Produkt: Professional System 08/2019
Professional System 08/2019
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Test & Messungen: In-Wall Lautsprechersystem

Test: Genelec AIW26B mit 5041A Subwoofer

Der Genelec In-Wall Lautsprecher AIW26B wurde zusammen mit dem flachen Subwoofer 5041A ursprünglich für kleine Kinosysteme konzipiert, eignet sich aber auch bestens für eine anspruchsvolle Beschallung von Geschäftsräumen und in der Gastronomie…

Genelec AIW26B (rechts) mit Subwoofer 5041A
Genelec AIW26B (rechts) mit Subwoofer 5041A (Bild: Dieter Stork)

Inhalt dieses Tests:

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Lautsprecheranlagen sind heute im öffentlichen Raum allgegenwärtig. Häufig ist ihre Nutzung auf Sprachwiedergabe zur Information oder Warnung der sich dort aufhalten Personen beschränkt, womit keine besonderen audiophilen Ansprüche einhergehen. Die Situation ändert sich jedoch, wenn man Lautsprecheranlagen in Restaurants, Shops oder Sportstudios einsetzt, wo Musik zur Unterhaltung der Gäste wiedergegeben werden soll – mit dem Ziel, deren Wohlbefinden zu steigern. Zischelnde oder plärrende Billiglautsprecher in der Decke verfehlen dort meist ihre Bestimmung und kehren die Sache schnell ins Gegenteil um. Der Gast fühlt sich durch die Musikeinspielung gestört und wird nicht unbedingt zum Verweilen angeregt. Mit der Zielsetzung einer ansprechenden Musikwiedergabe kommt man dann schnell auf hochwertige Beschallungslautsprecher oder HiFi-Boxen. Aktive Studiomonitore bieten sich ebenso an. Alle genannten Varianten haben jedoch den Nachteil, dass man die Lautsprecher irgendwo unterbringen muss und das auch noch möglichst unauffällig, am besten natürlich „unsichtbar“. Ein kleiner Blick über den Tellerrand fördert dann tatsächlich interessante Lösungen zu Tage. Der renommierte finnische Hersteller Genelec, bekannt durch seine Studiomonitore, bietet einige Monitore auch als Wandeinbaumodelle in extrem flachen Gehäusen an. Konzipiert wurden diese Lautsprecher als Installationssysteme für kleine Kinos, in denen sie hinter der Leinwand oder auch als Surroundsysteme eingesetzt werden können. Mit ihren speziellen Gehäusen eignen sie sich aber ebenso für die vorab genannten anderen Anwendungen.

Das aktuell in einer überarbeiteten Version erschienene Modell AIW26B (AIW steht hier für Active In Wall Speaker) ist als aktives 2-Wege System mit einem 7“-Tieftöner und einer ¾“-Hochtonkalotte mit Waveguide ausgestattet. Die zugehörige Aktivelektronik RAM1 mit zwei Endstufen á 120 W befindet sich in einem separaten Gehäuse und kann abseits des Lautsprechers montiert werden. Als Zubehör ist auch ein 19“-Rahmen für die Befestigung in einem Rack erhältlich. Die Montage des AIW26B erfolgt in einem 545×334 mm großen Wandausschnitt mit einer Tiefe von mindestens 88 mm. Der Lautsprecher wird dort mit seinem Rahmen eingesetzt und über hinten liegende Anker verschraubt. Auf den flachen Rahmen kann abschließend von außen mit Magnetverschluss ein blickdichtes feines Gitter aufgesetzt werden. Werksseitig ist das Gitter in weiß. Es kann jedoch in beliebigen Farben umgespritzt und somit an die Umgebung angepasst werden. Der Subwoofer 5041A ist kein fester Bestandteil des Systems, sondern kann bei Bedarf für höhere Pegel im Bass oder in Kinosystemen als LFE-System (LFE: Low Frequency Effects) ergänzt werden. Naturgemäß ist das Gehäuse mit zwei 6,5“-Tieftönern mit Abmessungen von 1170×360 mm relativ groß. Die Bautiefe beträgt jedoch nur 88 mm. Zusammen mit einer speziellen Halterung, die auch Vibrationen isoliert, kann der 5041A in einer Wand eingebaut werden. Hinter einer Leinwand bietet sich auch die vereinfachte Montage aufgesetzt auf der Wand an. Die beiden Treiber und der Bassreflexport liegen dicht beieinander, so dass in einer möglichen Wandvorsatzschale ein kleiner Ausschnitt von 350×245 mm ausreicht, der dann durch ein dezentes Gitter verdeckt werden kann. Zum Subwoofer gehört das externe Verstärker- und Controllermodul RAM3 mit einer 125 W Endstufe.

