Nicht nur für Oldtimer-Fans

Case Study: VIDA-Lautsprecher von Kling & Freitag in der PS.Halle in Einbeck

Mit der PS.Halle erweitert sich das Angebot des PS.SPEICHER in Einbeck um eine Veranstaltungshalle für bis zu 1.000 Personen. Dabei sollen VIDA-Lautsprecher von Kling & Freitag für den guten Ton sorgen.

PS.Halle in Einbeck
(Bild: Christiane Bangert)

Wo früher Korn gelagert wurde, haben jetzt viele Pferdestärken ihren Platz gefunden. Historisch geht es im ehemaligen Kornspeicher mit Anbauten bis in die Zeiten zurück, in denen noch kein Motor die Räder bewegte. Und es geht nicht nur um „alte“ Fahrzeuge. „Der PS.SPEICHER in Einbeck – die neue Erlebnisausstellung zur Geschichte, Gegenwart und Zukunft der individuellen Fortbewegung auf Rädern“ –, so umschreibt die Broschüre die Intention für das Ausstellungskonzept mit über 400 Exponaten auf 5.000 m2.

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Faszination für technische Finessen drückt sich in den Exponaten im Eingangsbereich aus, durch den es jetzt nicht nur in die 2014 eröffnete Ausstellung geht. Er führt auch in die im Herbst 2016 eingeweihte PS.Halle, die sowohl für Sondersaustellungen als auch für Veranstaltungen genutzt wird: Zum einen fungiert der neue Gebäudekomplex als Ausstellungshalle, zum anderen bietet die PS.Halle Raum für Tagungen, Seminare, Bankette und Kongresse. Darüber können auch (punktuell) Konzertveranstaltungen oder andere gesellschaftliche Festlichkeiten abgehalten werden.

Wie vielfältig die Nutzung ist, welche Anforderungen es gibt und wie diese erfüllt werden, erklärten Alexander Kloss, Leiter Vertrieb/ Marketing, und Michael Kraasz, technischer Leiter des PS.SPEICHER, beim Besuch in Einbeck. Dabei ging es insbesondere um die vielfältigen Aufgaben des Beschallungssystems. Gefordert waren gute Sprach- und Musikwiedergabe – auch bei Live-Bands – in unterschiedlichen Raumkonstellationen. Gleichzeitig sollte das Beschallungssystem einfach bedienbar sein – auch von Technikern, die nicht von Hause aus gelernte Tontechniker sind.

Von Moorleichen bis zum Symphoniekonzert

Zum Zeitpunkt des Besuchs widmete sich die Galerie der PS.Halle den „Moorleichen“ und präsentierte eindrucksvolle Bilder lieblos im Moor verlassener Fahrzeuge. Im Erdgeschoss dokumentieren Fahrzeuge aus verschiedenen Epochen „Freiheit erfahren“, Sonderausstellungen, für die die Halle genutzt wird. „Bei der Nutzung der Halle gibt es immer das Spannungsverhältnis, ob wir Fahrzeuge zeigen oder Konzerte bieten möchten“, sagte Alexander Kloss „Da unsere Stiftung auch die Förderung von Kunst und Musik zur Aufgabe hat, können wir das elegant verbinden. Die Halle soll sich immer wieder neu erfinden. Für das nächste Jahr ist zum Beispiel eine große Ausstellung zur Elektromobilität geplant.“

Um Fahrzeuge in der ganzen Halle positionieren zu können, ist die Bühne komplett mit verfahrbaren Podien ausgeführt. Bei Bedarf können drei Segmente mit einer Gesamtgröße von 80 m2 bis auf eine Höhe von 1,2 m hochgefahren werden. Mit weiteren Podien lässt sich die Bühne bis auf 152 m2 erweitern. So gibt es genügend Platz z. B. für das Göttinger Symphonie Orchester, das bereits in der Halle spielte und weitere vier Konzerte plant. Pop und Jazz gehören zu den Stilrichtungen der Live-Konzerte. Vorträge, auch im Rahmen von Kongressen oder Tagungen, finden ebenfalls in der Halle statt. Auch für Gastlichkeit ist gesorgt: Zum Komplex des historischen Speichers mit den neuen Anbauten gehören auch ein Hotel und Restaurant der gehobenen Klasse mit Tagungsräumen.


