Produkt: Professional System 07/2019
Professional System 07/2019
Cloudlösungen in der AV-Welt +++ Cloud-Beispiele – Cloud based Services in der AV-Technik +++ LICHTPLANUNG: Licht in unterschiedlichen Hotelzonen +++ MEDIENTECHNIK: Das Konica Minolta Experience Center Stuttgart +++ MARKT: Rückblick auf den S14 Solutions Day +++ LED-Wall-Anbieter in Deutschland: Absen +++ AUDIOTEST: Vernetzte All-In-One EN54 Zentrale ASL Integra
Sicherheit & AV: Brandschutz bei Displays

Neuartiges Feuerlöschsystem für Displays

Die Lang AG war maßgeblich an der Entwicklung eines neuartigen automatischen Löschsystems für LCD- und OLED-Displays sowie LED-Cabinets beteiligt. Dazu hat PROFESSIONAL SYSTEM Autor Dominik Roenneke Guido Jentzen, Senior Manager Purchasing von der Lang AG, interviewt.

Media FireProtect-System im Löschtest
Media FireProtect-System im Löschtest (Bild: Lang AG)

Inhalt dieses Artikels:

Anzeige


LCD-, OLED- und LED-Displays sind inzwischen nahezu omnipräsent. Sie informieren und bewerben in der Öffentlichkeit. Sie stehen in Einkaufszentren. Großformatige Bilder werden auf Messen gezeigt. In Theatern oder Eventhallen sind sie Teil von Inszenierungen. In Bahnhöfen und Flughäfen weisen sie den Weg. Sie sind in Verkehrsmitteln und Leitständen zu finden. Sie werden in unzähligen Installationen bei Firmen und Institutionen eingesetzt. Sie sind aus dem Alltag nicht mehr weg zu denken. Doch gibt es Bereiche, in denen der Einsatz von LCD- und LED-Displays äußerst problematisch oder sogar undenkbar ist, obwohl ihr Einsatz dort sehr nützlich und vorteilhaft sein könnte.

Sicherheitsrichtlinien und Brandschutzvorschriften

Grundsätzlich unterliegen auch Medieninstallationen in Gebäuden und im öffentlichen Raum Bestimmungen und Verordnungen der Betriebssicherheit, der Verkehrsfähigkeit und des Brandschutzes. Insbesondere Brandschutzvorgaben können hohe Anforderungen stellen, z. B. auf Rettungswegen, die frei von Brandlasten sein müssen. Hier dürfen nur unbrennbare Baustoffe und Materialien vorhanden sein. So stellen Treppenhäuser und Gänge häufig Rettungswege dar, sollen aber gleichzeitig für Besucher mit digitalen Informations- und Wegeleitsystemen vorteilhaft ausgestattet werden. Das stellt auf den ersten Blick eine unüberwindbare Ambivalenz dar. Höchster Brandschutz auf der einen Seite und Informationsvermittlung auf der anderen.

Dieser Gegensatz für den Einsatz von Medientechnik ohne Schaffung von problematischen Brandlasten kann in der Regel nur mit ausgewiesenen zweiten Rettungswegen, automatischen Brandmelde- und Löschsystemen oder speziellen Brandschutzgehäusen für die betreffende Technik gelöst werden. Der Nachteil all dieser Möglichkeiten ist großer baulicher Aufwand mit entsprechend hohen Kosten. Vor diesem Hintergrund stellt die Lang AG eine technische Alternative unter dem Namen Media FireProtect vor. Im Interview erklärt Guido Jentzen, Senior Manager Purchasing bei der Lang AG, die Funktionsweise mit ihren Vorteilen.

Installation mit Media FireProtect
Installation mit Media FireProtect – grundsätzlich unterliegen auch Medieninstallationen in Gebäuden und im öffentlichen Raum Bestimmungen und Verordnungen der Betriebssicherheit, der Verkehrsfähigkeit und des Brandschutzes. (Bild: Lang AG)

Interview mit Guido Jentzen

Herr Jentzen, was ist Media FireProtect?

Es handelt sich um ein automatisches Löschsystem für Medientechnik. Durch Kurzschlüsse, Überlast oder hohe Temperaturen können in Elektrogeräten Brände entstehen, durch die insbesondere an öffentlichen Orten viele Menschen gefährdet werden. Der Anteil von Bränden, die durch Elektronik bzw. Elektroinstallationen ausgelöst werden, soll einen Anteil von etwa 30 % ausmachen. Wirksame Schutzeinrichtungen wie Feuermelder, Sprinkleranlagen oder Brandwachen haben immer auch entscheidende Nachteile. Dazu gehören hohe Anschaffungs- und Wartungskosten, verzögerte Wirksamkeit oder die Beschädigung ganzer Gebäudebereiche durch den großflächigen Einsatz von Löschmitteln. Mit Media FireProtect wird ein anderer Ansatz verfolgt. Das Ziel ist hier, den Brand am Ursprungsort, unmittelbar nach Entstehung zu löschen und eine Ausbreitung zu verhindern.