In-Wall Lautsprecher

Man mag sich nun fragen, ob die Montage eines Lautsprechers in einer Wand nicht Probleme mit sich bringt. Die Antwort ist ganz klar nein. Ganz im Gegenteil, sogar der bündige Einbau ist in einer Wand von Vorteil, da die Wand eine Grenzfläche darstellt, auf der sich die Quelle befindet. Reflexionen von nach hinten abgestrahltem Schall können daher nicht auftreten. Werden normale Lautsprecher vor einer Wand aufgestellt, dann kommt es zu heftigen Interferenzen mit den leicht verzögert beim Zuhörer eintreffenden Reflexionen von der dahinter liegenden Wand. Bei tiefen Frequenzen gewinnt man zudem durch die Abstrahlung in den Halbraum 6 dB gegenüber dem Vollraum.

AIW26B und Subwoofer
AIW26B und Subwoofer im Messraum. Der AIW26B wurde in der Grenzfläche eingebaut und der 5041A auf der Grenzfläche betrieben, da der Einbau aufgrund der Größe nicht möglich war. Im Hintergrund die für das Foto dort aufgestellten Verstärkermodule. (Bild: Anselm Goertz)

Als kleinen Nachteil des Wandeinbaus könnte man es empfinden, dass der Lautsprecher immer senkrecht von der Wand abstrahlt. Bei einer Kinoinstallation werden die Lautsprecher auf 2/3 der Leinwandhöhe angebracht, wo die Abstrahlung zu den typischer Weise leicht ansteigenden Sitzreihen dann genau passend ist. Befinden sich die Zuhörer jedoch sitzend in einer Ebene und der Lautsprecher ist deutlich höher eingebaut, dann strahlt er die Höhen etwas über die Zuhörer hinweg. Der Abstrahlwinkel der AIW26B ist mit ±60° andererseits relativ groß und gleicht das wieder aus. Eine gute Montagehöhe ist daher knapp über Kopfhöhe, so dass der Lautsprecher gerade nicht verdeckt wird.

AIW26B

Aus messtechnischer Sicht bietet ein aktiver Lautsprecher mit abgesetzter Elektronik viele Möglichkeiten, da man Lautsprecher und Elektronik in einfacher Weise separat messen und bewerten kann. Beginnen wir dazu mit den Einzelmessungen der AIW26B. Die Kurven der elektrischen Impedanz aus Abb.01 zeigen für den Tieftöner den typischen Verlauf des Doppelhöckers für ein Bassreflexgehäuse. Die Abstimmfrequenz des Gehäuseresonators liegt im Minimum zwischen den beiden Spitzen bei 45 Hz. Die AIW26B gibt sich damit als echtes Fullrangesystem zu erkennen, das auch ohne Subwoofer hinreichend tief hinab reicht. Genau so wird es auch für Frontlautsprecher in Kinoinstallationen gefordert, die den vollen Frequenzbereich abdecken sollten. Der Subwoofer am LFE-Kanal eines Kinosystems ist in seiner eigentlichen Bestimmung kein Subwoofer für die Hauptlautsprecher, sondern ein Effektlautsprecher, der nur bei speziellen Szenen in Aktion tritt.

Die Impedanzkurve des Hochtöners steigt zu tiefen Frequenzen hin steil an. Dies entsteht nicht durch den Hochtöner selbst, sondern durch einen vorgeschalteten Kondensator. Für die eigentliche Funktion ist der Kondensator nicht erforderlich, dient aber zum Schutz des Hochtöners, falls der Lautsprecher einmal falsch angeschlossen werden sollte. Käme das Tieftönersignal versehentlich auf den Hochtöner, wäre dessen Zerstörung sehr wahrscheinlich. Der Kondensator bietet in einem solchen Fall einen gewissen Schutz.

