Experten-Meinungen

Audionetzwerke – wo liegt die Zukunft?

Viel entwickelt sich bei den Audionetzwerken – aber nicht in Richtung eines einheitlichen Standards. Dies gilt sowohl für die eigentliche Audioübertragung als auch für den zugehörigen Datenaustausch, z. B. zum Erkennen der Geräte innerhalb eines Netzwerks. Dennoch können mehr Geräte in einem Netzwerk zusammenarbeiten, auch über die Grenzen ihrer Netzwerk-Technologie hinweg.

Audionetzwerk-Trends
AudioLAN und Dante können miteinander kommunizieren (Bild: Christiane Bangert)

Sie mag allmählich langweilen, die Auseinandersetzung mit dem digitalen Transport von Audiosignalen in vernetzten Strukturen. Denn auch nach inzwischen Jahrzehnten von Weiterentwicklungen und Standardisierungen zeichnet sich keine klare Tendenz ab, welches Konzept sich durchsetzen wird. Vielmehr wird immer deutlicher, dass es doch bei einer gewissen Diversität – also Vielfalt – bleiben wird. Hoffnungen auf einen mehr oder minder allgemein anerkannten und genutzten Standard sind wenig realistisch. Dante, Ravenna, AES67, AVB, AudioLan werden wohl Netzwerkprotokolle bzw. Standards sein, die noch weiter begleiten werden. SMPTE 2110 gehört zu den etwas neueren Standards, deren Bezeichnung im Bereich des Medien- Transports allgemein – also Audio und Video – auftaucht.

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Gleichzeitig stellt sich die Frage: Was kann denn nun mit wem – bzw. was wird wohl zukünftig zusammen mit wem können und wo liegen die Stolpersteine? Denn einige der Netzwerktechnologien sind IP-basiert und können inzwischen Audiosignale miteinander austauschen. In einigen Fällen können sich auch Geräte erkennen und es gibt Möglichkeiten der Verständigung. Interoperabilität heißt hier das eingedeutschte Schlüsselwort, das die Fähigkeit beschreibt, auch über unterschiedliche Standards und Technologien hinweg Signale und eventuell auch Daten auszutauschen. Hier ist man aber in den meisten Fällen noch weit von „Plug-and-Play“ entfernt.

Trotz der Vielschichtigkeit und einigen Nickeligkeiten ist die Nutzung der digitalen Audiostrukturen aus Installationen nicht mehr wegzudenken – zu bestechend sind die Möglichkeiten, die sich durch die Verteilung vieler Audiosignale über Cat- oder Glasfaserverbindungen ergeben. Es wird Planern und Betreibern wohl kaum gelingen, sich aus diesem Themenbereich herauszuhalten. Deshalb sollen im Folgenden einige der Neuerungen, Begrifflichkeiten und Aspekte etwas näher beleuchtet werden.

SAP-Converter von ALC Networx
Mit dem SAP-Converter von ALC Networx können die Ravenna-Kanäle im Dante Manager erkannt werden (Bild: Christiane Bangert)

Gleiche Infrastruktur

Insbesondere für Installationen gibt es eine guten Nachricht: Die Verkabelung ist bei all den unterschiedlichen Standards und Technologien doch sehr ähnlich. In der Regel finden sich an den Geräten RJ45-Buchsen, so wie man sie aus anderen Netzwerken kennt. Cat.5e oder Cat.6 werden für den Transport der Signale meist benötigt, z. B. in 1Gbps-Netzwerken), theoretisch bis zu einer Entfernung von 100 m. Oft werden sie in Festinstallationen auf 70 m begrenzt – u. a. um sicher zu gehen, dass ein etwas unbedarft angeschlossenes Kabel an einer Wandbuchse nicht zur Überschreitung der Maximallänge und zu Problemen führt. Für längere Strecken oder Bedarf nach höheren Bandbreiten, etwa im Zusammenhang mit Videosignalen, bieten sich die Glasfaser- Strecken an. Bei diesen ist es allerdings sehr unterschiedlich, welche Steckverbindungen am Ende benötigt werden. Jedoch kann dies auch nach der Verlegung entschieden bzw. später geändert werden. Es ist also durchaus möglich eine Verkabelungs-Infrastruktur zu schaffen, auch wenn man sich diverse Entscheidungs-Alternativen für den Audionetzwerk- Standard offen halten möchte.

Dante Domain Manager
Audinate stellte den Dante Domain Manager auf der Prolight + Sound 2017 vor (Bild: Christiane Bangert)

AES67-kompatibel

AES67 ist ein Standard der Audio Engenieering Society (AES) für den Transport von Audiosignalen über IP-Netzwerke (also salopp gesagt Datennetzwerke, so wie man sie aus anderen Bereichen kennt). Was sich erst einmal recht unspektakulär anhört, schafft doch die Grundlage für eine kleine Sensation: Bis vor nicht allzu langer Zeit gab es verschiedene Netzwerk-Technologien wie Dante, Ravenna, AudioLan, Q-Lan, die zwar in der Grundlage ähnlich, aber im Detail so verschieden waren, dass sie keine Audiosignale austauschen konnten. Inzwischen haben sich viele Hersteller auf den „kleinsten gemeinsamen Nenner“ geeinigt und können Audiosignale austauschen.

