Produkt: Checkliste für Beschallungsanlagen
Checkliste für Beschallungsanlagen
Beschallungsanlage systematisch planen - die Checkliste
Sprachalarmierungssystem

Test: Bosch Praesensa

Mit Praesensa stellt Bosch aktuell ein neues hochintegriertes und voll IP-basiertes Beschallungssystem vor, das sich sowohl für allgemeine Beschallungsaufgaben als auch für den Einsatz in Sprachalarmanlagen gemäß DIN VDE 0833-4 und in Elektroakustischen Notfallwarnsystemen gemäß DIN EN 50849 (VDE 0828-1) eignet. Mit nur wenigen Komponenten lassen sich mit dem Praesensa-System alle Aufgaben von der kleinen Insellösungen bis hin zu großen, vernetzten Systemen bewältigen.

Bosch Praesensa System(Bild: Bosch)

Inhalt:

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Im Dezember 2019 bot sich für Professional System die günstige Gelegenheit eines Besuches in der Eindhovener Bosch Entwicklungsabteilung. Federführend wurde hier in den vergangenen Jahren zusammen mit anderen Bosch Entwicklungsabteilungen das neue Praesensa-System entwickelt.

Bosch als umfassender Gebäudetechnik-Hersteller bietet zum Thema Beschallung in Gebäuden, öffentlichen Räumen und Industrieanlagen eine Vielzahl von Lösungen und Komponenten an, mit denen sich die teils sehr vielschichtigen Anforderungen erfüllen lassen, die heute an Beschallungsanlagen gestellt werden.

Ganz allgemein gilt es, zu unterscheiden zwischen den Anlagen, die nur für einfache Durchsagen im Sinne von innerbetrieblicher Kommunikation, zur Reisenden-Information oder zur Musik- bzw. Werbeeinspielung genutzt werden und die auch eine Alarmierungsfunktion haben. Hier gilt es dann, entsprechende Anforderungen zur erfüllen.

Schema Stromversorgung und Signalübertragung
ABB. 02: Das Basiskonzept einer Praesensa-Anlage mit redundanter 24-V- und 48-V-Stromversorgung (rot) und IP-basierter Signalübertragung und Steuerung (blau). Die Sprechstellen werden über PoE mit Strom versorgt. (Bild: Bosch)

Die zuerst genannte Variante ist die klassische Beschallungsanlage. Kommt eine Alarmierungsfunktion dazu, dann hat man es mit einer SAA (Sprachalarmanlage) oder ENS (Elektroakustisches Notfallwarnsystem) zu tun.

Sobald eine Anlage für den Brandfall zum Einsatz kommt, handelt es sich immer um eine SAA, unabhängig davon, ob die Alarmierung automatisch durch die Brandmeldeanlage oder manuell aus einer Leitstelle ausgelöst wird. Ist der Brandfall nicht Gegenstand der Alarmierung, handelt es sich um ein Elektroakustisches Notfallwarnsystem.

Blicken wir zu diesen Themen auf die aktuelle Normensituation in Deutschland, dann gibt es für die SAA eine nationale Anwendungsnorm DIN VDE 0833-4:2014-10, die für die einzusetzenden Produkte verbindlich auf die Bauproduktnormen der EN54 verweist. Die Sprachalarmanlagen betreffend sind das die EN54-24 für Lautsprecher, die EN54-16 für die Zentralentechnik und die EN54-4 für die Energieversorgung.

Systeme und Komponenten, die in Anlagen nach VDE 0833-4 verwendet werden, müssen entsprechend zertifiziert und mit dem zugehörigen CE-Prüfzeichen versehen sein.

Für ein Elektroakustisches Notfallwarnsystem ist die DIN EN 50849:2017-11 die relevante Norm, wo der Einsatz EN54 zertifizierter Komponenten nur empfohlen wird, jedoch nicht verpflichtend ist. Blickt man darüber hinaus auf die europäische Situation, dann gibt es hier für den Brandfall die DIN CEN/TS 54-32 und die als gleichlautende Vornorm erschienene deutsche Variante VDE V 0833-4-32:2016-04. Auch hier ist die Verwendung von EN54 zertifizierten Komponenten nur eine „soll“-Empfehlung.

