Event-Location für gehobene Ansprüche

Die Medientechnik im Haus der Bayerischen Wirtschaft

Wer sich als Oberklasse-Veranstalter positionieren will, muss neben seinen Räumen auch die Medientechnik regelmäßig auf Hochglanz polieren. PROFESSIONAL SYSTEM-Autor Markus Tischner hat sich im Haus der Bayerischen Wirtschaft in München umgesehen, welche Technik beim letzten Update integriert wurde.

Haus der Bayerischen Wirtschaft
(Bild: hbw)

Bereits seit 1997 nutzen Unternehmen und Institutionen das Haus der Bayerischen Wirtschaft (hbw) als Veranstaltungsort für Events mit gehobenen Anforderungen. Aktuelle Medientechnik war dabei von Anfang an eine Grundbedingung für die anspruchsvollen Kunden der betreffenden Räumlichkeiten, des sogenannten hbw Conference- Centers. Im Laufe der Jahre wurden zwar immer wieder einzelne Modernisierungen vorgenommen. Doch im Zuge des immer stärker werdenden Trends zur Digitalisierung veränderten sich die Bedürfnisse der Kunden und eine Runderneuerung des gesamten Medientechnik- Konzepts kam auf den Plan.

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Im Jahr 2013 gab es die ersten Überlegungen, wie man die Medientechnik des hbw nach und nach auf ein neues digitales Level heben könnte. Doch statt einer Erneuerung auf Raten entschloss man sich, die Zeit für eine große Lösung zu nehmen. Alexander Wieser, Leiter des hbw ConferenceCenters, beschreibt heute im Rückblick: „Man wollte alles auf einmal modernisieren und das Haus mit einem Paukenschlag in einem völlig neuen Gewand präsentieren. So konnten in einem Aufwasch die gesammelten Anforderungen umgesetzt und dafür auch das nötige Budget für eine wirklich runde Lösung in der Medientechnik bereitgestellt werden.“

Drei Millionen für Medientechnik

Nachdem rund drei Millionen Euro in die neue Medientechnik geflossen sind, umfasst das Haus der Bayerischen Wirtschaft heute drei unabhängig voneinander zu bespielende Areale, die digital miteinander vernetzt sind:

  1. Eine „ConferenceArea“ im Erdgeschoss mit drei Konferenzsälen und dem Foyer mit einer 4×4-Monitorwand. Hier befindet sich auch das Herzstück des Konferenzzentrums – der Europasaal mit einer rund 45 Quadratmeter großen Panorama-Leinwand.
  2. Eine in sich abgeschlossene „MeetingArea“ im dritten Stock. Hier können neun Konferenzräume unterschiedlicher Größe genutzt werden, einer davon mit Videokonferenz- Anlage und ein anderer teilbar in drei Einzelräume. Zusätzlich gibt es hier einen zentralen Lounge-Bereich mit einer 2×2-Monitorwand.
  3. Die „ExecutiveArea“ im sechsten Stock des Hauses. Mit Blick über die Stadt kann man hier in einem Konferenzraum mit einer 3×3-Monitorwand tagen.

Eine besondere Herausforderung war es, die medientechnische Sanierung im Bestand durchzuführen. Die Räume wurden nacheinander angegangen, während in anderen Teilen des Hauses der Veranstaltungsbetrieb weiterlief. Beim Einbau der Technik wurde darauf geachtet, dass die einzelnen Stockwerke zwar unabhängig voneinander bespielbar sind, aber dennoch medientechnisch vernetzt sind, so dass im Rahmen von Großveranstaltungen bei Bedarf sämtliche Mediensignale auch auf beliebige Ausgabestellen in jedem Stockwerk geleitet werden können. Dabei sollen alle Inhalte in höchster unkomprimierter Qualität bis zu einer Auflösung von 4K möglichst latenzfrei übertragen werden. Um dies zu gewährleisten, entschieden sich die Münchner für eine Crestron Digital-Media-Installation. Digital Media erlaubt es über ein System aus Transmittern, Switchern und Receivern unkomprimierte 4K-Signale mit Frameraten bis zu 60 fps latenzfrei bis zu 100 Metern über ein Cat-Kabel zu übertragen.