PS.Speicher

PS.Speicher
(Bild: Kulturstiftung Kornhaus)

„Touristisch ist Einbeck bekannt für sein Fachwerk. Und das Bier. Mit dem PS.SPEICHER wird noch einmal eine ganz neue Tür aufgestoßen“, so Alexander Kloss. Denn allein in der Dauerausstellung werden auf einer Fläche von 5.000 m2 über 400 zwei-, drei- und vierrädrige Fahrzeuge gezeigt. Mit dem Anspruch, nicht klassisches Museum, sondern ein Ort des Erlebens und impuls gebend zu sein, sind die Exponate nicht nur für Oldtimer-Fans präsentiert. Die Ausstellung beruht auf der privaten Sammlung des Stifters Karl-Heinz Rehkopf, der einige der Fahrzeuge auch selber gefahren ist. Zum Komplex PS.SPEICHER gehören das Restaurant GENUSSWERKSTATT und das Hotel FREIgeist mit Tagungskapazitäten.


Raumakustische Gegebenheiten

Von der Grundstruktur her ist die Halle gradlinig rechteckig und aus Beton, Holz findet sich auf dem Boden und Trapezblech an der Decke. Zur Anpassung der Raumakustik sind die Unterseiten der Galerie mit gelochten Gipskartonplatten ausgeführt. Die Rückwand ist vertikal leicht strukturiert und hat in die Betonwand integrierte, absorbierende („schallschlucken de“) Flächen. Für eine gewisse akustische Variabilität sorgen Wandelemente an den Seitenwänden. Diese gelochten Holzelemente, die man sich in etwa wie die Elemente einer mobilen Trennwabe vorstellen kann, können in verschiedenen Stellungen für mehr oder weniger absorbierende Flächen sorgen. Je nach Stellung ist u. a. der Nachhall etwas länger oder kürzer. Zu den Erfahrungen mit der Raumakustik sagte Alexander Kloss: „Beim Konzert mit den Göttinger Symphonie Orchester hat sich die Halle bewährt. Sie klingt sehr klar und direkt, nicht kalt und hart, wie man bei der Betonhülle hätte befürchten können.“


VIDA-Lautsprechersystem

Das Beschallungssystem VIDA (Versatile Intelligent Digital Array) basiert auf einem Lautsprecher- Array, in dem mehrere Lautsprecher zusammenarbeiten. Dies gilt bei der VIDA L sowohl bezüglich ihrer Innenlebens mit sechs 6,5″-Tieftönern, zwölf 3,5″-Mitteltönern und 32 × 1″- Hochtonkalotten als auch der Möglichkeit, aus den ca. 1 m langen Modulen Arrays mit bis zu 9 m Länge zusammenzustellen. Digital sind die Signalbearbeitung und die Class-D-Verstärker, die mit 48 Kanälen für die Intelligenz und Vielseitigkeit (versatile) sorgen: Jeder Lautsprecher erhält sein eigenes Signal – so lässt sich die Abstrahlung in der Vertikalen auf die jeweilige Lokalität abstimmen: Durch das Beam-Steering wird der Schall möglichst genau dorthin gelenkt, wo das Publikum ist. Die Gleichmäßigkeit der Beschallung lässt sich dadurch verbessern. Zusätzlich kann in akustisch schwierigen Räumen die Anregung störender Reflexionen gemindert werden: Die Beschallung von Flächen, die schallhart störende Echos oder andere unerwünschte Effekte produzieren können, lässt sich durch die Ausrichtung auf die Hörer und Aussparung eben jener Flächen vermeiden. Dies hat positive Auswirkungen auf die Verständlichkeit von Sprache und die Klarheit von Musik.

