Produkt: Professional System 03/2019
Professional System 03/2019
Special: AV & IT – GEFAHR ODER CHANCE? +++ SDVoE – Warum Interoperabilität wichtig ist +++ AES67, SMPTE ST 2110, AMWA NMOS – eine Übersicht +++ Variable Coverage im PHILIPS STADION EINDHOVEN +++ LED-Grundlagen: WÄRMEMANAGEMENT – Gewicht oder Geräuschentwicklung?

Die Medientechnik in der Whistle Sportsbar in Mannheim

In einem Mannheimer Einkaufszentrum befindet sich Deutschlands vermutlich multimedial am besten ausgestattete Sportsbar. Hier kommen sowohl außergewöhnliche Projektions- als auch Displaylösungen zum Einsatz.Whistle Sportsbar in Mannheim(Bild: Jörg Küster)

Kühles Bier, das aus der auf dem eigenen Tisch installierten Zapfanlage fließt, pikant gewürztes Knabbergebäck und dazu gestochen scharfe Bilder spektakulärer Sportübertragungen – wer diese Form geselliger Freizeitgestaltung schätzt, kommt seit August 2017 in Mannheims neuer Sportsbar „Whistle – Great Sports. Fine Food“ ganz ohne Frage auf seine Kosten. Das Tochterunternehmen der SAP Arena ist im ersten Stock des innerstädtischen Einkaufszentrums Stadtquartier Q 6 Q 7 zu finden und setzt kulinarisch auf ein von der US-Küche inspiriertes Speisenangebot, das in der baden-württembergischen Quadratestadt vorwiegend mit regionalen Produkten hergestellt wird: von der „Meat Ball Madness“ über ein geräuchertes „Pig-O-Rama“ bis zum 700 g schweren Dry Aged Tomahawk Steak mit mächtigen Beilagen wie Maccaroni & Cheese oder Sweet Potato Cuts.

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Großer Bar-Cube aus Projektionsscheiben

Herzstück des neuen, rund 400 m² messenden Treffpunkts für Sportbegeisterte aus Mannheim und Umgebung ist erwartungsgemäß die Bar: Zentral gelegen zieht sie sofort die Blicke auf sich – nicht zuletzt aufgrund eines Video-Cubes, der aus vier siebenlagigen Projektionsscheiben des Typs dnp Supernova Blade Screen mit Diagonalen von jeweils 120″ geformt wird. Der Cube erinnert unmittelbar an die „Videowürfel“ bekannter (Sport-)Arenen, zeigt großformatige Bilder, wirkt aber keinesfalls überdimensioniert und fügt sich harmonisch in die Proportionen der Mannheimer Sportsbar ein. Die Wahl hochwertiger Projektionsscheiben dürfte trotz der damit verbundenen Kosten eine gute Idee gewesen sein, da die Lichtverhältnisse in der Sportsbar je nach Tageszeit variieren: Sogar bei großflächig einfallendem Tageslicht ist die Anzeige des in Richtung der Fensterfront weisenden dnp-Screens gut zu erkennen.

Zur Bespielung des Cubes dienen in der Whistle Sportsbar vier Panasonic PT-RQ13K DLP-Projektoren mit nativer WQXGA-Auflösung (2.560 x 1.600 Pixel, max. 4K+ mit 5.120 x 3.200 Pixeln) und einer Helligkeit von 10.000 ANSI-Lumen. Die mit einer Laserlichtquelle versehenen Projektoren werden für die Aufprojektion genutzt: Eine Montage im Inneren des Cubes war aus Platzgründen aufgrund einer tragenden Säule nicht möglich, wie Rolf Pranner, Leiter Konferenztechnik bei der epicto GmbH, erläutert. Das Unternehmen aus Edingen-Neckarhausen verantwortete Planung und Installation der Medientechnik in der Whistle Sportsbar, was gleichermaßen für einen angrenzenden Fan-Shop der Adler Mannheim und Rhein-Neckar Löwen gilt.

