Dante Via im Test

Dante, die wohl derzeit am weitesten verbreitete Audionetzwerk-Technologie, erweitert mit der Software Dante Via ihre Möglichkeiten erheblich: Nun können Audioanwendungen und an Computer angeschlossene Geräte in einem Dante-Netzwerk Signale austauschen. PROFESSIONAL SYSTEM Autorin Christiane Bangert hat die Software unter die Lupe genommen …

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Egal, ob Mac oder PC-Computer mit iTunes, Media-Player, Skype oder anderen Tonquellen, per USB, FireWire oder Thunderbolt angebundene Geräte oder Geräte mit Dante-Schnittstellen: Dante Via ebnet den Weg für den Austausch von Audiosignalen zwischen Ein- und Ausgängen der virtuellen und realen Geräte. Dante Via kann sogar Computer miteinander audiotechnisch verbinden, auch wenn sich kein Gerät mit Dante-Schnittstelle im Netzwerk befindet. Über eine Software-Oberfläche werden Audioquellen und -ziele einfach zugewiesen. Damit soll Dante Via gerade den Endnutzern und Tonschaffenden die Nutzung von Dante erleichtern, die ohne großen Aufwand ein Signal in professioneller Qualität von A nach B schicken möchten. Diese fabulösen Aussichten machten neugierig auf die Dante Via Software, die im November 2015 herausgebracht wurde. Welche Funktionen und Fähigkeiten sich bei einem näheren Blick zeigen, das fassen die folgenden Abschnitte zusammen. Ausprobiert wurde Dante Via in der Version 1.0.0.6 auf einem Windows 7-Rechner mit SP1.

Was ist Dante Via?

Dante Via ist eine Software-Lösung, die automatisch Audioschnittstellen eines Rechners erkennt. Sie ermöglicht es, Audioquellen wie angeschlossene oder integrierte Mikrofone, Media-Player etc. den Ausgabemedien wie integrierte oder angeschlossene Lautsprecher oder Aufnahme-Software auf einer Bedienoberfläche per Drag & Drop zuzuweisen. Dabei ist es egal, ob der Rechner ein Mac oder PC ist – es gibt für beide die passende SoftwareVersion. Selbst wenn man lediglich einen Rechner nutzt, eröffnen sich neue Wege: Man kann z. B. eine Quelle wie iTunes mehreren Ausgängen zuweisen oder den Player wechseln. Eine Signalverteilung wird damit kinderleicht. Wird der Rechner dann über seine Netzwerkschnittstelle mit Dante-Geräten verbunden, können die Signale auch wechselseitig mit dem DanteNetzwerk ausgetauscht werden. Per Kabel im Netzwerk verbundene Rechner können ebenfalls Signale austauschen. So kann das Signal von iTunes auf dem Rechner A oder das Signal eines per USB angeschlossenen Mikrofons etwa über die Audioausgänge am Rechner B ausgespielt werden. Mit Dante Via also können Rechner zum umfassenden Signalverteiler werden, auch in einem rein Rechner-basierten Netzwerk.

Voraussetzungen für die Hardware

Will man einen Rechner im Dante Via-Verbund nutzen, sollte man keine „alte Gurke“ nehmen. Mindestvoraussetzung für das Betriebssystem des zu verwendenden Rechners ist bei einem Mac ein 64 Bit OS X 10.9.5, bei einem PC 64 Bit Windows 7 (SP1), Windows 8.1 oder Windows 10. Angeschlossene Audiogeräte können per FireWire, USB oder Thunderbolt mit dem Rechner kommunizieren. So lassen sich u. a. Signale von Audio-Interfaces genauso wie die eines Headsets oder Mischpultes mit FireWire-Schnittstelle in ein Dante-Netzwerk einbinden, solange sie nicht mit einem ASIO-Treiber arbeiten. Zumindest momentan existiert diese Einschränkung, die sich aber nur auf angeschlossene Hardware, Soundkarten und ASIO bezieht. WDM-Treiber funktionieren.

Eine weitere Einschränkung sind Dante PCIe-Karten, die ebenfalls nicht mit Dante Via zusammenarbeiten. Beim MAC wird keine Einschränkung genannt; CoreAudio-basierte Hardware wird voll von Dante Via unterstützt. Bis zu 32 × 32 Kanäle lassen sich von einem externen Gerät in Dante Via integrieren, die Gesamtkapazität von Dante Via beläuft sich auf 48 × 48 Kanäle. Die Abtastrate ist auf 48 kHz festgelegt, die Wortbreite beträgt 24 Bit. Bei lokal angeschlossenen Geräten wird bei Bedarf die Abtastrate konvertiert. Auch die Konvertierung auf 24 Bit erfolgt bedarfsweise automatisch. Dante-Hardware ist auf 48 kHz einzustellen. Dante Via kann über ein 100 Mbps-Netzwerk mit anderen Rechnern oder Dante-Geräten Signale austauschen.