4K latenzfrei durchs ganze Haus

Dies ist auch der Weg, auf dem die Videosignale innerhalb der Areas in den einzelnen Stockwerken gesendet werden. Alle Zuspieler und Ausgabegeräte sind über die Kreuzschienen miteinander verbunden, so dass jede Quelle auf jedem beliebigen Monitor oder Beamer im gesamten Haus ausgegeben werden kann. Zwischen den Stockwerken sind die Digital-Media-Komponenten über Glasfaser-Kabel verbunden, damit auf dem langen Weg vom Erdgeschoss bis in den sechsten Stock keine Latenzen auftreten. Da die Crestron 4K Fiber-Produkte direkt mit LWL-Signalen umgehen können, kann dieser alternative Weg ohne zusätzlichen Aufwand beschritten werden. Doch auch innerhalb der Stockwerke wurden in der Digital-Media- Installation parallel zu den Cat-Kabeln bereits zusätzlich Glasfaser-Kabel verlegt – ganz im Sinne einer vorausschauenden Installation, wie Wieser erläutert: „Die LWL-Verkabelung ist für uns Vorgriff auf zukünftige Ausbauten. Derzeit nutzen wir sie noch nicht. Aber bei den heutigen kurzen Innovationszyklen können die Erwartungen unserer Kunden schnell steigen.

Regieraum mit Blick auf Panorama-Leinwand im Europasaal
Regieraum mit Blick auf die Panorama-Leinwand im Europasaal (Bild: Markus Tischner)

Mit der flächendeckenden Glasfaser-Verkabelung können wir uns in Bezug auf steigende Bandbreiten-Anforderungen beruhigt zurücklehnen und unsere Infrastruktur im Bedarfsfall einfach und schnell anpassen.“ Neben Bewegtbildern können mit Digital- Media auch unkomprimierte Audiosignale wie Dolby Digital 7.1 oder sogar Dolby Atmos übertragen werden. Im Europasaal der Conference- Area im Erdgeschoss wird dies auch genutzt. Wenn ein entsprechendes Quellsignal zur Verfügung steht, kann hier Dolby 7.1-Ton ausgegeben werden.

Oberklasse-Medientechnik per App steuern

Die Mischung der verschiedenen Zuspielerund Sprecher-Signale erfolgt für den Europasaal im Regieraum über das digitale 72-Kanal-Mischpult CL-5 von Yamaha. Für die anderen Konferenzsäle gibt es noch zwei mobile CL-1- Konsolen. Diese werden im Bedarfsfall eingesetzt, wenn dort aufwändigere Audio-Pegelungen benötigt werden. Im Standardfall wird dort jedoch die gesamte Medientechnik über die Crestron-Touchpanels bedient, die in jedem Konferenzsaal fest in der Wand installiert sind. Neben der Medientechnik können mit den Crestron-Wandscreens in jedem Raum auch Licht, Jalousien und Klimatisierung gesteuert werden. Weitere mobile Panels werden nicht benötigt. Denn die Mitarbeiter des hbw ConferenceCenters nutzen die Crestron Mobil-App und bedienen das System mit ihren Tablets.

Ebenfalls mit dem Tablet können auch alle drei Yamaha-Mischpulte bedient werden. Mit der kostenlosen Yamaha-App „Stagemix“ können viele Mischpult- Parameter via WLAN gesteuert werden. Diese Fernsteuer- Möglichkeit ist extrem praktisch für den „Ein-Mann-Betrieb“. Denn so ist es zum Beispiel möglich, den Bühnensound direkt vor Ort einzupegeln. Wiedergegeben wird der Ton über Aktiv-Lautsprecher von Meyer-Sound. Als Front-Lautsprecher kommen 4 UPJ zum Einsatz, die mit ihrer weißen Lackierung, trotz ihrer Größe, angenehm unauffällig daherkommen. Die zehn UPA Surround-Lautsprecher und die zwei X800 Subwoofer sind komplett in der Wand integriert und werden optisch so gut wie gar nicht wahrgenommen.