Weitere wichtige Unterschiede gibt es noch bei der Definition der zu erreichenden Sprachverständlichkeit und bei den Überbrückungszeiten für die Ersatzenergieversorgung. Beides soll hier jedoch nicht weiter thematisiert werden.

Trotz der etwas unklaren Normensituation hat es sich bei den Herstellern schon seit geraumer Zeit etabliert, alle Komponenten unter dem Aspekt einer EN54 Zertifizierung zu entwickeln und bei den akkreditierten und notifizierten europäischen Prüfstellen (Notified Bodies) auch prüfen zu lassen, womit der Einsatz in allen Varianten einer Beschallungsanlage möglich wird.

Testaufbau des Systems
Testaufbau in der Eindhovener Entwicklungsabteilung (Bild: Anselm Goertz)

Das Praesensa-System betreffend sind alle Komponenten des Kernsystems entsprechend der EN54-16 für die Zentralentechnik zertifiziert. Aus den zertifizierten Komponenten können dann die Zentralen nach den projektspezifischen Anforderungen zusammengestellt werden.

Feste Vorgaben für die Bestückung der Zentralen macht die EN54-16 nicht. Fremdgeräte anderer Systeme dürfen jedoch nicht in die Sprachalarmzentrale (SAZ) und auch nicht in das 19″-Rack der zertifizierten Sprachalarmzentrale eingebaut werden, auch dann nicht, wenn diese in ihrem Umfeld zertifiziert sind.

EN54-16 zertifiziert sind bei Bosch die Komponenten der Plena VAS, Paviero, Praesideo und die des neuen Systems.

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Die Systemkomponenten

Kommen wir jetzt zu den Komponenten einer SAA oder ENS, die sich so auch eins zu eins in den Systemkomponenten eines Praesensa-Systems widerspiegeln. Das sind für die Bedienung und Durchsage die Sprechstellen als Tisch- oder Wandeinheiten, der Systemcontroller für die Signalbearbeitung und das Routing inklusive Sprachspeicher für fest hinterlegte Ansagen, die Leistungsverstärker und die Stromversorgung für alle vorab genannten Komponenten.

Bei der Stromversorgung setzt man im Praesensa-System auf zentrale Einheiten anstelle separater Netzteile in allen Systemkomponenten. Die Systemkomponenten werden aus der multifunktionalen Stromversorgung direkt mit 48 V (Verstärker) oder 24 V (Controller) DC versorgt. Diese ist intern redundant als Doppelnetzteil aufgebaut, ebenso wie alle Verbindungen der multifunktionalen Stromversorgung zu den Systemkomponenten doppelt ausgeführt sind.

In den dort angeschlossenen Verstärkern und Controllern sind wiederum die DC/DC-Konverter für die interne Versorgung redundant. Die Sprechstellen werden im Loop verkabelt und so redundant über PoE versorgt.

Zusätzlich agiert das Netzteil auch als 12-V-Batterieladegerät für Kapazitäten bis 230 Ah. Netzseitig liegt bei voller Auslastung die Leistungsaufnahme bei maximal 1 kW mit einem Leistungsfaktor (PF) zwischen 0,9 und 1. Fällt die Netzversorgung aus, dann versorgt das Netzteil alle angeschlossenen Geräte über die Batterieversorgung weiter.

Das Innere der Stromversorgung
BILD 01: Die große PRA-MPS3 multifunktionale Stromversorgung mit Batterieladefunktion zur Versorgung von bis zu drei Leistungsverstärkern à 600 W, zwei Sprechstellen und einem Controller. (Bild: Anselm Goertz)

Die multifunktionale Stromversorgung ist zudem noch mit einem 6-Port-Switch für das OMNEO Netzwerk ausgestattet, der das „Rapid Spanning Tree Protocol“ unterstützt. Näheres zu OMNEO und RSTP an späterer Stelle.

