Test und Messungen

Powersoft Mezzo 604AD im Praxistest

In der Medientechnik werden an vielen Stellen Verstärker benötigt: Das kann eine einfache Sprachbeschallung sein, für die Musikübertragung im Vorder- oder Hintergrund oder auch für Multimediasysteme mit Bild und Ton. Um die angeschlossenen Lautsprecher optimal nutzen und anpassen zu können, gibt es zudem häufig den Wunsch, neben der eigentlichen Verstärkung auch Filter oder andere Funktionen zur Signalbearbeitung wie Kompressoren, Limiter etc. einsetzen zu können.

Powersoft Mezzo 604AD Frontansicht(Bild: Anselm Goertz)

Inhalt dieses Praxistests:

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Ein weiterer und immer wichtiger werdender Aspekt für die Anwender ist die Möglichkeit der Vernetzung via Ethernet: Von einer zentralen Stelle aus können ohne direkten Zugriff auf die Hardware alle Gerate eingestellt und überwacht werden. Da auch die Zuspielung der Audiosignale meist nicht nur lokal geschieht, sondern als eine Auswahl aus vielen Quellen, ist der weitere Schritt zur Audioübertragung via Netzwerk dann nicht mehr so groß. So oder ähnlich konnte die Einleitung zu vielen von uns getesteten, kompakten 9,5″-Verstarkern lauten, die mit dem aktuellen Boom für AV-Ausstattungen in Konferenzraumen sehr gefragt sind. Der bekannte italienische Endstufenhersteller Powersoft hat sich jetzt auch dieser Produktgruppe angenommen und startet direkt mit acht Modellen in die neue Mezzo-Serie.

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Mezzo-Serie

Das für uns trotz der angespannten Ressourcen-Situation verfügbare Mezzo 604AD bietet eine Gesamtleistung von 600 W, hat vier Kanale und kann die Audiosignale sowohl analog wie auch per Netzwerk entgegennehmen. Diese Eigenschaften sind allesamt so auch in der Typenbezeichnung wiederzufinden. So lassen sich dann auch Leistung und Ausstattungen der anderen Modelle leicht entschlüsseln. Die Unterschiede liegen in der Kanalzahl mit zwei oder vier Kanale, der Gesamtleistung mit 320 W oder 600 W und in der Ausstattung mit ausschließlich analogen Eingängen oder mit der zusätzlichen Möglichkeit, Signale über ein Dante-Interface zuspielen zu können.

Alle Mezzo-Modelle sind mit einem DSP-System ausgestattet, das sich entweder für einfache Funktionen und Anwendungen automatisch konfiguriert oder über die bekannte Powersoft-Software Armonia Plus bedient werden kann. Bei der Software steht einem das auch von den großen Powersoft-Verstärkern bekannte Signal-Processing, hier in etwas reduzierter Form, zur Verfügung, mit dem sich auch komplexe Aufgaben bearbeiten lassen. Die Endstufen in den Mezzo-Verstärkern eignen sich unabhängig voneinander sowohl für den Low-Z-Betrieb wie auch für Systeme auf 25 V, 70 V oder 100 V. Bei der Konfiguration im Automatikmodus messen die Endstufenkanale zunächst die Impedanz der angeschlossenen Lautsprecher und stellen dann darauf basierend die maximal Ausgangsspannung ein. Wie das im Detail geschieht und wie exakt die Einstellungen dann passen, wird leider nicht naher erläutert.

Powersoft Mezzo 604AD Rückansicht
Rückseite des Mezzo 604AD mit Dante-Netzwerk-Interface und vier analogen, symmetrischen Linepegel-Eingängen (Bild: Anselm Goertz)

Interessant werden die Mezzo-Verstärker jedoch vor allem dann, wenn man über die Armonia-Software auf den DSP zugreifen kann.

