschiedlich verzögert sind, um über die Diagonale von 15 Metern möglichst gleichmäßigen Pegel zu gewährleisten. (Bild: Nicolay Ketterer)

Die Montage hinter der Lippe diene ferner dazu, um rückwärtigen Schall der MSA-Säule zu mindern, sodass keine störende Schallquelle aus dem Saal wahrgenommen wird.

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Deckenbeschallung im Foyer mit „Breitenwirkung“

Im Foyer sind im Deckendesign neun EdgeMax-Lautsprechersysteme von Bose „versteckt“: „Dieser Lautsprecher ist hier ideal, da er den Schall in Richtung Raum im Vergleich zu anderen Deckenlautsprechern gleichmäßig verteilt. Stehen 50, 80 Leute im Raum, existiert ein entsprechender Grundgeräuschpegel. Man könnte zwei Lautsprecher aufs Stativ stellen und lauter machen – allerdings redet das Publikum im Nahbereich dann automatisch lauter, die Stimmung würde unpersönlich.“

Blick ins Foyer
Blick auf das Foyer, in dem neun Bose EdgeMax-Deckenlautsprecher gleichmäßige Beschallung gewährleisten sollen. (Bild: Nicolay Ketterer)

„Wir wollten den Störgeräuschpegel, zu dem auch Hintergrundbeschallung zählt, reduzieren, aber qualitativ noch wahrnehmbar halten. Der Störabstand sollte im Raum gleich sein. Das ist mit den EdgeMax-Lautsprechern sehr gut möglich, da sie bis über 10 Kilohertz konstant abstrahlen. Grundgeräusche sind störend, wenn sie wenige Informationen beinhalten.“

„Das ist bei Hintergrundbeschallung häufig der Fall, weil der Lautsprecher zu weit weg und vom Ausrichtungsvektor nach unten ausgerichtet ist, wie ein Downlight. Stehe ich darunter – wie unter einer Dusche – werde ich ‚nass‘, ansonsten ist das Signal dumpf. Das ist besonders für ältere Menschen unangenehm, da weniger Sprachverständlichkeit transportiert wird.“

Bose EdgeMax Deckenlautsprecher
Die EdgeMax-Systeme sind fast unsichtbar integriert und gefielen dem Architekten aufgrund ihrer quadratischen Form. Klanglich überzeugte den Fachplaner Guido Kacher die gelungene Schallverteilung durch Waveguides sowie gute Sprachverständlichkeit. (Bild: Bose)

Beim EdgeMax-System wird die Abstrahlung über spezielle Schallfächer vor dem Mittelhochtöner zum seitlichen Austritt abgelenkt. Dadurch sei sehr gute Abdeckung des großen Foyers gewährleistet. „Das funktioniert sehr gut, wie uns bei der Eröffnung bestätigt wurde. Dadurch muss eine Ansage nicht erschreckend laut sein – die Leute gingen wie von Geisterhand gesteuert zurück in den Saal“, so Damià Carbonell Tena, verantwortlicher Projektleiter bei Soniek.com.

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Induktive Hörschleife mit „Bühnen-Stopp“

Eine induktive Hörschleife für Hörgeräteträger war bereits früher im Saal vorhanden, funktionierte allerdings nicht. Daher wurde eine normengerechte, verschachtelte Hörschleife nachgerüstet, „mit einer Stoppschleife, um Übersprechen auf die Bühne zu vermeiden. Das Magnetfeld ist dort dadurch um 40 Dezibel gemindert, damit auch dynamische Tonabnehmer von Musikern störungsfrei betrieben werden können.“ Die induktive Übertragung erfolgt per Magnetfeld, ähnlich wie ein Funksignal. „Als Empfänger dient die so genannte T-Spule, die sich in einem mobilen Empfangsgerät oder im Hörgerät selbst befindet.“

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Herausforderung Medientechnik

Um Anschlüsse im Saal zu gewährleisten, wurde im Boden bei den letzten Reihen ein rund 5 Zentimeter flacher Versatzkasten von Media Tek gebaut. „Darin befinden sich zehn Anschlussarmaturen, farblich kodiert nach Audio, Video und Licht. Das war eine mechanische Herausforderung: Direkt darunter befindet sich die Bodenplatte und Erdreich. Zudem ist der Kasten mit 500 Kilogramm pro Quadratmeter bei geschlossenem Deckel belastbar. Der Lastabtrag findet über die Kastenwände und Stempel statt.“

„Wir konnten nicht ausschachten, sonst hätten wir das Fundament erweitern müssen. Salopp wurde vorgeschlagen, die Anschlüsse schlicht ein paar Meter weiter an die Saalrückwand zu verlegen. Das ist allerdings der Fluchtwegebereich. Bei Senioren mit Rollatoren ist selbst eine abgeklebte Leitung ein Hindernis oder eine Stolperfalle. Daher akzeptierten wir keinen mobilen Leitungsverzug im Raum.“