Rolf Pranner erinnert sich an eine „sportliche“ Installationsphase, da wegen des Wunschs nach weitgehender Staubfreiheit zunächst die Arbeiten anderer Gewerke abzuwarten waren: „Wir wären gerne früher am Start gewesen, aber auf der Baustelle war einfach noch zu viel Aktion“, so Pranner. „Unser Team hat einige Wochenenden in Mannheim verbracht, und selbst am Abend vor der VIP-Eröffnung wurden noch letzte Arbeiten vorgenommen – letztlich ist aber alles auf den Punkt fertig geworden.“

Zahlreiche Komponenten für die Beschallung

Schaut man genauer hin, entdeckt man in der Sportsbar zahlreiche Lautsprecher aus dem Portfolio von JBL. An jeder Cube-Seite sind zwei schräg nach unten weisende AC16 Zweiwegesysteme mit 6,5″-Woofern montiert. Hin zu gesellen sich im Sportsbar-Innenraum diverse AC895 Fullrange-Systeme mit 8″-Woofern, die alle Zonen der Location abdecken. Als tieffrequente Unterstützung kommen drei an der Decke montierte JBL ASB6112 Kompakt-Subwoofer mit 12″-Bestückung zum Einsatz. Um bestmögliche Klangergebnisse zu erreichen, wurde vorab in Kooperation mit dem deutschen JBL Vertrieb, Audio Pro, eine Simulation erstellt.

Video-Cube
Der Video-Cube setzt sich aus vier siebenlagigen Projektionsscheiben mit Diagonalen von jeweils 120″ zusammen. (Bild: Jörg Küster)

Bei den abgesetzt in einem Technikraum untergebrachten CDi DriveCore 4|300 Vierkanal-Endstufen handelt es sich um Modelle von Crown. Für die Audiosignalverarbeitung und -distribution ist ein Q-SYS-System von QSC verantwortlich: Verwendung finden ein Q-SYS Core 500i Integrated Processor und ein Q-SYS IO Frame. Auf der Außenterrasse der Whistle Sportsbar sind JBL Control 25-1 Lautsprecher installiert, die derzeit allerdings noch nicht genutzt werden – die Außenbeschallung muss vom zuständigen Mannheimer Amt genehmigt werden.

Displays als sinnvolle Ergänzung der Projektionen

Jenseits des Cubes können Gäste Sportübertragungen auf 16 Bildschirmen verfolgen. „Platzhirsche“ sind zwei große Panasonic TH-98LQ70 Displays mit Diagonalen von 98″ und einer Auflösung von 3.840 x 2.160 Pixeln. Hinzu gesellen sich fünf NEC MultiSync X552S Displays an einer seitlichen Wand oberhalb einer Reihe von Stehtischen. Die vorgenannten Monitore sind vergleichsweise nah an den Wänden befestigt, was durch von epicto speziell für das Projekt in Auftrag gegebene Halterungen ermöglicht wird. Besondere, von epicto in Abstimmung mit den Innenarchitekten eigens für das Vorhaben entworfene Display-Stelen wurden auch für drei X552S-Monitore angefertigt, die nahe der Fensterfront platziert sind: Zwei Displays weisen hier nach außen und entfalten auf der Terrasse insbesondere nach Einbruch der Dunkelheit eine ansprechende Wirkung.

Panasonic PT-RQ13K DLP-Projektoren
Zur Bespielung des Cubes dienen Panasonic PT-RQ13K DLP-Projektoren. (Bild: Jörg Küster)

Ein weiterer Bildschirm einer PG-Version mit „Protective Glass“ weist in Richtung des Innenraums. Tagsüber ist die Eindrücklichkeit der Bilddarstellung auf der Terrasse vom Lichteinfall sowie vom Standpunkt des Betrachters abhängig. Die Idee zum Einsatz von zwei dünnen OLED-Displays an gleicher Stelle wurde rasch wieder verworfen, da sich die zunächst in Betracht gezogenen Modelle als nicht hell genug erwiesen und zudem mit spiegelnden Oberflächen versehen waren.

JBL-Lautsprecher
JBL-Lautsprecher dienen der Zonenbeschallung. (Bild: Jörg Küster)

In zwei so genannten „Whistle Corners“, in denen im Inneren der Sportsbar sechs bis acht Personen auf einem eigenen Bildschirm Sportübertragungen gemäß persönlichem Gusto verfolgen können, sind zwei Samsung PM32F Displays „back to back“ in einer speziellen Halterung untergebracht. Der Ton wird hier über die bildschirmeigenen Lautsprecher wiedergegeben – eine zusätzliche Soundbar, über die im Vorfeld nachgedacht wurde, erwies sich als unnötig. „Zwischen den beiden Whistle Corners ist lediglich eine geringe Tiefe verfügbar, um zwei Displays Rücken an Rücken zu montieren“, erläutert epicto Projektleiter Steffen Ruland. „Samsung hatte perfekt passende und außerdem steuerbare Screens für das geringe Platzangebot im Programm – die Tiefe der PM32F beträgt lediglich 29,9 mm.“

