Produkt: Checkliste für Beschallungsanlagen
Checkliste für Beschallungsanlagen
Beschallungsanlage systematisch planen - die Checkliste
PoE-Dante Lautsprecher

Test: Monacor WALL-05DT

Mit dem WALL-05DT stellt Monacor einen kompakten 2-Wege-Lautsprecher mit PoE-Stromversorgung und integrierter Dante-Schnittstelle vor. Basierend auf einer einfachen Netzwerkstruktur können so auch größere Systeme aufgebaut und mit der zugehörigen Software bedient werden, was den WALL-05DT für Restaurants, Ladenlokale, Schulen und vieles mehr prädestiniert. Was man von dem kleinen PoE Lautsprecher sonst noch erwarten kann und wie es um die klanglichen Eigenschaften und die Bedienerfreundlichkeit bestellt ist, soll dieser Testbericht aufzeigen.

(Bild: Dieter Stork)

Inhalt:

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In vielen öffentlichen Gebäuden wie Schulen, Shopping-Malls oder Kongresszentren wird eine Vielzahl von Lautsprechern zur Übertragung von Informationen, Hintergrundmusik, Sound-Masking und vielem mehr benötigt. Bislang wurde dazu meist auf die bewährte 100V-Technik zurückgegriffen, bei der an einer vom Verstärker kommenden Leitung viele Lautsprecher mithilfe von Übertragern bei individuellen Leistungseinstellungen angeschlossen werden können. Dank der hohen Spannung und der erdfreien Übertragung kann die Verkabelung einfach und kostengünstig ausfallen. Möchte man jedoch etwas individueller auf die Lautsprecher zugreifen können und z. B. auch lokale Einspielung ermöglichen, stößt man schnell an Grenzen.

Der zum Lieferumfang gehörige Wandhalter, mit dem sich die nur knappe 2 kg schwere ohne Filter WALL-05DT einfach und flexibel montieren lässt. (Bild: Dieter Stork)

Eine moderne Lösung für den flexiblen Einsatz vieler Lautsprecher sind die sogenannten IP-basierten Lautsprecher. Die Lautsprecher sind dabei als voll aktive Systeme ausgeführt, deren Stromversorgung und Signalzuspielung über eine normale Netzwerkleitung kommen. Die notwendige Infrastruktur dafür ist in vielen Fällen, insbesondere bei neueren Gebäuden, bereits für die IT vorhanden und kann so genutzt werden.

Dahinter stehen zwei Verfahren. Zum einen die Stromversorgung über das Netzwerk (Power over Ethernet = PoE) und die Übertragung des Audiosignals (Audio-over-IP) nach einem definierten Verfahren, wo in diesem Fall der mittlerweile Quasi-Standard Dante von Audinate genutzt wird.

Der in Bremen ansässige Hersteller und Vertrieb Monacor hat diesen Gedanken zügig aufgegriffen und bietet neben diversen anderen „Audio-over-IP“-Produkten schon drei IP-basierte Lautsprechermodelle an. Alle drei sind klassische Installationslautsprecher. Dazu gehören ein Zeilenlautsprecher, ein 2-Wege- Druckkammerlautsprecher (Musikhorn) und die hier vorgestellte 2-Wege-Kompaktbox mit der Typenbezeichnung WALL-05DT. Zusammen mit dem zum Lieferumfang gehörigen Wandhalter kann die nur knappe 2 kg wiegende Box schwenk- und neigbar einfach an einer Wand oder auch an der Decke montiert werden.

Noch ein etwas ungewöhnlicher Anblick: ein Lautsprecher
mit einer PoE-Netzwerkschnittstelle und einem Dante-
Interface
(Bild: Dieter Stork)

Als Anschluss wird nur ein Netzwerkkabel benötigt, vorausgesetzt die Leitung kommt von einem Switch mit PoE-Versorgung. Ist kein PoE vorhanden, dann kann entweder in der Zuleitung ein Po-Injector eingesetzt werden, oder der Lautsprecher wird über ein optional erhältliches 12V/2A-Netzteil versorgt. In diesem Fall steht dann auch noch mehr Leistung der eingebauten Endstufen zur Verfügung.