Wie ist die Funktionsweise des automatischen Löschsystems?

Zum Einsatz kommen verbaute kleine Glaskolben oder größere Kartuschen mit Löschmittel. Die Glaskolben oder Löschköpfe lösen bei einer definierten Temperatur aus und das Löschmittel wird freigesetzt. Durch die explosionsartige Ausbreitung des Löschmittels wird das Feuer sofort erstickt. Beim eingesetzten Löschmittel handelt es sich um ein Fluid, welches nichtleitend und ungiftig ist und nach dem Platzen des Glaskolbens direkt in den gasförmigen Zustand übergeht. Dadurch können nicht nur Brände sofort erstickt werden, es kann auch größerer Schaden durch übergreifendes Feuer oder den Einsatz von Sprinkleranlagen oder Löscharbeiten vermieden werden. Ein weiterer Vorteil ist die Reduktion von Brandlasten und Gefährdungspotential, was wiederum Kosten für Löscheinrichtungen in Gebäuden zu reduzieren hilft.

Media FireProtect
Media FireProtect wird direkt an möglichen Brandquellen geräteintern angebracht. Deutlich im Bild zu sehen ist der kleine Glaskolben. (Bild: Lang AG)

Wie sehen die Vorgaben des Brandschutzes für installierte Displays aus, nach denen die Technologie spezifiziert ist?

Die Systeme werden nach Din 4102/EN 13501 geprüft. Diese Norm kategorisiert das Brandverhalten von Baustoffen. Bei LED-Cabinets, Displays oder auch Projektoren handelt es sich aber nicht um Baustoffe. Eine Prüfung ist hierbei an die oben genannte Norm angelehnt und die Kategorisierung wird entsprechend vorgenommen. Das ist aber nicht der wesentliche Aspekt der Innovation. Denn auf Basis der installierten Löscheinrichtung stellt Media FireProtect keine Brandquelle dar, weil mögliche Brände unmittelbar und innerhalb des Gerätes gelöscht werden.

Probleme ergeben sich beispielsweise in Messegebäuden, Flughäfen und auf Rettungswegen. Ermöglicht Media FireProtect in derartigen Bereichen einen Einsatz von Medientechnik ohne zusätzliche Brandlasten?

Ja. In derartigen Umgebungen dürfen zwar gemäß der Norm nur Baustoffe, die „A1“ kategorisiert sind, verarbeitet werden. Das bedeutet für das Brandverhalten von Baustoffen: nicht brennbar und frei von brennbaren Bestandteilen, keine Rauchentwicklung, kein brennendes Abtropfen, bzw. Abfallen von Bestandteilen. Aber Geräte mit integriertem Media FireProtect-System werden nicht als Brandquelle eingestuft, weil geräteinterne Brände sofort und automatisch gelöscht werden.

Media FireProtect in LED-Wand unsichtbar verbaut
Media FireProtect lässt sich unsichtbar in LED-Wänden verbauen. (Bild: Lang AG)

Gelten auf Rettungswegen strengere Vorgaben?

Für Rettungswege gilt die Musterbauordnung, kurz MBO, bzw. die Landesbauordnung. Auch ist eine Absprache mit dem örtlichen, verantwortlichen Brandschützer notwendig. Hier muss spezifisch geschaut werden, welche Paragraphen, auch in Kombination, zum Tragen kommen. Grundsätzlich bringen Elektrogeräte mit Media FireProtect auch in diesen Bereichen keine Brandlasten ein und können dort unter Verwendung des automatischen Löschsystems eingesetzt werden. Es wird direkt und unmittelbar an der Brandquelle im elektrischen Gerät gelöscht.

Wo in einem Display oder einem LED-Cabinet entstehen mögliche Brände?

Es gibt grundsätzlich kritische Bereiche bzw. Baugruppen in elektrischen Betriebsmitteln; dazu gehören insbesondere die Netzteile.

Wo werden bei Displays und LED-Cabinets die Löschköpfe integriert?

Das lässt sich nicht pauschal beantworten, da die richtige Positionierung von vielen Faktoren abhängig ist. Dazu gehören Parameter wie Ausrichtung, Gerätevolumen, Gehäuseform und Packdichte der Elektronik.