AES67-kompatibel können Geräte mit Dante (Hersteller: Audinate). Ravenna (Hersteller: ALC Networkx), AudioLan (Hersteller: Archwave) oder Q-LAN (Hersteller: QSC) sein. Manche haben an sich schon dieselbe Basis wie AES67 und sind sozusagen von Hause aus kompatibel. Andere haben die Kompatibilität erst später integriert, so dass es vom Hersteller, Alter und Firmware der Geräte abhängt, ob sie AES67-kompatibel sind oder nicht. Nicht nur die Möglichkeiten des Audioaustauschs zwischen verschiedenen Audionetzwerk- Technologien macht AES67 interessant, auch im Zusammenhang mit multimedialen Inhalten gewinnt es an Bedeutung. Im Broadcast-Bereich entsteht ein neuer Standard. SMPTE2110 (Society of Motion Picture and Television Engineers) ist für den Transport von Mediendaten gedacht und der Audioteil der Übertagung wird auf AES67 basieren. Auf diversen Messen, zuletzt auf der IBC 2017 (International Broadcast Conference) in Amsterdam, arbeiteten mehr als 50 Hersteller zusammen, um die Interoperabilität von SMPTE2110-Geräten in der Realität zu demonstrieren.

Nicht ganz einfache Grenzüberschreitung

Nun mag der naive Gedanke sein, dass man AES67-kompatible Schnittstelle miteinander verbinden kann und los geht es mit dem Austausch von Audiodaten. Leider ist dies beim Überschreiten von Grenzen zwischen Herstellern oder Technologien nicht so: Der „kleinste gemeinsame Nenner“ schließt viele Mechanismen und Fähigkeiten nicht mit ein, die über den reinen Audiotransport hinaus für die Geräteerkennung, Kanalzuweisung etc. notwendig sind: Hierfür gibt es verschiedene Lösungen und Protokolle. Im Prinzip kann jeder Hersteller für seine AES67-Schnittstellen entscheiden, wie er diese Dinge handhaben möchte – und dies auch tun. Ein Beispiel ist SAP, das Session Announcment Protocol, welches die Basis des Erkennens von AES67- Audiosignalen im Dante-Netzwerk ist. Um AES67-Kanäle von anderen Geräten im Dante- Controller – eine Softwareoberfläche mit Matrix zum Zuweisen der Kanäle – verwalten zu können, müssen die anderen Geräte die „SAP-Sprache“ von Audinate nutzen.

AES67-Kanäle im Dante Manager
AES67-Kanäle werden im Dante Manager blau dargestellt (Bild: Christiane Bangert)

Manche Hersteller nutzen zur Erkennung das passende SAP, andere Hersteller stellen ein Software- Werkzeug zur Verfügung, um die Signalerkennung als Grundlage für den Signalaustausch zu er möglichen. Eines davon ist der SAP-Converter von ALC Networx, der für das Erkennen von Ravenna-Kanälen im Dante-Controller sorgt. Für das Senden von Dante-Kanälen an AES67-Schnittstellen muss man zusätzlich die Software des jeweiligen Herstellers bemühen. Im Dante-Controller können nur die sogenannten AES67-Flows aus acht Kanälen zusammengestellt werden. Der Empfang des Multicast-Flows muss dann im Gerät mit AES67-Schnittstelle verwaltet werden – die Hersteller bieten entsprechende Bedienoberflächen dafür an.

Eine herstellerübergreifende Oberfläche für den Austausch von AES67-Signalen bietet die Firma Merging Technologies mit Aneman (Audio NEtwork MANager) an. AES67-Schnittstellen von Herstellern wie Digigram, Archwave, DirectOut, Ward-Beck, Neumann Berlin und Merging Technologies lassen sich auf einer Plattform verwalten – weitere sollen folgen. Auch im Aneman lassen sich auf einer Matrix die Ein- und Ausgänge miteinander verknüpfen. Dies gilt zurzeit allerdings nur eingeschränkt für Dante/AES67-Signale: Dante/ AES67-Flows können erkannt und verwaltet werden, es lassen sich jedoch keine AES67- Flows ausgangsseitig Dante/AES67-Schnittstellen zuordnen.

Warum der Audioaustausch nicht reicht

Auch wenn der Austausch von Audiosignalen über AES67 über Hersteller- und Technologie- Grenzen hinweg funktioniert und in der Praxis inzwischen vielerorts genutzt wird, all die Dinge um die Audiosignale herum sind nicht ganz trivial. Das dürfte in den letzten Abschnitten deutlich geworden sein. Ob die Minimierung der AES67-Definition auf den Audioteil ein Manko ist, hängt von der Installation ab. Denn in großen Installationen sind es vielleicht ohnehin die IT-Spezialisten, welche die Verbindungen über das vorhandene Netzwerk einrichten und festlegen. Dass das Erkennen oder Nicht-Erkennen von anderen Geräten für viele Installationen (z. B. in Flughäfen) kein wichtiges Kriterium ist, erklärte Arie van den Broek, Geschäftsführer von Archwave, beim Gespräch auf der Prolight + Sound 2017: In großen Installationen spiele in erster Linie die Möglichkeit der IP-basierten Weiterleitung der Audiosignale eine Rolle, damit die vorhandene Infrastruktur genutzt werden kann.