Alle Modelle der Mezzo-Serie verfügen über eine Ethernet-Schnittstelle, die bei den Dante-Modellen um eine zweite Netzwerkbuchse und einen internen Switch erweitert ist. So lassen sich die beiden Netzwerkanschlüsse entweder unabhängig voneinander im Split-Modus für die Steuerung und für das Dante-Netzwerk verwenden oder kombiniert, wo dann die zweite Buchse über den Switch zum Anschluss weiterer Geräte im Daisy-Chain-Modus genutzt werden kann. Alle Modelle verfügen über symmetrische analoge Eingange mit Euroblock-Anschlüssen für Signalpegel bis maximal +18 dBu und zwei unsymmetrische Hilfseingange über eine Mini-Klinkenbuchse. Die zwei bzw. vier Ausgange sind ebenfalls mit Euroblock-Anschlüssen ausgeführt, wie es bei Geraten für Festinstallationen üblich ist. Für den Anschluss einfacher externer Pegelsteller können an vier GPIO-Eingängen 10-kΩ-Potentiometer zwischen +5 V und Masse angeschlossen werden. Beides findet sich ebenfalls an der Anschlussleiste.

Für die Montage der kompakten 9,5″-Gerate stehen diverse Hilfsmittel zur Verfügung, mit denen die Mezzos entweder allein oder paarweise in ein 19″-Rack eingesetzt oder auch direkt unter Tischplatten oder Pulten montiert werden können. Zu beachten ist dabei, dass die 600-Watt-Modelle über Lüfter gekühlt werden, die bei hoher Last deutlich hörbar sind. Die 320-W-Modelle sind dagegen rein passiv gekühlt und können daher auch an sensiblen Stellen eingebaut werden.

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Endstufenkonzept mit Power Sharing

Die vier bzw. zwei Endstufenkanale in den Mezzos arbeiten nach dem Prinzip des Power Sharings. Die Kanale teilen sich die Leistung eines Netzteils, wobei jede einzelne Endstufe von ihrer eigenen Leistungsfähigkeit das Netzteil vollständig auslasten konnte. Die vierkanalige 604AD kann daher mit 4 . 150 W, mit 2 . 300 W oder auch mit 1 . 600 W genutzt werden. Im Gegensatz zu einigen anderen vierkanaligen Endstufen müssen dafür jedoch keine Kanale gebrückt oder parallelgeschaltet werden. Das Power Sharing kann daher auch dynamisch erfolgen. Wenn so z. B. zwei Kanale nur auf kleiner Leistung arbeiten, steht für die beiden anderen mehr Netzteilkapazität bereit. Die maximale Ausgangsspannung der Endstufen betragt 142 Vpk, womit auch 100-V-Systeme im Direct Drive betrieben werden können.

Netzteil in der Mezzo 604AD
Netzteil in der Mezzo 604AD mit zwei kleinen Lüftern und einem interessanten Kühlprofil zur Vergrößerung der wirksamen Oberfläche (Bild: Anselm Goertz)

Diese maximale Ausgangsspannung steht grundsätzlich immer zur Verfügung. Alle Begrenzungen seitens der Endstufen erfolgen nur über eine Strombegrenzung, die einen maximalen Ausgangsstrom von 15,6 Apk zulasst. Um 25-V- oder 70-V-Systeme vor einer Überlastung zu schützen, kann über die Armonia-Software ein Spannungslimiter eingestellt werden, der das Überschreiten einer definierten Ausgangsspannung sicher verhindert. In der Armonia-Software benutzt man dazu den vorausschauend arbeitenden Clip-Limiter. Alternativ kann dieser auch über einen Taster auf der Ruckseite des Gerätes pauschal für alle Kanale eingestellt werden. Werden die Mezzo-Verstärker mithilfe der automatischen Konfiguration eingestellt, dann wird versucht, die Limiter-Werte aus der Impedanzmessung abzuleiten, was aber nur dann korrekt funktionieren kann, wenn die Summe der Leistungen aller angeschlossenen Lautsprecher auch der maximalen Leistung des Verstärkers entspricht. Ebenfalls aus der Impedanzmessung abgeleitet wird die Eckfrequenz eines Hochpassfilters, um Lautsprecher und Überträger nicht mit tieffrequenten Signalanteilen zu überlasten.