Von den sechs RSTP-Ports sind zwei für die PoE-Versorgung ausgerüstet und ein SFP-Port zur Aufnahme eines GBICs für die Verbindung via LWL. Neben der großen 19″-Multifunktionalen Stromversorgung PRA-MPS3 gibt es noch zwei kleine Netzteile für 48 V und für 24 V zur Montage auf Hutschienen.

Die beiden Netzteile PRA-PSM48 und -PSM24 verfügen über eine Power Factor Correction und diverse Schutzschaltungen, sind jedoch nicht EN54-4 zertifiziert und dürfen daher nur in Anlagenteilen eingesetzt werden, die nicht zur SAA im Sinne der VDE 0833-4 gehören.

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Systemcontroller

Kernstück der Praesensa-Anlage ist der Systemcontroller PRA-SCL, der sämtliche Signalwege nach Anforderung verknüpft, die Signale bearbeitet und aus dem internen Sprachspeicher auch bis 90 Minuten Sprache zuspielen kann. Das Gerät ist intern mit doppelten DC/DC-Konvertern und zwei DC-Eingängen ausgerüstet.

Die Signalverarbeitung im PRA-SCL geschieht durchgängig mit 24-Bit-Auflösung bei einer Samplerate von 48 kHz. Die Signalzuspielung kann über 120 Audio-Inputs im Dante-Format erfolgen. Für die Audio-Outputs gibt es acht Kanäle, ebenfalls auf Dante-Basis. Entsprechend können auch bis zu acht Zonen zeitgleich mit jeweils eigenem Inhalt beschallt werden, wie es in komplexen Gebäuden mit vielen Evakuierungszonen notwendig sein kann.

Probeaufbau des Systems
Probeaufbau zum Systemtest in der Eindhovener Entwicklungsabteilung (Bild: Anselm Goertz)

Für Signale, die außerhalb der Sprachalarmierung eingespeist werden sollen, z. B. Hintergrundmusik, kann ein Port für „Non-VA“ Quellen genutzt werden. Die Konfiguration und das File-Management des Systemcontrollers erfolgen über einen integrierten Webserver, der über einen herkömmlichen Browser angesprochen werden kann. Ebenso wie die Multifunktionale Stromversorgung verfügt auch der Systemcontroller über einen integrierten Switch für das OMNEO Netzwerk, der das „Rapid Spanning Tree Protocol“ unterstützt.

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Leistungsverstärker

Das typische Bild einer Zentrale für eine Sprachalarmanlage wird von den Verstärkern dominiert, die nicht nur optisch, sondern meist auch beim Stromverbrauch und der Abwärme aus dem System eine dominante Rolle spielen. Hinzu kommen dann noch mögliche Relaisbänke, die im Falle eines Defektes eines Verstärkers auf einen Havarieverstärker umschalten.

Ein kurzer Exkurs dazu besagt, dass eine Havarieumschaltung in einer SAA nicht grundsätzlich vorgeschrieben ist. Abhängig vom Aufbau der Anlage und den Anforderungen (Sicherheitsstufe) ist zu beurteilen, welche Folgen der Ausfall eines Verstärkers hat.

Handelt es sich um eine Anlage der Sicherheitsstufe I, darf ein Verstärker, der maximal einen Brandabschnitt nach DIN VDE 0833-4 versorgt, ausfallen. Versorgt der Verstärker jedoch mehrere Brandabschnitte, darf der Ausfall des Verstärkers nicht zum Ausfall der Alarmierung in diesen Bereichen führen. Daraus folgt die Notwendigkeit eines Havarieverstärkers mit automatischer Umschaltung.

Für Anlagen der Sicherheitsstufe II darf im Falle des Defekts eines Verstärkers der STI-Wert für die Sprachverständlichkeit in einem Brandabschnitt nicht unter 0,45 fallen. Gibt es dann nur einen Verstärker für einen oder sogar mehrere Brandabschnitte, muss es hierzu einen Havarieverstärker geben.

Wird ein Brandabschnitt jedoch von zwei oder mehr Verstärkern versorgt und der Ausfall eines Verstärkers lässt die Sprachverständlichkeit nicht unter einen STIWert von 0,45 fallen, dann wird kein Havarieverstärker benötigt. Im sehr seltenen Fall der Sicherheitsstufe III ist die komplette Anlage redundant aufzubauen.