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PoE und Dante

Auf der Rückseite des WALL-05DT befinden sich zwei Netzwerkbuchsen, die mit InPOE und Link beschriftet sind. Die Link-Buchse kann dazu genutzt werden, das Netzwerk an einen anderen Lautsprecher weiterzuleiten; die PoE-Versorgung wird dabei jedoch nicht weitergereicht. Hier wäre dann für die folgende Box das optionale Netzteil erforderlich, das über eine ebenfalls auf der Rückseite befindliche Buchse für einen Hohlstecker angeschlossen wird.

Die Übertragung des Audiosignals zu den Lautsprechern erfolgt basierend auf dem Dante Protokoll des australischen Herstellers Audinate. In den Lautsprecher ist ein Audinate UltimoX2-Modul verbaut, das neben dem normalen Dante-Standard auch eine Zuspielung gemäß AES67 ermöglicht. Das Signalrouting im Netzwerk erfolgt über die Dante Controller Software von Audinate (ABB. 02).

ABB. 02: Links die Audinate Dante Controller Software, in der den Lautsprechern das gewünschte Signal zugeordnet wird. Rechts die Monacor DSP-Controller-Software (Bild: Anselm Goertz)

In das Dante-Netzwerk können alle Geräte mit Dante-Interface oder auch Rechner mit einer „Dante Virtual Sound Card“ eingebunden werden. Voraussetzung dafür ist lediglich, dass alle Geräte mit der gleichen Abtastrate arbeiten und per Kabel im Netzwerk sind. WLAN-Verbindungen können zwar für den Dante-Controller zur Konfiguration eingesetzt werden, ermöglichen aber keine Übertragung der Audiosignale.

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IP-basierte Lautsprecher

Unter dem Begriff des IP-basierten Lautsprechers vereinen sich drei Funktionen: die Stromversorgung über das Netzwerk mit PoE (Power over Ethernet), die Konfiguration und Überwachung der Lautsprecher über das Netzwerk mithilfe einer zum Lautsprecher gehörigen Software sowie die Zuspielung des Audiosignals über ein Audionetzwerkprotokoll, das in der Regel Dante sein wird oder auch AES67.

Die Stromversorgung über PoE ist im IEEE-Standard 802.3 definiert. Basis des Verfahrens ist eine Art Phantomspeisung, um hier einen Begriff aus der Audiotechnik zu verwenden, wo eine Gleichspannung von maximal 57 V (in der Regel 48 V), durch Übertrager entkoppelt, zusammen mit dem Datenstrom auf den Leitungen übertragen wird. Bei den Verbrauchern unterscheidet man mehrere Klassen mit einer Leistungsaufnahme am Gerät von maximal 12,9 W (PoE Standard) oder 25,5 W (PoE+). Die maximale abzugebende Leistung am Switch beträgt dabei 15,4 W oder 30 W (PoE+). Mit einer 4-Paar-Speisung über alle Adern des Netzwerkkabels sind auch noch höhere Verbraucherleistungen nach Klassen von 40, 51, 62 oder 71 W möglich.

Netzwerkanschlüsse eines PoE+-Switches mit acht Anschlüssen, die je maximal 30 W zur
Verfügung stellen können
(Bild: Anselm Goertz)

Die Einspeisung der PoE-Gleichspannung kann entweder durch einen PoE-Switch (Endspan) erfolgen oder durch einen zwischengeschalteten Injector (Midspan). Um eine Beschädigung nicht PoE-geeigneter Geräte zu vermeiden, prüft die PoE-Quelle zunächst mit einer geringen Spannung, ob sich am anderen Ende der Leitung ein PoE-fähiges Gerät befindet, und wartet dann auf ein Signal, zu welcher Leistungsklasse das Gerät gehört. Da Datenleitungen oft lang sind und nur einen geringen Leiterquerschnitt aufweisen, gilt es mögliche Verluste auf den Leitungen zu beachten.

Möglich wird die PoE-Versorgung von Lautsprechern auch bei höherer Leistung dadurch, dass Musik- und Sprachsignale zwar hohe Signalspitzen enthalten, der Effektivwert und damit die im Mittel aufgenommene Leistung jedoch deutlich geringer ist. Beschrieben wird das Verhältnis der Spitzenwerte zum Effektivwert in einem Signal mit dem Crestfaktor, der bei Sprache und Musik meist bei 4 (12 dB) oder darüber liegt. Würde mit einem solchen Signal z. B. eine Endstufe mit 100 W Nennleistung in den Spitzen voll ausgesteuert, dann würde der Spitzenwert der Leistung kurzzeitig bis zu 200 W betragen, der Mittelwert läge jedoch nur bei 12,5 W. Bei einem geschätzten Wirkungsgrad der Endstufen von 80 % zuzüglich einer Grundlast von 10 W würde das dann noch knapp in die PoE+-Leistungsklasse fallen.