DSP- und Dante-Platine mit Audinates Chip Ultimo X4
DSP- und Dante-Platine mit Audinates Chip Ultimo X4 (Bild: Anselm Goertz)

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Messwerte

Bei Verstärkermessungen beginnt man, ähnlich wie bei Lautsprechern, auch mit dem Frequenzgang. Hier allerdings weniger, um den Frequenzgang als solches zu beurteilen, der ja in der Regel völlig gerade ist, sondern um die Verstärkung und möglich Hoch- und Tiefpassfilter im Signalweg zu erfassen. Misst man den Frequenzgang dann auch noch mit verschiedenen Lastwiderstanden, dann lassen sich daraus auch noch die Lastabhängigkeit und der Dampfungsfaktor ermitteln. ABB. 1 zeigt die Frequenzgange des Mezzo 604AD für Lasten von 2, 4, 8 und 16 Ω und für den Leerlauf. Die Kurven unterscheiden sich nur minimal. Das Gain betragt 35,5 dB und die Eckfrequenzen liegen am unteren Ende bei ca. 10 Hz und am oberen Ende bei ca. 23 kHz. Letzteres bedingt durch die Abtastrate des DSP-Systems von 48 kHz. Die Latenz betragt 1,75 ms bei Nutzung der analogen Eingange. Aus den Kurven im Leerlauf und an einer 8-Ohm-Last ergeben sich auch die Kurven für den Dampfungsfaktor aus ABB. 2. Die etwas unterschiedlichen Werte für die beiden exemplarisch gemessene Kanale können sich schon durch kleine Kontaktwiderstande an den Lautsprecherklemmen ergeben und sind in der Praxis nicht weiter relevant.

ABB. 1: Frequenzgänge gemessen mit verschiedenen Lasten von 2, 4, 8 und 16 Ω und bei Leerlauf. Der Kurvenverlauf bleibt unabhängig von der Last perfekt gerade.
ABB. 2: Dämpfungsfaktor exemplarisch für zwei Kanäle gemessen, bezogen auf eine 8-Ω-Last. Die unterschiedlichen Werte können sich schon durch kleine Kontaktwiderstände an den Lautsprecherklemmen ergeben.
ABB. 3: FFT-Spektrum des Ausgangssignals gemessen mit 2,5 MHz Samplerate. Bei 1 kHz erkennt man das Nutzsignal. Reste der PWM-Schaltfrequenz finden sich bei 240 kHz und den ganzzahligen Vielfachen.
ABB. 4: FFT des Störsignals an den Ausgängen des Mezzo 604AD. Der Störpegel beträgt auf allen vier Kanälen –63 dBu bzw. –66 dBu mit A-Bewertung. Dem gegenüber steht eine maximale Ausgangsspannung von 85 Vpk an einer Last von 4 × 8 Ω. Daraus berechnet sich ein guter S/N von knappen 104 dB mit A-Bewertung. Bei Nutzung der Dante-Eingänge verbessert sich der Wert nochmals um 2 dB.

Eine weitere schnelle Messung bei Class-D-Verstärkern ist die FFT-Analyse des Ausgangssignals mit einer sehr hohen Abtastrate. ABB. 3 zeigt eine solche Messung mit einer Abtastrate von 2,5 MHz, dem höchsten Wert, der mit einem APx555 möglich ist. Bei dieser Art der Messung werden sowohl die Class-D-Schaltfrequenz wie auch mögliche Störungen innerhalb und auch außerhalb des Audiofrequenzbereiches sichtbar. Für die Messung in ABB. 3 wurde zusätzlich ein 1-kHz-Nutzsignal eingespeist. Die Amplitude des Nutzsignals am Ausgang betrug bei dieser Messung 6 V. Gut zu erkennen ist die PWM-Schaltfrequenz bei 240 kHz und deren ganzzahligen Vielfache.

Der an den Ausgängen des 604AD zu messende Störpegel betragt –63 dBu unbewertet und –66 dBu mit A-Bewertung. Das FFT-Spektrum des Störsignals in ABB. 4 zeigt dazu nur gleich verteiltes Rauschen ohne monofrequente Anteile. Setzt man dazu die maximale Ausgangsspannung an einer Last 4 . 8 Ω von 85 Vpk in Relation, dann ergibt sich daraus ein S/N (Störabstand) von guten 104 dB mit A-Bewertung.

