Produkt: Professional System 04/2019
Professional System 04/2019
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AV-Technik für Hörgeschädigte

Wie funktionieren induktive Höranlagen? Grundlagen & Einsatzbereiche

Induktive Höranlagen sind in zahlreichen öffentlichen Gebäuden wie etwa Theatern, Vortragssälen, Konferenzzentren und anderen Veranstaltungsräumen zu finden. Sie sind auch unter den Bezeichnungen Induktions- oder Ringschleifenschleifenanlage oder einfach nur Induktionsschleife bekannt.

Funktionsprinzip der induktiven Höranlagen
Funktionsprinzip der induktiven Höranlagen (Bild: Ampetronic/Laauser & Vohl)

Hörgeschädigte können mittels dieser Technologie die entsprechenden Audiosignale direkt und ohne weitere technische Hilfsmittel direkt in ihr Hörgerät einspeisen. Das Funktionsprinzip ist dabei Folgendes: Eine Signalquelle, meist ein oder mehrere in den Raum integrierte Mithörmikrofone, wird in einen Verstärker eingespeist, an den allerdings keine Lautsprecher angeschlossen sind, sondern eine Induktionsschleife (im Grunde ist das nichts anderes als ein isolierter Draht, herkömmlicherweise ein Flachbandkabel). Die ist wiederum im entsprechenden Raum verlegt. Letztlich wird also eine Spule mit einem magnetischen Feld, hier die Telespule des Hörgerätes, in das Magnetfeld einer weiteren Spule (nämlich der Induktionsschleife) getaucht.

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Dies erzeugt qua elektromagnetischer Induktion einen Wechselstrom im Hörgerät, der dort wieder in akustische Information übersetzt werden kann, da er in gleicher Weise moduliert ist wie das ursprüngliche Audiomaterial. Alles was die betroffenen Personen nun tun müssen, ist, ihre Hörgeräte von M (Mikrofon) auf T (Telespule) oder MT (beides) umzuschalten.

Oft reicht eine einzige Schleife jedoch nicht aus, um in einem gegebenen Raum ein gleichmäßiges magnetisches Feld zu erzeugen. In einem solchen Fall sollte man auf sogenannte Phased-Array-Loops zurückgreifen, die eine ebenförmigere Abdeckung des fraglichen Raumes ermöglichen. Hier spielen mehrere aufeinander abgestimmte Induktivschleifen zusammen, um im gesamten Raum ein möglichst gleichmäßiges Feld aufzubauen, das notwendig ist, um über die gesamte Hörfläche die gleiche Audioqualität zu gewährleisten.

Infografik
Das von einer einfachen Induktionsschleife aufgebaute Magnetfeld beschränkt sich nicht nur auf die gewünschte Hörfläche, sondern geht im Normalfall darüber hinaus. Um eine gewisse Abhör sicherheit zu gewährleisten oder um „Übersprechen“ von Induktionsschleifen in nebeneinander liegenden Räumen deutlich zu reduzieren, kommen Höran – lagen mit Low Overspill Loop zum Einsatz. (Bild: Humantechnik)

Eine weitere Sonderform des Loop Designs stellen sogenannte Low Spill oder Low Overspill Loops dar. Folgendes Problem: Das von einer einfachen Induktionsschleife aufgebaute Magnetfeld beschränkt sich nicht nur auf die gewünschte Hörfläche, sondern geht im Normalfall darüber hinaus. Das wird problematisch, sobald eine gewisse Abhörsicherheit des entsprechenden Raumes gewährleistet werden muss. Problematisch wird es aber auch dann, wenn mehrere Räume mit Induktionsschleifen nebeneinander liegen, da es in einem solchen Fall zu gegenseitigen Störungen und Übersprechungen kommt. Um derartige Probleme möglichst zu vermeiden, haben einige Hersteller wie z. B. Ampetronic (dt. Vertrieb: Laauser & Vohl) oder Humantechnik (Produktlinie Audioropa)

spezielle Loop-Designs entwickelt, die das Magnetfeld einer Induktionsschleife auf die gewünschte Hörfläche beschränken sollen. Aber wie auch immer die Schleife letztlich aussehen wird: ein sorgfältiges Loop-Design, das auch Faktoren wie etwa Metal-Loss (Verluste etwa durch Metallarmierungen etc.) berücksichtigt, ist absolut unabdingbar! In der Praxis hat es sich übrigens bewährt, zur Überwachung der Induktiv-Anlage im Zuschauerraum einen Empfänger zu installieren.

Über diesen kann auch ein Techniker ohne Hörhilfe überprüfen, ob die Funktionalität der Anlage gegeben ist. Auch eine Leitung in die Tonregie hat sich bewährt, so dass die Anlage auch im laufenden Betrieb einfach per Kopfhörer überwacht werden kann.

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Kommentare zu diesem Artikel

  1. Im Artikel wird gesagt: “Eine Signalquelle, meist ein oder mehrere in den Raum integrierte Mithörmikrofone, wird in einen Verstärker eingespeist…”

    Dies ist sehr kritisch zu sehen.

    Die Diskriminierung zwischen Nutzschall und Störgeräuschen, Hall und Echo basiert für Guthörende auf dem räumlichen Hörvermögen. Schwerhörige haben ein erheblich reduziertes räumliches Hörvermögen. Deswegen muss mithilfe einer (induktiven) Höranlage dafür gesorgt werden, dass möglichst wenig Störschall, Hall oder Echo übertragen wird. Dies wird dadurch erreicht, dass der Sprecher in ein Richtmikrofon spricht und dieses Signal direkt in den Induktionsverstärker eingespeist wird, so dass Störschall, Hall und Echo erheblich gedämpft wird.

    Werden jedoch mehrere im Raum verteilte Mikrofone gleichzeitig in die Schleife eingespeist, so entsteht aufgrund von Schalllaufzeitdifferenzen ein künstlicher Hall. Ebenso nehmen Raummikrofone den ohnehin vorhandenen Hall im Raum mehrfach auf und übertragen Störgeräusche aus dem Publikum. Das Höranlagen-Signal ist ein Mono-Signal und enthält deswegen keinerlei räumliche Informationen. Selbst ein evtl. noch vorhandener Rest eines räulichen Hörvermögens des Hörgeräteträgers wird damit ausgeschaltet, er kann das Nutzsignal nicht mehr von Störgeräuschen, Hall oder Echo unterscheiden Die Verständlichkeit des Signals ist also erheblich reduziert.

    Fazit:
    Der Vorschlag, im Raum “Mithörmikrofone” zu installieren, widerspricht dem Sinn einer Höranlage und ist damit kontraproduktiv. Publikumsbeiträge müssen vom Redner/Moderator ins Mikrofon wiederholt werden oder von einer Hilfsperson mit einem eigenen abschaltbaren Mikrofon vom übertragen werden. Wollen wir also Inklusion, so ist von Installateuren von Höranlagen den Betreibern auf die entsprende verhaltensweise hinzuweisen.

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