So kann gefahrlos im Saal auch ein FOH-Platz mit DMX-Konsole und Tonpult per Dante angeschlossen werden. Weit weniger „problematisch“: Außen im Foyer sowie in einer Wand der Empore befinden sich ebenfalls jeweils Anschlussfelder. „Auf der Empore können beispielsweise ein Verfolger-Spot und Videosignal angeschlossen werden – etwa für einen Assistenten, der eine Veranstaltung szenentechnisch für einen Referenten betreut.“

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„Millimeterarbeit“ Großprojektion

Ein neuer Christie-Hochleistungsprojektor ist im alten Projektorraum des Veranstaltungssaals untergebracht, der in grauer Vorzeit ein Kino war. Der Projektor ist in einem Schutzgehäuse vandalismus- und erschütterungsgeschützt am Boden verankert, leuchtet die rund 15 m² große Leinwand durch einen Lichttunnel in der Wand und die Akustiklamellen im Saal hindurch aus.

„Die Justage wurden von Media Tek sehr akkurat umgesetzt – das war tatsächlich Millimeterarbeit“, rekapituliert Kacher. „Bei einer Projektionsdistanz von über 20 Metern führt jeder Millimeter zu einem verzerrten Bild. Das ließe sich zwar elektronisch korrigieren, aber unser Anliegen war, nach Möglichkeit rein optisch mit Lasermessung auszurichten.“

„Bei einer On-Axis-Projektion werden bestmögliche optische Projektionsgegebenheiten erreicht. Das ändert sich durch elektronische Korrekturen: Je nach Content wäre später ein leichter Qualitätsverlauf sichtbar.“

Projektor
Millimeterarbeit für Fachplaner, Systemintegrator und Monteure: Der erschütterungsgeschützt montierte Projektor musste exakt gerade eingelassen werden. Auf elektronische Korrekturen wollten die Planer zumindest bei Bühnen-Content verzichten. (Bild: Nicolay Ketterer)

„Ob das nachher wahrnehmbar ist, wird gerne gefragt. Aber: Ist diese Frage relevant, wenn es baulich möglich ist, das Optimum zu erreichen? Das kostet in der Überlegungsphase lediglich etwas mehr Zeit zur Lösungsfindung.“

Zudem müsse man Variablen berücksichtigen, meint Kacher: „Mit Korrekturfaktoren bräuchte ich mehr Lichtleistung, die zum Schluss der Bauherr bezahlen müsste – ohne Mehrwert.“

Eine Ausnahme hinsichtlich Korrekturen: Im Kino-Modus wird das Bild auf der Leinwand über einen elektronischen Lens-Shift optisch um 100 Prozent nach unten verfahren, damit der Betrachtungshorizont stimmig erscheint. Im Betrieb ist die Bühne leer, daher besteht kein Risiko von Schattenwurf durch Akteure oder die Blendung derer.

„Theoretisch ergeben sich hier die erwähnten Nachteile. Da bewegte Bilder deutlich toleranter vom Auge wahrgenommen werden, haben wir die On-Axis-Projektion bei Bühnen-Content wie Präsentationen vorgezogen.“ Durch den separaten Projektorraum existieren zudem keine Gerätegeräusche im Saal. Lediglich bei aktiver Bühnenbeleuchtung sind zwei Moving-Heads im leeren Saal leise wahrnehmbar, was in der Praxis bei gefülltem Saal vernachlässigbar sei, ein gangbarer Kompromiss im Rahmen des Budgets.

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Live-Übertragung im „Selbstfahrer-Modus“

Die Veranstaltungen im Raum werden über eine hochauflösende Kamera ins Haus-TV übertragen, sodass auch Senioren teilhaben können, die ihr Apartment nicht verlassen können oder wollen. Dazu wurde in der Saalrückwand ein Kameratubus eingesetzt.

„Die Kamera ist nach hinten versetzt, da sich daneben eine Lichtfuge befindet. Weiter vorne positioniert, bekäme sie ein Streiflicht ab. Das konnte durch einen schwarzen Tubus verhindert werden, um Reflexionen bestmöglich zu absorbieren.“

Auch hier verweist Kacher auf die handwerkliche Finesse von Systemintegrator und Schreiner: „Die Firma musste praktisch chirurgisch in der schmalen Wand absolut lot- und waagrecht einbauen, sonst wäre das Bild beim Zoomen minimal schräg. Das würde beim Einbau nur mit der Wasserwaage nicht auffallen. Dazu kommt: Die Kamera ist komplett von der Wand auf den Rohbau entkoppelt, mit einer Verlagerungskonstruktion.“

Das Kamerabild wird – wie das restliche technische Setup – automatisch produziert. Der Selbstfahrer-Modus erlaubt zwei Bildeinstellungen – eine Saalperspektive sowie eine nähere Einstellung, die immer noch Saalatmosphäre vermittelt.