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Verzerrungswerte

Als Verzerrungsmessungen zeigt ABB. 5 die Werte für THD+N in Abhängigkeit von der Ausgangsleistung, gemessen bei Frequenzen von 100 Hz, 1 kHz und 6,3 kHz für eine Belastung mit 4 . 8 Ω bei gleichzeitigem Betrieb aller vier Kanale. Die Kurven für 100 Hz und 1 kHz fallen zugig unter die Linie von –70 dB und verbleiben auch auf diesem Niveau bis zur Clip-Grenze bzw. bis zum Einsatz des Limiters bei ca. 80 W pro Kanal. In der Grafik laufen die Kurven danach zurück zu kleineren Leistungswerten hin, was ebenfalls auf den Limiter zurückgeht, der bei einem konstant anliegenden Sinussignal die Leistung noch weiter reduziert. Etwas abweichend im Verlauf und mit höheren Verzerrungswerten verhalt sich die bei 6,3 kHz gemessene Kurve, die bis auf -55 dB ansteigt. Werte in dieser Größenordnung sind keine Spitzenwerte, aber auch keine Werte, bei denen man sich schon Gedanken über die Audioqualität machen musste.

Innenansicht des Mezzo 604AD
Innenansicht des Mezzo 604AD, rechts oben die DSP- und Dante-Platine (Bild: Anselm Goertz)

Schaut man im Klirrspektrum aus ABB. 6 auf die Zusammensetzung der Verzerrungen, dann sind das primär ungeradzahlige Oberwellen (k3, k5, …), die jedoch zu höherer Ordnung eine fallende Tendenz aufweisen und damit nicht ganz so kritisch zu bewerten sind. Die Klirrspektren aus ABB. 6 wurden für eine 8-Ohm-Last (grün) und für eine 4-Ohm-Last (rot) gemessen, wo man einen Anstieg bei 4 Ω deutlich erkennt. Es bleiben jedoch alle Linien mit Verzerrungskomponenten noch unterhalb der Marke –60 dB (0,1 %). Ebenfalls für Lasten von 8 Ω und 4 Ω wurden die transienten Intermodulationsverzerrungen in ABB. 7 gemessen. Hier wiederholt sich das Bild mit insgesamt zufriedenstellenden Werten und dem relativ großen Unterschied abhängig von der Last. Der sprunghafte Verzerrungsanstieg bei -10 dBu bzw. 7 dBu entsteht auch hier durch den Einsatz des Limiters.

ABB. 5: Verzerrungen (THD+N) inmAbhängigkeit von der Ausgangsleistung (x-Achse in W) an einer Last von 4 × 8 Ω; Messungen bei 100 Hz (- - -), 1 kHz (–) und 6,3 kHz (···)
ABB. 6: Klirrspektrum exemplarisch für Ch1 bei 4 x 50 W Leistung an einer 4×4-Ω(rot)- und an einer 4×8-Ω(grün)-Last. Alle Verzerrungskomponenten liegen unterhalb von –60 dB (0,1 %) und sind somit unkritisch.
ABB. 7: Transiente Intermodulationsverzerrungen (DIM100) in Abhängigkeit vom Eingangspegel gemessen an einer Last 4 × 4 Ω (blau, rot) und an 4 × 8 Ω (grün, magenta). Messung exemplarisch für Kanal 1 und 3. Der Verzerrungsanstieg bei –10 dBu bzw. 7 dBu entsteht durch den Einsatz des Limiters.

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DSP-System und Software Armonia Plus

Allen Powersoft-Endstufen ist gemeinsam, dass sie über die Software Armonia System Designer konfiguriert und überwacht werden können. Aktuell gibt es die Armonia-Software in der Version Armonia Plus 2.2, die alle Verstärkermodelle von Powersoft und eine große Bibliothek mit Lautsprecher-Setups enthalt. In der Auflistung wird dem Anwender auch direkt angezeigt, ob die hier angebotenen Setups direkt vom Hersteller der Lautsprecher kommen und damit autorisiert sind, oder ob diese von Dritten erstellt wurden. Neben den Funktionen für größere Netzwerke mit Verstärkern sind vor allem die Möglichkeiten zur Erstellung eigener Setups für beliebige Lautsprecher interessant. ABB. 8 zeigt dazu das Blockschaltbild der 604AD in der Armonia-Software, anhand dessen sich der Aufbau der Signalverarbeitung innerhalb des DSP-Systems gut nachvollzeihen lasst. Beginnend ganz links mit den Eingängen der Hardware, folgt danach die Eingangsmatrix, in der alle Eingange beliebig auf die Ausgangswege gemischt werden können. In den vier Kanälen folgende dann die User-EQs, die Speaker-Setups und die Ausgangsstufen mit Anzeige der Pegelverhältnisse und möglicher Limiter-Aktivitäten. In jedem dieser Blocke steckt eine Vielzahl von Funktionen. So z. B. in den Eingängen, wo zwischen bis zu vier Ebenen Prioritäten und Fallbacks definiert werden können. Für die Mezzo-Modelle konnten so z. B. lokale Zuspielungen über die analogen Eingange gegenüber denen aus dem Netzwerk via Dante untergeordnet werden.

