Produkt: Professional System 03/2019
Professional System 03/2019
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Open Control Architecture

OCA – Interoperabilität in Audionetzwerken

OCA – Open Control Architecture – ist eine Architektur, die Komponenten eines offenen Kommunikationsprotokollstandards zur Bedienung und Überwachung von Audio- und Video-Geräten in einem Netzwerk beschreibt. Konzipiert ist OCA für die Bedienung und Steuerung von AV-Geräten in kleinen und großen Netzwerken mit zwei bis 10.000 Knotenpunkten.

OCA Grafik

Um die Entwicklung und Etablierung von OCA zu unterstützen, hat sich 2011 die OCA Alliance gegründet, ein Zusammenschluss von Herstellern mit den Gründungsmitgliedern Bosch Communications Systems, d&b audiotechnik GmbH, Duran Audio, LOUD Technologies, Inc., Media Technology Systems, PreSonus, Salzbrenner Stagetec Mediagroup, TC Group, Yamaha Commercial Audio.

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Im Oktober 2012 wurde die erste Spezifikation OCA1.1 veröffentlicht und zwei Wochen später in Zusammenarbeit mit der AES (Audio Engineering Society) die X210-Initiative gestartet, um OCA zu einem AES-Standard zu machen. Dabei geht es ausdrücklich allein um die Kommunikation, nicht um den Transport von Medieninhalten. OCA soll grundsätzlich dazu fähig sein, mit unterschiedlichen Medientransport-Standards wie X192 und AVB zusammenzuarbeiten. So ist OMNEO ein Beispiel, wie OCA mit Dante für den Medientransport zusammenarbeiten kann.

Auch hinsichtlich der Gerätetypen ist OCA wahlfrei; es soll einsetzbar sein für Lautsprecherboxen mit integrierten DSP-Funktionen, Mischpulte, DSP-Prozessoren, Mikrofonvorverstärker, Verstärker u.v.m. – auch wenn über das Mischpult des Herstellers X die Vorverstärker des Herstellers Y zu steuern sind.

Die Merkmale von OCA

OCA soll auf der Programmierungsebene das leisten, was bisher herstellerspezifisch eigene Steuerprotokolle ermöglicht haben: Wenn auf einer Bedienoberfläche ein Parameter geändert wird, dann versteht das Gerät den Befehl und ändert die Einstellung entsprechend. Und in OCA soll dies vor allem herstellerunabhängig erfolgen: Mit jeder auf OCA basierenden Bedienoberfläche sollen alle Geräte gesteuert werden können, die OCA verstehen, d. h. ändert man die Einstellung auf der Software-Oberfläche für einen Mikrofonvorverstärker, so versteht das jeder OCA-basierte Mikrofonvorverstärker, egal von welchem Hersteller.

Was allerdings genau passiert bei der Änderung eines Parameters, hängt nach wie vor vom Gerät und Hersteller ab. Denn bei OCA geht es nicht darum, Geräte und Funktionen zu standardisieren, sondern die Methode der Interaktion mit Parametern und Funktionen.

Um zu verdeutlichen, was damit gemeint ist, kann – wie auch in einem Grundsatzpapier der OCA Alliance erwähnt – auf MIDI zurückgegriffen werden: Schließt man ein Keyboard per MIDI an einen Tongenerator an und drückt eine Taste, wird die Nachricht an den Tongenerator weitergeleitet und die entsprechende Funktion ausgelöst. Wie sich der Ton aber anhört, hängt von den Algorithmen ab, die der Hersteller definiert hat. Die Nachricht selbst hat nichts mit der internen Arbeit des Tongenerators zu tun. So ist es auch bei OCA: Ein bestimmter Befehl beeinflusst einen bestimmten Parameter in einem Gerät.

Was aber genau intern im Gerät dadurch passiert, bleibt dem Hersteller überlassen. Und muss es auch, denn die Forschung und Entwicklung, die ein Hersteller z. B. in einen speziellen Algorithmus für einen Kompressor investiert hat, wird er ja nicht anderen offen zur Verfügung stellen wollen. Was er aber vielleicht schon möchte, ist die Möglichkeit, diesen Kompressor von einem Mischpult aus aktivieren zu können, egal von welchem Hersteller das Mischpult stammt.

OCA soll außerdem flexibel erweiterbar und weiterentwicklungsfähig sein. Es soll Funktionen zur Geräteerkennung besitzen, die Bedienung und Überwachung auch von mehreren Rechnern aus ermöglichen, das Zusammenfassen von Parametergruppen unterstützen, das Speichern von Parametern auch in Presets, Scenes oder Snapshots erlauben, zuverlässig und effizient arbeiten und Sicherheitsoptionen besitzen.

Die Architektur von OCA

Um dies zu erreichen, umfasst OCA drei Teile:

  • OCF (Open Control Framework) definiert die Modelle und Mechanismen, sozusagen die Rahmenstruktur von OCA
  • OCC (Open Control Classes) beschreibt die Klassenstruktur, die objektorientiert das Kontrollrepertoire beinhaltet, also alle Funktionen eines Gerätes, auf die über das Netzwerk zugegriffen werden kann.
  • OCP (Open Control Protocol) ist für das Verhalten im Netzwerk zuständig. Dabei kann es verschiedene Protokolle geben, das momentan definierte OCP.1 ist das Protokoll für TCP/IP-Netzwerke

Die detaillierte Spezifikation aller drei Teile ist auf der Internetseite der OCA Alliance zu finden. Da es sich um eine recht vielschichtige Angelegenheit handelt, sei bei weiterem Interesse auf die dort herunterladbaren Dokumente verwiesen. Allerdings soll kurz auf das Repertoire an Kontrollfunktionen eingegangen werden, da hier deutlich wird, dass die Funktionalitäten weit über Geräteerkennung und reine Signalverteilung hinausgehen.

Zum Repertoire der V.1.1 gehören: Gain-Kontrolle, Stummschalten, Umschalter, Delays, Equaliser, Filter inklusive IIR und FIR, Limiter und Kompressoren, Pegelfunktionen, Matrizen, Signalgeneratoren, beliebige numerische Parameter. Weiterhin Pegelanzeigen, Frequenz-, Zeitintervall- und Temperatursensoren, Gruppenbildung, Überblendfunktionen, Signalverbindung und -verteilung, proprietäre Erweiterungsmöglichkeiten.

Stand der Dinge bei der OCA

Eine herstellerübergreifende Steuerung ist bei den Audionetzwerken eher ein Wunder. OCA (Open Control Architecture), das von einer Alliance diverser Hersteller unterstützt wird, will hier eine Lösung bieten. Dafür warb die OCA Alliance auf einem Treffen mit interessierten Herstellern: Jeff Berryman (Bosch) und Marc Weber (d&b) erläuterten die Grundzüge und Vorteile von OCA. Bosch und d&b gehören zu den Gründungsmitgliedern der OCA Alliance und haben Geräte auf dem Markt, die OCA nutzen.

Auf dem Stand der OCA Alliance demonstrierten ein Focusrite RedNet 4 (Mikrofonvorverstärker), ein Bosch Audio Powering Switch APS (Router und Prozessor inklusive Spannungsversorgung für angeschlossene Geräte) und eine d&b D20 in einem kleinen Steuernetzwerk, dass sie zusammenarbeiten und von einer gemeinsamen iPad-Oberfläche aus gesteuert werden können. Für nähere Details zu OCA im Allgemeinen und dem Engagement von d&b im Besonderen sei auf unseren Artikel in PROFESSIONAL SYSTEM verwiesen.

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Produkt: Professional System 04/2019
Professional System 04/2019
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