Sobald eine Havarieumschaltung gefordert wird, bedeutet das für den Aufbau der Zentrale mit diskreten Komponenten einen erheblichen Mehraufwand, da alle Verstärker auf der Eingangs- und Ausgangsseite mit der Havarieumschaltung verkabelt werden müssen.

Im Praesensa-System wird dieser Umstand generell vermieden, da die beiden Leistungsverstärker PRA-AD604 und PRA-AD608 über jeweils einen intergierten zusätzlichen Havariekanal verfügen. Der PRA-AD604 ist daher eigentlich ein fünfkanaliger und der PRAAD608 ein neunkanaliger Verstärker.

Bild 02 zeigt den Innenaufbau des PRA-AD608, wo im mittleren Teil des Gehäuses die neun Endstufen zuerkennen sind. Der Kanal ganz rechts ist der Havarieverstärker. Dahinter liegt eine Reihe Relais, die im Falle des Defekts eines Kanals, diesen dann automatisch auf die Havarieendstufe umschalten.

Innere des Verstärkers
BILD 02: Ein Blick in den PRA-AD608 Verstärker zeigt im hinteren Teil des Gehäuses die neun Endstufenkanäle mit der Relaisbank, die im Falle des Ausfalls einer Endstufe den Reserve-/Havarieverstärker auf den betroffenen Kanal schaltet. Vorne mittig sieht man die zwei DC/DC-Konverter. (Bild: Anselm Goertz)

Eine weitere Besonderheit der Praesensa-Verstärker ist das Konzept des Power Sharings, das heute vermehrt bei Beschallungssystemen Verwendung findet. Konkret bedeutet das, mehrere Endstufenkanäle teilen sich eine Stromversorgung mit einer definierten Maximalleistung, die dann frei auf die Kanäle verteilt werden kann.

In PA-Systemen ist das sinnvoll, weil die Leistungsanforderungen für Tief-, Mittel- und Hochtöner in aktiven Systemen meist sehr unterschiedlich sind und man so mit einer mehrkanaligen Endstufen alle Wege versorgen kann, ohne für Mittel- und Hochtöner völlig überdimensionierte Verstärker vorhalten zu müssen.

Ähnlich sieht es für die hier thematisierten Beschallungs- und Sprachalarmanlagen aus, wo die Beschallung verschiedener Zonen ganz unterschiedliche Anforderungen an die Verstärkerleistungen hervorbringen kann.

Nehmen wir für ein einfaches Beispiel an, dass für eine Produktionshalle in einer Fabrik 300 W benötigt werden, für das angrenzende Lager 150 W und für umliegende kleinere Räume und Büros noch 6× 15 W. Solange alle Bereiche immer zeitgleich das gleiche Signal erhalten würden, wäre die Versorgung mit einem einfachen 100V/600W Verstärker zu bewerkstelligen.

Sollen aber unterschiedliche Signale zeitgleich in die Bereiche eingespielt werden können, würde man acht Verstärkerkanäle benötigen, so dass von den üblichen Verstärkergrößen ein 2× 300W- und ein 8× 75W-Modell benötigt würden, mithin ein erheblicher Overhead eingebaut würde. Mit Power Sharing können dagegen alle acht Kanäle von einem PRA-AD608 versorgt werden, solange die Gesamtleistung aller Kanäle maximal 600 W beträgt.

Beide Verstärker der Praesensa-Serie arbeiten nach diesem Konzept. Ebenfalls beide Modelle verfügen über den integrierten Reserve-/Havarieverstärker mit automatischer Umschaltung.

Blockschaltbild des Verstärkers
ABB. 03: Blockschaltbild des 8+1-kanaligen Endverstärkers. Es sind zwei DC/DC-Konverter und eine Reserve-/Havarieendstufe integriert. (Bild: Bosch)

Aufgebaut sind die Praesensa-Verstärker als Class-D-Endstufen mit Direct Drive für 70Vund für 100V-Systeme. Die Verstärker arbeiten ohne Übertrager im Ausgang, was nicht nur erhebliche Kosten und Gewicht einspart, sondern auch der Audioqualität zugutekommt. Die galvanische Trennung wird durch die DC/DC-Konverter in der Stromversorgung erreicht.