Durch entsprechende Puffer im Netzteil der Lautsprecher kann auch ein kurzzeitig höherer Leistungsbedarf abgefangen werden. Vorsicht ist jedoch bei manchen PoE-Switchen geboten, die schon bei geringer Überlast kurzerhand die PoE-Versorgung auf dem betroffenen Zweig abschalten – hier sollte man sich schon vor einer Installation erkundigen, welche Switche geeignet sind. Die Hersteller der PoEVerbraucher können dazu meist Geräte nennen, mit denen es gute Erfahrungen gibt.

Die Übertragung des Audiosignals zu den IP-basierten Lautsprechern erfolgt in der Regel mit dem Dante-Protokoll. In den Lautsprechern ist dazu meist, wie auch bei dem Monacor WALL-05DT, ein Audinate UltimoX2-Modul verbaut, das neben dem normalen Dante-Standard auch eine Zuspielung gemäß AES67 ermöglicht. Das Signalrouting im Netzwerk erfolgt in bekannter Form über die Dante Controller-Software von Audinate (siehe auch ABB. 02).

In das Dante-Netzwerk können alle Geräte mit Dante Interface eingebunden werden und, wie im untenstehenden Beispiel, auch Rechner mit einer „Dante Virtual Sound Card“. Voraussetzung dafür ist, dass alle Geräte mit der gleichen Abtastrate arbeiten und per Kabel im Netzwerk sind. WLAN-Verbindungen können zwar für den Dante-Controller zur Konfiguration eingesetzt werden, ermöglichen aber keine Übertragung der Audiosignale.

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Software

Die zu den Lautsprechern gehörige Software „Monacor DSP Controller“ ist völlig unabhängig vom Dante-System und dient zur Konfiguration des DSP-Systems in den Lautsprechern. Die Verbindung zum DSP erfolgt ebenfalls per Netzwerk über dasselbe Netzwerkkabel wie das Dante-Interface; intern handelt es sich jedoch um zwei unabhängige Ethernet-Schnittstellen. Das Dante-Netz ist selbstkonfigurierend, und der DSP erwartet in der Werkseinstellung eine IP-Zuweisung von einem DHCP-Server. Die Monacor DSP-Software kennt drei User-Level. Admin, User und Locked können per Passwort aktiviert werden und geben dann entsprechende Funktionen frei.

Im User-Modus können nur einfache Funktionen wie die Auswahl eines Setups, Level, Mute oder Delay eingestellt werden. Im Admin-Modus tritt dann der komplette Funktionsumfang zu Tage. ABB. 02 zeigt auf der rechten Seiten einen Auszug der Funktionen für den DSP Out 2, der hier für den Hochtonkanal genutzt wird.

ABB. 03: Blockschaltbild des DSP-Controllers in den Lautsprechern (Bild: Anselm Goertz)

Welcher Funktionsumfang insgesamt im DSP steckt, zeigt das Blockschaltbild aus ABB. 03. Zwei Eingänge verfügen über ein komplettes Signalprozessing und werden dann aufaddiert. Danach folgen Delay, LowCut und die X-Over-Filter für die beiden Ausgangswege. Dabei lassen sich für jeden Ausgang alle üblichen Typen von Hoch- und Tiefpassfiltern einstellen. Des Weiteren gibt es dann nochmal je zehn vollparametrische EQs, Delay, Gain und Limiter. Einer vollständig Abstimmung für die angeschlossenen Lautsprecher steht somit nichts im Wege.

Als vorgefertigte Einstellungen gibt es auf den WALL-05DT die Setups Basic, Music und Speech. Dank der zwei Zuspielwege über das Dante-Netzwerk besteht auch die Möglichkeit, zwei Signale separat zu behandeln, wo dann z. B. ein Eingang im Dante-Netz auf einen lokalen Eingang vor Ort geroutet ist und einer für den Sammelruf aus der Zentrale genutzt wird.