Durch das zweite VIDA-Modell können raumakustische Effekte wie in der PS.Halle noch verstärkt werden: VIDA C sorgt dafür, dass auch zu tiefen Frequenzen hin der Schall vornehmlich nach vorne und nicht ungewollt nach hinten abgestrahlt wird. Dazu wird das VIDA C hinten auf die VIDA L aufgesetzt. Die für die viele Technik recht schlanke Silhouette von vorne – die VIDA ist nur 21 cm breit – wird durch das zusätzliche Modul nicht beeinflusst. Vielseitig sind auch die Einspeisungsalternativen in das aktive System. Für die Signale stehen analoge, AES/EBU- oder Dante-Schnittstellen zur Verfügung. Dabei müssen das Signal und auch die per Ethernet eingespeisten Steuersignale nur in eine VIDA eingespeist werden. Die Weiterleitung erfolgt in einer VIDA-Kombination mit mehreren Modulen über kurze Link- Kabel.

Die Einstellung der VIDA erfolgt per Software, die das Abstrahlverhalten der VIDA-Kombinationen zusammen mit den Publikumsflächen in der Vertikalen visualisieren. Touch-basiert für berührungssensitive Displays berechnet sie die Paramater für die VIDA-internen Signalbearbeitungs- DSPs. Für unterschiedliche Raumkonfigurationen lassen sich Presets speichern und wieder aufrufen – eine Eigenschaft, die u. a. in der PS.Halle zur Anpassung der Beschallung an verschiedene Nutzungsprofile genutzt wird.


Eckdaten VIDA L

  • Prinzip: Aktiver 3-Wege-Linienstrahler im Koaxialaufbau mit Beam Steering
  • Übertragungsbereich: –10 dB 80 Hz–22 kHz „LCut Mode“ / 65 Hz–22 kHz „FR Mode“
  • Abstrahlwinkel horizontal: 90° nominal (bei senkrechtem Betrieb)
  • Abstrahlwinkel vertikal: Stufenlos wählbar bis zu 90°, ±45° Steuerungswinkel
  • Maximaler Schalldruck (1 m) 135 dB
  • Komponenten: 32 × 1″-Kalottenhochtöner / 12 × 3,5″-Mittelhochtontreiber / 6 × 6,5″-Tieftonchassis
  • Leistung AMP OUT: 2 × 400 W RMS/4 Ohm
  • Anschlüsse: 1 × Analog Input (XLR), 1 × AES/EBU Input (XLR), 1 × VIDA Bus Input (Ethernet), 1 × PowerCon True 1, 1 × Analog Link (XLR). 1 × AES/EBU Link (XLR), 2 × Dante Remote (Primary/Secondary), 1 × Aux Out (XLR), 1 × AMP Out (speakON), 1 × VIDA Bus Output, (Ethernet), GPIOs (Phoenix-Klemme)
  • Abmessungen (H×B×T): 1.075 × 210 × 341 mm, 1.075 × 210 × 480 mm (VIDA L mit VIDA C)
  • Gewicht: 48,2 kg, 61,8 kg (VIDA L mit VIDA C)
  • Farbe: RAL 9005 (Schwarz), RAL Sonderfarben

Klanglich überzeugend

Bei der Wahl des elektroakustischen Beschallungssystems hat man sich für eine Anlage entschieden, die auf den VIDA-Lautsprechern von Kling & Freitag basiert (Details siehe Kasten). Diese Arrays, in denen mehrere Lautsprecher zusammenarbeiten, sind aktive Systeme mit integrierten DSPs und Class-D-Verstärkern. Zusätzlich bieten die VIDA-Modelle ein Beam Steering, bei dem der Schall möglichst genau elektronisch dorthin gerichtet und gelenkt wird, wo das Publikum ist.

Studio Technologies Model 5204
Das Studio Technologies Model 5204 kann an Bodentanks angeschlossen werden und analoge Einspeisungspunkte in das Dante- Netzwerk schaffen. (Bild: Christiane Bangert)

Bei der Entscheidung für das System gaben die praktischen Eigenschaften des Systems jedoch nicht allein den Ausschlag. Es war der klangliche Eindruck, den die VIDA-Modelle bei einem Probehören mit mehreren Systemen hinterließen. „Beim Probehören haben die VIDA klanglich alle überzeugt“, berichtete Alexander Kloss. „Es waren unterschiedliche Hörer dabei, tontechnische Fachleute und Laien, u. a. auch unser Stifter Karl-Heinz Rehkopf. Er war begeistert. So fiel die Entscheidung für die VIDA eindeutig, auch wenn sie teurer als andere Systeme waren.“ Dazu ergänzte Michael Kraasz: „Die VIDA stellen sowohl Sprache als auch Musik gut dar. Sie haben einen natürlichen Klang, man hört, wer da spricht.“