Beide Verstärkermodelle benötigen so nur eine Höheneinheit im Rack. Zurück zur anfänglichen Anmerkung zum Platzbedarf der Verstärker in einer traditionell aufgebauten Zentrale, wäre der 1 HE Praesensa-Verstärker mit einer achtkanaligen Endstufe zuzüglich der acht Übertrager, einem Havarieverstärker und einer externen Umschalteinheit zu vergleichen, wo man dann schnell auf acht Höheneinheiten im Schrank und ein Gewicht von 50 kg und mehr kommt. Dank moderner Technik mit Class-D-Endstufen und Schaltnetzteilen wird also viel Platz, teures Material und Energie eingespart.

Die Signalzuspielung für die Verstärker erfolgt redundant über eine OMNEO Netzwerkverbindung. Für die Signalbearbeitung stehen in jedem Kanal der Praesensa-Verstärker parametrische EQs, ein Delay bis maximal 60 s sowie ein RMS-Limiter und eine Gain-Einstellung zur Verfügung. Zur Einbindung in das OMNEO Netzwerk verfügen die Praesensa-Verstärker über einen 2-Port-Switch, der auch das RSTP für eine ringförmige Netzwerkstruktur unterstützt.

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IP-basiertes Konzept

Sämtliche Signalübertragungswege im Praesensa-System sind IP-basiert. Genutzt wird dafür die Bosch eigene OMNEO Mediennetzwerkarchitektur, die zum einen ein Protokoll für den Medientransport (Audiosignal) enthält sowie ein Protokoll für Steuersignale. Beides basiert auf bekannten Standards.

Für die Audiosignalübertragung nutzt man in Zusammenarbeit mit Audinate die Dante-Netzwerktechnologie, und für die Systemsteuerung wird der OCA (Open Control Architecture) Standard eingesetzt.

Die Übertragung im Netzwerk erfolgt verschlüsselt und mit Redundanz. Erreicht wird die Redundanz durch eine ringförmige Netzwerkarchitektur. Genutzt wird dazu das „Rapid Spanning Tree Protocol“ (RSTP), das redundante Pfade im Netzwerk im normalen Betrieb deaktiviert, um diese dann zu aktvieren, wenn es an anderer Stelle zu einer Unterbrechung kommen sollte.

Fällt in einem Ring ein Switch aus oder wird ein Kabel unterbrochen, wird automatisch der noch verbleibende Signalweg genutzt. Ohne RSTP wäre das nicht möglich, da es sonst im normalen Betrieb zu Netzwerkkonflikten kommen würde.

Ein Praesensa-System kann zentral oder dezentral aufgebaut werden, wobei zwischen den dezentralen Einheiten mit einer normalen Verkabelung über Kupferleitungen das übliche Entfernungslimit von ca. 100 m gilt.

Wird das Netzwerk über LWL übertragen, sind auch sehr viel größere Distanzen realisierbar, etwa auf einem Messegelände oder in einer Industrieanlage. Unabhängig von der Struktur des Systems können einer oder mehrere Systemcontroller in der Anlage vorhanden sein.

ABB. 04 zeigt dazu ein Beispiel für eine dezentral aufgebaute Praesensa-Anlage mit sechs lokalen Einheiten, die dort Lautsprecher versorgen und teilweise über eigene Sprechstellen verfügen. Alle zusammen werden von einem Systemcontroller gesteuert, der jedes Signal an jede beliebige Stelle im System routen und Signale aus seinem Sprachspeicher oder auch von außen eingespielte Signale im System zuordnen kann.