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Messwerte

Für die Interpretation der Messwerte sind zunächst die Anforderungen grob zu umzureißen. Wir haben es hier mit einer kleinen aktiven Kompaktbox zu tun, die mit einem 5″-Tieftmitteltöner bestückt ist und im PoE-Modus ca. 10W Verstärkerleistung zur Verfügung hat. Die Erwartungen den Maximalpegel betreffend sollten daher nicht zu hoch angesetzt werden. Typischerweise wird ein Lautsprecher wie der WALL-05DT daher auch nicht für Anwendungen mit hohen Pegeln eingesetzt werden, sondern dort, wo Musik und Sprache in guter Qualität bei mittlerer Lautstärke das Ziel ist. Ähnliches gilt für die Basswiedergabe, wo einem 5″-Chassis in einem kleinen Gehäuse natürliche Grenzen gesetzt sind. Abhilfe wäre durch einen zusätzlichen Subwoofer möglich.

ABB. 04: Frequenzgang des Hoch- und Tieftöner in der WALL-05DT ohne Filter (Bild: Anselm Goertz)

Für die erste Messung aus ABB. 04 wurden alle Filter im DSP-System deaktiviert, so dass die Kurven die beiden Wege pur zeigen. Eine Angabe der Sensitivity ist bei dieser Art der Messung zwar ohne Filter, aber über die eingebaute Endstufe mit rein digitaler Zuspielung nicht möglich. Für eine Trennung bei 3 kHz überlappen sich die beiden Wege hinreichend weit. Der Hochtöner erreicht schon bei 2 kHz seinen vollen Pegel und ergänzt den Tiefmitteltöner, der noch bis 4 kHz weitgehend resonanzfrei arbeitet, bestens.

Blickt man ans untere Ende der Frequenzskala, dann ist der Tiefmitteltöner bis maximal 100 Hz hinab nutzbar. Darunter sollte man nicht versuchen, den Frequenzgang noch mithilfe von Filtern zu erweitern. Damit würden Lautsprecher und Verstärker überlastet. Man bedenke: Eine Anhebung des Pegels um 6 dB bedeutet schon eine Vervierfachung der Leistung.

ABB. 05: Frequenzgang der WALL-05DT mit dem Setup Basic. Die Trennung des 2-Wege Systems erfolgt bei 3 kHz. (Bild: Anselm Goertz)

Werksseitig sind auf dem Lautsprecher bereits die Presets Basic, Music und Speech vorhanden, die um weitere User-Presets ergänzt werden können. ABB. 05 zeigt den Frequenzgang der Box insgesamt und den der beiden Wege separat in der Einstellung Basic. Die beiden Wege ergänzen sich in Amplitude und Phase (ABB. 07) korrekt und ergeben im Gesamtergebnis einen sehr schön ausgeglichenen Frequenzgang. Die Setups Music und Speech (ABB. 06) passen den Verlauf ein wenig dem Nutzsignal an: bei Musik etwas mehr Bass, und für Sprache abgesenkten Tiefen und etwas weniger Höhen. Beides passt zur jeweiligen Anwendung.

ABB. 06: Frequenzgang der WALL-05DT mit den Setups Basic(bl), Music(rt) und Speech(gr). In der Einstellung Music reicht der Frequenzgang (-6 dB) von 100 Hz bis 19 kHz mit einem insgesamt sehr gleichmäßigen Verlauf. (Bild: Anselm Goertz)

In der Einstellung Musik drängt sich die Ergänzung durch einen kleinen Subwoofer bei 100 Hz geradezu auf, mit dessen Hilfe man die WALL-05DT dann sogar zu einem vollwertigen Hi-Fi-System ausbauen könnte. Im Portfolio von Monacor finden sich dazu einige aktive oder passive Exemplare für die freie Aufstellung oder auch für den Wand- /Deckeneinbau. Werden diese dann noch durch ein Dante-Interface ergänzt, passt alles bestens ins System.