Interessanter wird es bei den Frequenzgängen der einzelnen Wege in Abb.02. Die beiden Kurven zeigen die Lautsprecher pur – ohne die sonst vorgeschalteten Filter. Der Tieftöner stellt sich dabei auch ohne Filter bereits sehr gut dar. Die Kurve verläuft von 100 Hz bis 5 kHz weitgehend gleichmäßig. Unterhalb von 100 Hz beginnt der Verlauf zunächst langsam und später unterhalb der Tuningfrequenz dann steiler abzufallen. Im Hochtonzweig ist der Verlauf durch zwei Einbrüche in der Kurve bei 8 und bei 18 kHz etwas unruhiger. Beide Einbrüche werden nicht durch den Hochtöner selbst, sondern durch das davor liegende Gitter verursacht. Bei hohen Frequenzen entsteht am feinmaschigen Gitter eine Reflexion, die mit dem Direktschall interferiert und so zu den Einbrüchen führt. Klanglich sind die Auswirkungen jedoch weit weniger problematisch, als es der Kurvenverlauf zunächst erwarten lassen würde. Unabhängig davon spielt der Hochtöner ab 2 kHz auf vergleichbarem Niveau zum Tieftöner. Beide Wege lassen sich daher ohne besondere Eingriffe im Controller zusammenbringen.

Impedanzkurven des Tieftöners
Abb. 01: Impedanzkurven des Tieftöners(rt) und Hochtöners(bl) in der AIW26. Dem Hochtöner ist zum Schutz ein Kondensator vorgeschaltet.

 

Frequenzgang mit Sensitivity des Tieftöners
Abb. 02: Frequenzgang mit Sensitivity des Tieftöners(rt) und Hochtöners(bl) in der AIW26

Subwoofer 5041A

Ähnlich der AIW26B wurde auch der 5041A Subwoofer zunächst ohne seinen zugehörigen Verstärker gemessen. Die Impedanzkurve aus Abb.03 zeigt dazu einen etwas ungewöhnlichen, eher für einen Bandpass typischen Verlauf mit drei Maxima. Der Grund könnte in den extremen Gehäuserelationen zu finden sein, die das Volumen nicht mehr als eine Einheit agieren lassen, woraus zusätzliche interne Resonatoren entstehen. Der Frequenzgang in Abb.04 deutet mit dem Einbruch bei 120 Hz ebenfalls darauf hin. Zusammen mit dem zugehörigen RAM3 Verstärker (rote Kurve) spielt das jedoch alles keine Rolle mehr. Als Subwoofer wird der A5041 nur bis knapp unter 100 Hz eingesetzt und darüber hinaus steil ausgeblendet. Am unteren Ende reicht die Kurve bis knapp unter 30 Hz, womit auch die Anforderungen als LFE-Lautsprecher im Kinosystem weitgehend erfüllt werden. Anhänger einschlägiger Action Streifen, in denen kaum eine Szene ohne Explosionen oder Erdbeben auskommt, dürften damit zwar nicht zufrieden sind, für den normalen Filmgenuss reicht es aber in jedem Fall.

Impedanzverlauf des Subwoofers
Abb. 03: Impedanzverlauf des Subwoofers mit einem insgesamt etwas ungewöhnlichen Verlauf. Die Tuningfrequenz liegt knapp unter 40 Hz. Die Resonanzspitze bei 140 Hz könnte auf die Längsmode des Gehäuses zurückzuführen sein.

 

Frequenzgang des 5041ASubwoofers
Abb. 04: Frequenzgang des 5041ASubwoofers pur (blau) und mit dem zugehörigen Verstärker inklusive Filterfunktion (siehe auch Abb. 06).

Elektronik

Die Elektronikeinheiten zum AIW26B und 5041A befinden sich in kleinen separaten Gehäusen mit einem (RAM3) bzw. zwei Verstärkerkanälen (RAM1). Alle Anschlüsse liegen auf der Rückseite, die Bedienelemente auf der Frontseite. Mit Ausnahme der Lautsprecheranschlüsse entsprechen die Funktionen weitgehend dem, wie man es auch von den Genelec Studiomonitoren kennt. Es gibt kleine DIP-Switches, mit denen eine Anpassung an die raumakustischen Verhältnisse über Bass- und Treble Tilt vorgenommen werden kann (Abb.05). Mit der Bass Roll-Off Funktion kann eine mögliche Bassüberhöhung durch eine Position nahe einer Seitenwand und/oder Raumdecke kompensiert werden. Befindet sich der Lautsprecher hinter einer Leinwand, kann die Hochtondämpfung der Leinwand durch einen kleinen HF-Boost kompensiert werden. Die Signalzuspielung erfolgt bei beiden Modulen über eine XLR-Buchse symmetrisch oder alternativ über eine Cinch-Buchse unsymmetrisch. Der Verstärker für den Subwoofer verfügt neben einer Bass-Tilt Funktion (Abb.06) zur Ortsanpassung noch über eine Phasenanpassung in 90-Grad-Schritten, mit deren Hilfe die Phase des Subwoofers mit der der Hauptlautsprecher ansatzweise in Übereinstimmung gebracht werden kann. Die Einstellung kann einfach nach Gehör erfolgen oder, wenn es etwas genauer sein soll, auch messtechnisch. Beide Elektronikmodule können mit Hilfe eines 12 V-Triggers ferngesteuert eingeschaltet werden.