Auf der POSTNAB 2017 demonstriert Studer anhand eines Demo-Racks, wie sich mit DIOS das Signal seinen Weg über Netzwerk-Technologien hinweg sucht
Auf der POSTNAB 2017 demonstriert Studer anhand eines Demo-Racks, wie sich mit DIOS das Signal seinen Weg über Netzwerk-Technologien hinweg sucht (Bild: Christiane Bangert)

Die Einbindung in die vorhandenen Strukturen werde dann meist von der IT-Abteilung realisiert, die sich schon aus Sicherheitsgründen die Konfiguration des Netzwerks nicht aus der Hand nehmen lässt. In einem solchen Zusammenhang ist das händische Eintragen von IP-Adressen und Einrichten der Verbindung kein Problem, denn in der Regel wird ein solches System einmal eingerichtet und läuft dann für eine geraume Zeit. Anders ist es sicherlich im Veranstaltungsalltag, wenn recht dynamisch immer wieder auf neue Anforderungen regiert werden muss. Da würde man sich sicher schon ein wenig mehr Plug-and-Play-Fähigkeiten wünschen und sicher wird sich da auch noch einiges entwickeln.

Dante nicht nur fürs LAN

Spannende Weiterentwicklung gerade für größere Installationen gibt es auch bei Dante: Mit dem Dante Domain Manager kann nun das Potenzial der IP-Technologie auch dann ausgeschöpft werden, wenn das Managen von IT-Netzen nicht zu den Kernkompetenzen gehört. Auf einer verständlich wirkenden Bedienoberfläche lassen sich Netzwerke in Domains unterteilen, über Subnetzgrenzen hinweg Domains konfigurieren und so auch große Netzwerke überschaubar strukturieren. Darüber hinaus enthält der Domain Manager u. a. einige nützliche Werkzeuge, um Nutzer- und Zugangsrechte zu verwalten, den Netzwerkstatus zu überwachen oder Systeme zu sichern und wiederherzustellen.

Im September 2017 wurden die Preise für Standard-Pakete veröffentlicht, die sich nach Größe des Netzwerks und Funktionsumfang unterscheiden: Die Silber- Ausgabe (2 Domains, 10 Knoten) kostet 995 $, Gold (10 Domains, 50 Knoten) wird mit 3.995 $ veranschlagt und die Platinum-Version (50 Domains, 2.150 Knoten) mit 9.995 $. Für IT-ler mag dies alles unspektakulär klingen. Es sollte jedoch nicht vergessen werden, dass für Audio-Anwendungen hohe Anforderungen an die Echtzeitfähigkeit, Schnelligkeit und Betriebssicherheit gestellt werden. Da ist es gut, ein erprobtes Werkzeug an der Hand zu haben, mit dem man auch komplexe Strukturen aufbauen und handhaben kann.

(Bild: Christiane Bangert)

AVB – größere Verbreitung und mit Video

Eher klammheimlich sind die Weiterentwicklungen bei AVB (Audio Video Bridging) in den letzten Jahren erfolgt. Nach der anfänglich großen Euphorie war es doch eher ruhig um diesen Standard geworden. Mit L-Acoustics gibt es aber inzwischen einen weiteren prominenten Lautsprecherhersteller, der seine System-Verstärker (LA4X und LA12X) mit AVB-Schnittstellen von der AVnu zertifizieren lassen hat. Meyer Sound hat schon länger zertifizierte Produkte im Programm. Im Sommer 2016 trat d&b Audiotechnik in die AVnu ein. Auf der Prolight + Sound 2107 bestätigte Henning Kaltheuner, Head of Business Development and Market Intelligence, dass man bei d&b in Richtung AVB-Schnittstellen an d&b-Geräten denkt.

Dabei ist AVB als Bezeichnung der Technologie inzwischen etwas kurz gegriffen. In der Regel geht es um AVB/TSN – TSN steht für Time Sensitive Networking und ist eine Weiterentwicklung von AVB, u. a. in den Bereichen der redundanten Netzwerkstrukturen, Schnelligkeit und Zeitsteuerung.

Biamp setzt schon lange auf AVB-Schnittstellen an ihren Geräten und ist damit auch für die Verbreitung der AVB-Netzwerke im Installationsbereich verantwortlich. Mit ihrem neusten Produkt zeigt das Unternehmen, dass es mit dem „V“ für Video im Namen ernst gemeint ist: Mit dem Decoder TesiraLUX OH-1 und dem Encoder IDH- 1 bietet man Geräte mit einer HDMI- und einer DisplayPort-Schnittstelle für Auflösungen bis zu 4k60 Video an. Audioseitig werden acht Audiokanäle unterstützt und zwei kombinierte Mikrofon/Line- Eingänge stehen zur Verfügung. Audio- und Video werden über dieselben AVB/TSN-Netzwerkstrukturen weitergeleitet.