ABB. 07: Phasengang der WALL-05DT mit dem Setup Basic. Die XOver Funktion wurde mit Linkwitz-Riley-Filter 4.Ordnung realisiert. Am unteren Ende des Übertragungsbereiches kommt noch ein weiteres Hochpassfilter 4.Ordnung zum Schutz des Lautsprechers vor tieffrequenten Signalanteilen zum Einsatz. (Bild: Anselm Goertz)

Ein Blick auf den Phasengang aus ABB. 07 zeigt die üblichen 360° Phasendrehung bei der Trennfrequenz durch die X-Over Filter 4.Ordnung. Zu den tiefen Frequenzen hin erkennt man 180° durch das Hochpassverhalten des Lautsprechers selbst und weitere 360° durch ein Hochpassfilter 4.Ordnung im DSP zum Schutz des kleinen Tieftöners vor zu tiefen Frequenzen, die er ohnehin nicht mehr wiedergeben kann.

ABB. 08: Spektrogramm der WALL-05DT; zwischen 1 und 2 kHz gibt es zwei kleine Gehäuseresonanzen. (Bild: Anselm Goertz)

Erfreulich gut stellt sich auch das Spektrogramm der WALL-05DT aus ABB. 08 dar. Lediglich zwischen 1 und 2 kHz schauen zwei kleine Gehäuseresonanzen hervor. In puncto Frequenzgang und Abstimmung kann man somit zufrieden sein.

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Directivity

Das räumliche Abstrahlverhalten ist auch bei kleinen Lautsprechern ein wichtiger Aspekt. Speziell für die mittleren und hohen Frequenzbereiche lässt sich damit beurteilen, welchen Bereich ein Lautsprecher gleichmäßig zu beschallen in der Lage ist, und im Umkehrschluss, wie viele Lautsprecher für einen Raum benötigt werden. Um das komplette Abstrahlverhalten zu erfassen, werden die sogenannten Balloon-Daten benötigt, die auch als Grundlage für Simulationsdaten genutzt werden. Zur grafischen Darstellung können daraus für die horizontale und vertikale Ebene Polardiagramme oder Isobaren extrahiert werden. Letztere haben sich seit Einführung der PC-Messtechnik etabliert und zeigen eine übersicht liche und umfassende Darstellung des Abstrahlverhaltens.

Das Abstrahlverhalten eines Lautsprechers wird primär durch die Größe der Strahlerflächen, der Membranen, und durch mögliche Schallführungen in Form von Hörnern oder Waveguides bestimmt. Für normale kleine Lautsprecher wie der WALL-05DT gilt in der Regel, dass sie tiefe Frequenzen sehr breit rundum abstrahlen und mit zunehmender Frequenz beginnen zu bündeln. Durch den Einsatz von Mehrwege-Systemen mit Schallführungen am Hochtöner versucht man nun, das Abstrahlverhalten so einzustellen, dass für mittlere und hohe Frequenzen der Öffnungswinkel möglichst konstant bleibt.

ABB. 09: Horizontale Isobaren der WALL-05DT, mit einem mittleren Öffnungswinkel von 120 ab ca. 1 kHz aufwärts (Bild: Anselm Goertz)

Die entsprechenden Messungen mit Isobaren für die horizontale und vertikale Ebene zeigen ABB. 09 und ABB. 10. Als nomineller Abstrahlwinkel wird der Winkel bezeichnet, bei dem der Pegel gegenüber der Mittelachse um 6 dB (Halbierung) abgefallen ist. Für die WALL-05DT beträgt dieser Winkel horizontal und vertikal oberhalb von 1 kHz im Mittel ca. 120° (±60°). Durch den Aufbau des 2-Wege-Systems mit übereinander angeordneten Hoch- und Tieftönern kommt es in der vertikalen Ebene durch winkelabhängige Laufzeitunterschiede im Bereich der Trennfrequenz, wo beide Wege Schall abstrahlen, unweigerlich zu einem etwas unruhigeren Verlauf.

ABB. 10: Vertikale Isobaren der WALL-05DT. Im Bereich der Trennfrequenz bei 3 kHz gibt es die unvermeidlichen Interferenzeffekte. Unabhängig davon beträgt der mittlere Öffnungswinkel in der vertikalen Ebene auch ca. 120 . (Bild: Anselm Goertz)

Soll der Lautsprecher auf große Distanzen einen engen Bereich beschallen, dann ist ein enger Abstrahlwinkel erstrebenswert. Soll auf eine kurze Distanz eine große Fläche abgedeckt werden, dann sind Lautsprecher mit einem breiten Abstrahlverhalten die passende Wahl. Insofern kann ein Abstrahlwinkel allein nicht als gut oder schlecht, sondern nur als passend oder unpassend für eine Anwendung beschrieben werden. Zu bewerten wäre dann noch die Gleichmäßigkeit des Öffnungswinkels über der Frequenz und die Frequenz, ab der der Öffnungswinkel erreicht wird.