Schema Netzwerkschaltung dezentrales Praesensa System
ABB. 04: Ein dezentral aufgebautes Praesensa-System, das über einen Systemcontroller gesteuert wird. Das Netzwerk ist mit zwei unabhängigen Ringen aufgebaut. (Bild: Bosch)

Das alles verbindende Netzwerk besteht aus zwei Ringen, die über das Rapid Spanning Tree Protocol unabhängig voneinander für die notwendige Redundanz sorgen. Die Sprechstellen können zur Erzeugung der Redundanz mit zwei PoE-Netzwerkverbindungen im RSTP angeschlossen werden.

Alle Praesensa-Komponenten verfügen über integrierte OMNEO-taugliche Switche mit 2, 5 oder 6 Ports. Trotzdem kann es vorkommen, dass noch weitere externe Switche benötigt werden. Dann kommt der PRA-ES8PS2 Switch zum Zuge, der über acht Gigabit-Ports mit PoE und zwei SFP-Ports für normale Kupferkabel oder für die Aufnahme eines GBICs für die Verbindung via LWL verfügt. Weitere Merkmale dieses im Rahmen des Praesensa-Systems EN54-16 zertifizierten Switches sind zwei Anschlüsse für die Stromversorgung und ein Fehlermeldekontakt.

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Liveline Fallback und EOL-Module

Bislang noch nicht erwähnt wurden zwei weitere Sicherheits- bzw. Kontrollmechanismen im Praesensa-System. Als letzten Notanker für den wohl eher selten zu erwartenden Fall des Versagens beider Netzwerkverbindungen zu einem Endverstärker gibt es noch die rein analoge Lifeline-Verbindung vom Netzteil zu den Endverstärkern.

Fallen beide Netzwerkverbindungen zum oder im Verstärker aus, dann übernimmt Lifeline die Signalübertragung, die im Verstärker direkt und ausschließlich unter Umgehung sämtlicher Signalverarbeitung auf den Havarieverstärker geht.

Dieser steuert dann allein alle angeschlossenen Lautsprecher mit maximalem Pegel an. Im normalen Betrieb übernimmt die Lifeline-Verbindung noch diverse andere Funktionen, z. B. um die Verstärker im Falle des Betriebs über die Ersatzenergieversorgung in einen energiesparenden Minimalmodus zu versetzen.

Verkabelung der Lautsprecher und EOL-Module
Testaufbau im Labor mit Lautsprechern und EOL-Modulen (Bild: Anselm Goertz)

Zur Überwachung der Lautsprecherlinien können im Praesensa-System End-of-Line(EOL)-Module eingesetzt werden. Diese werden am Ende einer Lautsprecherleitung hinter dem letzten Lautsprecher in einer 100V Linie angebracht. Die Praesensa-Verstärker senden dazu einen 25,5-kHz-Pilotton mit einer Spannung von 3 Veff, der vom EOL-Modul detektiert und zum Verstärker über die Lautsprecherleitung zurückgemeldet wird.

Jeder Kanal der Verstärker verfügt über zwei Ausgänge, die separat überwacht werden, so dass auch zwei separat überwachte Linien an einem Kanal betrieben werden können. Mit Bedacht wurde für den Pilotton eine besonders hohe Frequenz von 25,5 kHz gewählt, die zwei Vorteile hat.

Speziell in Schulen mit jungen, auch noch hohe Frequenzen gut hörenden Menschen wird es bei 25,5 KHz keine Beschwerden mehr über einen Pfeifton geben – die bislang üblichen 19 oder 20 kHz waren unter diesem Aspekt durchaus problematisch. Ein weiterer Pluspunkt liegt darin, dass die 25,5 kHz auf keinen Fall mehr durch das eigentliche Audiosignal gestört werden.

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Sprechstellen und andere Signalquellen

Die zu Praesensa gehörenden Sprechstellen gibt es in einer Desktop (Tisch)- und Wandmontage- Version. Der Unterschied liegt lediglich im Mikrofon, das entweder mit einem Schwanenhals an der Tischsprechstelle befestigt ist oder als Handheld-Mikrofon mit PTT-Taster über ein Spiralkabel mit der Sprechstelleneinheit verbunden ist.