Ansicht der beiden Verstärkermodule RAM1 (links) für das Topteil mit zwei Endstufen und RAM3 (rechts)
Ansicht der beiden Verstärkermodule RAM1 (links) für das Topteil mit zwei Endstufen und RAM3 (rechts) mit einer Endstufe für den Subwoofer. (Bild: Dieter Stork)

 

Rückansicht der beiden Verstärkermodule.
Bild 04: Rückansicht der beiden Verstärkermodule. (Bild: Anselm Goertz)

 

Filterfunktionen im Verstärkermodul für die AIW26 für den Tieftöner
Abb. 05: Filterfunktionen im Verstärkermodul für die AIW26 für den Tieftöner (rt) und für den Hochtöner (bl) sowie die Filter zur Ortsanpassung.

 

Filterfunktionen im Verstärkermodul für den 5041A mit Bass Tilt in 2 dB Stufen.
Abb. 06: Filterfunktionen im Verstärkermodul für den 5041A mit Bass Tilt in 2 dB Stufen.

Zusammenspiel

Wie die beiden Wege in der AIW26B mit dem Verstärkermodul zusammenspielen zeigen Abb.07 und Abb.08. Spezielle Filter zur Equalisierung der beiden Wege werden nicht eingesetzt. Lediglich der Tieftöner erhält einen 10 dB Boost bei 50 Hz und für noch tiefere Frequenzen ein Hochpassfilter 2. Ordnung. Die Trennung zwischen den beiden Wegen erfolgt bei 3,3 kHz mit Filtern 4. Ordnung (rote und blaue Kurve in Abb.05).

Für das korrekte Zusammenspiel zwischen Hoch- und Tieftöner sollten sich beide Wege im Übergangsbereich zu einem geradlinigen Verlauf addieren. Typische Frequenzweichen wie Hoch- und Tiefpassfilter erfüllen diesen Anspruch. Zusätzlich sind aber noch die Übertragungsfunktionen der Lautsprecher zu beachten, da sich final nicht nur die beiden Filterfunktion addieren, sondern Hoch- und Tieftöner zusammen mit den Filtern. Neben dem Amplitudenverlauf ist bei der Addition der beiden Wege daher auch noch deren Phasenlage zu beachten, die in einem möglichst weiten Bereich im Umfeld der Trennfrequenz für die zu addierenden Wege gleich verlaufen sollte.

Beides funktioniert bei der AIW26B erwartungsgemäß bestens. In Abb.07 finden sich dazu die Amplitudenverläufe des Tiefton- (rt) und des Hochtonzweiges (bl) sowie deren Summe (gr). Abb.08 zeigt die zugehörigen Phasengänge, die zwischen 2 und 4 kHz vorbildlich deckend verlaufen. Die AIW26B im Ganzen weist 360° Phasendrehung durch die Trennung der beiden Wege, 360° durch die akustische Hochpassfilterfunktion des Bassreflexgehäuses und weitere 180° durch das zusätzliche elektrische Hochpassfilter auf. Unregelmäßigkeiten gibt es dabei weder in der Phase noch in der Amplitude.

Gesamtfrequenzgang (gr) der AIW26 als Summe aus Tieftöner
Abb. 07: Gesamtfrequenzgang (gr) der AIW26 als Summe aus Tieftöner(rt) und Hochtöner(bl) mit Controller.

 

Phasengang (gr) der AIW26 als Summe aus Tieftöner
Abb. 08: Phasengang (gr) der AIW26 als Summe aus Tieftöner(rt) und Hochtöner(bl) mit Controller.