Panasonic TH-98LQ70 Bildschirme (links im Bild) und NEC MultiSync X552S Displays
Hier wirkt die Größe: Panasonic TH-98LQ70 Bildschirme (links im Bild) und NEC MultiSync X552S Displays. (Bild: Jörg Küster)

Eine Besonderheit sind vier NEC MultiSync X401S-Bildschirme, die mithilfe einer speziell angefertigten Klemmschelle an einer metallummantelten Getränkeleitung, „Bierpython“ genannt, mittig in der Bar befestigt sind. „Während der Rohbauphase haben wir eine Demo-Vorführung anberaumt, bei der aus Flightcases eine provisorische Theke aufgebaut wurde“, erinnert sich Rolf Pranner. „Gemeinsam mit allen Beteiligten haben wir uns hingesetzt und auf Anhieb war klar, dass für direkt an der Bar sitzende Personen der Blickwinkel zum Cube zu steil ist.“ Einer möglichen Nackenstarre wurde daher mithilfe der vier tiefer montierten Bildschirme vorgebeugt – eine gelungene Lösung, die auch unter ästhetischen Gesichtspunkten keineswegs störend wirkt.

Welche Technik arbeitet im Hintergrund?

Die Bildlieferanten verbergen sich abgesetzt in einem Technikraum: Receiver von Horizon, Telekom, Amazon und Sky (über Satellit) sind dort in einem 19″-Schrank einzeln auf Rack-Wannen platziert und stellen ihre Ausgangssignale an HDMI-Schnittstellen bereit. An einer 19″-Blende sind weitere Anschlüsse verfügbar, so dass man beispielsweise einen mitgebrachten Laptop anbinden könnte. Anschlussmöglichkeiten sind auch an mehreren Positionen im Inneren der Sportsbar vorhanden: An der Theke befindet sich ein Anschlussfeld, zwei weitere sind am Podium im hinteren Teil des Raums montiert und ein zusätzliches Panel ist am sogenannten Front-of-House (FOH) verfügbar, wo sich bei besonderen Anlässen ein DJ betätigt. Funkmikrofone von Shure können überall im Raum eingesetzt werden und kommunizieren mit einem ULXD4Q-Empfänger.

Vier NEC MultiSync X401S-Bildschirme
Maßnahme gegen Nackenstarre: Vier NEC MultiSync X401S-Bildschirme, die mithilfe einer speziell angefertigten Klemmschelle an einer metallummantelten Getränkeleitung befestigt sind. (Bild: Jörg Küster)

Bei Sky werden ausgewählte Sportereignisse in 4K übertragen und sollen selbstverständlich in bestmöglicher Auflösung auf den Bildschirmen der Mannheimer Sportsbar erscheinen. Um allen auftretenden Auflösungen gerecht zu werden und stets einen sehr guten Bildeindruck zu erzielen, sind allen Displays sowie den Projektoren Crestron DM-RMC-4KScaler-C Interfaces zur Seite gestellt. Letztere empfangen über Netzwerkkabel DigitalMedia-Signale und setzen diese auf HDMI um. Als Schaltzentrale dient ein Crestron DM-MD64X64 DigitalMedia-Matrixswitcher. Vom gleichen Hersteller stammt die Pro3-Mediensteuerung, mit deren Hilfe sich über KNX-Gateways auch ausgewählte Raumfunktionen steuern lassen.

zwei Samsung PM32F Monitore „back to back“
In den sogenannten „Whistle Corners“ sind zwei Samsung PM32F Monitore „back to back“ in einer speziellen Halterung untergebracht. (Bild: Jörg Küster)

Die Bedienung erfolgt entweder über einen in das gleiche 19″-Rack eingebauten Crestron Touchscreen oder ein ebenfalls dem Portfolio von Crestron entnommenes TSD-2220-B HD-Touchpanel (an DM-DGE-200-C Grafik-Engine für die Videovor- und -mitschau), das in der Sportsbar nahe des Küchenbereichs an einer Säule montiert ist. Das Routing ist vollkommen frei einstellbar. Der Einfachheit halber wurden sechs Gruppen gebildet, die im Normalbetrieb Verwendung finden. „Jedes Signal lässt sich auf jedes Ausgabegerät verteilen“, betont Rolf Pranner und zeigt eine entsprechende Bedienoberfläche. „Angesichts der gewünschten Flexibilität war die übersichtliche Programmierung eine echte Fleißarbeit.“ Über die fest montierten Touch-Geräte hinaus sind Eingaben auch mit einem Apple iPad möglich, das in die Crestron Infrastruktur eingebunden ist und Zugriff auf relevante Parameter an allen Positionen in der Location erlaubt.