Beim Bauherrn stand der Wunsch im Vordergrund, soviel Selbstfahrer-Modus wie möglich zu realisieren, umgekehrt aber nötige Flexibilität zu bewahren. Daher haben sie sich auf das Wesentliche konzentriert, meint Kacher. Ursprünglich waren mehrere Kamerapositionen vorgesehen, um Perspektiven schalten zu können. Eine mobile TV-Kamera war ebenfalls angedacht, sie wird eventuell nachgerüstet.

An beiden Seitenwänden und auf der Bühne befinden sich Atmo-Mikrofone, um für das Kamerabild Applaus zusätzlich zum Direktsignal einzufangen. Die Signale der Studiomikrofone werden klanglich und zeitlich korrigiert und bilden einen separaten Mix.

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Automatisierte Sprachverstärkung

Für die Sprachverstärkung haben sie sich für Shure QLXD-Funksysteme etwa mit KSM9-Mikrofonen mit breiter Nierenkapsel entschieden, „um auch unerfahrene Sprecher, die zu weit entfernt oder zu nah einsprechen, noch ordentlich verstärken zu können – ohne nennenswerten Nahbesprechungseffekt.“

Der Mix erfolgt automatisiert über einen dynamischen, pegel- und frequenzselektiven Regelweg im Sinne eines Multibandkompressors, der eine tonale Abstimmung gewährleisten soll. Beim Vorführen der Sprachverstärkung zeigt sich eine Betonung im Hochmitten- und Präsenzbereich, was bewusst zur Anhebung der Sprachverständlichkeit gedacht sei, so Guido Kacher.

Mit den verwendeten Regelalgorithmen sei immer noch ein guter „Gain before Feedback“-Pegel möglich, die Lautstärke sei systemseitig allerdings begrenzt worden. „Es geht um gutes Kommunikationsniveau, wir wollen die Leute nicht mit Fanfaren beschallen.“ Für Schwerhörige existiert die Hörschleife.

Stichwort „Selbstfahrer“: Das Konzept, die Anlage möglichst ohne technische Hürden bedienen zu können, zieht sich auch beim Thema Wartung durch. „Der Nutzer bekommt über das System automatisiert eine Mail, etwa wenn sich Leuchtmittel oder Batterien dem Ende neigen. Das wird auch als Meldung auf beiden Panels dargestellt. In der dortigen Service-Übersicht sind alle Geräte in Ampelfarben gekennzeichnet, um deren Zustand zweifelsfrei zu beschreiben. Somit ist die Haustechnik rechtzeitig im Bilde oder kann im Bedarfsfall auch im Ferngespräch zunächst technisch eingrenzen.“

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Gelungene Herausforderung

„Die Integration war besonders anspruchsvoll und herausfordernd, da praktisch alles Sonderbau ist, mit Sonderlackierungen“, resümiert Systemintegrator Thomas Klug, Geschäftsführer von Media Tek in Bodenkirchen das gelungene Projekt.

„Anschlussblenden waren beispielsweise in Alu eloxiert, die Lautsprecher in den Lamellen sind mit gummierten Matten unterlegt, damit sie nicht vibrieren. Die sechs Meter langen Bose-Säulen exakt gerade zu montieren, war ebenfalls eine Herausforderung.“ Dabei half allerdings die sehr gute, detaillierte Ausführungsplanung des Planungsbüros, so Klug.

Bose habe das Projekt stark unterstützt, da die Produkte in dem Kontext noch nicht genutzt wurden, meint Kacher.

„Für uns war die Zusammenarbeit wichtig, weil wir die Beschallung und Abdeckung bis ans Limit dessen bewegt haben, was machbar war“, so Frank Ruppert von Bose. Das Projekt war demnach eine Herausforderung für alle Beteiligten. Insgesamt habe man als „Dreigestirn“ mit Fachplaner und Systemintegrator zusammenrücken müssen, erinnert sich Ruppert.