Aber wie auch bei Dante gilt: ein 1 Gbps-Netzwerk ist besser. Für die Verbindung von Rechnern und Geräten mit Dante-Schnittstellen gelten dieselben Regeln wie beim Aufbau jedes Dante-Netzwerks. Im Prinzip kann Dante mit Standard-IT-Komponenten funktionieren, auch die Nutzung bestehender Infrastrukturen zusammen mit anderen Nutzern ist möglich. Je nach Anforderungen an die Kapazitäten und Betriebssicherheit etc. sind aber bestimmte Regeln zu beachten und Kabel und Switche mit bestimmten Eigenschaften (Quality of Service, Diffserv, keine Energy zu wählen, etwa Efficient Ethernet, am besten managebare Switche etc. Die interne Latenz ist auf 10 ms festgelegt, für In-Ear-Monitoring und andere zeitsensible Anwendungen ist Dante Via also nicht konzipiert. Dazu kommt eventuell noch die Verzögerung, die von Anwendungen verursacht werden.

Die Software

Beim ersten Öffnen wird der grundsätzliche Aufbau der Bedienoberfläche für jeden deutlich gemacht: Links sind die Quellen, rechts sind die Ziele aufgelistet (Abbildung 1). Zur Übersicht gibt es vier Kategorien (Abbildung 2):

– die lokalen Audiogeräte (per USB, FireWire, etc. angeschlossene Geräte)
– die lokalen Anwendungen (Media Player, iTunes etc.)
– die Via-Geräte
– damit sind die anderen Rechner im Netzwerk gemeint
– die Dante-Geräte, also alle Geräte mit DanteSchnittstelle.

Grundlegende Bedienanweisungen werden auch gleich gegeben, wenn die entsprechenden Funktionen aktiviert werden: Drag & Drop zur Zuordnung von Quellen und Zielen, Hinweise zur Aktivierung der einzelnen Geräte, zum Umgang mit Zielen an Dante-Geräten im Netzwerk und zum Umgang mit Anwendungen. Damit weiß man eigentlich schon viel und kann mit dem Ausprobieren beginnen, auch ohne eine Bedienungsanleitung in die Hand genommen zu haben. Die lokalen Ein- und Ausgänge werden automatisch detektiert und angezeigt. Mit dem Enable-Schalter kann man festlegen, welche der Schnittstellen im Netzwerk zur Verfügung stehen.

Die Anwendungen erscheinen – zumindest unter Windows – erst, wenn sie aktiv sind (Abbildung 3). Zu den möglichen Anwendungen gehört eigentlich alles, was Audio integriert hat: Browser und PowerPoint genauso wie Pro Tools oder Cubase. Pro Anwendung werden maximal 2 × 2 Kanäle von Dante Via verwaltet. Damit können bis zu 24 Anwendungen gleichzeitig in Dante Via eingebunden sein, sofern dies den Rechner selber nicht überlastet. In der Kanalanzahl liegt einer der Unterschiede zur Dante Virtual Soundcard, durch die bis zu 64 Kanäle zwischen Anwendungen und einem Dante-Netzwerk ausgetauscht werden können. Die Dante Virtual Soundcard und Dante Via können übrigens nicht gleichzeitig auf einem Rechner betrieben werden.

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Abb. 3: Aktive Audioanwendungen werden als Quelle angezeigt und können über den Dante Controller auch an Dante-Geräten ausgegeben werden (Bild: Audinate)

Unter „Via Devices“ werden die anderen Rechner im Netzwerk angezeigt, deren Quellen genutzt werden können. Damit bei aktivem Dante Via nun aber nicht jeder beliebige Rechner auf Quellen zugreifen kann, wird beim ersten Mal gefragt, ob der Zugriff erlaubt werden soll. Wenn die Netzwerkverbindung funktioniert und der Zugriff erlaubt ist, kann z. B. das Signal von einem Mikrofon an dem einen Rechner oder andere Audioquellen an einem anderen ausgegeben werden. Die Rubrik „Dante Device“ fasst die DanteGeräte im Netzwerk zusammen, von denen Eingangssignale kommen können. Diese lassen sich dann z. B. für Aufnahmezwecke einer Anwendung zuweisen oder an einem lokalen Ausgang ausspielen. Für die Festlegung von Netzwerkzielen, egal ob es sich dabei um Rechner oder DanteGeräte handelt, wird der Dante Controller genutzt. Diese separate Software wird generell für die Konfiguration und Signalverteilung in Dante-Netzwerken genutzt. Der Dante Controller kann direkt von Dante Via aus aufgerufen werden.