Directivity

Abweichend vom sonst üblichen Prozedere mit einem Drehteller wird die Directivity von Wand- oder Deckeneinbaulautsprechern in der Grenzfläche gemessen. Die Lautsprecher werden dazu im Boden des reflexionsarmen Halbraumes in eine hinreichend große Öffnung eingebaut, so dass sie vergleichbar einer realen Installation betrieben werden. Für die Messung bewegt sich das Mikrofon dann auf einem Halbkreisbogen in 5-Grad-Schritten über dem Lautsprecher und fährt damit die horizontale und vertikale Ebene ab. Die Messung erfolgt jeweils über einen Winkelbereich von ±90°. Die manchmal auch praktizierte Messung in einer Normalschallwand ist dazu nicht geeignet, da es durch die limitierte Größe der Schallwand und die damit einhergehenden Kanteneffekte zu erheblichen Fehlern kommen kann. Der Boden im reflexionsarmen Halbraum stellt sich dagegen für den Lautsprecher als ideale und unendlich ausgedehnte Grenzfläche dar. Die Einbauöffnung ist hinreichend groß und tief und kann mittels passend zugeschnittener Adapterplatten an nahezu alle Lautsprechertypen angepasst werden. Das Volumen hinter der Öffnung ist komplett mit Dämmmaterial gefüllt. Letzteres hat für einen Lautsprecher wie den AIW26B jedoch keine Relevanz, da er ohnehin über ein eigenes rückwärtig komplett geschlossenes Gehäuse verfügt.

Horizontale Isobaren für den vorderen Halbraum mit Grenzflächeneinbau.
Abb. 09: Horizontale Isobaren für den vorderen Halbraum mit Grenzflächeneinbau.

 

Abb. 10: Vertikale Isobaren für den vorderen Halbraum mit Grenzflächeneinbau. Im Bereich der Trennfrequenz zwischen 3 und 4 kHz gibt es die unvermeidliche Einschnürung.
Abb. 10: Vertikale Isobaren für den vorderen Halbraum mit Grenzflächeneinbau. Im Bereich der Trennfrequenz zwischen 3 und 4 kHz gibt es die unvermeidliche Einschnürung.

Bestimmt wird das räumliche Abstrahlverhalten eines Lautsprechers neben der Ausdehnung der Strahlerfläche (Membrandurchmesser) und des Einbaus auch noch durch zusätzliche Schallführungen. Ist der Membrandurchmesser klein gegenüber der Wellenlänge, dann strahlt die Membran rundum gleichmäßig ab. Kommen beide in vergleichbare Größenordnungen oder kehrt sich das Verhältnis um, setzt eine zunehmende Bündelung bei der Schallabstrahlung ein. Für die AIW26B ist dieser Effekt in Abb.09 ab 2 kHz zu beobachten, wo der Membrandurchmesser des 7“-Tieftöners in die Größenordnung der Wellenlänge (17 cm bei 2 kHz) kommt.

Mit dem Übergang auf den Hochtöner, der mit 20 mm auch bei 3 kHz noch sehr klein gegen die Wellenlänge ist, würde man jetzt eine Sprungstelle in den Isobaren erwarten. Diese wird jedoch durch das Waveguide (DCW = Directivity Control Waveguide) verhindert. Durch seinen Verlauf passt das Waveguide das Abstrahlverhalten des kleinen Hochtöners im Übergangsbereich an den Tieftöner an, womit die Sprungstelle vermieden wird. Als positiver Nebeneffekt steigert das Waveguide auch noch die Sensitivity des Hochtöners. Wer jetzt direkt an ein Horn und damit an horntypischen Klang denkt, liegt falsch. Ein Waveguide kommt ohne die kritische Kompressionskammer aus und kontrolliert lediglich in gemäßigter Form die Abstrahlung der Membran. Waveguides sind heute als Standard in fast allen Studiomonitoren anzutreffen und bieten richtig berechnet nur Vorteile. Ohne Waveguide würden durch die Sprungstelle im Abstrahlverhalten seitliche Reflexionen aus dem umgebenden Raum frequenzabhängig mehr oder weniger angeregt und somit zu einem undefinierten Verhalten führen. Soweit ist das alles in Abb.09 nachzuvollziehen. Auf den ersten Blick nicht plausibel ist dann jedoch die Aufweitung bei 8 kHz, die sich als Artefakt der Darstellung entpuppt. Isobarendiagramme stellen den Pegelabfall in Relation zu 0-Grad (on axis) Messung dar. In genau diesem Bereich kommt es durch die schon angesprochene Gitterreflexion zu einem Einbruch im Frequenzgang im Bereich der Mittelachse, der sich dann in einer Aufweitung der Isobarenkurven äußert. Der gleiche Effekt wiederholt sich bei 18 kHz.