Teamwork bei der Planung und Umsetzung (v.l.n.r.): Systemintegrator Thomas Klug (Media Tek), Fachplaner Guido Kacher (So-niek.com), verantwortlicher Projektleiter Damià Carbonell Tena (Soniek.com) und Bose Professional Sales Manager Frank Ruppert
Teamwork bei der Planung und Umsetzung (v.l.n.r.): Systemintegrator Thomas Klug (Media Tek), Fachplaner Guido Kacher (Soniek.com), verantwortlicher Projektleiter Damià Carbonell Tena (Soniek.com) und Bose Professional Sales Manager Frank Ruppert (Bild: Bose)

Auch die Umsetzung der Firma Media Tek und deren Team habe ihn beeindruckt. „Der Vorteil: Man hat bereits zusammengearbeitet, kennt sich.“ Ruppert nennt eine Problemstellung für den Lautsprecherhersteller: „Wie bekomme ich das Anschlussfeld in den Lautsprecher? Als Lösung entschieden wir uns für ein Leergehäuse – allerdings stellte sich die Frage, was messtechnisch eigentlich mit der Säule passiert, wenn ich die Elektronik herausnehme. Das haben wir dann schlicht ausprobiert und gemessen.“

Gerade auch der Auftraggeber war offen für sinnvolle wie hochwertige Lösungen, erklärt Guido Kacher. „Die Stiftsleiterin Kerstin Beck und die Kulturreferentin Bettina Hambach waren höchst engagiert, eine hohe Veranstaltungsqualität im Rahmen des Budgets zu erreichen. Sie haben klar herausgestellt, was ihnen wichtig ist – wir haben gemeinsam geschaut, was wir weglassen können, um andere Bereiche stattdessen zu optimieren.“

Die erwähnte mobile TV-Kamera fiel beispielsweise weg, ebenso wie variable Akustik. Kacher betont die enge, kreative und konstruktive Zusammenarbeit insbesondere mit dem bauverantwortlichen Büro Seiler Architektur aus Bamberg. „Wenn man nur beim Normbau bleibt, entsteht nichts Außergewöhnliches. Aller Ziel war, den Spagat zu schaffen, mit normalem Budget etwas Besonderes zu gestalten.“

Und das Ergebnis? Zur „inoffiziellen“ Eröffnung wurde der Stiftsleitung ein Eagles-Live-Konzert per BluRay vorgeführt. „Der Architekt hatte zu einem Abend mit Sekt und Häppchen geladen, wollte eigentlich nur zwei, drei Lieblingspassagen im Saal vorführen. Alle waren so begeistert, dass wir uns gemeinsam das komplette Konzert ansahen. Das fühlte sich an, als ob man mitten im Konzert sitzt.“ Die Umhüllung ist augenscheinlich gelungen.

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Equipment Medientechnik & Beschallung (Auszug)

1 × Ampetronic D7.2 Dante mit 550 m Array-Schleife
3 × Audix CX112B
1 × Blackmagic Smart View 4K und diverse Wandler
1 × Bose PowerMatch PM4250
2 × Bose PowerMatch PM8250
1 × Bose PowerMatch PM8500
18 × Bose FreeSpace DS 100SE
2 × Bose RoomMatch Utility RMU108
9 × Bose EdgeMax EM 180
13 × Bose Panaray MSA12X
2 × Bose MB210
2 × Bose ShowMatch SMS118
1 × Bose ShowMatch SM5
1 × Bose ShowMatch SM10
1 × Bose ShowMatch SM20, mit adaptivem Wave-Guide
1 × Christie D12HDH
1 × Crestron TSW 1060 und iPad-App
1 × Crestron DMPS3-4K-350-C mit Airmedia
1 × Denon DN 500 BD
6 × L-Acoustics X4i
1 × Marshall Electronics CV350-10X
1 × Schoeps CCM22
6 × Shure QLXD-Funksystem, u. a. mit KSM9, inklusive Ladetechnik
1 × Symetrix Radius 12×8 NX mit Kanalerweiterung

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Eckdaten Bose Panaray MSA12X

Prinzip: Array-Säulenlautsprecher mit Beam-Steering und integriertem DSP
Übertragungsbereich: von 58 Hz bis 18 kHz (–10 dB)
Abstrahlwinkel horizontal: 160°
Vertikale Öffnungswinkel per Software anpassbar: 1 Modul: bis zu 30°, 2 bis 3 Module: bis zu 40° – vertikale Steuerung der Abstrahlwinkel ±20°
Maximaler Schalldruck (1 m): 112 dB SPL (118 dB SPL Peak)
Komponenten: 12 × 2,25 Zoll-Fullrange-Treiber
Leistung: 600 Watt (12 × 50 W)
Anschlüsse: Dante Audio-Netzwerkanschluss und Eingang für analoge Audiosignale
Gewicht: 14,5 kg
Modulare Bauweise für die Kombination von 1 bis 3 Modulen zu einem vertikalen Array
Abmessungen (HxBxT): 984 × 106 x 206 mm
Farbe: Schwarz (RAL 9005), Weiß

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Beteiligte (Auszug)

Architekten der Sanierung: Büro Seiler Architektur, Bamberg
Schalltechnische Auslegung: Wolfgang Sorge Ingenieurbüro für Bauphysik, Nürnberg
Fachplaner: Guido Kacher, Planungsbüro Soniek.com, Bamberg
Systemintegrator: Thomas Klug, Media Tek, Bodenkirchen
Beschallungstechnik: Bose Professional

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