DIOS –Studer-intern aber trotzdem spannend

Die Vorzüge der I/O-Routing-Automatisierungssoftware DIOS kann man nur mit Geräten und Konsolen von Studer genießen. Da es aber ein schönes Beispiel ist, was prinzipiell möglich ist und sicher dem Wunschtraum vieler Nutzer nahe kommt, soll es kurz vorgestellt werden: Auch bei verschiedenen Übertragungsstandards in einem Verbund suchen sich die Signale den Weg zur Not auch alleine, egal ob per A-Link, MADI, IP-basierten Technologien wie AES67, Ravenna oder Dante. Voraussetzung ist lediglich, dass die „D23m“-Module oder ein Infinity-Core über die entsprechenden Schnittstellen-Karten verfügen. Dann lassen sich alle Ein- und Ausgänge auf einer gemeinsamen Matrix routen und Redundanz über Netzwerkgrenzen hinweg geschaffen.

Von der Idee her sind alle Ein- und Ausgänge im Verbund gleichberechtigt, unabhängig vom Schnittstellentyp. Der Nutzer muss also nicht mehr in getrennten Systemen routen, wenn z. B. bei Veranstaltungen verschiedene Technologien aufeinandertreffen. In Analogie zu einem Navigationssystem existieren nur noch Wege und Ziele und wenn ein Weg versperrt ist, dann sucht DIOS einen anderen. Dass dies funktioniert, demonstrierte Studer auf der POSTNAB-Show 2017 bei TPC, einer Tochtergesellschaft der Schweizer Fernseh- und Rundfunkanstalten SRF SSR in Zürich: Bei Unterbrechung der Studer-eigenen A-Link-Verbindung übernahm die Dante-Verbindung zwischen zwei D23m automatisch die Signalweiterleitung. Nach Ausstecken der Dante-Verbindung sorgte MADI für den Signalaustausch.

Und die anderen?

In Anbetracht der IP-basierten Lösungen sollte man nicht aus den Augen verlieren, dass sich nach wie vor auch andere Alternativen anbieten, gerade auch wenn es um sehr viele Kanäle und geringe Latenz geht. Glasfaser-basierte Systeme, z. B. im Zusammenhang mit Pultsystemen, gehören dazu. Ein Beispiel ist das schon erwähnte A-Link, welches Studer einsetzt. Das zusammen mit dem „großen“ Yamaha-Pult PM10 eingesetzte TwinLane ist ein anderes. Auf Glasfaser zur Weiterleitung von großen Mengen von Audiosignalen zusammen mit Daten „aller Art“ in sehr schnellen vernetzten Ringstrukturen setzt Optocore schon lange. Auf der Prolight + Sound 2017 stellte das Unternehmen sein neustes Produkt vor – das SFX7-Modul zum Einbau in Geräte anderer Hersteller.

Die kleine Platine besitzt u. a. zwei Optocore-, zwei SANE- und zwei LAN-Schnittstellen inklusive Switch. So lassen sich Geräte direkt in Optocore-Ringstrukturen einbinden und 512 Audio- Kanäle in das Netzwerk einspeisen. Mit dem Audio lassen sich auch gleich die Steuerdaten – oder andere IP-basierte Daten über die Glasfaser versenden.

 



Experteninterview: Wo liegt die Zukunft?

Die Beantwortung der Frage, wo die Zukunft der Audionetzwerke liegt, ist und bleibt schwierig. Wird sich eine Audionetzwerk-Technologie durchsetzen oder existieren mehrere Alternativen nebeneinander? PROFESSIONAL SYSTEM fragte Experten in der Branche nach ihrer Meinung.

Audionetzwerke – wo liegt die Zukunft

Der Audionetzwerk-Markt ist derzeit stark in Bewegung. Wird sich eine Audionetzwerk-Technologie durchsetzen oder existieren mehrere Alternativen nebeneinander? Diese Entwicklung richtig einzuschätzen ist für Planer, Integratoren, Anwender und Entscheider wichtig, um jetzt in Projekten die richtigen Entscheidungen für die Zukunft zu fällen.

PROFESSIONAL SYSTEM möchte mehr Transparenz schaffen und fragte daher Experten aus der Branche nach ihrer Einschätzung der Sachlage. Mit den folgenden Fragen:

  • Wird künftig sich eine Audionetzwerk-Technologie durchsetzen oder werden mehrere Alternativen nebeneinander existieren?
  • Wie wird sich die Kompatibilität der Ethernet-basierten Audionetzwerke entwickeln? Wird es möglich sein, Netzwerke mit direkten Verbindungen zwischen Geräten mit AVB-, Dante- und AES67-Schnittstellen aufzubauen?
  • Welche Vorteile sehen Sie in der von Ihnen eingesetzten Lösungen gegenüber anderen Ethernet-basierten oder, z. B synchron arbeitenden Lösungen?

Interviewpartner:

Richard Bugg, Meyer Sound
Richard Bugg, Meyer Sound

Bugg ist Produktmanager für Showcontrol-Systeme bei Meyer Sound. Meyer Sound hat bereits 2010 seine digitale Audioplattform D-Mitri mit AVB zur Signalverteilung vorgestellt und hat jetzt die ersten, von der AVnu zertifizierten Lautsprecher, die Column-Array-Loudspeaker CAL im Programm.

Lee Ellison, Audinate
Lee Ellison, Audinate

Ellison ist einer der Direktoren von Audinate, der Firma, die Dante entwickelt hat und die diversen Module, Hard-, Firm-, und Software, die zu Dante gehören herstellt und vertreibt.

AVB-Aktivist Kevin Gross gehört zu den
AVB-Aktivist Kevin Gross

Gross gehört zu den Entwicklern des CobraNet, ist aktiv an der AVB-Initiative beteiligt, unterstützte bei der Entwicklung des Q-Lan und ist u. a. stark in der TC-NAS (Technical Council- Networking Audio Systems) der AES engagiert.

Thomas Riedel, Riedel Communications
Thomas Riedel, Riedel Communications

Riedel ist Gründer und Geschäftsführer von Riedel Communications, die seit 1987 sowohl als Hersteller als auch Verleiher Kommunikationssysteme anbieten, von Funksystemen über Intercom bis zu Medien-Netzwerken bei Veranstaltungen wie dem Eurovision Song Contest oder der Formel 1. MediorNet, RockNet und AVB werden an Geräten aus dem Hause Riedel zum Transport von Video- und Audiodaten eingesetzt.

Ron Bakker (links) und Ruben van der Goor, Yamaha Music Europe
Ron Bakker (links) und Ruben van der Goor, Yamaha Music Europe

Beide sind seit langen Jahren u. a. im Support und Training von Yamaha Music Europe GmbH tätig. Yamaha setzt seit der digitalen CL-Mischpultserie (2012) Dante an Mischpulten und Stageboxen ein. Über lange Jahre davor schufen sie mit ihrem umfangreichen Angebot an Steckkarten für Pultsysteme und Signalprozessoren Schnittstellen zu allen gängigen Formaten und Protokollen.

Christoph Keller, Audio Pro Heilbronn
Christoph Keller, Audio Pro Heilbronn

Keller ist Vertriebsleiter SPG (System- und Projektgruppe) bei der AUDIO PRO HEILBRONN Elektroakustik GmbH, die mit den Produkten der Harman Gruppe einige unterschiedliche Netzwerk- und Verbindungsalternativen im Programm hat: Von den BSS Soundwebs mit BLU-Link, Dante und AVB-Option über die Soundcraft-Mischpulte mit Dante, Crown-Endstufen mit BLU-Link bis zu der neuen Generation der Studer-Mischpulte mit Infinity-Core und A-Link Verbindung.

Andreas Hildebrand, Ravenna
Andreas Hildebrand, Ravenna

Hildebrand ist Senior Produktmanager für Ravenna, der offenen, IP-basierten Audionetzwerk-Technologie von der ALC NetworX GmbH. Ravenna kann AES67-Streams senden und empfangen.

Welche Netzwerk-Technologie hat die Nase vorn?

Zur ersten Frage nach der oder den Audionetzwerk-Technologie(n), die sich künftig durchsetzen werden, meint Richard Bugg, Produktmanager für Show Control Systeme bei Meyer Sound: „Ich glaube, auf lange Sicht wird es –wie man es mathematisch ausdrückt – eine Regression zur Mitte geben. Es wird sich eine Technologie durchsetzen, die auf offenen Standards basiert. Vielleicht auch eine Technologie, die wir noch gar nicht gesehen haben. Wichtig dabei ist, dass sie für den Markt bezahlbar ist. Und sie muss so beschaffen sein, dass sie ein Systemintegrator einfach installieren kann und sie zuverlässig funktioniert.“

Lee Ellison, einer der Direktoren von der Firma Audinate, spricht in seiner Antwort proprietäre Netzwerksysteme an: „Technologien werden sich immer weiterentwickeln und so ist es unwahrscheinlich, dass ein einzelner Ansatz zu hundert Prozent überall eingesetzt wird. Einige Firmen werden ihr eigenes Punkt-zu-Punkt-System entwickeln, die meisten werden aber merken, dass es nicht einfach ist, eine skalierbare Lösung herzustellen, die viele Fähigkeiten beinhaltet. Dante hat sich klar als dominierende Audionetzwerk-Technologie etabliert, mit über 165 OEMs, die über 300 verfügbare Produkte herstellen und hunderte neue Produkte entwickeln.“

Anders sieht das Ron Bakker, seit langen Jahren bei Yamaha Music Europe in Support und Training tätig: „Eine Hoffnung ist AES67. Ravenna, Livewire, Dante und Q-Lan sind ja technologisch eigentlich zu 90 % gleich. Die Idee von AES67 ist, dass sie miteinander arbeiten könnten, wenn man in der Funktionalität auf die reine Audioübertragung runter geht. Das ist eine gute Idee, denn es ist nicht davon auszugehen, dass alle Hersteller in Zukunft dieselbe Netzwerk-Technologie einsetzen werden.“

Kevin Gross gehört zu den Entwicklern des CobraNet und ist in der AVB-Initiative aktiv. Er denkt ebenfalls, dass mehrere Netzwerktechnologien auch in der Zukunft nebeneinander existieren: „Das ist keine Entweder- oder-Frage, wie es zunächst erscheinen mag. Aufgrund der Vielschichtigkeit der Netzwerk-Technologie wird es immer möglich sein, dass verschiedene Alternativen auch im gleichen Netzwerk existieren. Wenn wir aber fern genug in die Zukunft schauen, dann wird es definitiv eine dominante Technologie geben, und diese wird auf offenen Standards basieren. Es gibt kein gegenteiliges Beispiel bei den ausgereiften, weit verbreitet eingesetzten Protokollen.“

Andreas Hildebrand, Senior Produktmanager für Ravenna, geht in seiner Antwort auf den Bezug zu den Zielmärkten ein: „Bei den Audio-Netzwerken gibt es fundamentale Unterschiede in den Technologien, den Zielmärkten und den Business-Modellen. Bei den Layer 2-Systemen z. B. gibt es AVB, bei den Layer 3-Systemen sind Dante und Ravenna die dominanten Themen, in den USA existieren noch weitere Lösungen. Alle Alternativen haben ihr eigenes Eco-System, ihre Zielmärkte. Auf diesem Hintergrund ist nicht zu glauben, dass es zukünftig nur eine Lösung geben wird. AES67 hilft an dieser Stelle auch nur bedingt weiter, denn es ist ein Interoperabilitäts-Standard und keine eigenständige Lösung. Es fehlen genau die Funktionen wie Geräteerkennung, Verbindungs-Management, die eine vollständige Lösung ausmachen.“

Christoph Keller, Vertriebsleiter SPG (System- und Projektgruppe) bei Audio Pro Heilbronn, ist der der festen Überzeugung, dass es auch zukünftig unterschiedliche Lösungen geben wird und erläutert: „Dies hängt auch mit den verschiedenen Märkten und deren Anforderungen zusammen, die z. B. im Broadcast anders sind als bei einem Live-Konzert. Dante hat sich im Live-Bereich sehr verbreitet und zum Teil auch im Broadcast. Deswegen stellen wir den Nutzern Dante zur Verfügung. Das Soundcraft Vi3000, das wir 2014 vorgestellt haben, hat z. B. standardmäßig neben MADI auch eine Dante-Schnittstelle. Auch für die Studer-Komponenten gibt es Dante-Karten und im Soundweb bieten wir bereits Dante ebenfalls schon seit über 1 Jahr an. Dante ist auf jeden Fall ein Netzwerk, auf das wir zählen.“

Auch Thomas Riedel, Gründer und Geschäftsführer von Riedel Communications, glaubt nicht, dass sich eine Technologie durchsetzen wird und erläutert weiter: „Ich bin mir aber auch sicher, dass wir über Standards reden. AVB und AES67 haben beide ihre Daseinsberechtigung, Layer 3-Technologien und AES67 erfüllen eher die Anforderungen, die große Netzwerke z. B. im Fernseh- und Rundfunkbereich stellen, AVB ist näher am Plug-and-Play. Es wird zunehmend wichtig, dass sich das IT-Know-how in der Audiobranche weiterentwickelt. Sonst nützt die Flexibilität der Netzwerke an sich nichts, weil sich aus Unsicherheit keiner traut, Änderungen vorzunehmen, wenn ein Netzwerk einmal funktioniert – selbst Änderungen, die im analogen selbstverständlich wären. Oder es müssen Netzwerkspezialisten bezahlt werden, womit dann eine eventuelle Kostenersparnis beim Material zunichte wird.“

Kompatibilität der Ethernet-Audionetzwerke

Frage zwei bezieht sich auf die Kompatibilität der Ethernet-basierten Audionetzwerke. Wird es möglich sein, Netzwerke mit direkten Verbindungen zwischen Geräten mit AVB-, Dante und AES67-Schnittstellen aufzubauen?

Dazu meint Richard Bugg von Meyer Sound: „Es hat in der AVB-Gemeinschaft viele Diskussionen gegeben, wie man die Verteilung der Signale über Router hinweg unterstützen kann. Darüber sprechen wir ja, wenn wir Layer 2 mit Layer 3 vergleichen. Es gibt schon jetzt Möglichkeiten, sie sind aber nicht nutzerfreundlich gestaltet. Ich glaube, in Zukunft wird es das Fachgebiet Audio-IT geben, denn es gibt momentan keine Experten in dem einen Bereich, die genau verstehen, worüber die andere Seite spricht. Es ist gut, dass die AES sich zusammengesetzt und einen Standard definiert hat, der den Austausch von Audiosignalen zwischen unterschiedlichen Netzwerken ermöglicht. Es gab bei Meyer Sound bisher noch keinen Kundenwunsch in diese Richtung. Wenn sich das ändert, stehen wir dem offen gegenüber.“

Lee Ellison, Audinate, geht in seiner Antwort auf die Interoperabilität von Dante ein: „Dante-Interoperabilität bedeutet mehr als den Transport von synchronisierten Streams. Es bedeutet essentiellen Service wie Geräteerkennung, Kontrolle des Routings, Beschriftungen mit Namen, Kompatibilität mit Netzwerk-Switchen und mehr. AES67 ist eine Interoperabilitäts-Spezifikation, die eine Verbindung von AES67 gemäßen Implementierungen auf der Ebene des kleinsten gemeinsamen Nenners zulässt. Das heißt, dass Dante-Netzwerke an diese Implementierungen angeschlossen werden können und umgekehrt, aber längst nicht so unkompliziert und ohne die gewünschten, hoch entwickelten Dante-Fähigkeiten.“

AES67 als „kleinsten gemeinsamen Nenner“ sieht auch Ron Bakker von Yamaha: „AES67 ist der kleinste gemeinsame Nenner, es wird nur Audio und die Synchronisation übermittelt, mehr nicht. Wie die Hersteller AES67 genau implementieren, das wissen wir natürlich auch noch nicht.“ Ruben van der Goor meint: „Ich würde es für sinnvoll halten, wenn die Hersteller dem Nutzer die Auswahl ermöglichen, ob er die volle Funktion z. B. von Dante oder AES67 zum Austausch von Signalen mit anderen Netzwerken nutzen möchte; etwa mit einem Auswahlkästchen, wo er hinter den gewünschten Netzwerk-Modus einen Haken machen kann.“

Kevin Gross sagt: „Dafür ist AES67 entworfen worden. Wenn die Interoperabilität von AES67 einem Dante- oder AVB-Gerät hinzugefügt wird, werden diese Geräte zusammenarbeiten können und dies könnte ein Desinteresse an den Modi fördern, die nicht interoperabel sind. Eine weitere Chance liegt in den Weiterentwicklungen von Geräten. Bei der Vernetzung wird eine kontinuierliche Verbesserung der Anschlussmöglichkeiten und Interoperabilität angestrebt und dies treibt die zunehmenden Übernahmen von offenen Standards voran, während die Kommunikationstechnologie ausgereifter wird.“

Nach Meinung von Andreas Hildebrand (Ravenna) kann AES67 auf der Audiosignal-Ebene IP-basierte Lösungen verbinden. Er führt weiter aus: „Auf einem Plug-Fest vor einem Monat in München haben Produkte von zehn unterschiedlichen Herstellern gezeigt, dass sich AES67 Audio-Streams synchronisiert austauschen lassen. Aus der Nutzersicht aber eine einfache Bedienung schaffen, egal aus welchem System (Dante, Ravenna etc.).“

Christoph Keller von Audio Pro meint: „Natürlich wünschen sich unsere Kunden, dass alles mit allem kompatibel ist und direkt miteinander spielt. Wir sehen diese Notwendigkeit aber nicht in dieser Form. Unser Ansatz ist es, möglichst alle existierenden Audionetzwerke zu unterstützen! Es gibt Schnittstellen-Karten zu Dante, Livewire, CobraNet, Aviom, RockNet, AVB, zu BLU-Link und MADI sowieso. Ich sehe eigentlich keines der herstellerübergreifenden Audionetzwerke, mit dem wir nicht sprechen könnten. AES67 ist vor allem im Broadcast-Bereich ein Thema, auch für uns. Mit der Ravenna-Karte von Digigram für den Studer-Core gibt es auch eine Schnittstelle zu AES67.“

Auf die derzeitigen Mankos geht Thomas Riedel ein: „Je tiefer man in die Materie einsteigt, umso deutlicher wird, was alles fehlt. Egal ob ich über AES67 oder AVB rede. Speziell bei der Steuerung und Bedienung fehlt vieles, damit eine Kompatibilität zu einer wirklichen Interaktion führen kann. Da braucht es in erster Linie Zeit. Das wird sich alles finden und wir müssen alle miteinander lernen, wie diese Netzwerke funktionieren.“

Vorteile der eigenen Lösung

Als letztes haben wir die Experten gefragt, welche Vorteile sie in der eigenen bzw. von ihnen bevorzugten AV-Netzwerklösungen sehen. Richard Bugg, Meyer Sound sagt dazu: „Wir sind in Richtung AVB gegangen, weil es zum jetzigen Zeitpunkt den Kriterien entspricht, die für unsere Kunden wichtig sind und zu unseren Geräten passt. Bei Constellation-Installationen z. B. mit mehr als 100 Lautsprechern ist eine Signalverteilung über Cat- oder Glasfaserkabel sinnvoll. Der Installateur muss die Lautsprecher nur an einen oder mehrere AVB-Switches anschließen, um die Voraussetzungen für die Signalverteilung zu schaffen. Bis zu 216 Kanäle lassen sich über ein einziges Ethernet-Kabel transportieren, bei 96 kHz und 32 bit floating point. Wir lassen unsere Geräte zertifizieren; wir halten das für einen sinnvollen Käuferschutz.“

Lee Ellison (Audinate) meint: „Eine Firma hinter den Produkten ist für unsere große Kundschaft enorm wertvoll. Standards schließen keine Abweichungen aus und wir investieren viel, damit Dante mehr als ein Protokoll ist – es ist eine Zusammenfassung von entscheidend wichtigen Diensten. Man kann Audinate nicht mit einer Arbeitsgruppe in einer Standard-Organisation vergleichen. Kunden verlangen eine bewährte und unterstützte Lösung. Für unsere OEMs ist Dante sehr einfach einzubauen und für die Endkunden sehr einfach zu nutzen.“

Bei Yamaha ist Dante die erste Wahl. Rob Bakker begründet: „Es gibt drei Generationen. Zu der ersten gehören AES 3 und SPDIF, zur zweiten Protokolle wie CobraNet und EtherSound, in der dritten sind die Gigabit- und Layer 3-fähigen Technologien vertreten. Dante gehört zu der dritten Generation und war funktionsfähig, als Yamaha eine dritte Generations-Lösung suchte. Es hätte wenig Sinn gemacht, ein eigenes drittes Generations-Protokoll zu entwickeln, das technologisch 90 % den anderen gleicht und als Yamaha-Produkt nicht von anderen Herstellern eingesetzt wird. Dante wird von einer neutralen Partei angeboten.“

Ruben van der Goor ergänzt: „Dante hat sich in allen Anwendungsbereichen etabliert und so können die Yamaha-Geräte mit den Geräten anderer Hersteller in einem Netzwerk arbeiten, das viele Funktionalitäten über den reinen Audioaustausch zur Verfügung stellt. Das ist ein großer Vorteil für die Kunden.“

Als einer der Cobranet-Entwickler und AVB-Aktivist sagt Kevin Gross: „Bei der Frage geht es um die Konvergenz. Wir wollen Netzwerke bauen, die alles können. Die Alternative bei Layer 2, Ethernet-basierten oder proprietären Systemen ist der Aufbau eines separaten Netzwerks für jede Kommunikationsanwendung, Man verkennt bei dieser Vorgehensweise die Potenz, die in der Vernetzung steckt. Wenn unser Netzwerk alles kann, dann nutzen wir die Vorteile der Masseproduktion und ermöglichen eine sinnvolle Interaktion zwischen unterschiedlichen Systemen. Dazu brauchen wir eine Medien-Vernetzung, die wie andere Netzwerk-Anwendungen arbeitet. Das heißt, IP zu nutzen und die vielen offenen Standards, die mit IP verbunden sind.“

Die Vorzüge von Ravena als offener Standard betont Andreas Hildebrand: „Die proprietären Layer 1-Systeme schaffen oft eine sehr schnelle Übertragung zwischen den Produkten eines Herstellers, sind aber für eine Interoperabilität ungeeignet. Die Layer 2-Systeme sind für Subnetze, LANs konzipiert, die Layer 3-Systeme können auch über Router hinweg in Firmen- und auch WAN-Umgebungen arbeiten. Die Hauptunterschiede zwischen Ravenna und Dante liegen in den Anforderungen, die die Zielmärkte stellen. Dante als lizenzierte Technologie wird mit fertigen Modulen aus einer Hand über die Produkthersteller in den Markt gebracht. Das hat den großen Vorteil, dass alles gleich bedienbar ist, jedoch den Nachteil, dass eine Weiterentwicklung ausschließlich von der Strategie eines einzigen Herstellers abhängt.

Ravenna dagegen ist ein offener Standard, lizenzfrei für jeden verfügbar. Damit wird eine hohe Implementierungsflexibilität erreicht und Hersteller haben die Möglichkeit, die Basistechnologie ihren Anforderungen entsprechend zu erweitern. Die Interoperabilität zwischen den einzelnen Implementierungen wird über genau definierte Parameterprofile gewährleistet, welche im Rahmen von Plug-Fests (analog zu AES67) auch getestet werden.“ Christoph Keller (Audio Pro) präferiert BLUE-Link: „Wir können das Netzwerk individuell auf die Anforderungen des Kunden anpassen. Kommt alles aus unserer Hand, ist BLU-Link eine sehr robuste und praxiserprobte Lösung, wenn die derzeit mögliche Kanalanzahl im BLU-Link für die Anwendung ausreicht. Bei Studer schafft A-Link passend zum Studer Infinity-Core Kapazitäten zur Übertragung von bis zu 1.536 Kanälen über eine Glasfaser mit einer Punkt-zu-Punkt Verbindung. Mit den Schnittstellen-Karten zu Dante, CobraNet etc. für die verschiedenen Geräte sind wir offen und flexibel zu allen Formaten und Netzwerken. Darin sehe ich unseren Hauptvorteil.“

Schließlich hält Thomas Riedel fest: „Riedel bewegt sich von kleinsten Anwendungen bis zu den größten. Wir decken diese Bandbreite mit unseren Systemen ab, mit AVB Layer 2-Alternativen, AES67 auf dem Layer 3 demnächst und den jetzigen, proprietären Systemen RockNet und MediorNet. Mit diesen Lösungen und Möglichkeiten zum Upgrade stellen wir die Investitionen der Kunden auch auf eine Sicht von 10 Jahren und mehr sicher.“

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Kommentare zu diesem Artikel

  1. Hallo,
    ich habe den Beitrag ” Audionetzwerke – Wo liegt die Zukunft? ” mit großem Interesse gelesen.
    Gerne würde ich mich etwas weiter mit dem Thema beschäftigen und die u.a. genannten Systeme objektiv miteinander vergleichen.
    Leider konnte ich derzeit nur Herstellerseitige Informationen zu dem Thema bzw. den jeweiligen System finden, vielleicht gibt es ja eine Literaturempfehlung Ihrerseits inder die einzelnen Technologien zusammengefasst und unbefangen beschrieben werden.
    Würde mich über jeden Tipp und jede Empfehlung freuen.

    Auf diesen Kommentar antworten
    1. Vielen Dank für Ihr Interesse! Unsere Kollegen von PRODUCTION PARTNER haben 2 weiterführende Downloads über Audio Netzwerke, die Ihnen sicher weiterhelfen: http://musik-media-shop.de/production-partner/downloads

      Auf diesen Kommentar antworten
  2. danke f diesen guten artikel! ich denke auch, dass man sehr wohl unterscheiden muss (wird müssen), für welchen einsatzzweck (livesound, broadcast, studio…) man welches protokoll einsetzt. speziell im livesound bereich, wo ich tätig bin, ist das thema latenz ein enorm wichtiges, das ich bei diesem artikel leider vermisst habe. more to come … grüße, a. putz

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