Im globalen Verlauf ähnlich, aber mit einer deutlichen Einschnürung bei der Trennfrequenz stellen sich die vertikalen Isobaren aus Abb.10 dar. In der vertikalen Ebene kommt es im Gegensatz zur horizontalen durch winkelabhängige Laufzeitunterschiede zwischen Hoch- und Tieftöner zu Interferenzeffekten. Diese sind prinzipbedingt und lassen sich bei übereinander angeordneten Lautsprechern nicht vermeiden. Ein steilflankiger Übergang kann jedoch den betroffenen Frequenzbereich einengen. Komplett vermieden werden könnten diese Effekte nur durch eine koaxiale Anordnung der beiden Wege. Sieht man über die Artefakte der Isobarendarstellung und den schmalen Interferenzbereich bei der Trennfrequenz hinweg, dann könnte man den mittleren Abstrahlwinkel der AIW26B ab 2 kHz aufwärts mit 100×100 Grad gut beschreiben.

Maximalpegel

Für die Maximalpegelbestimmung wurden die beiden üblichen Messverfahren eingesetzt. Zum einen die klassische Max.SPL-Messung mit Sinusburst-Signalen von 185 ms Länge – hier werden via FFT die harmonischen Verzerrungen (THD) ausgewertet. Das Messprogramm steigert dabei den Pegel so lange, bis entweder ein vorgegebener Verzerrungswert erreicht ist oder ein Limiter begrenzend eingreift. Bei passiven Lautsprechern kann zusätzlich noch eine maximale Leistung vorgegeben werden, um wenig verzerrende Lautsprecher nicht durch Überlastung zu zerstören. Für aktive Systeme wie hier ist das nicht erforderlich, da es hier eigene Endstufen und Limiter gibt. Abb.11 und Abb.12 zeigen die so erstellten Messungen der AIW26B und 5041A für höchstens 3% und 10% Verzerrungen. Die bei dieser Messung erreichten Werte liegen im Mittel in einer Größenordnung von 100 dB. Die Begrenzung erfolgt jedoch nicht durch das Erreichen der Verzerrungsgrenzwerte, sondern durch die konservativ agierenden RMS-Limiter in den zugehörigen Endstufen, die bei den 185 ms langen Burst-Signalen bereits deutlich ansprechen. Diese Art der Messung ist daher zumindest für die AIW26B weniger aussagekräftig. Für einen Subwoofer sind die Sinus-Bursts Messungen dagegen durchaus realitätsnah.

Als zweite Messung zum Thema Maximalpegel wurde daher für die AIW26B noch die Multitonmessung (Abb.13) eingesetzt. Als Anregungssignal wird dazu ein Multitonsignal aus 60 in der Phase zufällig verwürfelten Sinussignalen mit einer spektralen Gewichtung entsprechend EIA-426B genutzt. Das Verhältnis Spitzenwert zu Effektivwert (Crestfaktor) in diesem Signal liegt bei 4 oder 12 dB. Subtrahiert man nach der Übertragung dieses Signals über den Lautsprecher alle 60 Spektrallinien des Anregungssignals, verbleiben nur die neu hinzugekommene Anteile, die sich aus den vom Lautsprecher erzeugten harmonischen Verzerrungen (THD) und allen Intermodulationsverzerrungen (IMD) zusammensetzen. Die Bezeichnung dafür ist TD für Total Distortions als Summe aus THD und IMD. Aus den Messungen lassen sich drei Werte ableiten: Der schon genannte TD-Wert, der hier wieder als Grenzwert mit 10% festgelegt wurde, der dabei erreichte Mittlungspegel Leq und der Spitzenpegel Lpk. Bei 10% TD erreicht die AIW26B einen Mittlungspegel von 98 dB und einen Spitzenpegel von 110 dB. Knapp darüber setzten dann wieder die Limiter ein, so dass die Messung den echten Maximalpegel repräsentiert. Die Verzerrungsanteile verteilen sich gleichmäßig und es sind keine direkten Schwachstellen sichtbar. Im Datenblatt werden 120 dB für ein Pärchen der AIW26B angegeben. Der Wert ist ohne Angabe von Verzerrungswerten und vermutlich mit einem Pinknoise bei voller Aussteuerung ermittelt, so dass die Angabe in Relation zu den hier gemessenen 110 dB Peak für einen einzelnen AIW26B realistisch erscheint.