Für die eigentlichen Speaker-Setups stellt der interne DSP pro Ausgangskanal (ABB. 9) je fünf parametrische EQs sowie je einen Hoch- und Tiefpass bereit. Gegenuber den „großen“ Powersoft-Endstufen mit viel mehr Filtern, FIR-Optionen und speziellen Raised-Cosine-Filtern ist der Funktionsumfang zwar deutlich reduziert, für die meisten Anwendung von Verstärkern dieser Art ist er aber völlig ausreichend.

Die Limiterfunktion in der 604AD ist dreistufig aufgebaut und bietet somit die Möglichkeit, detailliert auf die angeschlossenen Lautsprecher angepasst zu werden. Dazu gibt es zunächst einen RMS-Limiter, bei dem die Effektivwerte der Ausgangsspannung als Grenzwerte eingestellt werden. Der RMS-Limiter dient zum Schutz der Lautsprecher vor thermischer Überlastung und sollte mit langen Zeitkonstanten und eher konservativen Grenzwerten genutzt werden. Da Musik oder Sprache sehr dynamische Signale sind, droht im Normalfall kaum die Gefahr der thermischen Überlastung eines Lautsprechers. Kommt es jedoch mal zu einer Ruckkopplung oder einer extremen Übersteuerung, dann muss der RMS-Limiter mit sicheren Grenzwerten eingreifen können. Zusätzlich gibt es noch den Peaklimiter, der mit kurzen Zeitkonstanten die Spitzenwerte der Ausgangsspannung bewertet und je nach Einstellung Signalspitzen bis zu einer gewissen Dauer passieren lasst. Hier geht es primär darum, die angeschlossenen Lautsprecher vor einer mechanischen Beschädigung, z. B. das Einreißen der Membran oder Anschlagen der Schwingspule, zu schützen. Trotzdem gibt es auch immer wieder Falle, wo eine bestimmte Spannung, auch nicht für kurze Zeit, überschritten werden darf. Um das zu erreichen, gibt es dann noch den Cliplimiter, der vorausschauend agiert und alles oberhalb des Grenzwertes sicher abfangt. Eingestellt wird für den Cliplimiter der Grenzwert ebenfalls als Spitzenwert der Spannung. ABB. 10 zeigt dazu die Limiter-Einstellungen in der Armonia-Software.

In den Mezzo-Endstufen befindet sich das DSP-System zusammen mit dem Dante-Interface sowie den AD- und DA-Umsetzern auf einer separaten Platine oberhalb der Endstufen. Für die AD-Umsetzung werden zwei vierkanalige AKM AK5534 eingesetzt, bei denen je zwei ADCs im gestackten Modus arbeiten und so einen S/N von 125 dB möglich machen.

ABB. 8: Funktionsübersicht zur Endstufe 604AD in der Software Armonia Plus
ABB. 9: In Armonia Plus können komplette Filter-Setups für die Lautsprecher erstellt oder auch fertig aus einer Bibliothek geladen werden.
ABB. 10: Limiter mit separaten Parametern für einen RMS-, einen Peak- und einen Clip-Limiter (v.l.n.r.)