Auf die WALL-05DT angewandt bedeutet das, die 120×120 Grad werden relativ gleichmäßig und schon ab 1 kHz aufwärts erreicht, was speziell für eine so kompakte Box ein gutes Ergebnis ist. Für den typischen Einsatz auf kurze Distanzen zum Zuhörer ist das Abstrahlverhalten somit gut geeignet.

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Was geht? Maximalpegel

Für die Messungen des erreichbaren Maximalpegels wurden die beiden üblichen Methoden mit Sinusbursts und mit einem Multiton-Signal angewandt. Die Sinusburst-Messung bestimmt, welcher Pegel in Abhängigkeit von der Frequenz bei einem definierten maximalen Verzerrungswert möglich ist. Gemessen wird jeweils bei einer Frequenz, bei der der Pegel so lange erhöht wird, bis ein vorgegebener Verzerrungsgrenzwert erreicht ist. Die Pegelerhöhung erfolgt in 1-dB-Stufen. Die Frequenzschritte betragen 1/12 Oktave.

ABB. 11: Maximalpegel in 1 m Entfernung im Freifeld bei höchstens 3% Verzerrungen (bl) und höchstens 10% Verzerrungen (rt). Dort, wo beide Kurven zusammenfallen, wird der Verzerrungsgrenzwert nicht erreicht, bevor ein Limiter einsetzt. (Bild: Anselm Goertz)

ABB. 11 zeigt das Ergebnis für die WALL-05DT mit der roten Kurve gemessen von 70 Hz bis 10 kHz für maximal 10 % Verzerrungen und mit der blauen Kurve für maximal 3 % Verzerrungen. Anhand dieser Messung würden sich mögliche Schwächen in bestimmten Frequenzbereichen gut erkennen lassen, die es hier jedoch nicht gibt. Die Kurven verlaufen gleichmäßig ohne Schwachstellen und werden primär durch den internen Limiter begrenzt. Die 10 %-Kurve separiert sich auch nur kurz von der 3 %-Kurve, da höhere Verzerrungswerte als 3 %, wenn überhaupt, nur unterhalb von 200 Hz auftreten. Insgesamt sind die erreichten Pegelwerte vergleichsweise gering, wobei jedoch zu bedenken ist, dass es sich hier um einen kleinen 5″ Lautsprecher mit nur 10 W Verstärkerleistung handelt. Dafür ist das Ergebnis dann wieder als gut zu bewerten.

Für die Praxis noch etwas aussagekräftiger ist die Multitonmessung, bei der ein Testsignal verwendet wird, dessen Spektrum dem eines mittleren Musiksignals entspricht. Der Crestfaktor (Verhältnis Spitzenwert zu Effektivwert) des Testsignals kommt mit 12 dB ebenfalls einem nicht zu stark komprimierten Musiksignal recht nahe. Zusammengesetzt wird der Multiton aus 60 Sinussignalen mit zufäl liger Phase und einem Frequenzabstand von 1/6 Oktave. Die Auswertung gestaltet sich mit einem FFT-Messsystem einfach, indem man alle nicht zum Anregungssignal gehörigen Anteile und somit die Verzerrungen in Relation zum Gesamtsignal setzt. Erfasst werden dabei sowohl harmonische Verzerrungen (THD) als auch Intermodulationsverzerrungen (IMD). Beides zusammen bezeichnet man auch als Total Distortions (TD). Der Verzerrungsgrenzwert wurde bei dieser Art der Messung zu 10 % definiert.

