Sicherheit & AV: KI in der Videotechnik

KI als Allheilmittel?

Dallmeier, Entwickler und Hersteller von Komplettlösungen für CCTV/IP, arbeitet bereits seit Jahren an und mit KI-Techniken und hat vier Statements formuliert, die den Fachleuten wie Integratoren und Fachplaner bei einer realistischen Beurteilung von KI helfen sollen.

(Bild: Pixabay)

Inhalt dieses Basic-Artikels:

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Auch im Bereich der Videotechnik zur Überwachung sind die Erwartungen an Künstliche Intelligenz (KI) hoch. Hier reichen die Vorstellungen vom Erkennen auffälliger Verhaltensweisen wie etwa Angriffen auf Personen über das Erkennen einzelner Gesichter in Menschenmassen bis zum automatischen Detektieren des berühmten „Bombenkoffers“. Inwieweit ist das realistisch?

Das Regensburger Unternehmen Dallmeier, spezialisiert auf CCTV/IP-Lösungen, arbeitet bereits seit Jahren an und mit KI-Techniken. Daraus resultieren vier grundsätzliche Überlegungen, die Fachleuten und insbesondere Fachplaner bei einer realistischen Beurteilung von KI helfen sollen.

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Mehr als nur Technik berücksichtigen

Die erste Überlegung befasst sich mit den (gesellschaftlichen) Rahmenbedingungen: Bei der Einführung von Lösungen aus KI und Videotechnik muss weit mehr berücksichtigt werden als Technik.

Bei vielen Innovationen werde außer Acht gelassen, dass neue Techniken fast immer auch eine gesellschaftliche Diskussion und Änderungen von konkreten Rahmenbedingungen erfordern, bevor sie flächendeckend zum Einsatz kommen können. Prominentes Beispiel in Sachen KI ist das Dilemma beim Unfallverhalten eines autonom fahrenden Autos. Beim Einsatz von KI in der Videosicherheitstechnik gibt es ebenfalls ungeklärte Fragen, die geklärt werden müssen: Wieviel an Entscheidungsfreiheit erhält ein System? Welche Qualitätskriterien werden z. B. bei der Objekterkennung angesetzt? Wer ist zur Verantwortung zu ziehen, wenn z. B. eine Attacke nicht detektiert wird, obwohl die Erwartungshaltung in der Bevölkerung vielleicht schon vorhanden ist? Welche Reaktionszeiten werden definiert, bis wann müssen Einsatzkräfte bei einem „KI-Alarm“ vor Ort sein? Stehen überhaupt genügend Kräfte für die potenziellen neuen Einsatz- und Rechercheoptionen zur Verfügung? Wie verhält es sich mit den vielen „False Positives“, wenn z. B. über Gesichtserkennung nach einem Verdächtigen gesucht wird?

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Ganzheitlicher Ansatz

Weiterhin ist man bei Dallmeier der Auffassung, das KI und Videotechnik nur als „technisch ganzheitlicher Ansatz“ funktionieren.

Da Technische Systeme immer komplexer werden, sei es notwendig, alle Parameter zu beurteilen, die die Leistungsfähigkeit einer Gesamtlösung beeinflussen. Der IT-Grundsatz „Garbage In, Garbage Out“ habe in diesem Zusammenhang höchste Relevanz: Neuronale Netze zur Objekt- oder Vorgangsklassifizierung oder eine gute Gesichtserkennungssoftware können nur so viel leisten, wie das eingespeiste Videobild hergibt. Dementsprechend können KI-basierte Videoanalyse-Systeme nur so gut sein, wie ihre Kamerasysteme zur Bilderfassung. Nach Ansicht von Dallmeier es in dieem Zusammenhang z. B. besonders wichtig sein, Mindestbildqualitäten in allen Bereichen des Videobilds definieren und planen zu können, Kamerawinkel richtig zu planen und viele Detailaspekte mehr. Aber auch der Mensch hinter dem System müsse in die Gesamtbetrachtung miteinbezogen werden, was Qualifikation und organisatorische Fragestellungen betrifft. So kommt man bei Dallmeier zu den Schluss, das nur durch ein gut orchestriertes Zusammenspiel aller Faktoren die Einhaltung der – übrigens noch zu definierenden – Standards von Gesamtsystemen überhaupt zu gewährleisten ist.

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Rolle von Assistenzsystemen

Um bereits existierende sogenannte Assistenzsysteme geht es in der nächsten These: Es gibt funktionierende Lösungen, die als Assistenzsysteme gute Dienste leisten.

So geht man bei Dallmeier davon aus, dass Künstliche Intelligenz bei aller Vorsicht auch in der Videotechnik eine wesentliche Rolle spielen wird und sich sogar zu einer Kernkomponente entwickeln könnte. Es geben bereits erste Einsatzszenarien und funktionierende Lösungen, etwa in der Optimierung und Analyse von analogen Prozessen wie z. B. an einem Casino-Spieltisch, bei der verbesserten Objektklassifizierung im Perimeterschutz oder bei der unterstützten Personenverfolgung im Bereich der Stadtüberwachung. Wichtig sei aber bei allen Systemen: Heute und wahrscheinlich noch für lange Zeit steht nach wie vor der Mensch – der Operator, der Polizist oder der Forensiker – im Mittelpunkt. Und dafür stelle KI in der Videotechnik bereits heute nützliche Assistenzsysteme zur Verfügung, die schnell besser würden und künftig immer mehr mühsame und fehleranfällige Vorarbeiten übernehmen. Allerdings sei die Technik vom automatischen Auffinden eines stehengelassenen „Bombenkoffers“ in komplexen Zusammenhängen trotz aller YouTube-Werbefilme noch weit entfernt.

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Funktionierende Lösung oder Forschungsvorhaben

Das letzte Statement von Dallmeier befasst sich mit Wunschdenken und Wirklichkeit: Der Markt muss lernen zwischen funktionierenden Lösungen und Forschungsvorhaben zu unterscheiden.

Jede technische Neuerung geht mit Definitionsunschärfen, überzogenen Erwartungen und unterschiedlichen Interpretationen zu ihren Fähigkeiten ins Rennen nach dem Motto: „So richtig Bescheid weiß keiner, aber alle Beteiligten haben etwas zu sagen.“ Daher ist es nicht nur nach Ansicht von Dallmeier umso wichtiger genau hinzusehen und zu hinterfragen: welche Funktionen sind mehr oder weniger marktreif und – wenn auch mit Anpassungsaufwand – implementierbar, was befindet sich hingegen noch im Forschungszustand? Vor allem im Hinblick auf strategische Entscheidungen und Investitionen sollten sich interessierte Anwender immer zuerst fragen, ob ein bestimmtes Resultat in zwölf Monaten, in fünf Jahren oder überhaupt zu erwarten ist. Ansonsten drohe die Gefahr, naheliegende Lösungen für dringende Probleme aus den Augen zu verlieren.

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Weblink

www.dallmeier.de


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