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Leistungswerte

Einen ersten Überblick über die Leistungsfähigkeit von Endstufen und Netzteil sowie der Power-Sharing-Funktion erhalt man mit einer einfachen Sinusburst-Messung. Die Endstufe wird dazu mit einem Sinussignal, hier bei 1 kHz mit einer Länge von 60 s, voll ausgesteuert. Typischerweise greift dann nach einigen Sekunden ein wie auch immer gearteter Limiter ein, der das Ausgangssignal auf eine Leistung begrenzt, die längerfristig abgegeben werden kann. Ein solches Verhalten findet sich bei mehr oder weniger allen modernen Endstufen, die so dimensioniert sind, dass kurzfristig sehr hohe Leistungen abgegeben werden können, die dann aber nicht dauerhaft zur Verfügung stehen. Für dynamische Signale wie Musik oder Sprache ist das absolut praxisgerecht, da hier keine Sinusleistung gefordert wird. Viel wichtiger ist es dagegen, die Signalspitzen unverzerrt übertragen zu können. Eine Ausnahme stellen diejenigen Endstufen dar, die in Anlagen zur Sprachalarmierung eingesetzt werden und den Anforderungen der EN54-16 genügen müssen, wo gefordert wird, dass die angegeben Leistung mit einem Sinussignal für mindestens 60 s erbracht werden muss.

Eine Sinusburst-Messung der 604AD im einkanaligen und im vierkanaligen Betrieb zeigt ABB. 11. Zu Beginn liefert die Endstufe eine sehr hohe Ausgangsspannung, die dann nach zwei Sekunden in einem ersten Schritt durch den Limiter reduziert wird. Nach ca. acht Sekunden folgt dann der zweite Schritt, wo der Limiter mit einem leichten Überschwingen die Ausgangsleistung auf den dauerhaft möglichen Wert reduziert. Bei nur einkanaliger Last erreicht die Ausgangsspannung jeweils den doppelten Wert der vierkanaligen Belastung, was der vierfachen Leistung entspricht. Zu Beginn wird kurzzeitig für 20 ms eine sehr hohe Ausgangsleistung von ca. 700 W im einkanaligen Modus und von 450 W pro Kanal vierkanalig erreicht, die dann zunächst auf 150 W bzw. 35 W reduziert wird und sich final auf einen Wert ca. 80 W in der Summe einpendelt. Das klingt nach wenig, passt aber gut zu den bei Musik und Sprache üblichen Verhältnissen zwischen Spitzenwerten und Dauerleistung.

Die nachfolgenden Diagramme aus ABB. 12 bis ABB. 14 zeigen die Leistungswerte der Mezzo 604AD für verschiedene Signaltypen mit Crestfaktoren von 3 dB für ein Sinussignal über 6 und 12 dB für Rauschsignale bis zu 16 dB für das CEA-Burst-Testsignal. Die Messungen erfolgten für Lasten von 1 . 8 Ω und für 4 . 8 Ω sowie einkanalig im 100-V-Modus an einer 16-Ω-Last, was einer Nennleistung im 100-V-System von 625 W entsprechen wurde.

ABB. 11: Ausgangsspannung des Mezzo 604AD für ein konstantes Sinussignal bei Nutzung nur eines Kanals mit einer Last von 8 Ω (rot) und aller vier Kanäle an 8 Ω (blau)
ABB. 12: Leistungswerte der Mezzo 604AD an 8 Ω pro Kanal bei gleichzeitiger Belastung aller Kanäle; Werte für verschiedene Signaltypen
ABB. 13: Leistungswerte der Mezzo 604AD an 8 Ω, bei Verwendung von nur einem Kanal; Werte für verschiedene Signaltypen
ABB. 14: Leistungswerte der Mezzo 604AD im 100-Volt-Modus, bei Verwendung von nur einem Kanal; Werte für verschiedene Signaltypen