Media FireProtect auf Platine
Media FireP kann auf einer Platine im Gehäuse angebracht und daher von außen unsichtbar verbaut werden. (Bild: Lang AG)

Kommen je nach Displaytechnik und Größe mehrere Löschköpfe zum Einsatz?

Grundsätzlich muss zwischen Glaskolben und „Mini-Feuerlöscher“ unterschieden werden. Die Glaskolben platzen bei einer definierten Auslösetemperatur und geben explosionsartig das Löschmittel frei. Da diese Löscheinrichtungen ein begrenztes Löschvolumen haben, kommen i.d.R. mehrere Glaskolben an verschiedenen Positionen im Gerät zum Einsatz. Die Mini-Feuerlöscher bestehen aus einem Löschkopf und einer Kartusche mit Löschmittel. Die Mini-Feuerlöscher haben ein deutlich größeres Löschvolumen und reichen daher einzeln für viele Anwendungen aus. Die Auslösung funktioniert ebenfalls temperaturabhängig, analog zum Glaskolben.

Ausgelöste Glaskolben löschen nicht nur, sie schalten zusätzlich die Stromzufuhr des betreffenden Gerätes ab. Wie funktioniert das im Detail?

Bei der Auslösung eines in Reihe geschalteten Glaskolbens wird simultan zum Löschvorgang die Spannungsversorgung des Einschaltrelais unterbrochen, was die Spannungsversorgung des Netzteils dauerhaft unterbricht. Dabei lösen die Glaskolben jeweils für sich autonom aus. Am Beispiel eines LED-Cabinets werden die Glaskolben an verschiedenen Stellen im Cabinet positioniert, um eine optimale Absicherung zu schaffen.

Kann gleichzeitig ein Brandmeldesystem aktiviert werden?

Ja, das ist in der Tat möglich und verbessert die Brandschutzsituation.

Wird Media FireProtect für jeden Display-Typ individuell geplant, umgesetzt und zertifiziert?

Ja, grundsätzlich können alle Produkte ausgerüstet werden. Sie durchlaufen dabei die Schritte Evaluation, Entwicklung und Zertifizierung. Bei den bisherigen Entwicklungen hat immer ein Austausch mit dem Hersteller stattgefunden. Reale Löschtests sind zwingend erforderlich und fester Bestandteil der Entwicklung.

Media FireProtect(Bild: Lang AG)

Welchen Ursprung hat Media FireProtect?

Die bisher umgesetzten Projekte wurden aufgrund eines Bedarfs unseres langjährigen Kunden und Systemintegrators Ben Hur entwickelt, der sich schon lange mit dem Thema Brandschutz beschäftigt.

Rechnen sich Investitionen in eine automatische Löschanlage durch einhergehende Einsparungen für Brandschutzvorkehrungen?

Zunächst einmal verringert sich durch Media FireProtect der potenzielle Schaden bei einem Zwischenfall. Bei einem Löschvorgang wird nämlich maximal ein LED-Cabinet bzw. nur ein einzelnes Display in Mitleidenschaft gezogen. Bei Löscharbeiten oder der Auslösung einer Sprinkleranlage sind ganze Gebäudeteile betroffen und nehmen unter Umständen großen Schaden. Darüber hinaus ergibt sich bei der Errichtung von Gebäuden und deren Brandschutzvorrichtungen Einsparpotential, weil beispielsweise eine nicht als Brandquelle geltende LED-Installation keiner Erweiterung der Sprinkleranlage bedarf.


// [9774]

Produkt: Professional System 07/2019
Professional System 07/2019
Cloudlösungen in der AV-Welt +++ Cloud-Beispiele – Cloud based Services in der AV-Technik +++ LICHTPLANUNG: Licht in unterschiedlichen Hotelzonen +++ MEDIENTECHNIK: Das Konica Minolta Experience Center Stuttgart +++ MARKT: Rückblick auf den S14 Solutions Day +++ LED-Wall-Anbieter in Deutschland: Absen +++ AUDIOTEST: Vernetzte All-In-One EN54 Zentrale ASL Integra
Anzeige

Kommentar zu diesem Artikel

  1. Ich bin echt dankbar, dass ich diesen Beitrag zum Thema Löschanlage gefunden habe. Mit meiner Nachbarin habe ich mich schon viel darüber unterhalten. Sie ist dabei, ihr Haus zu renovieren, und sie möchte nach der Fertigstellung einige Feuerlöschanlagen für ihr Haus besorgen. Ich denke, den Beitrag werde ich ihr mal schicken.

    Auf diesen Kommentar antworten

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren