Nachhaltigkeit

Road to Zero: Wie setzt Sony die Kreislaufwirtschaft um?

Ein neues Produkt bedeutet immer, dass dafür neue Ressourcen genutzt werden müssen. Seien es Kunststoffe, Metalle, Holz oder Baumwolle. Hinter neuen Ressourcen steckt oft ein enormer Energie- und Wasserbedarf. In Zeiten, in denen Energie und Wasser kostbarer und Produkte kurzlebiger werden, ist es daher wichtig, bereits genutzte Ressourcen erneut zu verwenden. Das Ziel ist die Kreislaufwirtschaft. Sony setzt hier erste Maßstäbe für die Branche.

Grafik von Menschen, die Kreislaufwirtschaft darstellen sollen in metaphorischer Wolke(Bild: Shutterstock)

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Inhalt dieser Case Study:


Der weltweite Ressourcenbedarf nimmt jedes Jahr zu. So werden nach Aussage von Prof. Dr. Henning Wilts, Leiter der Abteilung Kreislaufwirtschaft am Wuppertal Institut, in einem Interview des Deutschlandfunks aktuell bei­spielsweise 20–25 Millionen Tonnen Kupfer pro Jahr verbraucht. In einigen Jahrzenten sollen es dann sogar 70–100 Millionen Tonnen sein. Kupfer ist ein Metall, das u.a. wegen seiner hohen Leitfähigkeit in elektronischen Produkten zum Einsatz kommt. Wenn man bedenkt, dass elektronische Produkte in immer mehr Bereichen Einzug halten, bekommt man ein Gespür dafür, was hinter einer Zahl von aktuell fast 25 Millionen Tonnen Kupfer pro Jahr stecken kann. Hinter dem fertig gewonnen Kupfer ver­bergen sich große Minen, die für sich bereits eine große Belastung für die Umwelt sind. Hinzu kommen die chemischen Abwässer, die von der Gewinnung zurückbleiben. Kurz um: Rohstoffbedarf ist eine große Umweltbelastung. Und dies waren nur die Zahlen für Kupfer. In elektronischen Produkten stecken noch viel mehr Metalle, Kunststoffe oder seltene Erden.

Landschaftsbild Schwedischer Kupfermine
Schwedische Kupfermine: Das Landschaftsbild ist stark geprägt von den Auswirkungen dieser Kupfermine in Schweden. (Bild: Sony)

Gleichermaßen sinkt die Nutzungsdauer von elektronischen Geräten. Laut Umweltbundesamt sankt diese von früheren 13 Jahren auf knappe 5 Jahre im Durchschnitt. Hier muss zwischen profes­sionellen und privaten Geräten unterschieden werden. Dennoch holt auch den professionellen Bereich eine rasante Entwicklung neuer Technolo­gien ein. Eine Rolle in der Nutzungsdauer spielt hierbei auch die Qualität der Produkte. Von denen vom Umweltbundesamt untersuchten Geräte wie­sen fast 10% innerhalb der ersten 5 Jahren einen Defekt auf. Es gibt also einmal eine stärkere Nach­frage und gleichzeitig einen höheren „Verbrauch“ weil Produkte nicht mehr funktionieren. Hinzu kommt, dass neue Produkte oft günstiger als eine Reparatur sind.

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Recycling als Lösungsansatz

Die vollständige Kreislaufwirtschaft ist in dieser Spirale von Qualität und Bedarf das ideale Ziel. In der Theorie wird dabei jedes Material aus den bestehenden Produkten gewonnen und direkt für neue Produkte genutzt. Aus einem defekten Bildschirm also wieder ein neuer Bild­schirm? Ganz so einfach ist es in der Praxis leider nicht. Während beispielsweise das System im Bereich der Pfand­flaschen eine hohe Optimierung erfahren hat, hakt es im Bereich der elektronischen Produkte. Noch immer werden viel zu wenige Produkte wirklich recycelt – andere werden erst gar nicht „entsorgt“. Laut dem Reportmagazin GEO existieren Stand 2022 circa 210 Millionen ungenutzte Smartphones in Deutschland. Die darin enthaltenen Stoffe könnten für neue Produkte genutzt werden. Solange sie an offiziellen Stellen abgegeben werden und die Produkte auch so gestaltet sind, dass sich die Komponenten gut weiterverarbeiten lassen. Die Neugewinnung der notwen­digen Materialien für neue Smartphones könnte damit verringert werden.

Alte Smartphones und andere Mobiltelefone
Wertvolle Rohstoffe: 210 Millionen ungenutzter Smartphones allein in Deutschland (Bild: Freepik.com)

Aber nicht jeder Werkstoff lässt sich problemlos bzw. unendlich oft weiterverwenden. Es gibt Grenzen: Im Pfandsystem werden aus alten Kunststoffflaschen zu einem Drittel u.a. Textilstoffe oder Waren aus billigerem Plastik hergestellt. Ein Recycling wird hier auch oft durch die Mischnutzung verschiedener Kunststoffe erschwert. Bei z.B. Papier ist bereits nach 10–25 Mal Recycling Schluss. Wobei auch hier aus Altpapier kein reines weißes Blatt entsteht. Ziel der Kreislaufwirtschaft ist es, Rohstoffe so lange wie möglich zu nutzen bzw. sie beliebig oft wieder in den Kreislauf der Produktion zurückzuführen. Und ge­nau hier stecken die Schwierigkeiten.

Ein Berg zerquetschter Einweg-Pfandflaschen
Recycling-Beispiele aus dem Alltag: Die Einweg-Pfandflasche. Sie wird nahezu vollständig recycelt zu einer neuen Flasche. Nur ein geringer Teil wird zu Produkten geringerer Qualität. (Bild: Freepik.com)

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Ziele trotz Hürden

Es gibt also einige Hürden auf dem Weg zur vollständigen Kreislaufwirtschaft. Umso erfreulicher ist es, dass an vielen Stellen daran geforscht wird, Materialien herzustellen, die nach dem Recycling nahezu vollständig wieder hergestellt werden können, da sie kaum an Qualität verlieren. So arbeitet beispielweise Sony an einem Kunststoff namens SORPLAS. Dieser wird aus alten Kunststoffflaschen sowie aus von Partnerunternehmen bereitgestellten alten CDs gewonnen. Diese Materialien werden zunächst zerklei­nert, geformt und für neue Produkte schließlich wieder verwendet. Anteil daran hat auch ein hierfür entwickelter Flammenhemmer, der diesen fast verlustfreien Vorgang ermöglicht. Damit konnte der Anteil von recycelten Kunststoffen von 30% auf bis zu 99% gesteigert wer­den. Zum Einsatz kommt dieser Kunststoff bereits in rück­seitigen Bauteilen von Sony-Bildschirmen, Kameras, in stabilen Koffergehäusen sowie für diverse Innen­bauteile. Der Neukunst­stoffanteil verringert sich somit auf 27%. Dies ist der beste Weg, um den Ressourcenverbrauch zu senken und somit bei der Entwicklung des Produkts bereits an seine weitere Verwendung nach Ende der Nutzungsdauer zu denken. Es spart Material und Energie.

Links eine CD und rechts eine zerkleinerte CD
Recyclingkunststoff SORPLAS: Ein Bestandteil für den Recyclingkunststoff SORPLAS sind alte CDs, die geschreddert werden. (Bild: Sony)

Darüber hinaus ist Sony auch in anderen Bereichen tätig. So konnte der Ge­brauch von Plastikverpackungen für Produkte insgesamt um über 15% gesenkt werden. Der Be­darf an frischem Neuplas­tik wurde insgesamt um 3,1% gesenkt und durch recyceltes Plastik ersetzt. Diese Aktivitäten zeichnen sich auch in der Unterstützung des One Blue Ocean Projekts aus, dass mit einer globalen Gemeinschaft das Bewusstsein für ein umweltfreundliche­res Handeln mit den Ozeanen fördert. Sony arbeitet auch verstärkt daran, Chemikalien in Rohstoffen und Produk­ten zu reduzieren. Dies zeigt sich auch in verschiedenen externen Bewertungen. So hat beispielweise das CDP (Carbon Disclosure Project) Sony mit dem höchsten A-Rating bewertet sowie zum führenden Unterneh­men für das Engagement im Bereich nachhaltige Lieferkette ernannt.

Partielle Kreislaufwirtschaft bei Sony auf Grafik dargestellt
Partielle Kreislaufwirtschaft bei Sony: (1) Zerkleinern, (2) Formen, (3) Nutzung in Produkten, (4) Flaschen und CDs werden geliefert (Bild: Sony)

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Sony und die „Road to Zero“

Road to Zero Sony Logo
Road to Zero: Bis 2040 setzt sich SONY das Ziel der vollständigen Klimaneutralität. (Bild: Sony)

Das aber wohl größte Ziel, welches sich Sony gesetzt hat, ist eine Kli­maneutralität bis 2040. Dies wird als „Road to Zero“ bezeichnet. Ursprünglich sah dieses Programm vor, bis 2050 den ökologischen Fußabdruck des Unternehmens auf null zu reduzieren. Mit dem weltweiten Ziel, die Klimaerwärmung auf maximal 1,5°C zu begrenzen, wurden aber auch hier die Maßnahmen im Mai 2022 verschärft. Im Detail sieht dies vor, alle fünf Jahre mit­telfristige Umweltziele festzulegen. Wie zum Beispiel alle Emissionen aus Scope 1 und 2 bis 2030 vollständig zu eliminieren. Folglich sollen alle Energien aus 100% erneuerbaren Quellen stammen. Konkrete Ziele, an denen sich Sony in den kommenden Jahren messen lassen wird.

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Technologie als Baustein

Ein Mittel, um diese Ziele zu erreichen, ist Künstliche In­telligenz. So wird seit 2021 in der Bildsensorproduktion eine KI-gestützte Steuerungstechnik verwendet, die die Kühlung im Reinraum kontrolliert und die Rückführung von Abwärme der Produktionsanlagen optimiert. So konnten im Ver­gleich zu den Vorjahren ganze 30% Energie eingespart werden. Neben der Einsparung – welche das erste Ziel sein sollte – forscht Sony auch an Projekten, die Kohlenstoff aus der Atmosphäre wieder binden sollen. Diese Art der Kohlen­stoffabsorption ist bislang noch sehr Energieaufwendig und dadurch nicht rentabel. Daher liegt der Fokus darauf, sparsame Technologie zu entwickeln. Eine Entwicklung, die Sony auch für seine Produkte im Allgemeinen vor­sieht, da bisher noch der größte Anteil im Scope 3 und somit bei der Nutzung seiner Produkte liegt.

Alle Maßnahmen von Sony werden in die Kategorien Klimawandel, Ressourcen, chemische Substanzen und Biodiversität zusammengetragen. Alle vier Säulen werden sich in den nächsten Jahren durch die festgelegten Ziele der Klimaneutralität bis 2040 messen lassen. Damit wird Sony sein Streben glaubwürdig untermauern können. Es zeigt sich aber schon jetzt, wie sich einzelne Sofort­maßnahmen mit Technologie und Fortschritt kombinieren lassen, um das bestmögliche Ziel zu erreichen. Und auch die Kreislaufwirtschaft ist Bestandteil davon. Mit ihr wer­den sich langfristig einige Ressourcen einsparen lassen. Die weiteren Entwicklungen von Materialien und Technologien werden hier der Schlüssel sein. Bis zum Schluss muss nur noch der Wille existieren, diese Wege auch zu gehen. Sony zeigt, wie es funktionieren kann. Es bleibt spannend!

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Über Scope 1, 2 und 3

Scope 1, 2 und 3 sind die drei Kategorien, in denen all­gemein Emissionen aus Prozessen und Ressourcen, die für die Herstellung eines Produkts oder Dienstleistung entstehen, unterteilt werden. Scope 1 fasst alle direkt beeinflussbaren Emissionen zusammen. Dazu zählen zum Beispiel alle Energieträger (Öl, Gas) oder Hochöfen, aber auch Emissionen von Fahrzeugen. Scope 2 nennt man auch indirekte, aber noch beeinflussbare Emissionen wie z.B. eingekaufter Strom. In Scope 3 fallen alle in der weiteren Lieferkette entstehenden Emissionen (Trans­port von Drittfirmen, Zulieferer, Investments) und solche, die durch die Nutzung eines Produktes entstehen (Stromverbrauch, wenn der Kunde das Produkt nutzt).

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Über CDP – Carbon Disclosure Project

CDP(Bild: CDP Europe)CDP ist eine Non-Profit-Organisation, die Anhand von Befragungen Da­ten von Firmen aber auch Gemeinden erhebt, die sich auf die Produk­tion von Treibhausgasen und den Was­serverbrauch beziehen. Mit diesen Daten verhilft sie zu mehr Transparenz, aber auch Unternehmen, Schwachstellen aufzudecken. In Deutschland haben über die Hälfte aller DAX notierten Unternehmen an der Erfassung teil­genommen. Die besten Unternehmen dieser Bewertung werden aus­gezeichnet.

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Web-Links

>> Mehr über SORPLAS hier.

>> Mehr zu Sony Corporate Sustainability hier.

>> Sonys Nachhaltigkeitsbericht 2022

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