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Netzbelastung

Für eine optimale Ausnutzung des Netzstromes sind mehrere Aspekte wichtig: An erster Stelle steht der Wirkungsgrad des Verstärkers, der neben der Netzbelastung auch noch darüber entscheidet, wie kräftig die Kühlung ausgelegt werden muss. Nicht zu vernachlässigen war dann noch die Grundleistung, die der Verstärker auch ohne Signal schon aufnimmt und die damit ständig als Belastung anliegt und ebenso dauerhaft als Verlustleistung wieder abgeführt werden muss. Neben der Leistungsaufnahme stellt noch der Leistungsfaktor eines Verbrauchers einen wichtigen Wert dar. Ein rein ohmscher Verbraucher hat einen Leistungsfaktor von 1. Rein induktive oder kapazitive Verbrauchen haben einen Leistungsfaktor von 0. D. h., es wird zwar Strom bzw. Leistung hin und her geschoben, aber effektiv keine Leistung umgesetzt. Man spricht hier von Blindleistung bzw. Blindströmen, die aber trotzdem das Leitungsnetz belasten und für Verluste sorgen. Addiert man die um ±90° zueinander versetzte Wirkleistung (P) und die Blindleistung (Q) geometrisch auf, dann erhalt man die Scheinleistung (S). Der Leistungsfaktor cosφ berechnet sich aus dem Verhältnis der Wirkleistung zur Scheinleistung. Neben dieser sogenannten Verschiebungsblindleistung (entsteht durch die Phasenverschiebung von Spannung und Strom) gibt es auch noch die Verzerrungsblindleistung, wenn zur sinusformigen Spannung ein nicht mehr sinusformiger und somit verzerrter Strom kommt. Im Fall von Verzerrungsblindleistung spricht man nicht mehr vom Leistungsfaktor cosφ, sondern vom allgemeinen Leistungsfaktor λ.

Für den Mezzo 604AD wurden dazu folgende Werte der Netzbelastung ermittelt:

  • Sleep Modus: 2 W
  • Ohne Signal: 15 W
  • Volllast mit 12 dB Crestfaktor: 138 W
  • Volllast mit Sinussignal: 139 W

Zum letzten Wert bei Volllast mit einem Sinussignal zeigt ABB. 15 den Verlauf der Netzspannung zusammen mit dem Strom und der Leistungskurve. Der Strom ist weitgehend in Phase mit der Spannung (cosφ = 0,93), jedoch leicht verzerrt mit einigen Oberwellen. Der Leistungsfaktor λ betragt 0,88. Auffällig ist der starke HF-Anteil auf der Stromkurve, der in einem Bereich von ca. 50 kHz liegt. Wo die Ursache dafür zu finden ist, lasst sich von dieser Stelle aus jedoch nicht sagen.

Powersoft Mezzo 604AD Messung
ABB. 15: Verlauf von Netzspannung (rot), Netzstrom (blau) und der daraus berechneten Leistungsaufnahme (grün) (Bild: Anselm Goertz)

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Preise

Powersoft Mezzo Serie (in € netto zzgl. MwSt.):

  • 322 A 2 Kanale 320 W analog in: 722 €
  • 322 AD 2 Kanale 320 W analog in + Dante: 843 €

 

  • 602 A 2 Kanale 600 W analog in: 880 €
  • 602 AD 2 Kanale 600 W analog in + Dante: 999 €

 

  • 324 A 4 Kanale 320 W analog in: 840 €
  • 324 AD 4 Kanale 320 W analog in + Dante: 1.039 €

 

  • 604 A 4 Kanale 600 W analog in: 1.077 €
  • 604 AD 4 Kanale 600 W analog in + Dante: 1.274 €

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Fazit

Mit den Mezzo-Modellen bietet Powersoft jetzt auch kleine und universell einsetzbare Verstärker für Installationen in AV-Umgebungen an. Klein ist aber nur das 9,5″-Gehause bei den Mezzos. Mit 320 W oder 600 W Leistung, aufgeteilt auf zwei oder vier Kanale, steht reichlich Power zur Verfügung. Hinzu kommt ein integriertes DSP-System mit großem Funktionsumfang sowie ein Dante-Interface bei den Mezzos in der AD-Ausführung mit analogen und digitalen Eingängen. Dank der Power-Sharing-Funktion kann die verfügbare Gesamtleistung frei auf die vorhandenen Kanale aufgeteilt werden, und das sogar beliebig gemischt für Kanale mit Low-Z-Lautsprechern oder in 70- bzw. 100-Volt-Systemen. Der größte Trumpf der Mezzo-Verstärker durfte jedoch die Integration in den System-Designer Armonia Plus von Powersoft sein, der die Konfiguration der Verstärker in komfortabler Weise ermöglicht und auch alle Steuerungs- und Überwachungsfunktionen übernimmt, die heute in großen System unumgänglich sind.

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