Berufe in der AV-Branche

Was macht eigentlich ein Fachplaner?

So wie die Medientechnik bzw. die AV-Technik selbst sind auch verschiedene Berufsbilder der Branche noch verhältnismäßig jung. Aufgrund der zunehmenden Digitalisierung ist außerdem davon auszugehen, dass sie sich stetig weiterentwickeln werden. Das gilt auch für den Beruf des Fachplaners Medientechnik, der im Folgenden vorgestellt wird.

(Bild: Pixabay)

Berufsbild: Fachplaner Medientechnik

Um den Aufgabenbereich eines Fachplaners Medientechnik verstehen zu können, muss man zunächst wissen, warum es den Beruf des Fachplaners generell überhaupt gibt. Hintergrund ist, dass in Deutschland größere Projekte und Bauvorhaben ausgeschrieben werden müssen – vor allem, wenn es um Projekte im öffentlichen Bereich geht. Das bedeutet, dass beispielsweise eine Hochschule nicht einfach eine Firma beauftragen kann, um einen Hörsaal umzubauen oder gar einen Gebäudekomplex zu erweitern. Dafür ist eine Ausschreibung erforderlich, die einen für das jeweilige Projekt fachlich spezifischen Leistungs- und Anforderungskatalog beinhaltet, auf den sich anbietende Unternehmen sozusagen bewerben können. Für die Erstellung solcher Ausschreibungen sind in den meisten Fällen spezifische Fachkenntnisse erforderlich, welche die ausschreibende Stelle – also der Bauherr bzw. Auftraggeber – meist selber nicht hat. Dafür gibt es auf bestimmte Themengebiete spezialisierte Fachplaner. Das gilt schon lange für klassische Felder der Bauwirtschaft wie Architektur, Elektrotechnik oder Gebäudeleittechnik und seit einigen Jahren eben auch für die Medientechnik bzw. AV-Technik.

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Der Fachplaner Medientechnik ist dafür zuständig, die medientechnischen Installationen eines Projektes über verschiedene Leistungsphasen hinweg zu planen. Dabei orientiert er sich an der Verordnung über die Honorare für Architekten- und Ingenieurleistungen (HOAI), welche die Leistungsphasen vorgibt, die meist nacheinander abgearbeitet werden müssen. Das beginnt mit der Grundlagenermittlung in der Leistungsphase 1, in der im Gespräch mit dem Kunden ermittelt wird, wie die Anforderungen, Bedürfnisse, Budget, Zeitrahmen und Rahmenbedingungen aussehen. In der Leistungsphase 2 folgt dann die Vorentwurfsplanung, in der der Fachplaner ein erstes Konzept erarbeitet: Wie könnte Medientechnik bzw. AV-Technik für den Kunden eingesetzt werden und mit welchen Kosten wäre dafür im Groben zu rechnen?

Verschiedene Aufgaben in den Projektphasen

In der Leistungsphase 3 geht es dann an die Entwurfsplanung, in der schon etwas detaillierter definiert wird, welche medientechnischen Komponenten verbaut werden sollen. Hier legt der Fachplaner fest, ob es beispielsweise Projektoren und Displays gibt, wo sie platziert werden, wie groß sie sein sollen, wie das Beschallungskonzept aussieht, wie die Technik gesteuert wird usw. Das stimmt er dann mit anderen Projektplanungsbeteiligten ab, z. B. mit dem Architekten oder dem Elektriker. Denn der Architekt muss wissen, wie groß z. B. die Videowand sein wird, die aus der Decke ausgefahren wird, der Elektrotechnik-Fachplaner wird wissen wollen, wie viel Strom dafür benötigt wird. Im Ingenieurbüro des Fachplaners arbeitet dieser dann auch zunehmend mit technischen Systemplanern zusammen. Diese sind dafür zuständig, u. a. Blockschaltbilder oder Grundrisse zu erstellen, in denen die Positionen von medientechnischen Einbauten verzeichnet werden.

Teamwork und Kommunikation spielen für den Beruf des Fachplaners Medientechnik eine wichtige Rolle – wie hier beim Team im Planungsbüro hmpartner.
Teamwork und Kommunikation spielen für den Beruf des Fachplaners Medientechnik eine wichtige Rolle – wie hier beim Team im Planungsbüro hmpartner. (Bild: Claudia Rothkamp)

In der sich anschließenden Ausführungsplanung geht der Fachplaner dann noch mehr ins Detail: Nun wird z. B. festgelegt, welche Ausstattungsmerkmale und Funktionen der benötigte Projektor haben soll. Die Ausführungsplanung ist die Grundlage für die Erstellung eines umfangreichen Leistungsverzeichnisses (LV), in dem detailliert beschrieben wird, welche Produkte, technische Komponenten und Dienstleistungen von dem noch zu findenden Errichter zu erbringen sind. Dabei muss das Leistungsverzeichnis herstellerneutral erstellt werden. Erst nach all dieser Vorarbeit des Fachplaners Medientechnik kann die Ausschreibung an den Markt gehen, um geeignete Firmen zu finden, die das jeweilige Projekt nach seinen Vorgaben realisieren können. Deren Angebote werden dann in Leistungsphase 7, z. B. nach Preis und Produkteigenschaften, ausgewertet, um dem Kunden eine Empfehlung für die Vergabe des Auftrags geben zu können.

Von Anfang bis Ende im Projekt

Bis zur Auftragsvergabe an einen sogenannten Errichter – also denjenigen, der das Projekt praktisch umsetzt und realisiert – liegt die Projektverantwortung in den Händen des Fachplaners. Sobald die eigentliche Bau- und Umsetzungsphase beginnt, hat er zusätzlich eine kontrollierende bzw. qualitätssichernde Funktion in der Leistungsphase 8 (Objektüberwachung). Das bedeutet, dass er die Objektüberwachung / Fachbauleitung übernimmt und vor Ort auf der Baustelle sicherstellt, dass die ausgeschriebene Qualität vom Errichter im richtigen Zeit- und Budgetrahmen erfüllt wird.

Ganz zum Schluss erfolgen dann die Abnahme und die Kontrolle, womit die Leistung des Fachplaners in der Leistungsphase 8 endet. Die Leistungsphase 9, die Objektbetreuung, beinhaltet das Nachhalten von Gewährleistungsansprüchen gegenüber dem Errichter. Diese Leistungsphase wird in der Regel aber nicht beauftragt. Ein solches Projekt kann sich von der ersten Planung bis zur Fertigstellung über mehrere Jahre hinziehen. In manchen Fällen übt der Fachplaner außerdem die Funktion eines Projektleiters aus, was naturgemäß zusätzliche Aufgaben mit sich bringt. Wie diese aussehen und welche Faktoren das Berufsbild des Fachplaners Medientechnik besonders spannend machen, erläutert in Ausgabe 6.2017 von PROFESSIONAL SYSTEM Carsten Langerwisch, Fachplaner und Projektleiter Medientechnik beim Planungsbüro hmpartner.

Hier geht es zum Interview

 

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