Touchpanel Routing
Das Routing ist an einem Touchpanel vollkommen frei einstellbar (Bild: Jörg Küster)

Bei den TV-Receivern handelt es sich um Consumer-Elektronik, was sich in Aspekten wie der ausschließlich über Infrarot realisierbaren Steuerung bemerkbar macht. Um Fehlbedienungen durch das Personal auszuschließen, wurden im Rack einzelne Empfänger kurzerhand mit Alufolie abgedeckt, so dass sie keine unerwünscht an der Fernbedienung ausgelösten IR-Signale empfangen können. Zusätzlich zu den vorgenannten Empfängern kommen in der Sportsbar BrightSign XT1143 Player zum Einsatz, auf welche die IT-Abteilung der SAP Arena prinzipiell sogar aus der Ferne zugreifen kann. Content lässt sich über die Netzwerkanbindung oder per USB-Stick einspielen. In der Sportsbar angekündigt werden u. a. besondere Ereignisse in der Mannheimer Arena. Die Möglichkeit zur Remote-Steuerung via Crestron XPanel wird im Moment nicht genutzt. Stattdessen werden die werblichen Digital-Signage-Inhalte lokal aktiviert – schließlich soll die Übertragung eines Fußballspiels in der spannenden 90. Minute nicht plötzlich unerwartet durch Werbung unterbrochen werden.

Showroom statt Katze im Sack

„Mit epicto waren wir von Beginn an in die Planung der Whistle Sportsbar involviert“, berichtet epicto Geschäftsführer Michael Schenk. „Alle relevanten Beteiligten haben bei vorbereitenden Sitzungen in der SAP Arena gemeinsam an einem Tisch gesessen, was sich im Sinne eines zügigen Ablaufs als absolut vorteilhaft erwiesen hat: Es gab eine ebenso flüssige wie angenehme Kommunikation – bei dem Projekt haben alle Gewerke Hand in Hand gearbeitet und ihr Bestes gegeben.“

Crestron DM-MD64X64 Digital- Media-Matrixswitcher
Als Schaltzentrale dient ein Crestron DM-MD64X64 Digital-Media-Matrixswitcher. (Bild: Jörg Küster)

Die Wurzeln der epicto GmbH sind in der Veranstaltungstechnik zu finden, wo es üblich ist, vor Tourneebeginn einen Probeaufbau zu machen – schließlich gibt es „on the road“ immer nur eine Chance für einen gelungenen Event. „Es ist unsere Philosophie, dem Kunden vorher zu zeigen, was er bekommt – die sprichwörtliche Katze im Sack gibt es bei uns nicht“, sagt Michael Schenk. „An unserem Firmensitz haben wir einen großzügigen Showroom eingerichtet, in dem sich stets die neuesten Produkte in Augenschein nehmen lassen. Für die Sportsbar-Verantwortlichen haben wir eine ganze Straße mit Displays in Größen von 98″ bis 32″ aufgebaut, so dass sie sich einen persönlichen Eindruck von der Wirkung einzelner Modelle verschaffen konnten. Wir setzen bewusst auf eine intensive Beratung – bei epicto gibt es keine Überraschungen vor Ort!“

Rolf Pranner, Steffen Ruland und Michael Schenk
V.l.n.r.: Rolf Pranner, Steffen Ruland und Michael Schenk (Bild: Jörg Küster)

Fazit: Ein Mannheimer Statement

Ob Fußball, Eishockey, Handball oder American Football: Für einen entspannten Abend mit Freunden, aber auch für geschlossene Corporate-Events, sollte sich die Mannheimer Whistle Sportsbar bestens eignen. „Wir sind überzeugt, mit Whistle ein einzigartiges und spannendes Sportsbar-Konzept auf die Beine zu stellen“, erklärt Daniel Hopp, Geschäftsführer der Whistle Sportsbar GmbH und – was er nicht gerne in den Vordergrund rückt – Sohn von SAP-Gründer Dietmar Hopp. „Der Mix aus hochwertigem American Food mit regionalen Produkten sowie die Möglichkeit, Sport-Events auf hochmodernen 4K-Bildschirmen zu zeigen, die in ein modernes, persönliches und gemütliches Ambiente eingebettet sind, werden überzeugen“, sagt Daniel Hopp über die derzeit vermutlich schickste und modernste Sportsbar in Deutschland.

Web-Links

www.whistle-mannheim.de

https://q6q7.de

https://epicto.de


(Aus Professional System 06/2018)

Produkt: Professional System 03/2019
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