Auf der „Routing“-Oberfläche erscheinen dann in der Matrix die Ein- und Ausgangskanäle aller aktiven Geräte und Anwendungen und lassen sich per Mausklick zuweisen (Abbildung 4). Darüber hinaus kann der Dante Controller eine ganze Reihe Statusinformationen zu den einzelnen Geräten, dem Netzwerk und der Synchronisation ausgeben, die beim Beheben von Fehlern sehr nützlich sein können. In Dante Via werden nicht nur Quellen einfach per Maus zu ihren Zielen „gezogen“, es können so auch Mixe zusammengestellt werden: Wenn einem Ziel bereits eine Quelle zugeordnet ist, so kann man beim Ziehen der zweiten Quelle entscheiden, ob die Quellen gemischt oder der vorhandene Mix ersetzt werden soll (Abbildung 5).

Die Pegelverhältnisse der einzelnen Quellen werden im „normalen“ Lautstärkemixer angepasst (Abbildung 6). Darüber kann man einige allgemeine Einstellungen bestimmen, z. B. ein Standard-Ausgabegerät oder Aufnahmegerät. Auch Zugriffsrechte von anderen Rechnern und die momentanen Netzwerkeinstellungen lassen sich unter „Preferences“ festlegen. Hier werden auch Einstellungsalternativen angeboten, falls im Audio z. B. durch eine überlastete CPU hörbare Aussetzer auftreten, oder es Probleme beim Abspielen von geschützten Videoinhalten nach der Installation von Dante Via gibt.

Erste Schritte

Ob Testversion für 30 Tage oder Vollversion für 49,95 $ (derzeit circa 46 €) – die Software kann direkt von der Audinate-Seite für das jeweilige Betriebssystem heruntergeladen und installiert werden. Nach der Installation lässt sich dann Dante Via über das eigene Audinate-Konto aktivieren. Es ist also eine Internetverbindung des Rechners erforderlich. Da immer mal wieder geschaut wird, ob die Lizenz noch Gültigkeit hat, muss der Rechner auch immer mal wieder online sein, sonst deaktiviert sich Dante Via nach 30 Tagen ohne Internetzugang.

Laut Handbuch gibt es auch die Möglichkeit, Audinate zu kontaktieren, falls man Dante Via länger als 30 Tage offline nutzen möchte. Diese Vorgehensweise hat den Vorteil, dass die Lizenzverwaltung online immer aktuell ist und man unkompliziert die Lizenzen von einem Rechner zum anderen transferieren kann. Es kann allerdings in einem Firmennetzwerk den Gang zum Netzwerkadministrator notwendig machen, um den Zugriff für Audinate über die Firmen-Firewall hinweg erlauben zu lassen.

Nach der Aktivierung der Lizenz kann Dante Via gestartet werden und automatisch erscheinen die lokalen Ein- und Ausgänge in der Liste. Anwendungen müssen eventuell neu gestartet werden, damit sie sichtbar sind. Bei mehreren Rechnern im Netzwerk mag es je nach Netzwerkkonstellation nicht auf Anhieb klappen, den Zugriff auf die Quellen zu bekommen. In einem solchen Fall ist es gut, den Dante Controller gleich mit installiert zu haben Denn er kann anzeigen, ob ein anderer Rechner richtig erkannt und synchron einsatzfähig ist.

Falls es keinen ersichtlichen Grund für die Probleme gibt, so kann eine manuelle Zuweisung von IP-Adressen helfen. Auch Firewalls können Schuld an Fehlverhalten sein. Beim Ausprobieren gab es ein paar Unwägbarkeiten, die sich aber beheben ließen.

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Das Testequipment: Ausprobiert wurde Dante Via in der Version 1.0.0.6 auf einem Windows 7- Rechner mit SP1 (Bild: Christiane Bangert)

Fazit

Eine Oberfläche zur Verwaltung der Ein- und Ausgänge von SoftwareAnwendungen, lokalen und per USB, FireWire etc. angebundenen Audioschnittstellen und Quellen, Rechnern und Dante-Geräten, das stellt Dante Via zur Verfügung. Damit ist es ein Werkzeug, das eine Signalverteilung über Hardware, Software, Schnittstellen und Herstellergrenzen hinweg zulässt. Zu diesen außerordentlichen Leistungsmerkmalen kommt eine einfache, übersichtliche Bedienung hinzu, eine wirklich spannende Software-Anwendung. Für weitere Informationen sei auf die Audinate-Internetseite verwiesen, von der auch eine Testversion kostenfrei heruntergeladen werden kann.

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