Abb. 11: Maximalpegel der AIW26 gemessen mit 185 ms langen Sinusburst für maximal 3%(bl) und 10%(rt) Verzerrungen. Diese Werte werden nicht erreicht, da bei dieser Art der Messung der Limiter schon frühzeitig eingreift.
Abb. 11: Maximalpegel der AIW26 gemessen mit 185 ms langen Sinusburst für maximal 3%(bl) und 10%(rt) Verzerrungen. Diese Werte werden nicht erreicht, da bei dieser Art der Messung der Limiter schon frühzeitig eingreift.

 

Abb. 12: Maximalpegel der 5041A gemessen mit 185 ms langen Sinusburst für maximal 10% Verzerrungen.
Abb. 12: Maximalpegel der 5041A gemessen mit 185 ms langen Sinusburst für maximal 10% Verzerrungen.

 

Abb. 13: Multitonmessung mit einem EIA426 Spektrum (gr) und einem Crestfaktor von 4 (12 dB). Bei -22 dB Verzerrungsanteil wird ein Mittlungspegel von 98 dB und ein Spitzenpegel von 110 dB erreicht.
Abb. 13: Multitonmessung mit einem EIA426 Spektrum (gr) und einem Crestfaktor von 4 (12 dB). Bei -22 dB Verzerrungsanteil wird ein Mittlungspegel von 98 dB und ein Spitzenpegel von 110 dB erreicht.

Fazit

Nach einer Vielzahl von Messungen und entsprechenden Erläuterungen dazu kommt unweigerlich die Frage auf, wie das jetzt zu bewerten ist und wie man ohne tiefer gehendes Wissen zur Messtechnik die Ergebnisse interpretiert. Die Bestückung und Ausstattung betreffend hat man es bei den Genelecs mit Studiomonitoren zu tun, die sich lediglich in etwas anders geformten Gehäusen befinden. Die hochwertigen Treiber in Kombination mit der Elektronik liefern dann auch genau die von einem Studiomonitor zu erwartende Performance. Der Frequenzgang ist ausgedehnt und gleichmäßig. Die beiden Einbrüche im Verlauf des Frequenzganges sind dem Gitter geschuldet, was auch direkt erklärt, warum Studiomonitore keine Frontabdeckungen haben. Für den Einbau hinter der Leinwand kann man auf die Frontabdeckungen verzichten. In allen anderen Fällen wird das vermutlich nicht gehen.

Klanglich ist die Auswirkung jedoch viel weniger kritisch, als es die Frequenzgangkurve zunächst vermuten lässt. Die AIW26B klingen mit und ohne Gitter wie gute Studiomonitore. Das relativ breite Abstrahlverhalten ist für alle typischen Anwendungen gut passend. Man sollte die Lautsprecher optimal knapp über Kopfhöhe einsetzen und nicht unnötig hoch anbringen, wo sie dann über die Zuhörer wegstrahlen würden. Die gemessenen Maximalpegel von 110 dB Peak und 98 dB Mittlungspegel für ein typisches Musiksignal prädestinieren die Lautsprecher für alle Arten von Beschallung in Restaurants, Bars oder Shops. Soll es etwas lauter werden oder auch für den Einsatz in kleineren Kinos, dann sollte der 5041A Subwoofer ergänzt werden. Klanglich sind die Genelecs in allen Lagen eine sehr gute Wahl, die für eine hochwertige und angenehme Beschallung sorgen.

Die Preise als UVP inkl. MwSt. liegen aktuell bei 2.270 € für die AIW26B mit 2-kanaliger Endstufe und bei 1.879 € für den 5041A Subwoofer mit einkanaliger Endstufe. Das ist ohne Frage eine ganz andere preisliche Dimension im Vergleich zu den sonst üblichen Deckenlautsprechern. Auf der anderen Seite eröffnen sich mit dem Genelec-System aber auch neue klangliche Dimensionen. Ob man dazu bereit ist etwas tiefer in die Tasche zu greifen, ist vermutlich von Fall zu Fall unterschiedlich. Bei der Entscheidung sollte man jedoch nicht vergessen, wie wichtig ein angenehmes akustisches Umfeld für Gäste oder Kunden sein kann.


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