Beide Varianten verfügen über ein farbiges 4,3″-Touchdisplay zur Steuerung der Funktionen. Bei Bedarf können die Sprechstellen noch durch Extensions mit je zwölf Tasten ergänzt werden, über die man dann bestimmte Bereiche und Funktionen direkt anwählen kann.

Kompletter Laboraufbau des Systems
Laboraufbau mit Sprechstellen. Ganz unten in den Racks sieht man die externen PRAES8PS2-Switche und PRAPSM48(24)-Netzteile zur Montage auf Hutschienen sowie einige EOL-Module (rot). (Bild: Anselm Goertz)

Bei der Entwicklung der Sprechstellen legte man bei Bosch ein besonderes Augenmerk auf die Bedienerfreundlichkeit und die User Experience. An den Sprechstellen wird deutlich der Fortschritt einer Durchsage auf dem Touchscreen angezeigt.

Nach dem Start der Durchsage wird der Bedienende vom System geführt und darüber informiert, wann die Durchsage ein – gesprochen werden soll, nachdem das Vorgongsignal und eine mögliche automatische Voransage beendet wurden. Das System zeigt zudem an, wenn die Durchsage in allen ausgewählten Zonen erfolgreich beendet wurde.

Alle verfügbaren Funktionen können problemlos auf dem Touchscreen selektiert werden, und die Bereiche werden über die Sprechstellentasten mit LEDs angezeigt. Der Bedienende erhält damit sofortige und genaue Statusinformationen.

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Software und Training

Für den Aufbau und die Programmierung der Praesensa-Systeme bietet Bosch eine Reihe von Hilfestellungen an. Neben ausführlichen Manuals für die Hardware und Software gibt es auch ein Online-Schulungsprogramm in der Bosch Academy inklusive der zugehörigen Prüfungen zum Master, Expert oder Professional.

Am Eindhovener Standort sind zudem Schulungsräume für die Praesensa-Systeme eingerichtet, wo Anwender und Servicetechniker direkt an der Hardware lernen und testen können. In Deutschland werden am zentralen Standort in Kassel ab Mitte 2020 auch die Schulungseinrichtungen für Praesensa zur Verfügung stehen.

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Fazit

Mit dem neuen Praesensa-System vollzieht man bei Bosch den Schritt zur voll IP-basierten Beschallungsanlage, die mit einer Kapazität für die Verwaltung von bis zu 500 Zonen und über 100 simultanen Rufen/Durchsagen auch für sehr große Installationen auf Messegeländen und für ausgedehnte Industrieanlagen gut geeignet ist.

Alle Komponenten des Kernsystems sind EN54-16 zertifiziert und somit auch für den Einsatz in Sprachalarmanlagen für den Brandfall gemäß DIN VDE 0833-4 zugelassen. Das ausschließlich auf dem OMNEO-Netzwerk basierende Konzept der Verkabelung mit Cat5-Leitungen sorgt für eine einfache, aufgeräumte und übersichtliche Installation, die dank der in allen Systemkomponenten vorhandenen Switche mit RSTP auch durch eine einfache Ringstruktur des Netzwerkes volle Redundanz bietet.

Besonders elegant gelungen sind die neuen Verstärker mit vier oder acht Kanälen, die mit 600 W Gesamtleistung diese mittels Power Sharing immer genau passend zur Anwendung aufteilen können und zudem auch noch über eine fest eingebaute Havarieumschaltung über einen internen Reserve- /Havarieverstärkerkanal verfügen. Die zugehörigen multifunktionalen Stromversorgungen versorgen bis zu drei 600-WEndstufen, stellen 24 V und 48 V bereit, laden die Batterien und verfügen auch noch über einen 6-Port-Switch für das Netzwerk.

Mit nur vier Systemkomponenten, der multifunktionale Stromversorgung, den Verstärkern, dem Systemcontroller und den Sprechstellen lassen sich so Anlagen ganz nach Bedarf in allen Größenordnung realisieren. Alles in allem fällt es so nicht schwer, dem Praesensa-System alsbald eine weite Verbreitung vorherzusagen.

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Produkt: Professional System 07/2019
Professional System 07/2019
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