Die Beschallung für Sprecherton ist so konfiguriert, dass der Mikrofon-Sound standardmäßig von den neun Decken-Lautsprechern unterstützt wird. So werden Gespräche homogener über den Raum verteilt und sind besser verständlich. Dabei wird der Ton über einen Soundweb London BLU-806DA Signalprozessor verarbeitet. Auf Basis der Raumtiefe werden hier die korrekten Delays für die einzelnen Raumbereiche errechnet, so dass die Beschallung für alle Zuschauer als angenehm empfunden wird. In den kleineren Konferenzräumen wird der Ton Stereo über jeweils zwei Meyer-Sound UPM ausgegeben. Das Foyer erhielt aufgrund seiner Länge eine zweite Delay-Reihe für die hinteren Zuschauer.

Automatisierte Raumbelegungs-Anzeige
Automatisierte Raumbelegungs-Anzeige (Bild: Markus Tischner)

Für die Sprecher hält das hbw acht Funk-Tischsprechstellen aus der Sennheiser Evolution Wireless (EW)-Serie bereit. Wer mehr Bewegungsfreiheit für Vortragende benötigt, kann aus jeweils acht Lavalier- Kopfbügel- oder Handmikrofone zurückgreifen – ebenfalls aus der Sennheiser EW-Serie.

Für mehrsprachige Konferenzen sind vier Dolmetscherkabinen mit je zwei Bedienpulten aus der Bosch DCN-Serie vorhanden. Mit 75 Diskussions-Sprechstellen aus der gleichen Serie können auch große mehrsprachige Runden gehandelt werden. Die Übersetzungen gelangen dann via Infrarot zu den 250 Übersetzungsempfängern, die an die Zuhörer ausgeteilt werden.

Variable Panorama-Leinwand

Beim Betreten des Europasaals fällt sofort die große Panorama-Leinwand ins Auge. Die gebogene Projektionsfläche ist eine Sonderanfertigung der Firma Gerriets. Mit fast 14 Metern Breite und rund 3,45 Metern Höhe besteht sie aus fünf einzelnen Rahmen-Paneelen mit Breiten von rund 2,50 Metern, die nahtlos nebeneinander hängen, so dass der Eindruck einer durchgehenden Fläche entsteht. Trotz ihrer Größe ist sie so flexibel einsetzbar, dass man im Raum vollkommen unterschiedliche Stimmungen erzeugen kann. Oberhalb der Leinwand wurde ein eigener Technikraum errichtet, in dem die rund 200 kg schweren Paneele getrennt von fünf Hebestationen nach oben gehoben werden können.

Im Saal verschließen dann bündig mit der Decke eingelassene Klappen den Leinwand-Schlitz, so dass man nichts von der Projektionstechnik ahnt. Die Paneele können jedoch nicht nur im Gesamten nach oben gehoben werden. Es ist auch möglich, einzelne Paneele hochzufahren und die verbleibenden über eine Gleitschiene händisch seitlich zu verschieben. So ist es beispielsweise möglich, ein Bühnenbild aufzubauen, das einen zentralen Sprecher links und rechts mit zwei – immer noch sehr großen – Projektionsflächen flankiert.

Europasaal mit flexibler Panorama-Leinwand
Der Europasaal mit einer Panorama-Leinwand, die sich bei Bedarf flexibel aufteilen lässt. (Bild: hbw)

Bespielt wird die Leinwand von drei Panasonic DZ 21 KE-Projektoren. Mit ihren jeweils 20.000 Lumen leuchten die „Drei-Chipper“ die Leinwand auch ohne Abdunkelung gut aus. Damit bei der Panorama-Projektion ein nahtloses Bild erscheint, werden die drei Projektorbilder über die 4K-fähige Bildmischzentrale Ascender 48 – 4K – PL des Herstellers Analog Way zusammengerechnet. Der Ascender hat zwölf Eingänge und vier Ausgänge, die beliebig skalierbar sind. Drei Ausgänge gehen davon immer auf die Panorama-Leinwand. Der vierte Ausgang wird in der Praxis ganz unterschiedlich genutzt. Oft ist es so, dass bei Vorträgen das Live-Bild der Panorama-Projektion als Gesamtbild auf einen Vorschaumonitor für den Vortragenden oder als Zweit- Projektion auf die 4×4-Monitorwand ins Foyer geroutet wird. Bei Podiumsdiskussionen kann auf zwei 46“-Monitoren auf dem Boden ebenfalls das Projektions-Signal für die Podiums- Teilnehmer gezeigt werden. Wenn es auf die exakte Einhaltung von Redezeiten ankommt, erhält der Vortragende auf seinen Vorschau- Monitor ein Timer-Signal, das ihm genau anzeigt, wie viel Restzeit er noch für seine Rede hat.

Europasaal mit flexibler Panorama-Leinwand
(Bild: hbw)

Bildmischung via Browser

Die Ascender-Steuerung ist sehr komfortabel und intuitiv über eine browserbasierte Bedienoberfläche zu konfigurieren. Auf der Panorama- Projektion können bis zu sechs virtuelle Projektions-Ebenen definiert und beliebig platziert werden. Dabei können neben Live- Signalen auch gespeicherte Medien-Inhalte sehr einfach in den virtuellen Projektions-Ebenen wiedergegeben werden. Hierfür kann man vorher erstellte Medien – wie Logos, Hintergrundbilder oder Videoschleifen – in einem Medienpool in der Ascender-Bedienoberfläche speichern. Diese müssen dann lediglich per Drag & Drop auf die gewünschte virtuelle Projektions- Ebene gezogen werden. Wenn man sein gewünschtes Projektions-Layout mit allen virtuellen Projektions-Ebenen und Medien- Inhalten definiert hat, kann man dieses als Preset abspeichern und jederzeit aufrufen. So konnten auch mit wenigen Handgriffen Presets für die unterschiedlichen Leinwand- Konfigurationen erstellt werden. Für das Leinwand-Layout mit zwei Projektionsflächen links und rechts des Sprechers, werden dabei schlicht zwei virtuelle Projektionsflächen im Bildmischer aufgezogen und dann passgenau auf die zwei Leinwände gelegt. Dank des Soft- Edge-Blendings braucht man sich hier nicht mit Ausrichtearbeiten der Projektoren plagen.

Europasaal und Foyer
(Bild: hbw)

Denn auch bei zwei einzelnen Leinwand-Projektionen bleiben immer alle drei Projektoren an und so können die Überschneidungsbereiche der Projektoren auch direkt durch die Leinwände gehen, ohne dass diese sichtbar wären. Dabei ist der ständige Dreierbetrieb der Projektoren nicht nur praktisch, sondern notwendig. Denn so bleibt die Lampen-Laufzeit aller Beamer gleich – eine im professionellen Soft-Edge- Blending-Betrieb wichtige Randbedingung. Denn bei allzu unterschiedlichen Lampen- Laufzeiten der drei Projektoren würde das Risiko entstehen, dass es im Laufe der Zeit zu sichtbaren Helligkeits-Unterschieden im Blending- Bereich kommt.

Europasaal und Foyer lassen sich in verschiedene Lichtstimmungen tauchen. (Bild: hbw)

Bei aufwändigen Veranstaltungen kommt es häufig vor, dass man während des Events die Projektionsfläche immer wieder ändert. Für das schnelle Umschalten zwischen einzelnen Projektions-Layout-Presets kommt im hbw ConferenceCenter die Analog Way Shotbox2 zum Einsatz. Mit 76 frei belegbaren Tastern kann man hier sekundengenau auf Knopfdruck das Projektions-Layout wechseln – eine große Hilfe für den Techniker im Regieraum, wenn das Leinwand-Layout während einer Veranstaltung schnell und oft gewechselt werden muss. Flexibilität und eine einfache Bedienbarkeit war ein wichtiges Auswahlkriterium bei der Anschaffung der Bildmischzentrale, wie auch den anderen Komponenten: „Unser Technik-Team besteht aus drei Mitarbeitern mit unterschiedlichen Know-how- Schwerpunkten in den Bereichen Audio, Video und Licht. Uns war und ist es sehr wichtig, dass jeder die Infrastruktur in allen drei Fachbereichen gleich gut bedienen kann. Mit der intuitiven Oberfläche des Analog Way-Systems konnten wir uns alle sehr schnell anfreunden, was uns die Entscheidung letztendlich sehr erleichtert hat“, erläutert Marcus Ludwig, Technischer Leiter des hbw ConferenceCenters, den Auswahl-Prozess.

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