Di K&F Software
Di K&F Software zum Einstellen der „Beams“ und anderer Parameter der VIDA. (Bild: Christiane Bangert)

Variabel

Bei Live-Bands können zwei Bässe K&F SWi 118E aufgestellt werden, um tieffrequent zu unterstützen. Für die meisten Anwendungen haben die VIDA-Lautsprecher im unteren Frequenzbereich genügend Leistung. Zwei VIDA L sind untereinander auf der Innenseite der Galerie jeweils rechts und links aufgehängt. Die beiden oberen haben jeweils ein VIDA C Modul huckepack. So wird nicht unnötig viel Schallenergie gegen die Betonwand an der Vorderseite der Halle gelenkt.

Die VIDA sind an Motoren gehängt, so dass sie je nach Raumnutzung an zwei unterschiedliche Positionen gefahren werden können – bei Nutzung der Galerie hängen sie höher. Für beide Positionen hat Kling & Freitag die Beams passend eingestellt und das System eingemessen – die Parameter sind als Presets gespeichert. Für jede Konstellation gibt es ein Preset mit und ohne Subwoofer. „Ich kann jetzt das entsprechende Preset auf der Bedienoberfläche der Kling & Freitag-Software auswählen und lediglich die VIDA auf die passende Höhe fahren“, erläuterte Michael Kraasz. „Es muss nichts umgehängt oder neue Winkel eingestellt werden, um die Beschallung für die jeweilige Nutzung zu optimieren. Diese einfache Einrichtung des Systems ist für uns wichtig, um beim Einrichten Zeit zu sparen und keinen externen Tontechniker engagieren zu müssen. Ich kann auch ohne tontechnische Ausbildung Veranstaltungen mit einigen Mikrofonen entweder mit einem Touchpanel oder einem Yamaha TF-1 Mischpult betreuen. Nur bei wenigen Veranstaltungen mit besonderen Anforderungen brauchen wir so tontechnische Unterstützung von außen.“

Die Rückwand ist vertikal leicht strukturiert und hat in die Betonwand integrierte, schallabsorbierende Flächen
Die Rückwand ist vertikal leicht strukturiert und hat in die Betonwand integrierte, schallabsorbierende Flächen. (Bild: Christiane Bangert)

Beteiligte (Auszug)

  • Architekten des Komplexes: ARCHOS, Architekten Hosenfeldt, Lage
  • Ausstellungskonzept und Innenarchitektur: ö_konzept, Zwickau
  • Tontechnik: Seis Akustik, Rönnenberg-Empelde
  • Beschallungstechnik: Kling & Freitag, Hannover

Vernetzt mit Dante

Ihre Signale erhalten die VIDA direkt aus dem Dante-Audionetzwerk. Die Signale und Steuerdaten werden per Netzwerkkabel in die VIDA eingespeist. Auch die K&F SWi 118E erhalten ihre Audiosignale über das Dante-Netzwerk. Die Bässe mit integrierten Verstärkern und Elektronik haben analoge Eingänge, die ihre Signale von kleinen Dante-Modulen bekommen. Eingesetzt werden in der PS.Halle Dante- Module von Studio Technologies – das Model 5202 sorgt für die Ausgabe von zwei analogen Signalen aus dem Dante-Netzwerk. Als Eingangsmodul steht ein Model 5204 zur Verfügung.

Die gerade mal 10,7 x 4,3 x 13 cm großen Module können an diversen, in der Halle verteilten Bodentanks angeschlossen werden. So lassen sich flexibel Ein- und Ausspeisemöglichkeiten für Signale an den Positionen schaffen, an denen sie gebraucht werden. „Der Anspruch bestand, überall Tonsignale in der Halle ein- und ausgeben zu können, um z. B. bei Messen oder anderen Veranstaltungsformen flexibel zu sein“ erläuterte Michael Kraasz. „Diese Möglichkeiten schafft das Dante-Netzwerk. Darüber hinaus vereinfacht es die Übertragung in andere Teile des PS.SPEICHER. Es muss nur ein relativ dünnes Netzwerkkabel verlegt werden.“

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