ABB. 12: Multitonmessung mit einem EIA-426B Signalspektrum (gr). Das Testsignal hat einen Crestfaktor von 4 (12 dB). Damit wird ein Mittelungspegel Leq von 90 dB und ein Spitzenpegel Lpk von 103 dB erreicht. (Bild: Anselm Goertz)

ABB. 12 zeigt dazu jeweils in 1/6- Oktavbändern das Signalspektrum (grün), das wiedergegebene Gesamtsignal (rot) und dessen Verzerrungsanteile (blau). Bei 10 % Gesamtverzerrungen erreicht die WALL-05DT mit dieser Messmethode einen Mittelungspegel Leq von 90 dB und einen Spitzenpegel Lpk von 103 dB, beides jeweils bezogen auf 1 m Entfernung im Freifeld unter Vollraumbedingungen. Beide Messreihen zum Maximalpegel wurden mit einem Standard PoE+-Switch als Stromversorgung durchgeführt.

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Der Hörtest

Für den Hörtest wurde ein einfacher Aufbau mit einem Pärchen WALL-05DT in Ohrhöhe bei 2–3 m Abstand gewählt. Die Stromversorgung erfolgte über den PoE+-Switch. Die Signalzuspielung kam via Dante aus einem Yamaha-Pult mit Dante-Interface. Abstrahiert man den fehlenden Tiefgang unterhalb von 100 Hz, dann liefert die kleine WALL-05DT ein ordentliches neutrales Klangbild in guter Hi-Fi-Qualität. Die erzielbare Lautstärke dürfte für die meisten Anwendungen in Schulen, Konferenzräumen oder Restaurants auch völlig ausreichend sein.

Die WALL-05DT an der ELF Maschine im reflexionsarmen Raum für die Messung der Isobaren. Wie man nur unschwer erkennt, ist die Maschine mit der WALL-05DT noch nicht ausgelastet. (Bild: Anselm Goertz)

Mit mehreren WALL-05DT, unterstützt durch einen Subwoofer, würde sich dann sogar ein wenig Party machen lassen. Etwas unschön machte sich bei manchen Musikstücken das zum Volumen des Tieftöners hin nicht abgedichtete Anschlussfeld auf der Rückseite bemerkbar. Hier waren bei gehobener Lautstärke und viel Tieftonanteil im Signal deutlich unschöne Strömungs geräusche hörbar. Mit einer kleinen, luftdichten Abdeckung der Netzwerkbuchsen im Inneren des Gehäuses wäre dieses Problem schon behoben.

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Fazit

IP-basierte Lautsprecher liegen im Trend und werden sich in Zukunft in der Gebäudetechnik vermutlich immer weiter verbreiten. Die Vorzüge liegen auf der Hand. Die Stromversorgung und das Audiosignal kommen über nur eine Netzwerkleitung zum Lautsprecher. Dank der digitalen Übertragung im Dante-Format ist die Signalqualität über jeden Zweifel erhaben. Hinzu kommen der Komfort und die Flexibilität des Signalroutings im Dante-Netz, das so von keinem analogen System erreicht wird. Monacor hat die Zeichen der Zeit erkannt und bietet schon die ersten Modelle IP-basierter Lautsprecher für typische ELA-Anwendungen an.

Das Pärchen Monacor WALL-05DT in soliden Kunststoffgehäusen; die Bestückung besteht aus einem 5″-Tieftöner und einem 1/2″-Hochtöner. (Bild: Dieter Stork)

Das zum Test gestellte Modell der WALL-05DT ist ein kompakter 2-Wege-Lautsprecher für einfache Beschallungsaufgaben, wo es primär auf gute Qualität und nicht so sehr auf hohe Pegel ankommt. In dem soliden Kunststoffgehäuse sind neben den beiden Treibern die komplette Elektronik mit zwei kleinen Endstufen und ein schon recht komplexes DSP-System integriert.

Die WALL-05DT liefert Hi-Fi-Qualität mit kleinen Abstrichen. Die Messergebnisse fallen durchgängig gut aus. Der Spitzenschalldruck von 102 dB Peak ist für einen Lautsprecher dieser Größe ebenfalls gut. Im Hörtest lieferte die WALL-05DT mit einer neutralen und angenehmen Wiedergabe ein ordentliches Ergebnis ab, das nur durch den fehlenden Tieftonanteil und durch die Strömungsgeräusche an den Netzwerkbuchsen etwas getrübt wurde.

Der Listenpreis inklusive Montagebügel beträgt 489,–€inkl. MwSt. Im Handel ist die WALL-05DT für einen Straßenpreis von ca. 300,– € erhältlich.

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